Nach dem Großbrand 1921 bekommt die Stadtgemeinde Löffingen diese alte Bleistiftzeichnung zum Kauf angeboten, die sich bis heute in ihrem Besitz befindet. Zu sehen ist die Rückseite des alten Mailänder Tores, das 1580 erbaut, beim Großbrand beschädigt und im Zuge des Wiederaufbaus der Demetriusstraße abgerissen und 1923 durch einen größeren Neubau ersetzt wurde. Die Ansicht findet in den 1920er und 30er als Ansichtskarte Verbreitung.
Auf der Zeichnung von 1848 ist im Vordergrund der offene Stettbach zu sehen, der vom Maienland kommend durch das Städtchen fließt. Kleine Stegen und Brücken führen zu den angrenzenden Häusern, z. B. im heutigen Weberweg. Zwei Menschen in Tracht und eine Kuh stehen auf der Straße. Krumm und schief sind die Dächer der Häuser. Die Gebäude zur Linken werden allesamt 1921 vernichtet. Durch den engen Torbogen fällt der Blick auf den unteren Rathausplatz, auf dem noch nicht der Demetriusbrunnen, sondern ein einfacher Laufbrunnen steht.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Anita Stephani zur Verfügung.
Es ist der 13. September 1936, ein Sonntag. Die Sonne steht warm über der Kirchstraße, und am alten Steinbrunnen sammeln sich die Kühe. Sie senken ihre Köpfe zum Wasser, während ein junger Mann danebensteht und das Treiben beobachtet. Für die Menschen im Städtchen ist das ein alltägliches Bild – und doch lohnt es sich, an diesem Tag den Fotoapparat hervorzuholen.
Der Brunnen dient seit vielen Jahren als Viehtränke. Immer wieder werden die Tiere aus den nahen Ställen hierhergetrieben, um ihren Durst zu stillen. Asphalt gibt es noch keinen, die Straße ist unbefestigt, nur rund um den Brunnen liegt ein Pflaster aus groben Steinen.
Fast alle Familien in der Kirchstraße betreiben eine Landwirtschaft, viele neben ihrem eigentlichen Beruf. Auf dem Foto sind links die Anwesen von Josef Heiler II (Kirchstr. 8), von Schmiedemeister Hermann Brunner (Kirchstr. 6), von Landwirt Theodor Hasenfratz (Kirchstr, 4) und Franz Zepf (Kirchstr. 2) zu erkennen. Rechts bewirtschaften Landwirt Johann Laufer (Kirchstr. 17), Kaufmann Theodor Walz (Kirchstr. 15), Bäckermeister Jakob Zahn (Kirchstr. 13) und Wagnermeister Adolf Schelling (Kirchstr. 11) ihre Landwirtschaft. Vieh, Werkstatt und Laden gehören hier selbstverständlich zusammen.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.
Zu diesem Gruppenfoto versammelt sich die Familie von Architekt und Landwirt Johann Preuß vor ihrem Haus in der heutigen Eggertenstraße. Sogar die Kühe und Ochsen holen sie aus dem Stall und präsentieren sie stolz dem Fotografen. Preuß hatte 1909 nach Löffingen eingeheiratet. Seine Frau Agathe geb. Sibold hatte das Anwesen von ihren Eltern übertragen bekommen.
Das Haus brennt im Januar 1971 ab. Die Brandruine wird abgetragen und das Haus nicht wiederaufgebaut.
Verlag A. Rebholz, Löffingen | Dieses Foto stellte dankenswerterweise Theo Walz zur Verfügung.
Kurz vor dem Ersten Weltkrieg entsteht diese Aufnahme des unteren Rathausplatzes. Sie ist die älteste überlieferte Fotografie dieses Straßenzuges und zeigt die Gebäude, bevor in den folgenden Jahren starke bauliche Veränderungen stattfinden. Die Häuser werden umgebaut, abgerissen oder brennen ab, der Platz und die Straßenfläche werden gepflastert und geteert.
Das alte Mailänder Tor (Demetriusstr. 12) stammt aus dem Jahre 1580. Streng genommen ist es ein Wohnhaus mit Tordurchfahrt. In dem Haus wohnen die Geschwister Brugger: Der Landwirt Ernst Brugger (1884-1917), der im Ersten Weltkrieg in der Schlacht bei Arras 1917 fällt, und der Pflästerer Wilhelm Brugger (1887-1955) sowie die zwei Schwestern Mathilde Brugger und Johanna Brugger. Der Bruder Joseph Brugger (1883-1970) hatte als einziger geheiratet und ist 1925 in die USA ausgewandert. Nach dem Großbrand 1921 wird das Mailänder Tor abgerissen und durch ein größeres Torgebäude ersetzt.
Das Nebengebäude (Demetriusstr. 13) gehört Flaschnermeister Ferdinand Willmann (1849-1928). Es verfügt über ein kleines Schaufenster und eine Dachgaube mit Lastenaufzug. Das Gebäude brennt viele Jahre später 1970 ab. An seiner Stelle entsteht daraufhin ein Neubau der Bezirkssparkasse Neustadt.
Das Haus Egle (Demetriusstr. 14) ist noch ein landwirtschaftliches Gebäude, dessen großes Scheunentor ins Auge sticht. Der Zugang zu der kleinen Wohnung befindet sich seitlich. 1918 baut der Korbmacher August Egle (1886-1946) das Gebäude zu einem Ladengeschäft um, in dem seine Frau Klara geb. Wintermantel (1889-1964) Damenmode verkauft.
Die Fassade des Gebäudes auf der linken Seite (Demetriusstr. 15) ist bis heute weitgehend unverändert geblieben. Bis 1913 betreibt darin der Kaufmann Heinrich Walz (?-1960) ein Geschäft, auf das er mit großer Werbereklame hinweist.
Der Anlass für die Aufnahme dieses Bildes ist vermutlich der neue Brunnen in der Mitte des Platzes: Der 1912 geschaffene, schmuckvolle Demetriusbrunnen ersetzt einen einfachen Laufbrunnen. Auch er dient vor allem als Viehtränke, avanciert aber im Laufe der Zeit auch zu einem beliebten Fotomotiv. Er wird 1945 durch einen Bombentreffer zerstört und 1954 durch einen neuen Brunnen ersetzt.
Neben der Kuh, die am Brunnen trinkt, ist eine Gaslaterne zu erkennen. Die Elektrifizierung erfolgt in Löffingen erst einige Jahre später während des Ersten Weltkrieges.