Stadtmusik, 1884

Stadtarchiv

Streng blickt die Stadtmusik in die Kamera. Die Musiker haben sich ordentlich auf drei Reihen aufgeteilt und präsentieren ihre Instrumente. Vorne sitzen die älteren Mitglieder, dahinter stehen die Bläser mit ihren mächtigen Tuben und Hörnern. In der Mitte ragt der reich verzierte Schellenbaum empor, geschmückt mit Quasten und Metallaufsätzen. Gestiftet wurde er um 1870 von Löffinger Handwerkern.

Die Aufnahme entsteht 1884 – zu einer Zeit also, als es die »Stadtmusik Löffingen« im heutigen Sinne noch gar nicht gibt. Streng genommen zeigt das Foto nicht die Stadtmusik, sondern die Feuerwehrkapelle. Die eigentliche Stadtmusik wird erst am 7. Februar 1920 als eigenständiger Verein gegründet.

Die Wurzeln der Löffinger Musikkapelle reichen jedoch weit zurück. Schon 1608 werden in einem Dokument der Fürstenbergischen Herrschaft Trommler und Pfeifer erwähnt, die dem Aufgebot der Löffinger nach Landsknechtsart voranzogen. 1748 ist bei einer Parade in Donaueschingen erstmals ein Löffinger Musikkorps urkundlich erwähnt. Es bestand aus Musikanten zu Pferd und zu Fuß. Der 6. Juni 1748 gilt deshalb als frühester sicherer Nachweis einer Musikkapelle in Löffingen.

Im Vormärz gründete Bürgermeister Lorenz Ketterer 1829 das Bürgermilitärcorps mit eigener Musikkapelle neu. Weil die Musiker zunächst keine Uniformen besaßen, verweigerten sie sogar die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession. Daraufhin ließ die Stadt kurzerhand 24 blaue Röcke anfertigen. Bereits ein Jahr später erhielten die Musiker Tschakos, weiße Fangschnüre und weitere Uniformteile nach dem Vorbild des Hüfinger Bürgermilitärs. 1849 endete mit der badischen Revolution auch die Geschichte des Bürgermilitärs und der Musikkapelle. Die Musik lebte jedoch weiter: 1863 gründete sich die freiwillige Feuerwehr, deren Kapelle die Tradition fortführte. Genau diese Feuerwehrkapelle ist auf dem Foto zu sehen.

Die Fotografie zeigt eindrucksvoll den Stolz und das Selbstverständnis der Musiker. Fast alle tragen dunkle Anzüge, manche halten ihre Instrumente beinahe wie Trophäen. Zwischen den erwachsenen Männern stehen auch ein paar Jungen – ein früher musikalischer Nachwuchs.

1.Reihe, sitzend, v.l.n.r.: 1 ??? Götz, 2 Josef Sibold, 3 Karl Kuster, 4 Mathias Sibold, 5 Rupert Wehrle, 6 Jakob Fehrenbach, 7 Karl Selb, 8 Johann Beha
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Josef Heizmann, 2 Peter Beha, 3 Karl Zahn, 4 ??? Schaller, 5 Johann Beha, 6 Rupert Hepting, 7 Heinrich Ganter, 8 Justus Benz, 9 Georg Drescher
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 Josef Guth, 2 Adolf Limb, 3 Wilhelm Schultheiß, 4 Robert Bausch, 5 Josef Schwörer, 6 Josef Göhry, 7 Josef Selb, 8 Josef Bader

Standort des Fotografen: ???

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