Umzugwagen vor dem Haus Schelling in der Kirchstraße, Fasnacht 1935

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Elisabeth und Franz Isele zu Verfügung.

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Die Pferde schnauben, der Wagen ruckelt durch die Kirchstraße, und hoch oben darauf tobt das wilde Treiben: Männer und Frauen mit bemalten Gesichtern, Federschmuck und Lanzen stellen »Indianer« dar. Ein Marterpfahl ragt in die Höhe, während die Darsteller die Arme in die Luft reißen und das Publikum am Straßenrand anfeuern. »Entdeckung Amerikas durch Kolumbus« lautet das Fasnachtsmotto des Jahres 1935 – und die Darstellung folgt dem Klischeebild, das in Büchern oder Abenteuerfilmen populär geworden ist.

Die »Fremden« werden dabei exotisiert, ihre Darstellung schwankt zwischen Faszination und Verachtung. Sie erscheinen als wilde, ungezähmte Gestalten, über die man lacht, die man bestaunt, deren Wirklichkeit aber unsichtbar bleibt. So wie hier in Löffingen entstehen an Fasnacht Bilderwelten, die das Eigene stärken, indem sie das Andere zur Karikatur verzerren.

Im Hintergrund ist, fast verdeckt, das Haus von Wagnermeister Adolf Schelling (Kirchstr. 11) zu erkennen. In der linken Hälfte befindet sich der Wohnbereich, in der rechten Gebäudehälfte die Ökonomie.

Vorne am Wagen steht Karl Glunk mit einer weißen Zipfelmütze – vermutlich lenkt er die beiden Pferde, die den Wagen durch die enge Kirchstraße ziehen.

Standort des Fotografen: 47.883662, 8.345073

Pferd vor dem Haus Fehrenbach in der Demetriusstraße, ca. 1950

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Anni Zumstein zur Verfügung.

In der gepflasterten Demetriusstraße steht ein Pferd am Haus Fehrenbach angeseilt. Es wird in der Landwirtschaft als Zugtier genutzt. Zwei Männer sind gerade damit beschäftigt, den Pferdehuf fachmännisch zu begutachten. Ob der Huf neu beschlagen oder nur das Hufeisen zur Pflege abgenommen wird, um die Hufe auszuschneiden, ist unklar.

Standort des Fotografen: 47.883346, 8.343464

Waldarbeiter mit Rückpferden, ca. 1925

Sammlung Familie Waßmer

Drei Waldarbeiter haben sich mit ihren sechs Pferden und Forstwart Johann Rappenegger zu einem Gruppenfoto aufgestellt. Die Pferde werden zum Rücken der Baumstämme genutzt.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 Karl Glunk (1897-1980), 3 ???, 4 Johann Rappenegger (1901-1933)

Standort des Fotografen: ???

Pferdefuhrwerk vor dem Haus Ganter in der Maienlandstraße, 1936

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Else Egle und Hermann Egle zur Verfügung.

Vor dem Haus von Schneidermeister Hermann Ganter (Maienlandstr. 8) steht ein Pferdefuhrwerk. Vier Pferde sind vorgespannt, um einen massiven Baumstamm zu transportieren.

Im ersten Stock schaut Amalie Ganter geb. Fahrer (1855-1936) aus dem geöffneten Fenster heraus. Sie ist die Witwe von Schneidermeister Karl Ganter, der bereits 1917 starb, und Mutter von acht Kindern. Es ist vermutlich das letzte Foto, auf dem sie zu sehen ist, denn sie stirbt am 6. Dezember 1936 im Alter von 81 Jahren.

Standort des Fotografen: 47.885184, 8.342636

Umzugswagen auf dem unteren Rathausplatz, Fasnacht 1913

Sammlung Familie Waßmer

»Türkei!!« steht in großen Buchstaben auf dem Wagen, der von Pferden gezogen wird und gerade das Mailänder Tor verdeckt. Es ist Fasnacht. Und das Motto in diesem Jahr sind persiflierende Darstellungen verschiedener Völker und Nationen. Dieser Wagen ist so gestaltet, wie man sich (damals) das Osmanische Reich vorstellt: Vier Türmchen mit Halbmonden an der Spitze krönen den Wagen. Darauf stehen kostümierte Frauen, davor Männer. Die strikte Geschlechtertrennung könnte daraufhin deuten, dass es sich bei dem Motivwagen um die Darstellung eines Harems handeln soll, mit Haremsfrauen oben und den Haremswächtern unten. Schließlich übt die Institution des Harems im christlichen Europa jener Zeit eine starke Faszination aus und wird breit rezipiert.

Im Hintergrund ist das zweistöckige Wohnhaus von Metzger Wilhelm Werne (Demetriusstr. 11) mit Stalltür und Scheunentor zu erkennen. Das Anwesen brennt beim Großbrand 1921 ab. Das Bild ist eine der seltenen Fotografien, auf dem das Haus vollständig zu sehen ist. Daneben das alte Mailänder Tor (Demetriusstr. 12) ist leider vom Umzugswagen komplett verdeckt. Links daneben schließt sich das Haus von Flaschnermeister Ferdinand Willmann (Demetriusstr. 13) an.

Standort des Fotografen: 47.883849, 8.343755

»Hansele« vor dem früheren Gasthaus »Sonne«, ca. 1925

Verlag A. Rebholz / Sammlung Familie Waßmer

Als sich die »Hansele« für dieses Foto ablichten lassen, gibt es sie noch gar nicht als eine eigenständige Narrengruppe. Erstmalig erwähnt werden sie kurz zuvor, nämlich 1924. Erst später entsteht das einheitliche »Häs« und die bis heute gängige Holzmaske. »Narro Löffinger!«, hat jemand schwungvoll auf das Foto am unteren Bildrand geschrieben.

In der ersten Reihe stehen »Hansele« und in der zweiten und dritten Reihe hat sich eine bunte Schar sonstiger Narren dazugesellt.

Die Narren stehen vor dem früheren Gasthaus »Sonne« am oberen Rathausplatz, das die Stadtgemeinde wenige Jahre zuvor erworben hat. Darin befinden sich nun Wohnungen und die Stadtmühle.

Standort des Fotografen: 47.883850, 8.344758