Bäckerei Straub und »alter Benzbau« in der Unteren Hauptstraße, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Breit zieht sich das Haus des Bäckermeisters Ernst Straub (Untere Hauptstr. 6) entlang der Straße. Im Erdgeschoss ist der Laden eingerichtet, ein kleines Schaufenster ist neben dem Ladeneingang zu sehen. Ein großes Scheunentor ist in der rechten Gebäudehälfte zu erkennen. Unmittelbar daneben schließt sich das Haus Limb (Untere Hauptstr. 4) an, in dem Friseurmeister Julius Limb seinen Friseursalon betreibt. Ein Geschäftsschild an der Fassade weist darauf hin. Am linken Bildrand steht der sogenannte »alte Benzbau« (Untere Hauptstr. 8) mit seiner breiten Giebelfront und den regelmäßig angeordneten Fenstern.

Die Aufnahme vermittelt einen Eindruck davon, wie selbstverständlich sich Geschäfte in die Wohnhäuser einfügen. Es gibt keine großflächigen Schaufensterfronten oder auffällige Reklame. Wohnen, Handwerk und Verkauf liegen unmittelbar nebeneinander und prägen gemeinsam das Straßenbild der Unteren Hauptstraße.

Als Bild Nr. 17 findet die Ansicht Eingang in den 1921 erschienenen Löffingen-Beitrag der Zeitschrift »Badische Heimat«. Unter der Überschrift »Haus Ernst Straub mit Laden« gehört sie zu insgesamt 28 Fotografien, mit denen der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) seine Leser*innen durch das Städtchen führt. Als Schriftleiter der vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebenen Zeitschrift interessiert er sich besonders für traditionelle Bauformen und dafür, wie Neubauten und Geschäftseinbauten das gewachsene Ortsbild verändern.

Das Haus Straub findet ausdrücklich seine Zustimmung. Die Art, »wie hier die Läden eingebaut sind«, bezeichnet Wingenroth als gelungenes Gegenbeispiel zu anderen, von ihm kritisierten Geschäftshäusern. Auch die »freundliche, breite Giebelfront« des benachbarten Hauses gefällt ihm. Besonders lobt er, dass die Firmenschilder »bescheiden und anständig geblieben« seien und dadurch die Wirkung der alten Straße nicht beeinträchtigten. Seine Wortwahl verrät dabei deutlich den Blick des Heimatschutzes: Bewahrt werden soll ein möglichst harmonisches, traditionell wirkendes Stadtbild. Doch die moderne Zeit hält längst Einzug, und der technische Fortschritt lässt sich nicht aufhalten: Auf dem Dach der Bäckerei Straub ist bereits ein Mast für die Elektrizitätsversorgung zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.883482, 8.343833

Unterer Rathausplatz mit Mailänder Tor, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Fast menschenleer liegt der untere Rathausplatz vor dem Fotografen. Nur ein einzelnes Huhn läuft über die freie Fläche. Den Blickfang bildet die geschlossene Häuserzeile mit dem alten Mailänder Tor. Links davon stehen die Häuser des Flaschnermeisters Ferdinand Willmann (Demetriusstr. 13) und des Korbmachers August Egle (Demetriusstr. 14) sowie die Metzgerei Werne (Demetriusstr. 15). Kleine Ladeneinbauten und Schaufenster zeigen, dass hier nicht nur gewohnt, sondern auch gearbeitet und verkauft wird.

Das Mailänder Tor prägt zu diesem Zeitpunkt noch den Stadtring. Doch sein Ende steht unmittelbar bevor: Nach dem Großbrand vom 28. Juli 1921 wird das alte Torgebäude abgerissen. An seiner Stelle entsteht ein Neubau mit einer breiteren Tordurchfahrt, die den veränderten Verkehrsverhältnissen Rechnung trägt. Die Fotografie hält damit einen Zustand fest, der nur noch kurze Zeit bestehen wird.

Als Bild Nr. 15 erscheint die Aufnahme 1921 in der Zeitschrift »Badische Heimat«. Die Bildunterschrift lautet »Unterer Platz, Mailänder Tor und Laden A. Egle«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), zugleich Schriftleiter der Zeitschrift und Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg, führt seine Leser*innen in seinem neunseitigen Beitrag anhand von 28 Ansichten durch Löffingen. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift beschäftigt sich mit Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens.

Wingenroth gefällt insbesondere, wie sich die kleinen Geschäfte in die alten Häuser einfügen. Über diese Seite des Rathausplatzes schreibt er: »Ebenso aber erfüllt uns die andere Seite des Platzes neben dem Mailänder Tor mit Genugtuung; wie hier die Läden eingebaut sind, kann als gutes Gegenbeispiel gegen die vorhin erwähnten gelten.« Hier zeigt sich sein vom Heimatschutz geprägter Blick: Moderne Geschäftsnutzung ist für ihn durchaus willkommen – solange sie sich möglichst unauffällig in das überlieferte Stadtbild einfügt.

Standort des Fotografen: 47.883675, 8.344068

Oberer Rathausplatz mit Haus Nägele und Postamt, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Breit öffnet sich der obere Rathausplatz vor dem früheren Fürstenbergischen Amtshaus. Das 1739 errichtete Gebäude ist inzwischen in zwei Haushälften unterteilt. Über dem Eingang der rechten Hälfte (Rathausplatz 2) ist noch das herrschaftliche »Allianzwappen« zu erkennen, das an die frühere Nutzung des Hauses erinnert. In alten Quellen wurde das Gebäude gar als »Schloss« bezeichnet. In der linken Hälfte (Rathausplatz 3) befinden sich nun das Postamt und das Geschäft des Buchbinders Anton Rebholz.

Gerade diese Mischung aus altem Amtshaus und neuer Nutzung prägt die Aufnahme. Die historischen Fassadenformen sind noch deutlich vorhanden, zugleich haben Ladeneinbauten und neue Fenster das Erscheinungsbild verändert. Das Postamt wirkt mit seinen auffälligen Fenster- und Türformen deutlich anders als die benachbarte ältere Bausubstanz.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 16 unter der Überschrift »Oberer Platz, Haus Nr. 2 von 1739 und Postamt«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg und Schriftleiter der Zeitschrift, betrachtet solche Veränderungen mit einem ausgesprochen kritischen Blick. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift widmet sich Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens und vertritt dabei deutlich die Ideale des Heimatschutzes.

Wingenroth stört sich zunächst am »Ladeneinbau« in der rechten Gebäudehälfte, der das mit Freitreppe, Rundbogentür und Wappen geschmückte Haus seiner Ansicht nach »entstellt«. Noch schärfer fällt sein Urteil über das Postamt aus: Dessen »neogotisierende Fenster« und die Tür fielen »ganz aus dem Rahmen der hier ortsüblichen Bauweise«; auch die Bemalung zwischen den oberen Fenstern missfällt ihm. Immerhin sieht er eine einfache Lösung: »Durch einen entsprechenden Anstrich« ließe sich manches mildern. Seine Kritik zeigt, wie stark er moderne Umbauten danach bewertet, ob sie sich seinem Ideal eines harmonischen, regionaltypischen Stadtbildes unterordnen.

Standort des Fotografen: 47.883958, 8.344790

Oberer Rathausplatz mit Gewerbeschule, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Vom Rathaus aus öffnet sich der Blick über den ansteigenden oberen Rathausplatz. Im Vordergrund steht der Rathausbrunnen mit der Figur der »Schnitterin«, die an die frühere Bedeutung des Platzes als Marktplatz erinnert. Die unregelmäßig angeordneten Häuser rahmen den Platz ein.

Besonders ins Auge fällt die Gewerbeschule (Demetriusstr. 1). Sie wurde nach dem verheerenden Brand von 1907 neu errichtet, bei dem mehrere Häuser in der Demetrius- und Ringstraße zerstört wurden. Mit ihrer Freitreppe, dem betonten Eingangsportal und einzelnen Jugendstil-Elementen ist sie das neueste Gebäude am Platz. Am rechten Bildrand sind das Wohn- und Geschäftshaus des Kaufmanns Wilhelm Vogt (Rathausplatz 13) sowie das Gasthaus »Ochsen« (Rathausplatz 12) zu erkennen. Der Rathausplatz selbst wirkt menschenleer.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 12 unter der Überschrift »Oberer Platz mit Gewerbeschule«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg und Schriftleiter der Zeitschrift, führt seine Leser*innen in seinem neunseitigen Beitrag anhand von 28 Fotografien durch Löffingen. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift richtet ihren Blick besonders auf Architektur, Ortsbilder und regionale Baukultur.

Wingenroth gefällt die städtebauliche Wirkung des Platzes. Er lobt die »unregelmäßige Führung« der Häuserzeilen und den Brunnen, dessen Figur er als »Ährenleserin« bezeichnet. Auch die neue Gewerbeschule findet seine Zustimmung: Mit Freitreppe und Portal gebe sie dem ansteigenden Platz »einen guten Akzent« und füge sich in Höhe und Dachform »trefflich« ein. Weniger begeistert zeigt er sich vom Geschäftshaus Vogt auf der rechten Seite, das seiner Ansicht nach durch einen »unglücklichen Ladeneinbau« gelitten habe. Es zeigt sich sein vom Heimatschutz geprägter Maßstab: Neues darf durchaus selbstbewusst auftreten, soll sich aber harmonisch in das gewachsene Stadtbild einfügen.

Standort des Fotografen: 47.883875, 8.344645

Ausschnitt: »Restauration« Benz und Kaufhaus »Kasten« in der Unteren Hauptstraße, ca. 1899

Verlag J. A. Binder Nachfolger, Bonndorf
Sammlung Familie Waßmer

Das Bild ist mit »Kirchplatz« betitelt. Zu sehen ist der Bereich der Unteren Hauptstraße, an dem die Ringstraße einmündet. Rechts steht das Haus Benz (Untere Hauptstr. 8). Es wurde nach dem Brand von 1887 neu errichtet und gehörte dem Holzhändler und Gastwirt Johann Benz (1850-1908) und seiner Ehefrau Katharina geb. Maier (1850-?). Im Erdgeschoss betreiben sie eine Wirtschaft, eine »Restauration«, wie auf dem Schild zu lesen ist. Vor dem Gebäude steht eine Pferdekutsche. Zwei Damen und ein Herr stehen im Vordergrund. Die Personengruppe wurde für die lithographische Ansicht hinzugefügt.

Links steht das dreistöckige Warenhaus »Zum Kasten« (Untere Hauptstr. 7). An der Fassade hängt ein Schild, auf dem der Schriftzug »Geschwister Traber z. Kasten« zu entziffern ist. Sofie Traber, die geschiedene Ehefrau des Kaufmanns Friedrich Keller, betreibt das Geschäft von 1894 bis 1899. Im Hintergrund ragt die katholische Pfarrkirche St. Michael hoch. 

Dieses Bild ist ein Ausschnitt aus einer Mehrbildkarte.

Standort des Fotografen: 47.883280, 8.343513

Mehrbildkarte »Gruß aus Löffingen« mit drei Ansichten, ca. 1899

Verlag J. A. Binder Nachfolger, Bonndorf | Sammlung Familie Waßmer

Diese lithographische Mehrbildkarte wird am 26. August 1906 mit der Deutschen Reichspost von Löffingen nach Freiburg versandt. »Ein Gruß von Ferne«, ist auf der Vorderseite mit blauer Tinte notiert. Entfernungen sind eben relativ.

Die Ansichtskarte zeigt im oberen Bereich eine Gesamtansicht des Städtchens. Der Blick von der »Breiten« ist detailliert herausgearbeitet. Ein Zug mit Dampflokomotive fährt gerade in Richtung Donaueschingen. In Wirklichkeit ist zu diesem Zeitpunkt die Bahnlinie noch nicht eröffnet. Der Zug fährt nicht wirklich durch das Bild, sondern wird für die lithographische Ansicht einfach hinzugefügt.

In der Mitte der Karte ist in einem eckigen Rahmen das »Kriegerdenkmal« von 1894 abgebildet. Es ist nur wenige Jahre zuvor zur Erinnerung an die Kriegsteilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 eingeweiht worden. Das Denkmal ist überdimensioniert dargestellt, um seine Bedeutung zu betonen.

Durch den runden Rahmen besonders hervorgehoben ist das dritte Bild, das mit »Kirchplatz« betitelt ist. Zu sehen ist der Bereich der Unteren Hauptstraße, an dem die Ringstraße einmündet. Rechts steht die »Restauration« Benz (Untere Hauptstr. 8). Vor dem Gebäude steht eine Pferdekutsche. Zwei Damen in der Kleidung der damaligen Zeit und ein Herr stehen im Vordergrund. Auch diese Personengruppe wird für die lithographische Ansicht hinzugefügt. Links steht das dreistöckige Warenhaus »Zum Kasten« (Untere Hauptstr. 7). Im Hintergrund ragt die katholische Pfarrkirche St. Michael hoch. 

Lagerkeller der Weinhandlung Hogg nach dem Großbrand, 1921

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Benitz zur Verfügung.

»Ein ausgebrannter Lagerkeller der Firma Joseph Hogg, Weingroßhandlung, Löffingen«. So lautet die Bildunterschrift dieses Fotos, das nach dem Großbrand am 28. Juli 1921 entstanden ist. Die großen Fässer platzten infolge der Hitze und verkohlten, während der Wein auslief und verdunstete. Der materielle Schaden war enorm. Die Weinhändlerfamilie Benitz verlor darüber hinaus ihr Wohn- und Geschäftshaus (Alenbergstr. 7/9), ihr Ökonomiegebäude (Alenbergstr. 8) und ihr Wohnhaus in der Rötengasse.

Standort des Fotografen: 47.885122, 8.343974

Küfer Hermann Diesberger in der Weingroßhandlung Benitz, ca. 1935-1939

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Klaus Benitz zur Verfügung.

Der Küfer Hermann Diesberger (1909-1945) wird während seiner Arbeit in der Werkstatt der Weingroßhandlung Benitz fotografiert. Im Hintergrund ist Albert Benitz (1905-1996) zu sehen.

Hermann Diesberger wurde 1909 in Reiselfingen geboren. Er ist mit Mathilde Diesberger (geb. Vogt, 1911-?) verheiratet. Das Ehepaar wohnt in der Maienlandstraße 12. Im Zweiten Weltkrieg ist er Soldat. Der Obergefreite fällt kurz vor Kriegsende am 24. Januar 1945 im elsässischen Wittelsheim.

Die Kriegerwitwe Mathilde Diesberger, die alleine mit zwei kleinen Kindern (Herbert und Sigrid) dasteht, verheiratet sich 1949 mit dem Lagerarbeiter Otto Lehmann (1902-?).

Standort des Fotografen: 47.885259, 8.343982

Lina Egle vor ihrer Verkaufsbude am Witterschneekreuz, 1942

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Pia Durst zur Verfügung.

»Gustav Egle« steht auf einem kleinen Zettel an dem Verkaufsstand neben der Wallfahrtskirche Witterschnee, um den Eigentümer auszuweisen. Daneben steht die Ehefrau Lina Egle geb. Mäder (1887-1966), ihre linke Hand in die Hüfte gestemmt, ihr Warensortiment präsentierend. Gustav Egle (1880-1954) war gelernter Müller von Beruf.  Er und seine Ehefrau Lina (eigentlich Pauline) wohnten in der Ringstraße 1 und betrieben auch dort einen kleinen Laden. Im Adressbuch wird es als »Gemischtes Warengeschäft« bezeichnet. Der Verdienst durch den Verkaufsstand am Witterschnee diente wohl als Zubrot.

Standort des Fotografen: 47.892724, 8.336733

Maria Baader vor ihrer Verkaufsbude am Witterschneekreuz, ca. 1935-1940

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Oskar Baader zur Verfügung.

Maria Baader (1873-1943) war Händlerin, »Devotionalienhändlerin beim Schneekreuz«, wie im Sterbebuch der katholischen Pfarrgemeinde vermerkt ist. Sie wurde 1873 als Tochter des »Ochsen«-Wirtes Johann Baader und dessen Ehefrau Katharina geb. Fürst geboren. Zeit ihres Lebens blieb sie ledig und wohnte in der Maienlandstraße. Neben der Wallfahrtskirche Witterschnee betrieb sie eine Verkaufsbude, in der sie Wallfahrern religiöse Artikel wie Rosenkränze, Andachtsbildchen, Gebetsbücher und Kerzen sowie Souvenirs verkaufte. Sie starb 1943 im Alter von 69 Jahren.

Standort des Fotografen: 47.892732, 8.336740

Lina Egle an ihrem Verkaufsstand am Witterschneeschneekreuz, ca. 1960

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Pia Durst zur Verfügung.

Direkt vor dem Eingang zur alten Witterschneekapelle hat Lina Egle geb. Mäder (-1966) ihren Verkaufsstand aufgebaut. Auf zwei Böcken ruht eine Tischplatte, über die eine Tischdecke gebreitet liegt. Ein Teil der Devotionalien ist in einer Vitrine ausgelegt. Daneben sind Andachtsbildchen und Heiligenbilder zu erkennen, Kruzifixe und mehrere Rosenkränze, die feinsäuberlich an einer Holzlatte aufgefädelt sind.

Unter dem Tisch steht ein Korb, in dem sich sicherlich auch ein Vesperbrot für Zwischendurch befindet. Lina Egle betreibt als letzte Händlerin einen Verkaufsstand am Witterschnee. Als sie damit aufhört, findet auch diese Geschäftstradition ein Ende.

Lina (eigentlich Pauline) Egle ist die Witwe von dem Müller Gustav Egle (1881-1954). Geboren wurde sie am 20. Juni 1887 in Löffingen. Sie stirbt im Alter von 79 Jahren am 31. Mai 1966.

Standort des Fotografen: 47.892984, 8.336309

Maria Häusler in ihrer Verkaufsbude am Witterschneekreuz, ca. 1930-1940

Verlag A. Rebholz
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Werner Lubrich zur Verfügung.

Ein kleines Mädchen mit Puppenwagen steht vor der Verkaufsbude am Witterschnee und betrachtet die zum Verkauf angebotenen Devotionalien, also Gegenstände, die der privaten religiösen Andacht dienen und die Frömmigkeit fördern sollen. Zu erkennen sind etwa Kreuze, Kruzifixe, Rosenkränze,  Heiligenfiguren, Gebetskärtchen, Andachtsbilder, Medaillen und Kerzen. Vor allem Pilger erwerben diese Devotionalien, um ein Erinnerungsstück von ihrer Wallfahrt zum Witterschnee mit nach Hause zu nehmen. Vielleicht gilt das besondere Interesse des Mädchens aber vor allem den beiden großen Gläsern, gefüllt mit Bonbons und anderen Süßigkeiten, die rechts in der Auslage stehen?

Die Frau mit Kopftuch, die in der Verkaufsbude sitzt und in die Kamera blickt, ist die Witwe Maria Häusler (geb. Mäder, 1888-1951). Sie war mit dem Schlosser Ludwig Häusler (1883-1935) verheiratet, der aus der Oberpfalz stammte. 1911 hatten die beiden im württembergischen Schondorf geheiratet. Nach dem Großbrand 1921 und dem Wiederaufbau übernahmen sie das elterliche Anwesen in der Ringstraße 1. Maria Häusler stirbt 1951 im Alter von 63 Jahren.

Standort des Fotografen: 47.892739, 8.336733