Hohen Besuch bekommt das Baarstädtchen am 30. August 1894: Der badische Großherzog Friedrich I. (Bildmitte, mit Pickelhaube und hellem Mantel) kommt nach Löffingen, um das Manöver einer gemischten Kavalleriedivision zu besuchen. Böllerschüsse kündigen am Morgen seine Ankunft an. Honoratioren Löffingens und der umliegenden Gemeinden sowie die Feuerwehr begrüßen »Seine Königliche Hoheit« auf dem oberen Rathausplatz.
Die Gebäude, wie hier das Gasthaus »Ochsen« (Rathausplatz 12) und das Haus von Kaufmann Wilhelm Kohler (Rathausplatz 13), sind »vaterländisch beflaggt. Auf dem Foto ist zu erkennen, dass auch einige Frauen in den hinteren Reihen angetreten sind. Ein paar neugierige Jungen drängen rechts ins Bild, um das seltene Schauspiel zu sehen.
Verlag A. Rebholz, Löffingen Dieses Foto stellte dankenswerterweise Georg Willmann zur Verfügung.
Zurecht wird diese Stelle in der Oberen Hauptstraße das »scharfe Eck« genannt. Die Straße macht eine scharfe Linkskurve und führt dann in den Altstadtring. Zwei der Häuser auf diesem Foto wurden nach dem Großbrand von 1907 gebaut: Zum einen der »Stadtbau« (Demetriusstraße 1), dessen Rückseite hier zu sehen ist, zum anderen die Schmiede von Josef Reichhart (Alenbergstr. 1). An der Fassade ist bereits ein Wandgemälde mit Schmiedewerkzeug und den Jahreszahlen »1547« und »1908« sowie den Initialen »K. R.« für seinen Vater Konrad Reichhart und »J. R.« für ihn selbst angebracht. (Anders als heute fehlen noch die Initialen von Leonhard Vergut, der das Anwesen 1932 übernimmt.)
Der Schmiedemeister Josef Reichhart (1874-1942) betreibt auch eine Tankstelle, schließlich führt die Landstraße zwischen Donaueschingen und Freiburg direkt vor seinem Haus vorbei und bringt somit Kunden. Dass der Durchgangsverkehr sich allerdings noch sehr in Grenzen hält, als dieses Bild aufgenommen wird, zeigen die beiden Kinder, die seelenruhig mitten auf der Straße spazieren. Das größere der beiden Mädchen steht auf einem Radelrutsch, einem Roller. Undenkbar heute, wenn man sein Leben nicht riskieren möchte. Auch der Brunnen links lädt heute nicht zum Verweilen ein, weil ständig Autos vorbei fahren. Doch auf dem Foto haben sich zwei Personen auf dem Brunnenrand niedergelassen, um ein Verschnaufspäuschen einzulegen. Es handelt sich um Alois Faller (1857-1939) und seine Enkelin Maria Faller (1919-1967).
Hinter ihnen ist der Seitengiebel der Restauration »Ganterbräu« zu sehen. Sie wird von dem Gastwirt Josef Fritsche (1891-1939) und dessen Ehefrau Maria geb. Ganter (1893-1965) betrieben. Bierkisten sind neben der Hauswand gestapelt.
Der alte Demetriusbrunnen von 1912 wurde durch einen Bombentreffer 1945 zerstört. Im Bombenkrater lag zwischen den Trümmern unversehrt die Brunnenfigur. Neun Jahre später wurde der Brunnen nach einem Entwurf des ehemaligen Löffinger Gewerbeschullehrers Karl Ehret in einer schlichteren Form wieder aufgebaut.
Die Jahreszahl 819 am Brunnentrog erinnert an die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Löffingen. Der 1954 errichtete neue Brunnen wurde »den Kriegsgefallenen, den Vermissten und den Opfern der Heimat« gewidmet.
Der Brunnen reihte sich damit ein in das bereits bestehende Ensemble aus Denkmälern am Unteren Rathausplatz zur Erinnerung an die Kriege 1870/71 und 1914-1918. Die Inschriften an vier Seiten des unteren Brunnenschaftes lauten: »Sankt Demetrius beschütze uns« / »Den Gefallenen des Zweiten Weltkrieges« / »Den Vermissten des Zweiten Weltkrieges« / »Den Opfern der Heimat«.
Verlag A. Rebholz Dieses Foto stellte dankenswerterweise Werner Lubrich zur Verfügung.
Nur eine kleine Fläche rund um den Rathausbrunnen ist gepflastert. Der übrige Rathausplatz und die zuführenden Straßen sind weitgehend unbefestigt. Die Aufnahme zeigt Straßenarbeiter, die einen neuen Belag aufbringen. Das Interesse des Fotografen, der dieses Ereignis festhält, gilt vermutlich der qualmenden Dampfwalze als einem Symbol des Fortschritts, der in Löffingen Einzug hält. Die »Schnitterin« auf dem Rathausbrunnen zeigt sich davon unbeeindruckt.
Schön zu erkennen ist das alte Gasthaus »Sonne«, an dem noch das schmiedeeiserne Wirtshausschild hängt. 1920 findet die 300-jährige Geschichte als Gasthaus ein Ende. Die Stadtgemeinde kauft das Gebäude und richtet darin die Stadtmühle und Mietwohnungen ein.
Diese Fotos stellten dankenswerterweise Emma Kienzle und Werner Lubrich zur Verfügung.
Der Marktplatz ist seit jeher auch Schauplatz für Darbietungen an Festen und an Fasnacht, wie hier im Jahr 1911. Diesmal lautet das Motto für die fünfte Jahreszeit: »Münchner Oktoberfest». Auf dem Foto ist eine Schuhplattlergruppe zu sehen, die auf der Fasnachtsbühne tanzt.
Im Hintergrund steht das alte Gasthaus »Sonne« (Rathausplatz 9/10). Der Giebel am linken Bildrand gehört zum Gasthaus »Löwen« (Rathausplatz 11).
Oberes Bild Am linken Bildrand steht in weißem Anzug Karl Häusle.
Gebr. Ebner, Oberkirch i.B. / Verlag Johann Schmutz, Löffingen Sammlung Familie Waßmer
Neben dem Rathaus beherrscht das Gasthaus »Sonne« den oberen Rathausplatz, der noch Marktplatz heißt. Seit Jahrhunderten befindet sich hier die Gaststätte. Das Gasthaus »Sonne« steht neben dem Rathaus schräg zu den umstehenden Häusern und lässt an den Seiten nur schmale Durchfahrten. Die »Sonne« ist neben dem »Löwen« und dem »Ochsen« das dritte renommierte Gasthaus am Marktplatz, dessen Stern allerdings um die Jahrhundertwende am Sinken ist.
In der Zeit, als dieses Foto entsteht, gibt es ständige Besitzerwechsel im Gasthaus »Sonne«. 1905 gehört sie dem Gastwirt Fridolin Schneider und seiner Frau Maria (geb. Fürderer). Sie verkaufen sie 1906 an ihren Verwandten Johann Baptist Fürderer, der Müller und Bäcker aus Unterfischbach ist. Dieser muss das Gasthaus bereits ein Jahr später wieder aufgeben und verkauft sie seinerseits weiter. Verschiedene Besitzer und Pächter folgen.
1973 erfährt der obere Rathausplatz durch den Abbruch des früheren Gasthauses »Sonne« eine grundlegende Veränderung. An seiner Stelle wird ein modernes Geschäfts- und Wohnhaus errichtet, in dem auch die Volksbank untergebracht ist.
Die Wirtsleute Rother, die das Gasthaus »Löwen« zu dieses Zeit betrieben, gaben diese Werbepostkarte in Auftrag. Die Bilder und der Reklametext auf der Rückseite geben Einblicke in die damalige Auffassung von Gastlichkeit.
Die gutbürgerliche Küche des Restaurants sowie der behagliche Gastraum und das Nebenzimmer werden angepriesen. Die Fremdenzimmer verfügen teilweise über Duschen. Es gibt ein Etagenbad.
Das äußere Erscheinungsbild des Gasthauses hat sich nur wenig verändert. In großen Lettern prangt auf der Fassade der Name »Löwen-Post«. An Stelle der früheren Garage gibt es ein Geschäft mit Schaufenster. Das Vorgärtchen mit seinem schattenspendenden Baum ist verschwunden.
Verlag A. Rebholz Diese Fotos stellten dankenswerterweise Inge Benitz und Rita Willmann zur Verfügung.
Nach dem Großbrand am 28. Juli 1921, bei dem 36 Häuser in Löffingen zerstört wurden, traf am 31. Juli der Innenminister des Landes Baden, Adam Remmele (1877-1951) ein. Er wollte sich ein Bild von dem Ausmaß der Katastrophe machen. Mittlerweile war ein Kontingent der Reichswehr und eine Hundertschaft der Polizei eingetroffen, um die Aufräumarbeiten durchzuführen. Zum Abschluss der Arbeiten kommt Remmele am Samstag, den 17. September 1921 ein zweites Mal nach Löffingen, um der Hundertschaft für ihren Einsatz zu danken.
Auf den beiden Bildern schreitet der Innenminister die Front der angetretenen Polizisten ab. In gebührendem Abstand stehen einige Erwachsene und Kinder. Vor allem letztere sind sicherlich fasziniert von dem besonderen Ereignis eines Ministerbesuchs. Die meisten Löffinger haben aber vermutlich Wichtigeres zu tun, als nach einem Minister Ausschau zu halten.
Links im Bild steht vor dem Gasthaus »Löwe« ein Bierlaster der Brauerei Rothaus.
Verlag J. G. Fleig, Hornberg | Dieses Foto befindet sich im Stadtarchiv.
Auf dieser Mehrbildkarte sind zwei Ansichten zu sehen: Zum einen das Gasthaus »Löwe«, vor dem eine Pferdekutsche steht. Sie soll wohl an die ehemalige Poststation im »Löwen« erinnern. Auf dem zweiten Bild ist eine Gesamtansicht zu sehen. Sie wurde von der heutigen Göschweiler Straße aus aufgenommen. Der Blick geht über Wiesen und Felder zum Städtchen. Vor den ersten Häusern verläuft in einer Absenkung die neu erbaute Bahnlinie, die neue moderne Verbindung zur Welt.
Das Gasthaus »Löwen« trägt auf diesem Foto einen Namenszusatz, wie auf dem Wirtshausschild zu entziffern ist: »Hộtel de Lion d‘or«. Seit 1882 hatte das Gasthaus diesen französischen Zusatz, um offenbar französische Kundschaft anzusprechen. Zur damaligen Zeit war dies durchaus bemerkenswert. Denn das Verhältnis zwischen den beiden »Erbfeinden« Deutschland und Frankreich war nach dem Krieg 1870/71 alles andere als freundschaftlich. Aber auf individueller Ebene sah das offenbar anders aus.
Die Ansichtskarte wird am 24. März 1903 von Löffingen aus an »Monsieur Camille Critsch« im elsässischen Sausheim versendet. Darauf sind auf Französisch folgende Zeilen geschrieben: »Voici un souvenir de notre séjour dans cette belle forêt noire…«. (Auf Deutsch: »Hier ein Gruß von unserem Aufenthalt in diesem schönen Schwarzwald…«).
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Gertrud Faller zur Verfügung.
»Gasthaus zum goldenen Löwen« steht in großen Buchstaben auf dem Schild an der Fassade des 1715 erbauten Wirtshauses. Diesen Namen trägt das Lokal ab 1842. Kurz zuvor war der »Löwen« Poststation geworden. Über 40 Jahre hindurch hielten die Postkutschen vor dem Haus. Die Löffinger hatten nun eine Zustiegsmöglichkeit zum vernetzten Postliniennetz. Über vier Stunden dauerte zur Postkutschenzeit die Fahrt von Neustadt nach Donaueschingen.
Doch diese Zeiten sind lange vorbei, als dieses Foto aufgenommen wird. Statt Postkutschen fahren Kraftfahrzeuge, weshalb der »Löwe« extra eine neue Garage für seine Gäste als Stellplatz anbietet. Betreiber des Gasthauses ist der Gastwirt und Küfermeister Wilhelm Jordan (1902-1970) und seine Ehefrau Elisabeth geb. Schäfer. Ein kleines Gärtchen, eingehegt von einem weiß gestrichenen Holzzaun, befindet sich vor dem Gebäude. Zwei Bäumchen spenden Schatten, dazwischen steht eine Sitzbank und lädt zum Verweilen ein.
Verlag A. Rebholz, Löffingen | Sammlung Familie Waßmer
Die Perspektive des Fotos ist so gewählt, dass die Brunnenfigur mit dem Blumenschmuck im Vordergrund zu sehen ist. Der Blick geht an der »Schnitterin« auf dem Rathausbrunnen vorbei zum Gasthaus »Ochsen« (Rathausplatz 12) und zum Haus Vogt (Rathausplatz 13). »Zigarrenhaus Vogt – Groß- u. Kleinverkauf« steht groß auf einem Werbeschild über dem Schaufenster.
Das Haus Vogt, das den Rathausplatz oben abschließt, weist eine Besonderheit auf. Das Zigarrengeschäft Wilhelm Vogt verfügt über einen imposanten Eingang. Vier Holzsäulen rahmen die Eingangstür und die zwei Fenster ein. Ein mit Schnitzereien versehener Querbalken bildet den oberen Abschluss des Eingangsportals. Im zweiten Stockwerk bietet ein Balkon einen herrschaftlichen Blick auf den Platz. Der Laden kann auch durch einen seitlichen Eingang von der Durchfahrtstraße betreten werden. Oben am Giebel ragt ein Balken heraus, über den mit einem Seilzug Lasten in den Speicher befördert werden können.
Das Foto entsteht nach dem erneuten Umbau und einer weiteren Modernisierung des Gasthauses »Ochsen«. Der frühere Zwerchgiebel auf der linken Seite wurde beseitigt, der einstige Ökonomieteil auf der rechten Seite wurde um ein Stockwerk aufgestockt, sodass sich nun eine einheitliche Geschosshöhe bildet. Das bis dahin steil aufragende Dach wurde abgeflacht. Verschwunden sind die Fensterläden und die Sprossenfenster. Der Rundbogen des Garagentores wurde durch eine quadratische Form ersetzt. Ein Staffelgiebel trennt nun das Gebäude vom angrenzenden Gasthaus »Löwen«.