Narrengruppe im Schaufenster vom »Zigarren-Vogt«, Fasnacht 2005

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Susanne Obergfell und Gaby Vogt zur Verfügung.

Wie lebende Schaufensterpuppen stehen sie reglos hinter der Glasscheibe: Am »Fasnet Mändig« hat sich diese Narrengruppe als antike Römerinnen und Römer verkleidet. Sie ziehen nicht mit dem Narrenumzug durch die Straßen und mischen sich auch nicht unter das närrische Volk. Stattdessen haben sie im Schaufenster des »Zigarren-Vogt« am Rathausplatz Aufstellung genommen.

Rund drei Stunden hinweg verharren sie in ihren Posen, mit Lorbeerkränzen, Togen, Trinkgefäßen und Speeren ausgestattet. Anfangs nimmt kaum jemand Notiz von den lebenden Statuen. Doch nach und nach spricht sich der ungewöhnliche Auftritt herum. Immer mehr Passant*innen bleiben stehen und es bilden sich kleine Trauben vor dem Schaufenster. Die Römer*innen haben mitten im Fasnachtstreiben eine ganz eigene Bühne gefunden.

1.Reihe, sitzend: 1 Klaus Kinast
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Monika Frei, 2 Genoveva Kinast (geb. Adrion), 3 Luzia Bader, 4 Rudolf Gwinner, 6 Günter Schelb, 7 Gaby Vogt, 8 Renate Schelb, 9 Elfriede Schmid

Standort des Fotografen: 47.884114, 8.345322

Narrengruppe in der Maienlandstraße, Fasnacht 1977

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Vor dem Haus Egle (Maienlandstr. 8) hat sich eine bunte Narrengruppe in Reih und Glied aufgestellt. Die als Soldaten verkleideten Narren bilden ein Spalier entlang der Straße und salutieren den Vorübergehenden. Ihre Uniformen sind bewusst uneinheitlich und wirken wie aus verschiedenen Zeiten und Truppenteilen zusammengesucht. Schon an den Kopfbedeckungen zeigt sich die Vielfalt: Pickelhaube, Stahlhelm, Schirmmütze und Feuerwehrhelm stehen bunt zusammengewürfelt nebeneinander.

Zwischen Gewehren aus Holz und über die Schulter gehängten Feldflaschen fällt ein Akkordeon auf, das für musikalische Begleitung sorgt. Angeklebt wirkende Schnurrbärte verstärken den parodistischen Charakter der Szene. Unter den Uniformen stecken Frauen, die in der katholischen Frauengemeinschaft organisiert sind und sich mit sichtbarer Freude in die militärische Maskerade eingefügt haben.

V.l.n.r.: 1 Else Egle (geb. Ganter), 2 Lotte Ratzer, 3 Inge Mayer (geb. Hepting), 4 Maria Hall, 5 Agnes Beha, 6 Margarete Adrion, 7 ??? (verdeckt), 8 Wolfgang Streit, 9 Olga Streit, 10 Inge Streit, 11 ???, 12 ???, 13 Lore Echtle

Standort des Fotografen: 47.885277, 8.342609

Mehrbildansicht mit Haus Häusle in der Vorstadtstraße, ca. 1923-1925

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Ursula Moch-Weiss zur Verfügung.

Eine verschneite Gesamtansicht des Städtchens breitet sich im oberen Bildteil aus. Der Blick vom Gewann »Breiten« führt über ein weißes Feld hinweg zu den Häusern der Rötenbacher Straße mit dem Forstamt sowie zur Bebauung der Seppenhofer Straße. Vor dem Wäldchen »Hasle« heben sich die neu errichtete Festhalle und die Volksschule ab, die sich zu diesem Zeitpunkt noch im Rohbau befinden. Die Fertigstellung des Gebäudekomplexes verzögert sich aufgrund der schwierigen finanziellen Lage der Stadt infolge der Inflation und der hohen Kosten für den Wiederaufbau nach dem Großbrand von 1921 um mehrere Jahre.

Darunter ist das Wohnhaus der Familie Häusle in der Vorstadtstraße zu sehen. Es gehört dem Steinmetzmeister Karl Häusle (1878-1956) und seiner Ehefrau Maria Häusle (geb. Schultheiß, 1883-1966), die als Hebamme tätig ist. Vor dem Gebäude ist ein Misthaufen zu erkennen, schließlich gibt es in der Vorstadtstraße mehrere Landwirtschaften. Auch hier zeigt sich die winterliche Jahreszeit: Schnee bedeckt Dächer und Boden.

Die Mehrbildansicht gehört zu einer ganzen Serie ähnlicher Aufnahmen. In der Mitte der 1920er Jahre fotografiert ein unbekannter Fotograf zahlreiche Häuser im Städtchen und vertreibt die Bilder zusammen mit einer Stadtansicht als kombinierte Mehrbildkarten. Auch Familie Häusle erwirbt eine solche Ansicht.

Standorte des Fotografen: 47.881954, 8.338886 | 47.884677, 8.346262

Karl Guth als junger Mann auf einer Sitzbank, ca. 1935

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Michael Guth zur Verfügung.

Lässig und mit einer gewissen Coolness sitzt ein junger Mann auf einer einfachen Holzbank, die Beine übereinandergeschlagen. In der rechten Hand hält er eine Zigarette, als wäre das Rauchen selbst Teil der Pose. Sein Blick ist selbstbewusst auf den Fotografen gerichtet. Hinter ihm ist dichtes Buschwerk zu sehen – vielleicht ist er in der »Hasle« unterwegs. Sein Jackett mit breitem Revers wirkt modisch, darunter trägt er Hemd und Krawatte. Die hellen Stoffhosen fallen weich über die Knie, die dunklen Lederschuhe sind sauber und glänzend. Alles an seiner Erscheinung zeigt: Hier sitzt kein Arbeiter in Arbeitskleidung, sondern ein junger Mann, der sich geschniegelt in Szene setzt.

Der junge Mann ist Karl Guth (1912–2002), hier noch ledig. Später wird er Adelheid Cäcilie Guth (1914–2001) heiraten. Sein Elternhaus steht »Bei des Mahlers Kreuz« in der Oberen Hauptstraße (Nr. 33). Seine Eltern sind der Landwirt Johann Guth (1869–1952) und dessen Ehefrau Maria Guth (geb. Rösch, 1882–1959), die das Anwesen 1911 erworben hatten.

Aus dem jungen Mann auf der Bank wird später eine feste Größe im Vereinsleben: Von 1968 bis 1982 steht Karl Guth dem Turnerbund als Vorstand vor. Viele Jahre engagiert er sich auch als Vorstand im Hasenverein Titisee-Neustadt. Er selbst ist leidenschaftlicher Züchter von Angorahasen. Er stirbt im Jahr 2002.

Standort des Fotografen: ???