Kindergruppe im Gasthaus »Linde«, ca. 1960

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Christoph Müller und Marlies Müller sowie Rita Bölle zur Verfügung.

Die Kinder stehen im Gasthaus »Linde« dicht beieinander. Einer scheint gerade einen Witz gemacht zu haben, denn mehrere Gesichter sind mitten im Lachen eingefroren. Die Gruppe setzt sich aus Mädchen und Jungen der Jahrgänge 1947 bis 1952 zusammen. Ordentlich gekleidet stehen sie zwischen Tischen und Stühlen, die für Erwachsene gemacht sind. Die Großen stehen hinten, die Kleinen vorne.

Was genau der Anlass dieses Zusammenseins ist, bleibt offen. Wird hier ein Kindergeburtstag gefeiert? Vielleicht von einem der Kaltenbrunner-Kinder? Und wenn ja – welches Kind steht heute im Mittelpunkt? Sicher ist nur: Es ist ein besonderer Moment.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Manfred Kaltenbrunner, 2 Marlies Müller (verh. Eberle, geb. 1951), 3 Franz Müller (geb. 1952), 4 Marianne Kaltenbrunner (verh. Löffler), 5 Gretel Bader (verh. Kaltenbach, geb. 1952)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Veronika Kaltenbrunner (verh. Ruf, geb. 1951), 2 Rosmarie Bader (verh. Straub, geb. 1949), 3 Christel Mayer (verh. Wehrle, geb. 1949), 4 Alice Mayer (verh. Ganter, 1947-2026)

Standort des Fotografen: 47.884219, 8.346500

Unbekannter Mann mit Sohn und Tochter, ca. 1880

Fotograf: Atelier Johann Nepomuk Heinemann, Hüfingen | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Christa Egle und Hans-Peter Hepting zur Verfügung.

Der Mann sitzt fest auf dem Stuhl, die Hände ruhig auf den Knien, den Blick direkt nach vorn gerichtet. Neben ihm stehen ein Junge und ein Mädchen, dicht bei ihm, als suchten sie Halt. Der Moment ist sorgfältig inszeniert – so, wie es sich für ein Familienporträt gehört. Aufgenommen wird das Bild im Atelier von Johann Nepomuk Heinemann in Hüfingen.

Der Mann trägt Vollbart und dunklen Rock, die Kinder sind ordentlich gekleidet und blicken ernst. Lächeln ist hier nicht gefragt. Ein Foto ist kein flüchtiger Schnappschuss, sondern ein Ereignis, das Bestand haben soll.

Wer diese Familie ist, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen. Vermutlich ist es Johann Baptist Klotz. Geboren wurde er am 2. Mai 1835 in Zoznegg bei Stockach. Er ist Bäcker und Bierbrauer von Beruf, in anderen Dokumenten wird er als Feldhüter und als Küfer bezeichnet. 1873 heiratete er Wilhelmine Klotz (geb. Wider, 1846-1878), die aus Löffingen stammt. Die Familie wohnt in der Alenbergstraße. Der Mann posiert mit seinen beiden Kindern, mit Sohn und Tochter. Die Tochter könnte Emma Klotz (geb. 1873) sein, der Sohn Emil Klotz (geb. 1875). Nach dem Tod seiner Ehefrau heiratet der Witwer in zweiter Ehe Anna Klotz (geb. Riedlinger), die aus Göschweiler stammt. Johann Baptist Klotz stirbt am 6. Januar 1901 im Alter von 62 Jahren.

Standort des Fotografen: Hüfingen

Haus Limb in der Maienlandstraße, ca. 1900

Sammlung Familie Waßmer

Das holzverschindelte Haus mit geöffneten Fensterläden steht in der Maienlandstraße. Vor der Fassade reihen sich Möbelstücke auf. Betten, ein Schrank, ein Tisch – sorgfältig platziert, als wären sie Teil einer Ausstellung. Das Handwerk, das in dem Haus und seiner Werkstatt ausgeübt wird, wird für den Fotografen in Szene gesetzt.

Errichtet wurde das zweigeschossige Wohnhaus mit vollständig verschindelter Fassade von dem Schreiner Konrad Limb (1832-1874) im Jahr 1874, seinem letzten Lebensjahr. Im Erdgeschoss richtete er seine Schreinerwerkstatt ein. Limb wurde am 26. November 1832 geboren und heiratete 1863 Josefa Ritter (1825-1887). Das Leben von Konrad Limb endete tragisch: Am 15. November 1874 nahm er sich das Leben; im Sterbebuch ist vermerkt, dass er sich »im Irrsinn« erschossen habe.

Nach dem Tod des Ehepaares Limb ging das Haus an die Schwägerin Cäcilia Ritter (1833-1904) über. Sie ist unverheiratet und führt das Anwesen weiter. Offensichtlich wird auch die Schreinerei fortgeführt. Das Foto zeigt Schreiner, Gesellen und Lehrlinge, die sich stolz mit den gefertigten Möbeln vor dem Haus aufstellen. Es ist ein selbstbewusstes Bild handwerklicher Arbeit – nicht im Inneren der Werkstatt, sondern nach außen getragen, sichtbar für die Öffentlichkeit.

Cäcilia Ritter stirbt am 18. März 1904 im Alter von 71 Jahren. Ein Jahr später, 1905, erwerben der Landwirt Julius Fehrenbach (1877-1967) und seine Ehefrau Luise Fehrenbach (geb. Jordan, 1879-1945) das Anwesen. Mit ihnen beginnt ein neues Kapitel. Links wird ein landwirtschaftlicher Ökonomieteil angebaut, das Haus wird den Bedürfnissen der neuen Besitzer angepasst. Aus dieser Zeit stammt auch der Hausname »S’Julius usse«.

Standort des Fotografen: 47.888616, 8.341866

Organistin Johanna Rebholz, Mai 1962

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Johanna Rebholz (geb. Ganter, 1913-2003) sitzt an der Orgel, den Blick auf die Noten gerichtet, die Hände sicher auf den Tasten. Kaum jemand sieht sie hier oben auf der Orgelempore der katholischen Kirche St. Michael, denn dieser Bereich bleibt meist dem Kirchenchor vorbehalten. Und doch ist sie allen Kirchgängerinnen und Kirchgängern vertraut: Seit Jahrzehnten prägt ihr Spiel die Gottesdienste der katholischen Pfarrgemeinde Löffingen.

Johanna Rebholz spielt seit 1937 die Orgel. Dass sie dieses Amt übernahm, war keineswegs geplant. Als 23-Jährige sprang sie spontan ein – ohne formale Ausbildung. Am 23. März 1937 traf sich der Kirchenchor, dem sie bereits seit zehn Jahren angehörte, zur Gesangsprobe. Der Chorleiter und Organist, Hauptlehrer Emil Willig, erschien nicht. Der NSDAP-Kreisleiter hatte ihm untersagt, seinen kirchlichen Dienst weiter auszuüben, sofern er seine Stelle als Lehrer nicht gefährden wollte. Schneidermeister Hermann Ganter übernahm daraufhin die Leitung des Chores und bestimmte kurzerhand seine Nichte Johanna Ganter zur Organistin. In den folgenden Monaten und Jahren erhielt sie Orgelunterricht von ihrem Cousin August Ganter, der 1933 zum Priester geweiht worden war und als Pfarrer in Ewattingen wirkte. Unterstützt wurde sie zudem von Schreinermeister August Limb, der sich als versierter Registrateur an der Orgel erwies.

Als dieses Foto am 5. Mai 1962 anlässlich der Primiz von Pater Alfred Benz entsteht, wirkt Johanna Rebholz bereits seit 25 Jahren als Organistin. Sie sitzt noch an der »alten Orgel«. Wenige Jahre später, bei der Kirchenrenovierung 1968/69, wird die Orgelempore abgerissen. Die alte Orgel verlässt Löffingen und wird am 15. Januar 1969 nach Überlingen überführt. Stattdessen erhält die Kirche eine neue 30-Register-Orgel der Firma Orgelbau Schwarz (Inhaber Eugen Pfaff), wobei die alten Pfeifen weiterverwendet werden. Johanna Rebholz muss sich zunächst an das neue Instrument gewöhnen. Doch sie bleibt der Kirchenmusik treu. Über weitere zwei Jahrzehnte engagiert sie sich mit großer Hingabe. Nicht selten zieht sie sich abends oder nachts allein in die Kirche zurück, um Orgelmessen einzustudieren und zu üben. Ihr Wirken bleibt meist im Hintergrund – und ist doch aus dem musikalischen Leben der Gemeinde nicht wegzudenken.

Standort des Fotografen: 47.882533, 8.344125

2 Fotos: Werkstatt der Küferei Benitz in der Alenbergstraße, 2008

Sammlung Familie Waßmer

Das Werkzeug hängt ordentlich an seinem Platz, Hobel und Beitel liegen griffbereit auf der Werkbank, als würde die Arbeit gleich weitergehen. Doch hier rührt sich nichts mehr. In der Werkstatt der Küferei Benitz scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Dabei wird die Werkbank schon seit Jahren nicht mehr benutzt. Die Weinhandlung und Küferei haben ihren Betrieb eingestellt. Und doch ist alles noch da: die abgenutzte Holzplatte, die Spuren zahlloser Arbeitsgänge, das sorgfältig sortierte Werkzeug.

Besitzer Klaus Benitz (1938-2015) zeigt dem Fotografen die Kellerräume des Hauses Benitz (Alenbergstr. 7/9). Es ist ein seltener Blick hinter die Kulissen eines Handwerks, das längst zur Vergangenheit gehört. Küfer stellten Fässer her, reparierten sie, hielten sie dicht – unverzichtbar für Weinhandel und Landwirtschaft. Heute ist die Werkstatt still. Doch gerade diese Stille macht den Raum so eindrucksvoll.

Standort des Fotografen: 47.885140, 8.344038

Fünf Freundinnen bei einem Ausflug bei der Ziegelhütte, Herbst 1933

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Fünf junge Frauen schieben ihre Fahrräder nebeneinander her, lachen, halten kurz inne. Vom Stadtwald kommend passieren sie die Ziegelhütte und die Jungviehweide. Ihr Ausflug nach Oberbränd liegt hinter ihnen, nun geht es zurück in Richtung Städtchen.

Die Freundinnen tragen Röcke und Jacken. Die Räder sind schwer, die Strecke zieht noch einmal an. Bis hinauf zur Anhöhe am Witterschneekreuz heißt es schieben oder kräftig in die Pedale treten. Danach wird es leicht, dann rollt der Weg fast von selbst bergab. Zeit zum Durchatmen, für Gespräche und gemeinsames Lachen. Das Foto hält einen unbeschwerten Moment ihrer Freundschaft fest. Ein Ausflug wie dieser bedeutet auch Abwechslung vom Alltag und ein Stück Freiheit.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Luise Straub (verh. Bader, 1914-2009), 4 Johanna Ganter (verh. Rebholz, 1913-2003), 5 ???

Standort des Fotografen: 47.897084, 8.336641

3 Fotos: Grillparty von Stadtbediensteten, 1984

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Beate Lubrich zur Verfügung.

Ein Sommerabend im Jahr 1984. Das Feuer knistert leise, Holzscheite liegen im Kreis, und der Geruch von Rauch hängt in der Luft. Auf Bierbänken sitzen die Stadtbediensteten beisammen, das Bierglas oder die -flasche in der Hand, den Blick ins Feuer oder zu den Kolleg*innen gerichtet. Im Stadtwald, vor der »Stierhütte«, kommt man – jenseits von Dienstplänen – bei einem gemeinsamen Grillabend zusammen. Im Hintergrund stehen Bierkästen bereit.

Oberes Bild
V.l.n.r.:
1 Veronika Riesterer (Dittishausen), 2 Rita Bölle (geb. Schmid), 3 Gertrud Heitzmann (geb. Brugger, 1921-2005), 4 Ratschreiber Fritz Adrion (1920-2004), 5 Bernhard Wolf (Unadingen), 6 Gerhard Bader

Mittleres Bild
V.l.n.r.:
1 ??? Oschwald (Reiselfingen), 2 Artur Klausmann, 3 Sabine Hornstein (geb. Strobel), 4 Theobald Bausch (Unadingen), 5 Thomas Dickhaut (Bubenbach), 6 Lothar Baader

Unteres Bild
V.l.n.r.: 1 Gertrud Heitzmann (geb. Brugger, 1921-2005), 2 Werner Lubrich (1927-2010)

Standort des Fotografen: 47.927771, 8.319454