Blick vom Kirchturm in Richtung Rötenbacher Straße, 1961

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Der Bahnübergang an der Rötenbacher Straße ist geschlossen. Ein Zug fährt gerade in Richtung Bahnhof ein. Gezogen wird er von einer Dampflok, vermutlich der Baureihe 50 vom BW Villingen. Sofort staut sich der Verkehr beiderseits des beschrankten Bahnübergangs, schließlich dient die Straße noch als Bundesstraße. Der Durchgangsverkehr aus der Richtung Freiburg und aus Donaueschingen muss durch das Städtchen fahren.

Noch stehen wenige Häuser jenseits der Bahnlinie, wie dieser Blick vom Kirchturm der katholischen Pfarrkirche zeigt. Neben dem Schrankenwärterhaus (Rötenbacher Str. 1) und dem Haus von Anton und Hedwig Selb (Rötenbacher Str. 3) sind auf der anderen Straßenseite das Haus von Ratschreiber Karl Zepf (Rötenbacher Str. 2) und – daran angebaut – ein Haus mit Dienstwohnungen der Deutschen Bundesbahn (Rötenbacher Str. 4) zu sehen. Darin wohnen Bahnhofvorsteher Willi Brendel und seine Ehefrau Johanna Brendel geb. Prause mit ihren drei Kindern Barbara, Wilfriel und Christel. Auf der anderen Straßenseite steht das Haus von Schreinermeister August Limb (Rötenbacher Str. 6).  Das Neubaugebiet in der »Breiten« ist noch nicht erschlossen. Felder und Wiesen schließen sich an.

Standort des Fotografen: 47.882626, 8.344064

Vor der Haustür vom Haus Limb in der Rötenbacher Straße, 1939

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Daniela Scherzinger zur Verfügung.

Die Hausnummer »72« hängt über dem Türsturz. In der geöffneten Haustür steht eine junge Frau. Es ist Emma Limb (1913-2015), die später den Postfacharbeiter Karl Binder heiratet. Sie steht vor ihrem Elternhaus. Ihr Vater, der Schreinermeister August Limb (1884-1976), und ihre Mutter, Anna Limb geb. Gebert (1890-1960), hatten das Haus in der Rötenbacher Straße nach dem Großbrand 1921 gebaut. Ihr altes Wohnhaus am Alenberg war bei dem Brand am 28. Juli 1921 zerstört worden. Anna Limb schaut aus dem Fenster im oberen Stock heraus, um ebenfalls mit auf dem Foto zu sein.

Standort des Fotografen: 47.882176, 8.341626

Blick von der »Breiten« auf das Städtchen, ca. 1923-1929

Verlag A. Rebholz | Stadtarchiv | Sammlung Familie Waßmer | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Hermann Egle sowie Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Im Bereich der heutigen Hebelstraße steht der Fotograf, um diese Gesamtansicht des Städtchens aufzunehmen. Noch ist das Gewann »Breiten« vollkommen unbebaut. Der Blick geht über Wiesen und Felder zur Rötenbacher Straße, wo er auf die ersten Häuser trifft: Die Villa Benz (Rötenbacher Str. 12), das Haus von Landwirt Josef Benz II (Rötenbacher Str. 10), das Forstamt (Rötenbacher Str. 8) und schließlich das Haus von Schreinermeister August Limb (Rötenbacher Str. 5).

Dahinter beginnt die Dächerlandschaft des Städtchens. Oben auf dem Alenberg sind die Häuser deutlich zu erkennen. Das Foto entstand zweifelsohne nach dem Großbrand 1921 und dem Wiederaufbau: Das Haus Benitz, aber auch die anderen Häuser bis hinauf zum Haus Kuster und zum Haus Jonner, sind allesamt neu gebaut. Die Aufnahme lässt sich aber zeitlich auch dahingehend eingrenzen, dass sie vor 1929 entstanden sein muss. Denn neben der katholischen Pfarrkirche St. Michael ist in der damaligen Hafnergasse der Giebel des Hauses von Sattlermeister Ernst Geisinger (Kirchstr. 21) auszumachen. Das Gebäude brannte aber zusammen mit den Nachbarhäusern beim Brand am 20. April 1929 ab.

Standort des Fotografen: 47.881611, 8.339160

Bombenkrater unterhalb der Bahnhofstraße, Februar 1945

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Lotte und Walter Ratzer zur Verfügung.

Ein trüber Wintertag im Februar 1945. Unterhalb der Bahnhofstraße klafft ein Bombenkrater, gefüllt mit bräunlichem Wasser. Das Erdreich ist aufgerissen. Holzlatten, Bretter und Bruchstücke liegen kreuz und quer – Spuren der Druckwelle, die hier eingeschlagen hat.

Im Vordergrund wirkt das Wasser beinahe still, doch die Szenerie erzählt von Gewalt. Die kleine steinerne Durchlassöffnung im Bahndamm scheint unversehrt, während ringsum Erde und Mauerwerk beschädigt sind. Risse ziehen sich durch das Gestein. Der Hang darüber ist kahl, Zäune sind verschoben oder eingestürzt.

Jenseits der Bahnlinie erkennt man im Hintergrund das Haus Limb (Rötenbacher Str. 6). Es steht scheinbar ungerührt da – ein alltägliches Wohnhaus inmitten einer Landschaft, die vom Krieg gezeichnet ist.

Standort des Fotografen: 47.883185, 8.342695