Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.
Der Hochzeitszug zieht über den Oberen Rathausplatz durch das Städtchen. Maria Benitz (1911-?) und Eduard Wiedemann (1904-?) haben sich soeben in der katholischen Pfarrkirche St. Michael das Ja-Wort gegeben. Die Braut trägt ein helles Kleid mit langem Schleier, den zwei Mädchen hinter ihr tragen. Einige Reihen vor ihr geht der Bräutigam. In den Zug eingereiht haben sich zahlreiche Verwandte und Hochzeitsgäste. Gemeinsam ist die Festgesellschaft auf dem Weg zum Gasthaus, wo weitergefeiert wird.
Eine Hochzeit bleibt im Städtchen nicht unbeobachtet. Am Straßenrand haben sich zahlreiche Schaulustige eingefunden, um das Brautpaar und die Festgesellschaft vorbeiziehen zu sehen. Auch Kinder begleiten aufgeregt den Zug. Für sie bietet eine Hochzeit noch eine besondere Gelegenheit: Sie spannen dem Brautpaar Schnüre über den Weg und verlangen ein kleines »Wegegeld«, bevor der Hochzeitszug weiterziehen darf.
Das Foto hält nebenbei auch ein interessantes Detail am Rathaus fest. Über dem Eingang zur Volksbank ist ein Fries mit Symbolen verschiedener Handwerksberufe angebracht. Zu erkennen sind unter anderem Amboss und Hammer für den Schmied, eine Schere für den Schneider, eine Brezel für den Bäcker, ein Stiefel für den Schuhmacher, ein Wagenrad für den Wagner sowie Hobel und Hammer für den Schreiner. Lange bleibt dieser Fassadenschmuck offenbar nicht bestehen. Auf Aufnahmen aus der Mitte der 1930er-Jahre fehlen die Handwerkssymbole noch, auf Fotos von 1957 sind sie bereits wieder verschwunden und durch Wappen ersetzt. Das Hochzeitsfoto dokumentiert damit ganz nebenbei einen nur für wenige Jahre bestehenden Zustand des Rathauses.
Standort des Fotografen: 47.884074, 8.345084
