Gasthaus »Pilgerhof« in der Maienlandstraße, ca. 1970-1974

Schwarzwald-Verlag Offenburg | Sammlung Familie Waßmer

So zeigt sich das Gasthaus »Pilgerhof« (Maienlandstr. 24) Anfang der 1970er Jahre: Über der Eingangstür prangen die Worte »Café« und »Gasthof«. Blumenkübel rahmen den Eingang, daneben lädt eine Bank zum Verweilen ein. In den Fenstern des Erdgeschosses blühen Geranien, die rote Ziegelfront des weit ausgebauten Dachs prägt den Anblick. Die langen Dachgauben nehmen fast die gesamte Fläche ein. Rechts, an der Hausecke, hängt ein Kaugummiautomat – heißbegehrt bei den Kindern, die hier ihr Taschengeld investieren. Vor dem Seiteneingang liegt entspannt ein Hund in der Sonne.

Das Foto ziert die Vorderseite einer Ansichtskarte, die 1974 von einer Urlauberin nach Bad Honnef geschickt wird. Ein Kreuzchen bei einem Fenster im ersten Obergeschoss verrät, in welchem Zimmer der Pension sie wohnt. Im selben Stockwerk befindet sich auch der große Saal, in dem regelmäßig Feste gefeiert werden.

Ein Blick auf die Karte zeigt auch: Der Verlag greift zum Retuschierstift. Das Nachbarhaus Rosenstiel (Maienlandstr. 26), das direkt an den »Pilgerhof« anschließt, ist kurzerhand verschwunden – an seiner Stelle strahlt blauer Himmel. So wirkt die Postkarte heller und freundlicher.

Standort des Fotografen: 47.886864, 8.341605

Häuser Schelling und Lauffer in der Kirchstraße, März 2006

Sammlung Familie Waßmer

Im März 2006 zeigt sich die Kirchstraße noch mit vertrautem Bild: Im Haus Lauffer (Kirchstr. 13) wird Brot gebacken und verkauft, so wie es hier seit Generationen Tradition hat. Zunächst führte Bäckermeister Robert Isele die Backstube, später übernahm Jakob Zahn (1909-2002). 1972 ging das Haus mitsamt der Bäckerei an den Sohn Hermann Zahn (geb. 1937), der mit seiner Ehefrau Elisabeth Zahn (geb. Hirt, 1937-2019) große Umbauten wagte: Die Fassade erhielt eine moderne Prägung mit einer breiten Fensterfront, die neugierige Blicke in den Verkaufsraum zuließ. Nebenan lockte ein kleines Café die Gäste zum Verweilen.

Als dieses Foto aufgenommen wird, wird die Bäckerei von Willi Lauffer und Theresia Lauffer gemeinsam mit ihrem Sohn betrieben. Der Duft von frischem Brot und Brötchen zieht noch durch die Straße. Doch mit dem Tod des Ehepaars Lauffer 2006 und 2009 endet die Geschichte des Bäckerhandwerks an dieser Stelle. Jahre später, 2015, geht das Haus in den Besitz von Elke Bürer und Bertram Bürer über, die es grundlegend sanieren und darin eine Physiotherapiepraxis eröffnen – die Bäckereitradition ist damit Geschichte.

Links im Bild ist das Haus Schelling (Kirchstr. 11) zu sehen. Durch den kleinen Torbogen führt der 1981 geschaffene Durchgang in die Bittengasse, der seitdem »Postbögle« genannt wird – auch wenn die Post nicht mehr dort ansässig ist. Der Name hat über die Jahrzehnte überlebt, genauso wie die Erinnerung an den früheren Ökonomiebereich des Hauses Schelling, der sich einst an dieser Stelle befand.

Standort des Fotografen: 47.883411, 8.345027

Haus Adrion in der Alenbergstraße, 1955

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Fritz Adrion zur Verfügung.

Nach dem Großbrand von 1921 erwarb der Gipsermeister Fritz Adrion (1897-1971) im Jahr 1923 ein Grundstück in der Alenbergstraße. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Rosa Adrion (geb. Berger, 1898-1973) ließ er dort ein einstöckiges Wohnhaus errichten, an das sich Werkstatt und Scheune anschlossen.

Das Foto zeigt das Anwesen 1955. Neben dem Eingang ist ein kleiner Vorgarten angelegt. An der Fassade ist Tannenreisig befestigt – ein Hinweis darauf, dass die Aufnahme wohl an Fronleichnam entsteht.

Standort des Fotografen: 47.886463, 8.343046

Haus Beha in der Alenbergstraße, 2000

Sammlung Familie Waßmer

Die gesamte Häuserzeile in der Alenbergstraße trägt die Handschrift der Wiederaufbaukommission nach dem Großbrand von 1921. Einheitlich in Proportion und Gestaltung entstanden, bilden die Häuser bis heute ein geschlossenes Straßenbild.

Das Haus Beha (Alenbergstr. 10), das Hermann Beha und Hildegard Beha gehört, zeigt noch diesen ursprünglichen Zustand. Links liegt der Ökonomiebereich mit den großen Scheunentoren und Stalltür, rechts der Wohnbereich mit Haustür nebeneinander. Fensterläden gliedern die schlichte Fassade und geben ihr den typischen Charakter der 1920er Jahre. Lediglich die Dachgaube verrät eine spätere Veränderung – ein stiller Hinweis darauf, dass auch in diesen Häusern der Wandel nicht aufzuhalten ist. Doch noch immer lässt sich am Haus Beha die klare Sprache des Wiederaufbaus ablesen.

Standort des Fotografen: 47.885552, 8.343944