2 Fotos: Bau des Realschulgebäudes in der Festhallenstraße, 1972

Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Renate Meder zur Verfügung.

Hoch oben am Rande der »Hasle« lässt der Fotograf seinen Blick schweifen. Unten ist die Festhallenstraße zu sehen. Dort, wo sich bis vor kurzem eine große Wiese mit Obstbäumen erstreckte, die »Linden«-Wiese (benannt nach dem benachbarten Gasthaus »Linde« und nicht etwa nach dem Laubbaum), klafft jetzt eine riesige Baustelle. Das Realschulgebäude wird gerade gebaut.

Der Schnee zeigt an, dass Winter ist, genauer gesagt: Fasnacht, was durch ein klitzekleines Detail verraten wird: Wie auf dem oberen Foto zu sehen ist, baumelt an dem Baukran eine Hexe. Sie trägt das »Häs« der Löffinger Hexengruppe. Ins Auge stechen die gelbe Schürze, der dunkelgrüne Kittel und das rote Kopftuch.

Auf dem unteren Foto hat die Hexe wieder (oder noch?) Bodenkontakt: Sie wurde gerade hinuntergelassen (oder wird sie hochgezogen?).

Standort des Fotografen: 47.883565, 8.349040

20-Jährige im Maienland, Fasnacht 1972

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Die 20-Jährigen werden auch immer jünger, möchte man denken, wenn man den kleinen Cowboy sieht. Ganz links sitzt er lässig auf dem Narrenbaum und lächelt breit in die Kamera. Dabei hat er sich nur mit auf das Bild gemogelt!

Die richtigen 20-Jährigen des Jahrgangs 1952 tragen blaue Fuhrsmannskittel und rote Zylinder – und natürlich das Täfelchen mit der Zahl »20« auf der Brust. Stolz posieren sie im Maienland mit ihrem Narrenbaum. Gleich werden sie ihn schultern und – unter den Klängen der Stadtmusik – in einem Umzug ins Städtchen tragen. Dann werden sie den Baum auf dem Rathausplatz vor dem Café Fuß aufstellen und auf die Laterne der »Laternenbrüder« vereidigt werden.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Helmut Schelble, 2 Franz Benz (Seppenhofen), 3 Ulrike Winkler, 4 Gretel Bader (verh. Kaltenbach)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Margret Trenkle (verh. Zimmermann), 2 Regina Heer (verh. Keller), 3 Hilda Leitold (verh. Köpfler), 4 Anni Kühn (verh. Hauger), 5 Renate Adrion (verh. Schelb), 6 Doris Kuster
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 Linus Schlatter, 2 Martin Dieterle, 3 Herbert Lehmann (1952-2009), 4 Alfons Durst, 5 Silvia Keller (verh. Benz)

Standort des Fotografen: 47.886543, 8.341845

Große Hexe auf dem oberen Rathausplatz, Fasnacht 1972

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.

Neben der Fasnachtsbühne auf dem Rathausplatz steht der Hexenwagen mit der (neuen) großen Hexe. Einige Kinder sind auf den Wagen geklettert. Die große Hexe trägt das gleiche (neue) »Häs« wie die anderen, »kleinen« Hexen. Zu sehen sind Egon Bader und Franz Mürb (1928-2024). Entworfen wurde das Häs vom Hexenschneider Hans Kaufmann. Über dem braunen mit schwarzen Karos versehenen Rock trägt sie eine gelbe Schürze, weiter oben einen dunkelgrünen Kittel, der mit einem roten Halstuch seinen Abschluss findet. Aber die große Hexe trägt nicht nur den passenden Stoff, sie verfügt auch über eine Sirene und beleuchtete Augen. Zur Freude der Kinder hat sie auch bewegliche Arme, auf denen man schaukeln kann.

Im Hintergrund ist die »alte Sonne« (Rathausplatz 9-10) zu sehen. Es ist die letzte Fasnacht, die das altehrwürdige Gemäuer miterlebt, denn im Januar 1973 wird die »Sonne« abgerissen.

Standort des Fotografen: 47.883810, 8.344717

Narrenumzug mit Straßenbahn, Fasnacht 1972

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Thomas Scherer zur Verfügung.

Durch Löffingen fährt eine Straßenbahn! Gerade ruckelt sie über den oberen Rathausplatz. Doch sie fährt nicht nur auf einem kurzen Streckenabschnitt durch das Städtchen. Wenn schon, denn schon, haben sich die Verkehrsplaner wohl gedacht und den großen Wurf gewagt. An der Bahn steht angeschrieben, an welchen Stationen sie hält: »Rathaus – City – Maienland – Witterschnee – Nationalpark«. Mit der letzten Haltestelle ist der recht neu eröffnete Wildpark gemeint.

Es ist Fasnacht und der 1970 neu gegründete Automobilclub hat sich eine originelle Idee für seinen Umzugswagen einfallen lassen.

Standort des Fotografen: 47.884040, 8.344690

Narrenumzug mit Straßenbahn und Jodlerbahn, Fasnacht 1972

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Thomas Scherer zur Verfügung.

Durch die Obere Hauptstraße rollt am »Fasnet Mändig« der Narrenumzug. – Rollt ist in diesem Jahr wörtlich zu nehmen, denn offensichtlich hat das diesjährige Motto Fahrzeuge aller Art zum Thema.

Vor dem Haus Selb (Obere Hauptstr. 12) fahren gerade eine »Straßenbahn« und eine »Jodlerbahn« vorbei. Letztere bewirbt eine »Rundfahrt über das Bläsierwäldle zum Jungfrauschoß bis Fleischmarkt«. Am rechten Bildrand ist zu erkennen, dass sich in der Festhallenstraße gerade eine Baustelle befindet, denn die Realschule (Festhallenstr. 4) wird gebaut.

Standort des Fotografen: 47.884368, 8.347012

»Alte Sonne« und Stadtmühle am Rathausplatz, 1972

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Rund 50 Jahre ist es her, dass die Stadtgemeinde Löffingen im Jahr 1920 das altehrwürdige Gasthaus »Sonne« (Rathausplatz 9/10) kaufte. Der Betrieb des Gasthauses wurde eingestellt, in der ehemaligen Gaststube und den Gästezimmern baute man Wohnungen ein, um die Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg zu bekämpfen. In der linken Gebäudehälfte, in der sich der Ökonomiebereich für die Landwirtschaft befunden hatte, richtete man nach verschiedenen Umbauten die Stadtmühle ein. Sie war bis 1969 in Betrieb und wurde dann eingestellt, weil sie unrentabel geworden war.

50 Jahre später ist es beschlossene Sache, dass die »alte Sonne«, wie das Gebäude immer noch genannt wird, abgerissen werden soll. Im Zuge der Altstadtsanierung soll hier ein modernes Gebäude für die Volksbank, Geschäfte und Wohnungen entstehen. Im Januar 1973 ist es soweit und eines der ältesten Gebäude des Städtchens fällt der Spitzhacke zum Opfer.

Standort des Fotografen: 47.883778, 8.344504

Rückansicht der »alten Sonne« in der Eggertenstraße, 1972

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Die Vorderseite der »alten Sonne« ist auf unzähligen Fotos zu sehen, schließlich zählt der obere Rathausplatz zu den am häufigsten fotografierten Orten im Städtchen. Von ihrer Rückseite hingegen gibt es nur eine Handvoll Fotos, die alle kurz vor dem Abbruch des Gebäudes entstanden sind, um den baulichen Zustand zu dokumentieren. Von der Eggertenstraße aus ist dieses Foto aufgenommen, wobei es sich strenggenommen nicht wirklich um eine Straße handelt, sondern nur um einen engen Winkel, das »Eckeret«.

Bereits 1920 wurde der Betrieb des ehrwürdigen Gasthauses »Sonne« eingestellt. Die Stadtgemeinde baute dann die ehemaligen Wirtshausräume zu Wohnungen aus. Der frühere Veranstaltungssaal diente für viele Jahre als Kirchenraum der evangelischen Kirchengemeinde. Bis 1969 wurde im seitlichen Gebäudeteil die Stadtmühle betrieben. Auch die Rückseite des Gebäudes, die auf dem Foto zu sehen ist, erfuhr einen Umbau und eine neue Nutzung: In den 1960er Jahren baute die Gefriergemeinschaft Löffingen eine Gemeinschafts-Gefrieranlage mit 60 Gefrierfächern ein. Und nach dem Abbruch des Schlachthauses (Bei der Kirche) wurde hier auch ein Gefrierraum für Notschlachtungen geschaffen. Damit ist nun Schluss. Im Januar 1973 wird das Gebäude im Zuge der Stadtsanierung abgerissen.

Standort des Fotografen: 47.883480, 8.344731

Seitengiebel der »alten Sonne« am Rathausplatz, 1972

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Zuletzt sieht die »alte Sonne« (Rathausplatz 9-10) wahrlich marode aus. Daher überrascht es kaum, dass der Abbruch des altehrwürdigen Gemäuers, das seit dem 16. Jahrhundert das Stadtbild prägte, mehr und mehr Akzeptanz in der Bevölkerung findet. Altstadtsanierung ist das Zauberwort und sie erfolgt Anfang der 1970er Jahre häufig mit der »Spitzhacke«. Die »alte Sonne« wird im Januar 1973 abgerissen, um Platz zu schaffen für einen Neubau der Volksbank, für Geschäfte und Wohnungen.

Bereits 1920 wurde der Betrieb des Gasthauses eingestellt und das Gebäude ging in den Besitz der Stadtgemeinde über. Es erfuhr eine Umnutzung und diente fortan vor allem als Wohnhaus und Stadtmühle.

Eine Umnutzung erfuhr auch der kleine Platz neben der »alten Sonne«, der im Vordergrund des Fotos zu sehen ist: Seitdem sich die Volksschule nicht mehr im Rathaus befindet, hat der Platz seine Funktion als Schulhof verloren. In einem einstöckigen Verkaufsladen bietet die Obsthändlerin Monika Wehrle geb. Baader (1910-?) ihre Waren an. In einer Werbeanzeige 1970 wirbt sie mit dem Vers: »Willst frisches Obst, Gemüse und Blumen kaufen, / mußt Du nur zur Monika Wehrle laufen!« Diese Tradition wird auch nach dem Abbruch fortgeführt. 1975 eröffnen in dem an dieser Stelle errichteten Neubau Dieter und Luzia Vierlinger ihr Geschäft für Blumen, Obst und Gemüse.

Standort des Fotografen: 47.883716, 8.344232

Umbau der Rückseite vom Haus Willmann, 1972

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Die Umbauarbeiten an der Rückseite des Hauses Willmann (Rathausplatz 8) schreiten voran, wie dieses Foto zeigt, das von der Eggertenstraße aufgenommen wird. Ein Treppenhaus wird angebaut, das sich vom Erdgeschoss bis zum Dach erstreckt und mit modernen Glasbausteinen versehen ist. Anschließend wird die Fassade komplett verputzt.

Links ist die Rückseite vom Haus von Schumachermeister Emil Schmid (Rathausplatz 7) zu sehen. Sowohl das Haus Willmann als auch das Haus Schmid wurden nach einem Brand 1834 neu gebaut. Am rechten Bildrand kann man über den früheren Schulhof zum Rathaus schauen. Noch steht auf dem Nachbargrundstück die »alte Sonne«. Sie wird 1973 abgerissen und an ihrer Stelle ein modernes Wohn- und Geschäftshaus errichtet.

Standort des Fotografen: 47.883432, 8.344407

Umbau der Rückseite vom Haus Willmann, 1972

Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Von der Eggertenstraße aus werden die Umbauarbeiten an der Rückseite des Hauses Willmann (Rathausplatz 8) fotografisch festgehalten. Die Mauer wird vom Erdgeschoss bis zum 2. Obergeschoss hinauf mit dem Presslufthammer aufgebrochen. Danach wird ein Treppenhaus angebaut, das mit modernen Glasbausteinen versehen ist. Anschließend wird die Fassade komplett verputzt. Hinter dem Verputz verschwindet das Flickwerk unterschiedlicher Mauersteine, wie Bruchsteine und Ziegelsteine, die Rückschlüsse auf die Baugeschichte des Hauses erlaubten.  

Standort des Fotografen: 47.883470, 8.344102

2 Fotos: Narrengruppe auf dem Rathausplatz, Fasnacht 1972

Diese Fotos stellten uns dankenswerterweise Dietmar Vogt und Rita Willmann zur Verfügung.

Eine Narrengruppe hat sich auf dem Rathausplatz zu einem Gruppenfoto versammelt. Vermutlich handelt es sich größtenteils um Frauen des katholischen Müttervereins. Der Haufen ist bunt zusammengewürfelt, neben mehreren »Indianern« gibt es u.a. kleine Cowboys und Clowns. Laut geht es zu. Es wird gelacht, es wird gesungen, ein Akkordeon wird gespielt. Im Hintergrund ist das Rathaus zu sehen, neben dessen Eingang ein gelbes Telefonhäuschen steht. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite parkt ein VW-Käfer mit Neustädter KFZ-Kennzeichen. Dahinter ist der kleine Gemüseladen von Monika Wehrle und der Seitengiebel der »alten Sonne« zu sehen. Das baufällige Gebäude wird wenige Monate später abgerissen.

1.Reihe, v.l.n.r.: Ursula Geisinger, ???, ???, Elisabeth Ratzer, Dietmar Vogt, Markus Frei
2.Reihe, v.l.n.r.: ???, Inge Maier, ???, Mathilde Schmid, Georg Mayer, Maria Hall, ???, Lotte Ratzer

Standort des Fotografen: 47.883703, 8.344250

Bau des Realschulgebäudes in der Festhallenstraße, 1972

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Renate Meder zur Verfügung.

Nein, der höchste Punkt, den eine Löffinger Hexe erreichen kann, ist nicht auf dem Hexenwagen und auch nicht auf der Fasnachtsbühne oben auf der Pyramide bei der Walpurgisnacht. Auch die Hexenfigur auf dem 1975 errichteten Hexenbrunnen erreicht nur eine Höhe von drei Metern. Der höchste Punkt ist auf diesem Foto zu sehen.

Man muss schon genau hinschauen, um die Hexe zu entdecken, die an dem Baukran baumelt. In schwindelerregender Höhe schwebt sie über der Baustelle der künftigen Realschule in der Festhallenstraße und zeigt allen an, dass Fasnacht ist.

Standort des Fotografen: 47.883753, 8.348594