Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Hedwig Selb zur Verfügung.
Das Bild mit den beiden Kühen und dem Kälbchen am Brunnen ist gestellt. Üblicherweise werden die Tiere dorthin zur Tränke getrieben. Der junge Mann aber trägt Anzug, Krawatte, ein weißes Hemd und gewienerte Schuhe. Wer weiß, wie der junge Mann heißt?
Im Hintergrund ist das Haus von Flaschnermeister Ferdinand Willmann (Demetriusstr. 13), das 1923 erbaute Mailänder Tor und das Haus von Wilhelm Werne (Demetriusstr. 11) zu sehen.
Verlag A. Rebholz, Löffingen | Stadtarchiv | Sammlung Familie Waßmer
Nach dem Wiederaufbau des Städtchens infolge des Großbrandes von 1921 hat der Untere Rathausplatz für viele Jahre dieses Aussehen. Der Platz um das Kriegerdenkmal 1870/71 im Vordergrund erfährt im Laufe der Jahrzehnte allerdings verschiedene Umgestaltungen. Ursprünglich ist er mit Koniferen bepflanzt und das Denkmal von einem schmiedeeisernen Gitter umrahmt, das im Zweiten Weltkrieg demontiert und für Zwecke der Rüstungsindustrie eingeschmolzen wird.
Diese Ansicht datiert aus den 1930er Jahren, da am Mailänder Tor bereits die Gedenktafeln mit den Namen der Kriegsgefallenen des Ersten Weltkrieges angebracht sind. Beim Demetriusbrunnen auf dem Platz handelt es sich noch um den alten Brunnen, der bei einem Fliegerangriff 1945 zerstört wird.
Stolz präsentieren sich die beiden, mit Orden und Abzeichen dekorierten ehemaligen Kriegsteilnehmer des deutschen Einigungskrieges. Rechts sitzt der Seifensieder Anton Benz (1848-1936). Auf seiner linken Brust ist eine Ordensspange zu sehen, an der u.a. die »Kriegsdenkmünze für die Feldzüge 1870-71« befestigt ist. Auf seiner rechten Brust ist ein Erinnerungskreuz und ein Mitgliedsabzeichen des Badischen Militärvereins-Bundes zu sehen.
Anton Benz wurde 1848 in Seppenhofen als Sohn von Michael und Agathe Benz geboren. Er ist Seifensieder und Landwirt von Beruf. Nach dem Krieg 1870/71 heiratete er 1874 Rosalia geb. Heizmann, mit der er 12 Kinder bekam. Die Familie wohnte in der Kirchstraße. Am 3. Januar 1936 stirbt Anton Benz im Alter von 87 Jahren als letzter Veteran.
Wer kennt den Namen des Veteranen, der links sitzt? Könnte es Robert Bausch (1849-1934) sein?
Dieses Foto stellten dankenswerterweise Hilde Adrion und Franz Scholz zur Verfügung.
Dicht gedrängt füllt eine große Menschenmenge den Platz vor dem Mailänder Tor. Männer in dunklen Anzügen und Hüten, Frauen in langen Mänteln, Kinder zwischen den Erwachsenen – kaum ein freier Fleck ist zu erkennen. Über dem Torbogen wölben sich Reisiggirlanden und Kränze, die Häuser im Städtchen sind beflaggt. Es ist der 15. Juni 1930: Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wird hier das Gefallenendenkmal eingeweiht. In der Menschenmenge stehen auch viele Menschen, die um ihre gefallenen Ehemänner und Väter, Söhne und Brüder trauern.
Unter dem festlich geschmückten Torbogen hat sich der katholische Stadtpfarrer Guido Andris mit einer Schar Ministranten aufgestellt. Fahnenabordnungen flankieren die Szene. Die schwarz-rot-goldenen Fahnen, die links und rechts des Torbogens flattern, verweisen auf die Weimarer Republik – das Kaiserreich ist Vergangenheit, doch die Erinnerung an den Krieg ist noch allgegenwärtig.
Zum Denkmal gehören die beiden Gedenktafeln für die Gefallenen, die nun feierlich enthüllt werden, ebenso wie die Madonna mit dem Jesuskind über dem Torbogen und das kleine Glöckchen in der Turmspitze. Entworfen wurde die Anlage von dem Freiburger Architekten Carl Anton Meckel (1875-1938), der auch den Wiederaufbau des Städtchens nach dem Großbrand 1921 verantwortete. Ausgeführt wurde das Gefallenendenkmal vom Villinger Bildhauer Robert Neukum (1892-1971).
Dass die Denkmalsweihe am selben Tag wie die Verbandstagung des Feldberg-Kriegergaues in der Festhalle stattfindet, verleiht der Feier zusätzliches Gewicht. Zahlreiche Kriegervereine sind mit ihren Fahnen erschienen, sogar Offiziere und Mannschaften der Reichswehr nehmen teil. Ihre Uniformen und die dichten Reihen der Fahnen prägen das Bild ebenso wie die kirchliche Zeremonie.
Nach dem Großbrand 1921 und dem erfolgten Wiederaufbau präsentierte sich der untere Rathausplatz für viele Jahre wie auf diesem Foto. Beherrscht wurde das Gebäudeensemble vom mächtigen Rathausbau. Davor befand sich das Kriegerdenkmal zum Gedenken an die Kriegsteilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71, das von einem schmiedeeisernen Gitter eingefasst war. In der Mitte des Platzes stand bis 1945 der alte Demetriusbrunnen.
Links ist das nach dem Großbrand mit einem markanten Staffelgiebel aufgebaute Haus des Bäckermeisters Ernst Ritter (1884-1962) und seiner Ehefrau Amalie Ritter (geb. Kienzler, 1886-1961) zu sehen. »Bäckerei E. Ritter Kaffee« ist über dem Eingang zu lesen. Die Treppe wird von zwei kleinen Bäumchen links und rechts eingerahmt. Daneben parkt ein Auto an der Einmündung zur Demetriusstraße.
Vor dem Großbrand war es an dieser Stelle in der damaligen Hintergasse extrem eng. Dadurch, dass beim Wiederaufbau die Brandplätze leicht verlagert wurden, ist die Straße breiter geworden. Alle wiederaufgebauten Häuser in diesem Straßenzug sind mit Staffelgiebel versehen.