Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rolf Meßmer zur Verfügung.
Als »Barockhaus« wird das Haus Kaus (Untere Hauptstr. 9a) bezeichnet, obwohl es lange nach der Barockzeit erbaut wurde, die vom Ende des 16. Jahrhunderts bis etwa 1760/70 reichte. Erbaut wurde das Gebäude 1803, aber das Mansardwalmdach gilt als typisch für Barockhäuser. Gemeinsam mit dem 1788 erbauten katholischen Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10) auf der gegenüber liegenden Straßenseite bildet das Haus Kaus eine architektonische Einheit am Ortseingang.
Als das Foto aufgenommen wird, gehört das stattliche Gebäude der Witwe Theresia Kaus geb. Kaier (1860-1935). Sie war mit dem Kaufmann Wilhelm Kaus verheiratet, der aber bereits in jungen Jahren 1895 starb. Das Haus wird bei einem Fliegerangriff am 24. Februar 1945 total ausgebombt und nicht wieder aufgebaut.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Richard Zepf zur Verfügung.
Die Fliegerangriffe der Alliierten im Februar, März und April 1945 gelten vor allem dem Bahnhof mit seiner Infrastruktur, aber auch dem Sägewerk Benz, in dem auch viele NS-Zwangsarbeiter zur Arbeit gezwungen werden. Doch auch viele Häuser, insbesondere in der unmittelbaren Nachbarschaft, werden beschädigt oder komplett zerstört.
Nur noch ein Schutthaufen ist übrig geblieben vom Haus Kaus (Untere Hauptstr. 9a), wie am rechten Bildrand zu sehen ist. Das Gebäude wird bei einem Fliegerangriff am 24. Februar 1945 dem Erdboden gleich gemacht. Auch das gegenüberliegende Pfarrhaus der katholischen Kirchengemeinde (Untere Hauptstr. 10) wird in Mitleidenschaft gezogen und stark beschädigt. Das Gebäude kann nicht mehr genutzt werden. Stadtpfarrer Robert Winkel (1897-1972) zieht daraufhin mit den Vikaren in die Kaplanei in der Seppenhofer Straße.
Auf dem Weg durch die »Hasle« nach Seppenhofen blickt der Fotograf zurück in Richtung Städtchen. Zwischen den dunklen Nadelbäumen öffnet sich der Blick auf Löffingen, das friedlich in der Landschaft liegt. Kaum vorstellbar, dass in den zurückliegenden vier Jahren der Erste Weltkrieg tobte und rund 17 Millionen Menschen ihr Leben verloren. Auch 43 Einwohner aus Löffingen fielen auf den Schlachtfeldern, starben in Lazaretten oder erlagen zu Hause ihren Kriegsverletzungen. Sie hinterließen Witwen und Halbwaisen.
Die mächtigen Baumstämme im Vordergrund rahmen den Blick beinahe wie ein Fenster ein. Deutlich heraus ragt die katholische Pfarrkirche St. Michael, die das Ortsbild noch klar dominiert. Das Rathaustürmchen und auch die Wallfahrtskirche Witterschneekreuz am Horizont sind hingegen erst auf den zweiten Blick zu entdecken. Insgesamt wirkt das Städtchen noch klein, umgeben von Wiesen, Feldern und einzelnen Höfen.
Im Vordergrund verläuft der Bahndamm der 1901 eröffneten Bahnlinie – ein sichtbares Zeichen des technischen Fortschritts, weshalb vermutlich auch diese Perspektive gewählt wurde. Die Bahntrasse schneidet durch die offene Landschaft und verbindet das abgelegene Baarstädtchen mit der weiteren Welt.
In der Seppenhofer Straße stehen erst wenige Häuser. Das Haus Schreiber (Seppenhofer Str. 19) beispielsweise wird erst nach dem Großbrand von 1921 erbaut und fehlt deshalb noch auf dieser Aufnahme. Rechts neben der katholischen Pfarrkirche sind die Rückseiten der Häuser in der Kirchstraße zu erkennen, die beim Großbrand 1929 eingeäschert werden. Auch der alte Farrenstall, der bei den Fliegerangriffen im Zweiten Weltkrieg zerstört wird, ist bereits zu sehen.
Verlag A. Rebholz, Löffingen | Stadtarchiv | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Inge Benitz, Eugen und Melitta Fehrenbach sowie Franz Scholz zur Verfügung.
Am 28. Juli 1921 bricht um die Mittagszeit mitten im Städtchen ein Feuer aus. Karl Bader, der Sohn des damaligen Feuerwehrkommandanten, erinnert sich 40 Jahre später an den Ausbruch des Feuers und die Brandkatastrophe:
»So wies die Uhr die Mittagszeit. Die Straßen waren fast menschenleer, soweit die Arbeit es erlaubte, suchten die Menschen in den Häusern bei meist geschlossenen Fensterläden Schutz vor der Hitze. Kurz vor 2 Uhr ging das schreiende Rufen durch die Straßen: Es brennt. Und schon war auch die Sirene der Holzindustriewerke J. Benz zu hören, welche Großalarm gab. Die Alarmhörner und Kirchenglocken mischten sich in das Geheul der Sirene und ließen keinen Zweifel mehr aufkommen über die Gefährlichkeit der entstandenen Situation. Im Hause des Julius Heer, mitten im Städtchen, war ein Brand ausgebrochen.«
Als dieses Foto am Nachmittag von der »Breiten« aus aufgenommen wird, liegt bereits das halbe Städtchen in Schutt und Asche. Eine riesige Rauchwolke hängt über der Altstadt. Die Zerstörung reicht bis hinauf auf den hinteren Alenberg, wo u.a. das Haus von Bürgermeister Adolf Kuster in Trümmern liegt.
Diese Luftaufnahme entsteht in der Mitte der 1950er Jahre. Zur Datierung dienen verschiedene Anhaltspunkte: Die Evangelische Kirche, aber auch die Siedlung »Neue Heimat« in der Haslachstraße wurden 1952/53 gebaut. Beide sind auf dem Foto bereits zu sehen. Das Foto entsteht aber auch vor 1960/61, da der Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Michael noch nicht verputzt und das Wohn- und Geschäftshaus von Malermeister Karl Sibold (Maienlandstr. 4) noch nicht gebaut ist.
Vor dem katholischen Pfarrhaus in der Unteren Hauptstraße haben sich Aktivisten der NSDAP-Ortsgruppe versammelt. Am Vormittag waren sie bereits in das Pfarrhaus eingedrungen und hatten Stadtpfarrer Guido Andris (1879-1974) aufgefordert, den katholischen Verein »Deutsche Jugendkraft« sofort aufzulösen. Er hatte sich geweigert, diese Forderung zu erfüllen. Die Nationalsozialisten unter Führung von Ortsgruppenleiter Dr. Richard Straub (1894-1938) hatten ihn angeschrien und ihm gedroht, am Nachmittag wieder zu kommen. Jetzt stehen sie wieder vor dem Pfarrhaus und rufen Parolen wie »Heraus mit dem Rebellen!« Dramatische Szenen spielen sich ab, als sich einige mutige Bürger mit dem Geistlichen solidarisieren. Plötzlich fangen die Kirchenglocken an zu läuten und immer mehr Leute strömen zusammen.
Pfarrer Andris telefoniert derweil mit Erzbischof Conrad Gröber (1872-1948). Dieser weist ihn an, nach Freiburg zu kommen. Erhobenen Hauptes verlässt Andris das Pfarrhaus und begibt sich zum nahe gelegenen Bahnhof. Die Nationalsozialisten verhöhnen ihn auf seinem Weg dorthin und singen das Lied »Muß I denn, muß I denn zum Städtele hinaus«. Um 13.47 Uhr fährt der Zug mit Andris ab. Die Nationalsozialisten haben den katholischen Stadtpfarrer gewaltsam aus seiner Gemeinde vertrieben.
Badisch-Pfälzische Flugbetrieb A.G., Mannheim | Verlag A. Rebholz, Löffingen | Stadtarchiv | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Elisabeth und Franz Isele zur Verfügung.
Ein Flugzeug kreist über das Städtchen und ein Luftbild wird aufgenommen. Die »Flugzeugaufnahme« findet als Ansichtskarte Verbreitung. Im Vordergrund ist die heutige Güterstraße zu sehen. Dahinter befindet sich die Bahnlinie und jenseits der Gleise das im Frühjahr 1945 zerstörte Bahnhofsgebäude. Am Ortseingang fallen die beiden Barockhäuser ins Auge: Links das katholische Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10) und rechts das Haus Kaus (Untere Hauptstr. 9a).
Hinter der katholischen Pfarrkirche St. Michael ist die Hafnergasse (heute Kirchstraße) zu erkennen: Die Häuser auf der rechten Straßenseite wurden nach dem Großbrand 1929 neu erbaut. An der »Hasle« steht bereits das Gebäude der Festhalle und Volksschule. Mit dem Bau wurde 1923 begonnen, aber er konnte erst 1936 eingeweiht werden. Die Außenanlage ist hier noch nicht gestaltet.
Unmittelbar am Bahnübergang steht das Haus Kaus (Untere Hauptstr. 9a). Mit seinem hohen, doppelt abgewalmten Dach wirkt es wie ein Gegenstück zum katholischen Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10) auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Zusammen bilden die beiden Gebäude ein markantes Ensemble am südlichen Ausgang des Städtchens. Beide Häuser werden als Barockhäuser bezeichnet, da die doppelt abgewalmten Dächer an die Bauformen Spätbarocks im 18. Jahrhunderts erinnern. Im Vordergrund sind die Gleise und die Schranke des Bahnübergangs zu erkennen.
Das Haus Kaus wurde 1803 errichtet. Ab 1892 wohnten darin der Bierwirt und Kaufmann Wilhelm Kaus (1853-1892) und dessen Ehefrau Theresia Kaus (geb. Kaier, 1860-1935). Das Gebäude wird am 25. Februar 1945 bei einem Fliegerangriff vollständig zerstört. Nach Kriegsende wird es nicht wieder aufgebaut. Damit verschwindet eine Hälfte des einstigen architektonischen Ensembles am Bahnübergang.
Die Aufnahme erscheint 1921 als Bild Nr. 25 in der Zeitschrift »Badische Heimat« unter der Überschrift »Gegenüberliegendes Barockhaus am Ausgang nach Göschweiler«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) führt seine Leser*innen darin anhand von 28 Fotografien durch Löffingen. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift widmet sich der Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens.
Gerade die beiden Barockhäuser begeistern Wingenroth. Zum Abschluss seines Rundgangs schreibt er: »Wir wollen unsere leider kurze Besichtigung mit Erfreulicherem schließen, dessen es gerade in Löffingen noch genug gibt.« Zu diesen erfreulichen Beispielen zählt er ausdrücklich die beiden Häuser am Bahnübergang, die »jeder Stadt eine Zierde wären«. Besonders hebt er ihre »doppelt abgewalmten Dächer« hervor – ein deutliches Beispiel dafür, welche Bauformen der Heimatschutz jener Zeit als vorbildlich und erhaltenswert ansieht.
Beherrschend steht das katholische Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10) am südlichen Ausgang des Städtchens. Der stattliche, nahezu quadratische Baukörper mit seinem mächtigen, doppelt abgewalmten Dach hebt sich deutlich von der kleinteiligeren Bebauung im Hintergrund ab. Fensterläden gliedern die schlichte Fassade, ein Mäuerchen und ein niedriger Zaun grenzt das Grundstück zur Straße hin ab.
Errichtet wurde das Pfarrhaus 1788 unter Stadtpfarrer Johann Georg Eggstein und damit tatsächlich noch im Barock. Es dient über mehr als eineinhalb Jahrhunderte als Amts- und Wohnhaus der Löffinger Stadtpfarrer. Ursprünglich gehörte zum Anwesen auch eine Pfarrscheuer, die jedoch beim Bau der Eisenbahnlinie weichen musste. Das Pfarrhaus wird in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1945 stark beschädigt.
Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Haus Kaus (Untere Hauptstr. 9a) bildet das Pfarrhaus am Bahnübergang nach Göschweiler ein markantes architektonisches Paar. Beide Gebäude besitzen die für ihre Erscheinung so charakteristischen mächtigen Dächer und rahmen den damaligen Ortsausgang ein.
In der Zeitschrift »Badische Heimat« wird die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 24 unter der Überschrift »Barockhaus am Ausgang nach Göschweiler« veröffentlicht. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Schriftleiter der Zeitschrift und Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg, nimmt das Gebäude in seinen fotografischen Rundgang durch Löffingen auf. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift widmet sich besonders solchen als charakteristisch und erhaltenswert empfundenen Zeugnissen regionaler Baukultur.
Zum Abschluss seines Rundgangs zählt Wingenroth das Pfarrhaus und sein Gegenüber ausdrücklich zu den erfreulichen Beispielen Löffinger Architektur. Er schwärmt von den »beiden schönen Barockhäusern, die jeder Stadt eine Zierde wären«, und hebt besonders ihre »doppelt abgewalmten Dächer« hervor. Gerade an dieser Stelle wird deutlich, welche Bauformen dem Heimatschutz jener Zeit als vorbildlich gelten.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Egon Eggert zur Verfügung.
Der Blick fällt von der Rötenbacher Straße in Richtung Städtchen. Im Vordergrund ist der beschrankte Bahnübergang zu sehen. Das Holzhäuschen dient dem Schrankenwärter Egon Eggert (geb. 1924) als Unterstand bei Wind und Wetter. Auf der gegenüberliegenden Seite der Gleisanlagen ist das ehemalige katholische Pfarrhaus zu sehen. Es wurde gegen Kriegsende stark beschädigt, ist hier aber bereits wieder frisch renoviert. Seit 1952 ist darin die Landwirtschaftsschule untergebracht.
Das Foto wurde offenbar an Fronleichnam oder am Patrozinium aufgenommen. Am Kirchturm, der noch nicht verputzt ist, weht eine Kirchenfahne. Auch in der Unteren Hauptstraße sind Häuser beflaggt. Wenn man genau hinschaut, erkennt man, dass gerade eine Prozession durch die Straße zieht.
Weite Wiesen und Felder, das Städtchen, aus dem der Kirchturm hervorragt. Auf dieser Mehrbildkarte verbinden sich zwei Motive: die Gesamtansicht von Löffingen mit der katholischen Pfarrkirche St. Michael und – als eigenes Bildfeld – die Wallfahrtskirche Witterschneekreuz auf der Anhöhe.
Solche Mehrbildkarten sind um diese Zeit beliebt. Sie zeigen nicht nur einen Ort, sondern gleich mehrere seiner Wahrzeichen – für die Daheimgebliebenen ebenso wie für die, die in die Ferne geschrieben wird. Die Karte ist lithografisch gedruckt, farbig gestaltet und sorgfältig komponiert.
Auf der Vorderseite finden sich handschriftliche Zeilen auf Französisch: »Merci à Miss Yette pour sa carte. Tout va bien.« Ein kurzer Dank, eine beruhigende Nachricht. Mehr braucht es nicht. Die wenigen Worte lassen erahnen, dass hier jemand unterwegs ist, vielleicht auf Reisen oder in der Fremde, und mit dieser Karte einen Gruß nach Hause schickt.
In den Nachkriegsjahren wurde dieses Luftbild aus einem Flieger über der Haslach aufgenommen. Deutlich zu erkennen ist, dass sich die 1953 geweihte Evangelische Kirche noch im Bau befindet. Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Bahnhofsgebäude ist noch nicht wieder aufgebaut, aber der Farrenstall in der Bittengasse steht bereits wieder.