
Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.
Am »Fasnet Mändig« zieht eine Narrengruppe über den Oberen Rathausplatz. Die Teilnehmer*innen haben sich in einer stark stereotypisierten Form als »Araber« verkleidet: mit langen Gewändern, einem Fes sowie weißen Kopftüchern mit schwarzen Halteringen. Solche Kostümierungen gehören zum Repertoire der Fasnacht und greifen auf exotisierende Bilder zurück, die mit der tatsächlichen Vielfalt der arabischen Welt wenig zu tun haben.
Der eigentliche Hingucker ist ohnehin das riesige Kamel, das mitten durch die Zuschauermenge stapft. Hoch über den Köpfen der Schaulustigen ragt sein Hals empor, auf dem Rücken sitzt ein verkleideter Reiter. Erst der Blick nach unten verrät die Konstruktion: Unter dem Körper des Tieres stecken zwei Menschen, deren Beine und Schuhe unter der Verkleidung hervorschauen. Das überlebensgroße Tier dürfte aus einem leichten Gestell mit Pappmaché oder einem ähnlichen Material gebaut worden sein.
Streng genommen handelt es sich nicht einmal um ein Kamel aus der arabischen Welt, sondern um ein Trampeltier mit zwei Höckern. Dessen ursprünglicher Lebensraum liegt weit östlich – etwa in Teilen Zentralasiens, der Mongolei und Nordwestchinas. Zur närrischen Vorstellung von »Arabien« passt es zoologisch also nur bedingt. In der Fasnacht zählt allerdings weniger die geografische Genauigkeit als der wirkungsvolle Auftritt.
Im Hintergrund ist das Haus Vogt (Rathausplatz 13) mit seinem Ladengeschäft zu sehen. Die großen Schaufenster werden von historistisch-klassizistisch anmutenden Säulen gerahmt, über dem Eingang ist der Name »W. Vogt« für Wilhelm Vogt in Stein gemeißelt. Zur Unteren Hauptstraße hin wirbt eine Tafel für »Batavia«-Zigarren.
Standort des Fotografen: 47.884187, 8.345213