Diese lithografische Mehrbildkarte wird am 13. April 1906 per Post versandt. W. Vogt schreibt darauf folgende handschriftlichen Zeilen: »Lieber Herr Seidenkranz! Vergnügte Feiertage sendet Ihnen & dem ganzen Unteroffizier-Corps Ihr ergebener W. Vogt, Gefreiter der Reserve«. Am oberen Bildrand fügt er einen »Gruß an Sectionstreiber Foerster!« hinzu. Bei dem Absender handelt es sich vermutlich um den Kaufmann Wilhelm Vogt, der am oberen Rathausplatz ein Geschäft betreibt.
Auf der Karte sind drei Motive zu sehen: Oben ist eine »Gesamtansicht« des Städtchens abgebildet. Eine Lokomotive fährt auf der 1901 eröffneten Bahnlinie. Rechts darunter ist die 1898 geweihte »Wallfahrtskirche Schneekreuz« zu sehen. Und unten links ist eine Ansicht vom »Warenhaus zum Kasten« (Untere Hauptstr. 7) dargestellt.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hanni Thoma zur Verfügung.
»Malermeister Karl Sibold« steht in großen Buchstaben über der Haustür – ein stolzes Firmenschild, das zeigt, dass hier seit Jahrzehnten ein Handwerksbetrieb zuhause ist. 1928 war Karl Sibold (1899-1975) mit seiner Ehefrau Luise Sibold (geb. Durler, 1898-?) ins Maienland gezogen und hatte sein Malergeschäft eröffnet. Auf dem Foto steht er in weißer Arbeitskleidung vor dem Haus, flankiert von seiner Frau und der ältesten Tochter Johanna Sibold (verh. Thoma, geb. 1930).
V.l.n.r.: 1 Karl Sibold (1899-1975, 2 Luise Sibold (geb. Durler, 1898-?), 3 Johanna Sibold (verh. Thoma, geb. 1930)
Rechts neben der Eingangstür fällt das moderne Schaufenster ins Auge, in dem die damals begehrten Produkte beworben werden: »Tapete« und »Putzmittel« steht in klaren Lettern geschrieben. Für viele Kinder aus der Nachbarschaft ist es ein kleines Abenteuer, bei Sibolds am Laden vorbeizugehen oder gar einen Blick hineinzuwerfen. Denn aus dem Geschäft strömt ein ganz eigener Duft – der ungewohnte Geruch von Waschmitteln, der etwas ganz Besonderes ist.
Links neben der Haustür ist die Stalltür zu sehen, denn neben der Malerwerkstatt verfügt das Haus Sibold auch noch über eine kleine Landwirtschaft.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Karl Sibold zur Verfügung.
Vor dem Haus Sibold (Maienlandstr. 14) lehnt Karl Sibold junior (1937-2016) mit Pinsel und Eimer, die Arbeitskleidung verrät den Beruf. Er ist der Sohn des Malermeisters Karl Sibold (1899-1975), bald wird er das väterliche Geschäft übernehmen und ein neues Wohn- und Geschäftshaus in der Maienlandstraße 4 errichten.
Vom Haus Sibold ist auf diesem Foto vor allem die Werkstatt zu sehen. Ein Spalierbaum rankt sich neben dem Schaufenster an der Fassade empor. Auf dem Flachdach blühen die Blumen in voller Pracht. Aus einem Fenster im Giebel blickt Johanna Sibold (verh. Thoma, geb. 1930) hinunter auf die Szene.
Ganz alltäglich ist auch das Nebeneinander von Handwerk und Landwirtschaft. Rechts im Bild ragt ein Misthaufen ins Blickfeld, an dem ein Werbeschild der Firma »Persil« befestigt ist. Er gehört zum Nachbaranwesen von Otto Lehmann und Mathilde Lehmann (Maienlandstr. 12). Zwischen dem Duft von frischer Farbe und dem Geruch von Stall und Misthaufen vermischen sich hier zwei Welten, die im Maienland selbstverständlich zusammengehören.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hanni Thoma zur Verfügung.
Als Malermeister Karl Sibold (1899-1975) und seine Ehefrau Luise Sibold (geb. Durler, 1898-?), im Jahr 1928 das Anwesen in der Maienlandstraße 14 erwarben, war es ein typisches Bauernhaus: zweigeschossig mit Scheuer und Stallung und einer angebauten einstöckigen Werkstatt. Für den Malermeister bot es ideale Voraussetzungen, hier sein Geschäft aufzubauen. Schon bald prangte über der Haustür das Schild »Malermeister Karl Sibold«.
Das Foto zeigt das Gebäude um 1960. Inzwischen hat sich das Gesicht des Hauses leicht verändert: Den Ökonomiebereichm, am Scheunentor und der Stalltür zu erkennen, gibt es noch. Rechts neben der Tür ist aber ein Schaufenster in die Fassade gebrochen worden, in dem Farben, Tapeten und Putzmittel ausgestellt sind. Der Spalierbaum, der einst neben dem Werkstatttor für etwas Grün sorgte, ist verschwunden. Stattdessen lehnt ein Motorrad an der Wand. Am rechten Bildrand ragt noch der Misthaufen des Nachbarhauses Lehmann (Maienlandstr. 12) ins Bild und erinnert daran, dass hier noch Landwirtschaft betrieben wird.
Ende der 1970er Jahre wird das alte Wohnhaus schließlich abgerissen. Nur die Werkstatt bleibt erhalten. An seiner Stelle errichtet Karl Sibolds Neffe Hermann Sibold einen Neubau – und damit verschwindet ein weiteres Stück bäuerlich-handwerklicher Vergangenheit aus dem Maienland.
Auch dieses Haus rechts vom Mailänder Tor war beim Großbrand 1921 abgebrannt. Nach dem Wiederaufbau erwarben der Kaufmann Karl Hasenfratz II (1899-?) und seine Frau Anna geb. Beha (1896-?) das Gebäude. Viele Jahrzehnte betrieben sie darin eine kleine Schuhhandlung. Bereits in den 1950er Jahren modernisierten sie den Laden und brachen ein breites Schaufenster in die Fassade. In den 1970er Jahren übernahm das Ehepaar Laule das Gebäude. In dem Laden betrieb später Irmgard Gnädinger ihr »Wollstüble«.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Franz Scholz zur Verfügung.
Schneidermeister Johann Wehrle (links) steht mit seiner Familie vor dem Werkstatteingang seines Hauses. Die einstige Toreinfahrt musste einer Tür und einem Fenster weichen. In der Werkstatt hat bereits sein Schwiegersohn der Schuhmachermeister Gerhard Scholz (1925-1998) seine Tätigkeit aufgenommen, wie an dem angebrachten Schild zu erkennen ist. Scholz stammt aus dem schlesischen Breslau und lernte während des Krieges Anneliese Wehrle (1924-2011) kennen, als der Soldat in Löffingen stationiert war. Nach dem Krieg heirateten die beiden.
V. l. n. r.: Johann Wehrle (1889-?), Gerhard Scholz, Anneliese Scholz geb. Wehrle, Luise Wehrle geb. Strobel (1887-1962), Unbekannt, Unbekannt.
»Elektro Götz«, so heißt das Geschäft für viele Jahrzehnte im Haus Demetriusstr. 4. 1931 hatte der Elektromeister Karl Götz (1892-1954) und seine Ehefrau Johanna geb. Mühlich (1897-?) das Haus erworben und darin ein Elektrogeschäft eingerichtet. 1958 übernimmt es der Sohn Karl Götz jr. (1934-2018). Das Geschäft existiert bis 2009. »D’Götze Karle« stirbt 2018 im Alter von 84 Jahren in Dittishausen.
Im angrenzenden Haus Demetriusstr. 3 befindet sich eine Boutique, die von Wolfgang Schmitt betrieben wird.
Lange Zeit gehörte das – nach dem Großbrand 1909 errichtete – Haus dem Schneidermeister Otto Schmitt (1905-?) und seiner Ehefrau Mathilde geb. Heiler (1906-?), die Näherin von Beruf war. 1971 ging das Geschäftshaus über an den Sohn Wolfgang Schmitt (geb. 1948), der darin eine Boutique betreibt.
1988 erwerben Josef und Waltraud Lentz das Haus und bauen es um.
»Carolas Kromlädele« steht auf der Markise, die am Haus Krauß (Demetriusstr. 2) herausgefahren ist. Carola Hannes führt darin seit 1972 einen Laden für Lederwaren, Kunstgewerbe und Andenken aller Art.
1993 gibt Carola Hannes den Laden auf. Mit ihrer ganzen Kraft widmet sie sich fortan dem Tierschutzverein.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.
Sattlermeister Ernst Krauß (1897-?) betreibt in seinem nach dem Brand von 1907 erbauten Haus (Demetriusstr. 2) das Sattlergeschäft, das er von seinem Vater übernommen hat.