2 Fotos: Stolperstein-Verlegung für NS-Opfer Kilian Götz in der Vorstadtstraße, 2. Juli 2019

Sammlung Familie Waßmer

In der Vorstadtstraße wird am 2. Juli 2019 von Künstler Gunter Demnig (geb. 1947) im Rahmen seines europaweiten Kunstprojekts ein »Stolperstein« verlegt, ein kleines Gedenkzeichen, das an die Schicksale der Menschen erinnert, die vom nationalsozialistischen Regime verfolgt und ermordet wurden. »Stolpersteine« liegen meist vor den letzten selbstgewählten Wohnorten der Opfer und mahnen im öffentlichen Raum zur Erinnerung. In diesem Fall liegt der Stein nicht vor dem letzten Wohnort, sondern vor dem Geburtshaus, in dem Kilian Götz (1897-1942) am 2. Juli 1897 geboren wurde. Besonders an diesem »Stolperstein« ist außerdem, dass er einem Opfer gewidmet ist, das eine kleinkriminelle Vergangenheit hatte – ein Mensch, der trotz seiner Taten, die auch in einem Rechtsstaat geahndet würden, als NS-Opfer anzuerkennen ist.

Die Initiative für die Verlegung des Gedenkzeichens ging von Historiker Jörg Waßmer aus, der aus Löffingen stammt. Er hat die Lebensgeschichte von Kilian Götz wissenschaftlich aufgearbeitet und das Projekt der Öffentlichkeit in einem Vortrag vorgestellt. Die Zuhörer*innen hatten Geld gespendet und die Verlegung des Steins damit möglich gemacht. Auch der Gemeinderat hatte der Verlegung zugestimmt.

Kilian Götz wurde am 2. Juli 1897 in Löffingen als Sohn der ledigen Dienstmagd Sophie Götz geboren. Er wuchs bei seinen Großeltern in der Vorstadtstraße auf. Im Alter von 14 Jahren begann er eine Lehre als Metzger. Während des Ersten Weltkriegs war er als Soldat eingesetzt und kehrte schwer verwundet in seine Heimat zurück. In den 1920er Jahren lebte er zeitweise in Freiburg, später im Allgäu. 1923 heiratete er Rosa Mägerle aus Memmingen. Ein Jahr später wurde ihre Tochter geboren. Doch das Familienglück war nicht von Dauer und es kam zur Scheidung. Kilian Götz führte danach eine Beziehung mit Theresia Regelmann, mit der er eine weitere Tochter bekam. Doch auch diese Verbindung zerbrach.

Mehrfach wurde Kilian Götz wegen kleinerer Delikte verurteilt. Insgesamt kam es zu 23 Verurteilungen, meist wegen kleiner Diebstähle oder Betrügereien. Er verbüßte seine Strafen in Gefängnissen, Zuchthäusern und Arbeitshäusern. Kaum in Freiheit wurde er wieder rückfällig. Am 27. Februar 1942 wurde er als »gefährlicher Gewohnheitsverbrecher« mit Sicherheitsverwahrung verurteilt und zunächst in das Straflager Börgermoor gebracht. Wenig später überstellte man ihn als »asoziales Element« in das Konzentrationslager Neuengamme, wo er als Zwangsarbeiter zur »Vernichtung durch Arbeit« eingesetzt wurde. Am 6. Januar 1942 wurde Kilian Götz im KZ registriert und bekam die Nummer 13.369. Neun Tage später war der 45-Jährige tot. Die offizielle Todesursache lautete »Versagen von Herz und Kreislauf bei Nierenentzündung«. Ein blutverschmiertes Hemd war das einzige, was von ihm im Nachlass zurückblieb.

Der »Stolperstein« für Kilian Götz erinnert heute an seine Lebensgeschichte und mahnt, dass auch Menschen aus gesellschaftlichen Randgruppen Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden.

oberes Foto
V.l.n.r.: 1 Jörg Waßmer, 2 Gunter Demnig

Standort des Fotografen: 47.884674, 8.346558

2 Fotos: Maria Häusle mit drei Enkeln in der Vorstadtstraße, ca. 1955

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Ursula Moch-Weiss zur Verfügung.

Vor dem Haus Weiss in der Vorstadtstraße hat es sich Maria Häusle (geb. Schultheiß, 1883-1966) auf einer Sitzbank bequem gemacht. Sie wurde am 12. Juli 1883 als Tochter von Maurer Wilhelm Schultheiß und dessen Ehefrau Katharina (geb. Sibold) geboren. Verheiratet ist sie mit dem Steinmetzmeister Karl Häusle (1878-1956). Viele Jahrzehnte war Maria Häusle als Hebamme tätig. Die drei Kinder, die neben ihr auf der Bank in der Sonne sitzen, hat sie aber nicht mit auf die Welt bringen helfen. Gleichwohl hat sie eine ganz besondere Verbindung zu ihnen, denn es sind ihre drei Enkelkinder: Ursula Weiss (geb. 1951), Doris Kuster (geb. 1952) und Hans-Peter Kuster (geb. 1951).

Maria Häusle stirbt am 28. März 1966 im Alter von 82 Jahren. Zwei Tage später wird sie auf dem Friedhof beerdigt, der nur wenige Meter von ihrem Wohnhaus entfernt ist.

Standort des Fotografen: 47.884667, 8.346556

Haus Weiss in der Vorstadtstraße, ca. 1959

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Ursula Moch-Weiss zur Verfügung.

Das Anfang der 1820er Jahre erbaute Haus in der Vorstadtstraße war ursprünglich einstöckig. Erst später kam der zweistöckige Anbau hinzu. 1918 kauft es der Steinmetzmeister Karl Häusle (1878-1956). Gemeinsam mit seiner Ehefrau Maria geb. Schultheiß (1883-1966), die Hebamme ist, und den drei Töchtern lebt er in dem kleinen Häuschen. Nach seinem Tod 1956 übernehmen die Tochter Else Weiss geb. Häusle (1911-?) und ihr Ehemann Josef Weiss (1913-?) das Haus. Auch die Steinmetzwerkstatt wird in zweiter Generation fortgeführt. An das Haus baut das Ehepaar Weiss eine Autogarage an.

Das an die Garage grenzende Nachbarhaus (Vorstadtstr. 10) gehört dem Landwirt Johann Beha (1907-1991) und dessen Ehefrau Katharina Beha geb. Vogelbacher (1908-1979).

Standort des Fotografen: 47.884683, 8.346410

Haus Weiss in der Vorstadtstraße, ca. 1959

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Ursula Mock-Weiss zur Verfügung.

Noch liegen Schneereste in der Vorstadtstraße. Aber im Garten von Familie Weiss, der am Sonnenhang liegt, ist er schon fast ganz weggetaut. Das Foto wird von dem kleinen Fußweg aus aufgenommen, der zum Friedhof hinaufführt. Das Haus gehört dem Steinmetzmeister Josef Weiss und seiner Ehefrau Else Weiss geb. Häusle, deren Elternhaus es ist.

Am rechten Bildrand ist die Rückseite des Gasthauses »Gebert« (Obere Hauptstr. 9) zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.884766, 8.346340

Narrenumzug mit Clowngruppe, Fasnacht 1971

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

An den geparkten Autos im Hintergrund lässt sich gleich auf den ersten Blick erkennen, dass dieses Foto in den früheren 1970er Jahren aufgenommen sein muss. Gleich drei VW Käfer stehen auf dem Parkplatz zwischen der Stadtapotheke (Obere Hauptstr. 7) und dem Gasthaus »Gebert« (Obere Hauptstr. 9). Deutlich sind einige Nummernschilder zu erkennen, die noch nicht mit »FR« für »Freiburg«, sondern noch mit »NEU« für »Neustadt« beginnen. Bis zur Kreisreform am 1. Januar 1973 waren diese KFZ-Kennzeichen mit der Abkürzung des Landkreises Hochschwarzwald gültig.

Im Vordergrund ziehen Clowns mit zwei Leiterwagen durch das Bild. Sie haben sich in den Narrenumzug eingereiht. Die aufgespannten Regenschirme schützen gegen das Sauwetter und verhindern, dass die Schminke verläuft. Im Hintergrund sind zwei Häuser der Vorstadtstraße zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.884466, 8.346173

Hochzeitsgesellschaft Kuster / Häusle in der Vorstadtstraße, 1950

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Ursula Moch-Weiss zur Verfügung.

Die jüngere Tochter von Karl und Maria Häusle heiratet: Maria Häusle (1921-2006) und der Kaufmann Hans Kuster (1918-1967) geben sich das Ja-Wort. Gemeinsam betreiben sie nach der Hochzeit die Kolonialwarenhandlung in der Kirchstraße, die schon um die Jahrhundertwende von den Eltern des Bräutigams gegründet wurde. Für das Familienfoto versammelt sich das Brautpaar mit der Hochzeitsgesellschaft vor dem Elternhaus der Braut in der Vorstadtstraße.

1.Reihe: 1 Karl Beha (Nr. 1), 2 ???, 3 Rudolf van den Heuvel, 4 ???, 5 ???, 6 Maria Kuster (geb. Häusle), 7 Hans Kuster, 8 ???, 9 ???, 10 ???, Maria Häusle (geb. Schultheiß, 1883-1966), 12 Karl Häusle (1878-1956), 13 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 14 Franz Hilpert, 15 Lina Hilpert (geb. Kuster), 16 ???, 17 Elisabeth van den Heuvel (verh. Laule), 18 ???, 19 [evtl. Hans Herrmann], 20 Franziska Fritsche (verh. Heiler 1925-2021)
3.Reihe, v.l.n.r.: 21 ???, 22 Else Weiss (geb. Häusle), 23 Käthe van den Heuvel (geb. Beha, 1917-1972)
4.Reihe, v.l.n.r.: 24 Anna Hasenfratz (geb. Beha), 25 ???
5.Reihe, v.l.n.r.: 26 Josef Weiss, 27 Josef Beha

Standort des Fotografen: 47.884662, 8.346547

Zwei Mädchen, ca. 1920

Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Ursula Moch-Weiss zur Verfügung.

Zwei Freundinnen lassen sich fotografieren. Beide haben lange geflochtene Zöpfe, beide tragen Röcke, wie es damals üblich ist. Sie drücken gemeinsam die Schulbank, aber gehen auch sonst durch dick und dünn: Mathilde Keller (verh. Kranzer) und Else Häusle (verh. Weiss, 1911-?).

Else Häusle ist die Tochter des Steinmetzmeisters Karl Häusle und der Hebamme Maria Häusle geb. Schultheiß. Sie wächst in der Vorstadtstraße auf. Die Eltern von Mathilde Keller sind der Taglöhner Josef Keller und dessen Ehefrau Rosalie Keller geb. Schmid.

Standort des Fotografen: ???

Haus Häusle in der Vorstadtstraße, ca. 1930-1940

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Ursula Moch-Weiss zur Verfügung.

Der Steinmetzmeister Karl Häusle (1878-1956) kaufte das kleine Haus in der Vorstadtstraße 1918. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Maria geb. Schultheiß (1883-1966), die Hebamme ist, und den drei Töchtern Hilde (später verh. Leppert), Else (1911-?, später verh. Weiss) und Maria (1921-2006, später verh. Kuster), lebt er in dem Häuschen, das damals die Hausnummer 223 trägt.

Idyllisch mutet das am Berg gelegene Haus mit dem Obstspalier und dem weiß gestrichenen Holzzaun an. Oben am geöffneten Fenster sitzt eine der Töchter und blickt hintunter zum Fotografen. Nach Karl Häusles Tod 1956 übernehmen seine Tochter Else und ihr Mann Josef Weiss (1913-?) das Anwesen. Wie schon sein Schwiegervater ist auch Josef Weiss Steinmetzmeister.

Der Misthaufen im Vordergrund gehörte zum Nachbargrundstück. Heute befindet sich an seiner Stelle eine Parkbucht für Autos.

Standort des Fotografen: 47.884662, 8.346404

Maria Häusle mit ihren Töchtern, ca. 1925

Fotograf Georg Jung, Neustadt
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Maria Kuster zur Verfügung.

Maria Häusle geb. Schultheiß (1883-1966) ist Hebamme von Beruf. 1883 geboren, ist sie mit dem Steinmetzmeister Karl Häusle verheiratet. Sie wohnen in der Vorstadtstraße. Auf dieser Familienfotografie ist sie als junge Frau und Mutter zusammen mit ihren zwei Töchtern Else (geb. 1911, verh. Weiss) und Maria (1921-2006, verh. Kuster) zu sehen. Sie stirbt 1966 im Alter von 82 Jahren.

Das Foto wird im Fotoatelier von Georg Jung in Neustadt (Salzstr. 89) aufgenommen.

Standort des Fotogafen: Neustadt