Von der Vorstadtstraße aus fällt der Blick auf das Haus Waibel (Obere Hauptstr. 3) und das kleine »Eichhäusle« (Obere Hauptstr. 1). Davor steht ein alter Laufbrunnen, der früher die Häuser in der Vorstadt mit Wasser versorgte. Um den Brunnen herum ist die Straße seit jeher gepflastert, damit der Boden vom Wasser nicht aufweicht und matschig wird, insbesondere wenn Vieh am Brunnen getränkt wird.
Von der Ringstraße aus fällt der Blick auf die Rückseite vom Haus (Demetriusstr. 7) des Schuhmachermeisters Gerhard Scholz (1925-1998) und seiner Ehefrau Anneliese Scholz (geb. Wehrle, 1924-2011). Scholz ist neben seiner beruflichen Tätigkeit als Meßmer in der katholischen Pfarrgemeinde aktiv. Da ist es für ihn eine Ehrensache, dass er alljährlich zu Palmsonntag einen »Palmen« macht. Auf dem Foto ragt er neben der Tordurchfahrt bei der Molkerei (Demetriusstr. 6) in die Höhe.
Von der Metzgerei Butsch aus fällt der Blick auf den Seitengiebel des Gasthauses »zum Adler« (Untere Hauptstr. 2). Jahrzehntelang wurde es vom Metzgermeister Fritz Seilnacht (1901-?) und seiner Ehefrau Mathilde Seilnacht geb. Faller (1904-?) betrieben. Doch die Zeiten sind vorbei. Die Seilnachts sind im Ruhestand. Zwar hängt das schmiedeeiserne Wirtshausschild noch wie eh und je, doch es ist unklar, wie und ob es mit dem Gastbetrieb weitergeht. Zur Zeit nutzt das Brillenunternehmen Axel S. Räumlichkeiten im »Adler«.
Bis 1970 hatte die Bezirkssparkasse Neustadt ihre Filiale im Erdgeschoss, aber mitterweile ist sie in moderne Räumlichkeiten in dem schräg gegenüberliegenden Neubau neben dem Mailänder Tor gezogen. Am rechten Bildrand ist die Scheune von Gottlieb Mayer (Demetriusstr. 17) zu erkennen, die im Frühjahr 1980 abgerissen wird. Am linken Bildrand sind die Häuser der Unteren Hauptstraße zu erkennen, darunter die Metzgerei Bank (Untere Hauptstr. 3).
Jahrzehntelang diente das kleine Häuschen (Obere Hauptstr. 1) am »Scharfen Eck« als Eichanstalt der Stadtgemeinde. Seit den 1930er Jahren ist es im Besitz der Familie Jordan: Küfermeister Karl Jordan (1908-1996) lagert darin Getränke ein. An der Fassade erinnert eine Darstellung des heiligen Christophorus, des Schutzpatrons der Reisenden, an die vielen Marktbesucher und Wallfahrer, die das Baarstädtchen in der Vergangenheit besuchten.
Im Hintergrund links sind die Häuser der Vorstadtstraße zu erkennen. Rechts steht das Haus Waibel (Obere Hauptstr. 3), das das kleine Eichhäusle deutlich überragt.
Schmiedemeister Leonhard Vergut (1902-?) hatte in seinem Haus (Alenbergstr. 1) seit 1932 eine Schmiedewerkstatt betrieben. Er bot Hufschlag sowie Wagen- und Anhängerbau an. Nachdem er in den Ruhestand gegangen war, eröffnete Dieter Frei in der früheren Schmiede eine Tankstelle, die verkehrstechnisch günstig an der Bundesstraße lag, die noch mitten durch das Städtchen führte. Als Dieter Frei die Tankstelle schließlich aufgab und in Seppenhofen seine eigene Autowerkstatt eröffnete, übernahm sie 1973 der KFZ-Mechaniker Peter Sibold (geb. 1946), der von der Öle stammte. Geschlossen wurde die Shell-Tankstelle 1985.
An die ursprüngliche Tradition des Hauses als Schmiede erinnert das Wandgemälde am Seitengiebel: In der Mitte sind wichtige Werkzeuge des Schmiedes dargestellt, der Amboß, der Hammer und die Zange sowie ein gefertigtes Hufeisen. Drei Jahreszahlen und drei Initialen früherer Hausbesitzer ergänzen das Wandgemälde: »1547« für das Erbauungsjahr, »K.R.« für den Schmied Konrad Reichhardt, »1908« für das Jahr, als das Gebäude nach dem Brand vom Vorjahr wieder aufgebaut wurde, »J.R.« für den Schmiedemeister Josef Reichhardt, »L.V.« für Schmiedemeister Leonhard Vergut und »1932« für das Jahr, als Vergut das Gebäude erwarb.
Kaum verändert hat sich die Fassade des Hauses Keller in den zurückliegenden Jahrzehnten, nur die Schleppgaube im Dachgeschoss kam im Verlauf der 1960er oder 70er Jahre hinzu. Das Haus, eingeklemmt zwischen dem Gasthaus »Ganterbräu« (Obere Hauptstr. 4) und dem Haus Vogt (Rathausplatz 13), gehörte viele Jahre der ledigen Taglöhnerin Mathilde Reichhart (1878-1959). Nach ihrem Tod ging es dann an ihre Nichte Elisabeth Keller geb. Reichhart (1915-2004) und ihren Mann Oskar Keller (1903-1978).
Neben dem Haus steht rechts auf dem Gehweg ein Aufsteller, der Werbung für die gegenüberliegende »Shell«-Tankstelle macht. Weihnachtsdekoration mit elektrischen Lichtern ist quer über die Straße gespannt.
Aus der Eggertenstraße fällt der Blick auf das gegenüberliegende Doppelhaus. Gut zu erkennen ist, dass die beiden Gebäudenhälften bis zur Jahrhundertwende zusammengehörten.
In der rechten Gebäudehälfte befindet sich seit eh und je das Gasthaus »zum Adler«. Die Bezirkssparkasse, die bis Anfang der 1970er Jahre die Räumlichkeiten im Erdgeschoss genutzt hat, ist mitterweile ausgezogen. Stattdessen hat hier nun das Brillenunternehmen Axel S. seinen Sitz, wie das Schild neben der Tür zeigt. Im Schaufenster rechts ist Werbung der »Löffinger Wohnbau GmbH« ausgestellt.
Die linke Gebäudehälfte gehört der Familie Geisinger. Nach dem Tod von Friseurmeister Julius Limb (1886-1968) führt sein Schwiegersohn Hermann Geisinger (1926-1989) den Salon weiter. »Parfümerie FRISEURSALON Drogen« steht über der Glasfront.
Der Laufbrunnen steht wie eh und je in der Vorstadtstraße, aber moderne Zeiten haben Einzug gehalten und hinterlassen ihre Spuren in dem Straßenzug. Sie verändern allmählich Stück für Stück das Aussehen der Gebäude. Ein Paradebeispiel ist das Haus Roth (Vorstadtstr. 4), dessen baulicher Zustand hier in einer Art Zwischenphase dokumentiert ist. Unübersehbar sind die modernen Umbauten, zu erahnen ist aber auch noch die ursprüngliche Bausubstanz.
Noch 1921 wurde das Gebäude in den Feuerversicherungsbüchern als zweistöckiges Wohnhaus mit Scheuer und Stallung geführt. Kurze Zeit später wurde das Haus aufgestockt und ein drittes, holzverschindeltes Stockwerk kam hinzu, wodurch die einstige Dachschräge stark abgeflacht wurde. Eigentümer ab 1921 waren der – aus Dittishausen stammende – Landwirt und Zimmermann Leopold Roth (1892-1968) und dessen Ehefrau Apollina geb. Bieler (1894-1949), die in dem Haus bereits ihre Kindheit und Jugend verlebt hatte, denn es war ihr Elternhaus. Nach ihrem Tod heiratete Leopold Roth 1950 in zweiter Ehe Elisabeth geb. Kaltenbrunner (1925-?), mit der er die Kinder Leopold, Elisabeth und Johannes bekam.
Als Leopold Roth 1968 starb, ging das Haus an seine Erben. Sie modernisierten das Gebäude. Der einstige Ökonomiebereich mit Scheuer und Stallung wurde beseitigt und zum Wohnbereich ausgebaut. Das Scheunentor verschwand. An seiner Stelle wurde eine Garage und moderne Fenster eingebaut, was an den Spuren im Verputz noch deutlich zu erkennen ist.
Wenige Jahre vor seinem Abbruch entsteht diese Aufnahme vom Haus Willmann in der Vorstadtstraße. Das Foto wird von der Denkmalschutzbehörde aufgenommen, um den baulichen Zustand von alten Gebäuden im Städtchen zu dokumentieren. Das zweistöckige Wohnhaus mit Scheuer und Stallung, das für mehrere Generationen der Familie Willmann gehörte, ist ein solches altehrwürdiges Gebäude.
Josef Willmann wurde 1852 in Löffingen geboren. Sein Elternhaus stand in der Vorstadtstraße, allerdings in der unmittelbaren Nachbarschaft (Vorstadtstr. 5) Der Landwirt heiratete 1879 die ein Jahr jüngere Amalia geb. Jehle, die aus Staufen bei Bonndorf stammte. Sie bekamen vier Kinder. Josef Willmann starb 1936 im Alter von 83 Jahren. Seine Witwe starb 1939 86-jährig. Nach ihrem Tod ging das Gebäude an die beiden unverheirateten Töchter Emma Willmann (1883-1966) und Maria Willmann (1889-1969). Nach dem Tod der beiden Schwestern wechselte der Besitzer zweimal: 1970 wurde der Landwirt Willi Mayer neuer Eigentümer. 1978 kaufte dann das Ehepaar Dr. Johannes und Gisela Kunze das renovierungsbedürftige Anwesen. Sie ließen es im selben Jahr abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Einzig die vergläserte Silhouette des einstigen Scheunentores erinnert bis heute an das frühere landwirtschaftliche Anwesen.
Von der Alenbergstraße aus fällt der Blick frontal auf das »Ganterbräu« (Obere Hauptstr. 4). Das Gasthaus, das auch über Gästezimmer verfügt, wird seit den 1960er Jahren von Franziska Heiler geb. Fritsche betrieben. An der Fassade ist das von Gipsermeister Erich Adrion geschaffene Wandgemälde zu sehen.
Auf dieser seltenen Ansicht ist die Rückseite der Häuser Welte (Kirchstr. 3) und Vogt (Rathausplatz 13) in der Bittengasse zu sehen. Vom Haus Vogt, in dem sich seit Jahrzehnten ein Zigarren-Geschäft befindet, sind zahlreiche Fotos überliefert. Diese zeigen aber immer die repräsentative Vorderansicht am Rathausplatz mit dem Ladeneingang und dem Schaufenster. Das angrenzende Haus Welte, das zu den mittelalterlichen Gebäuden zählt, die die Stadtmauer bildeten, wird hingegen kaum fotografiert. Es fristet, versteckt hinter dem Gasthaus »Ochsen«, ein Schattendasein. Erst durch Überlegungen, das Haus abzureißen und an seiner Stelle das »Kultur- und Fremdenverkehrszentrum« (KFZ) zu errichten, rückt es ins öffentliche Bewusstsein.
Die Stadtgemeinde verhandelt seit 1977 über einen Kauf des Hauses Welte. 1982 erwirbt sie es schließlich. Die Bausubstanz ist zu diesem Zeitpunkt bereits so schlecht, dass eine Sanierung teuer würde. Nachdem der Denkmalschutz Neubauplänen zugestimmt hat, erfolgt 1987 der Abbruch des alten Gemäuers.
Seit Jahrzehnten befindet sich im Haus Nickel (Rathausplatz 4) eine Metzgerei. Schon vor dem Großbrand 1921 betrieb Metzgermeister Johann Riegger hier sein Geschäft. 1938 kaufte dann der Metzgermeister Max Rohrer (1901-1954) das Anwesen. Und ab den 1970er Jahren führen die Tochter Edeltraud Nickel geb. Rohrer und ihr Mann Bernhard Nickel (1921-1999) die Metzgerei weiter.
Zur Demetriusstraße hin errichten sie einen modernen Anbau, der als Kühlraum und als Garage dient. Darüberhinaus wird der Flachbau als Terrasse genutzt. Das kleine Törchen für Fußgänger, das eine direkte Verbindung von der Demetriusstraße zum Rathausplatz ermöglicht, geht neben dem Anbau fast unter.
Im November 2009 wird das Haus bei einem Brand stark beschädigt. Bis 2013 steht ein Kran in der Demetriusstraße, der aber nur anzeigt, dass eigentlich dringende Renovierungsarbeiten durchgeführt werden müssten.