Personengruppe vor dem Haus Durst in der Ringstraße, 1956

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Auf den ersten Blick wirkt es wie ein gewöhnliches Familienfoto vor dem Haus Durst (Ringstr. 1). Doch die schwarze Kleidung der beiden Frauen erzählt von zwei Todesfällen in der Familie. Ganz rechts steht Frieda Durst (geb. Egle, 1929-1982). Sie ist erst seit wenigen Monaten Witwe: Ihr aus Rötenbach stammender Ehemann, der Betriebsschlosser Peter Josef Durst (1926-1956), ist am 3. März 1956 im Alter von nur 30 Jahren gestorben. Frieda Durst bleibt mit ihren beiden kleinen Söhnen zurück: Alfons ist vier Jahre alt, Michael erst ein Jahr.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Michael Durst (1955-2025), 4 Alfons (»Mobby«) Durst (geb. 1952), 5 Lina Egle (geb. Mäder, 1887-1966), 6 Frieda Durst (geb. Egle, 1929-1982)

Neben Frieda Durst steht ihre Mutter Lina Egle (geb. Mäder, 1887-1966). Auch sie trägt Schwarz und ist verwitwet. Ihr Ehemann, der aus Bräunlingen stammende Müller Gustav Egle (1880-1954), ist am 13. März 1954 im Alter von 73 Jahren gestorben.

Das große Fenster hinter der Personengruppe gehört nicht zur Wohnung, sondern ist ein Schaufenster. Im Erdgeschoss betreibt Frieda Durst eine kleine »Handlung« mit Textilwaren, Aussteuer und Wallfahrtsartikeln. Nach dem frühen Tod ihres Mannes muss die zweifache Mutter für den Lebensunterhalt ihrer Familie sorgen. Auch ihre Mutter trägt zum Einkommen bei: Lina Egle unterhält an der Wallfahrtskirche Witterschneekreuz einen Verkaufsstand.

So erzählt das Foto weit mehr als nur von einer Familie, die sich zu einem Gruppenfoto versammelt. Hinter der alltäglichen Szene vor dem Haus stehen zwei Generationen verwitweter Frauen, die ihren Lebensunterhalt selbst sichern müssen.

Standort des Fotografen: 47.884631, 8.344527

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