Joseph Brugger mit Frau und Sohn, Juli 1918

Fotograf: Leo Molitor, Neustadt | Dieses Foto stellte dankenswerterweise Michael Jakubaszek zur Verfügung.

Für das Erinnerungsfoto hat sich die junge Familie im Fotoatelier Molitor in Neustadt eingefunden. Joseph Brugger (1883-1970) steht in der Uniform eines Soldaten des Ersten Weltkriegs neben seiner Ehefrau Elsi Brugger (geb. Malet, 1887-1980). Auf ihrem Schoß sitzt der erst wenige Monate alte Sohn Ewald Joseph Brugger (1918-2011), der am 17. Februar 1918 in Zürich geboren wurde. An Joseph Bruggers Uniform ist eine Ordensspange befestigt.

Die Aufnahme entsteht während eines Heimaturlaubs. Auf der Rückseite ist handschriftlich vermerkt: »Zum Andenken an unseren Urlaub vom 15. Juli bis 1. August 1918«. Offenbar nutzt die Familie diese Wochen auch für einen Aufenthalt bei der Verwandtschaft in Löffingen. Während Joseph Brugger noch Soldat ist und der Krieg weiter andauert, bietet der Urlaub für kurze Zeit Gelegenheit, als Familie zusammen zu sein. Das Atelierfoto hält diesen Moment bewusst fest.

Nur wenige Monate später endet der Erste Weltkrieg. Für die Familie Brugger beginnt einige Jahre danach ein neuer Lebensabschnitt: 1925 wandert sie in die Vereinigten Staaten aus. Das Foto aus Neustadt bleibt damit zugleich eine Erinnerung an die Jahre, bevor die Familie Europa verlässt.

Standort des Fotografen: Neustadt

Robert Rosenstiel als junger Mann, 1918

Fotograf: Leo Molitor, Neustadt
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Elisabeth Rosenstiel zur Verfügung.

Der junge Mann, der mit verschränkten Armen vor der Brust dasteht und forsch in die Kamera blickt, ist der Landwirt Robert Rosenstiel. Er wurde am 22. April 1900 geboren und heiratete ca. 1925 Cäcilie Winterhalder (1901-?). Gemeinsam übernahmen sie ihr Elternhaus im »Schlempental« (Obere Hauptstr. 45). 1930 brennt es bis auf die Grundmauern nieder und Robert und Cäcilie Rosenstiel bauen es wieder auf.

Standort des Fotografen: Neustadt

Blick von der »Hasle« in Richtung Städtchen, 1918

Verlag A. Rebholz, Löffingen | Stadtarchiv

Auf dem Weg durch die »Hasle« nach Seppenhofen blickt der Fotograf zurück in Richtung Städtchen. Zwischen den dunklen Nadelbäumen öffnet sich der Blick auf Löffingen, das friedlich in der Landschaft liegt. Kaum vorstellbar, dass in den zurückliegenden vier Jahren der Erste Weltkrieg tobte und rund 17 Millionen Menschen ihr Leben verloren. Auch 43 Einwohner aus Löffingen fielen auf den Schlachtfeldern, starben in Lazaretten oder erlagen zu Hause ihren Kriegsverletzungen. Sie hinterließen Witwen und Halbwaisen.

Die mächtigen Baumstämme im Vordergrund rahmen den Blick beinahe wie ein Fenster ein. Deutlich heraus ragt die katholische Pfarrkirche St. Michael, die das Ortsbild noch klar dominiert. Das Rathaustürmchen und auch die Wallfahrtskirche Witterschneekreuz am Horizont sind hingegen erst auf den zweiten Blick zu entdecken. Insgesamt wirkt das Städtchen noch klein, umgeben von Wiesen, Feldern und einzelnen Höfen.

Im Vordergrund verläuft der Bahndamm der 1901 eröffneten Bahnlinie – ein sichtbares Zeichen des technischen Fortschritts, weshalb vermutlich auch diese Perspektive gewählt wurde. Die Bahntrasse schneidet durch die offene Landschaft und verbindet das abgelegene Baarstädtchen mit der weiteren Welt.

In der Seppenhofer Straße stehen erst wenige Häuser. Das Haus Schreiber (Seppenhofer Str. 19) beispielsweise wird erst nach dem Großbrand von 1921 erbaut und fehlt deshalb noch auf dieser Aufnahme. Rechts neben der katholischen Pfarrkirche sind die Rückseiten der Häuser in der Kirchstraße zu erkennen, die beim Großbrand 1929 eingeäschert werden. Auch der alte Farrenstall, der bei den Fliegerangriffen im Zweiten Weltkrieg zerstört wird, ist bereits zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.877944, 8.350162