Am 30. August 1894 erhält das Baarstädtchen hohen Besuch: Großherzog Friedrich I. von Baden (in der Bildmitte, mit Pickelhaube und hellem Mantel) ist nach Löffingen gekommen, um das Manöver einer gemischten Kavalleriedivision zu beobachten. Schon am Morgen kündigen Böllerschüsse seine Ankunft an. Auf dem oberen Rathausplatz bereiten Honoratioren aus Löffingen und den umliegenden Gemeinden sowie die Feuerwehr »Seiner Königlichen Hoheit« einen festlichen Empfang.
Die Häuser rund um den Platz, darunter das Gasthaus »Ochsen« (Rathausplatz 12) und das Geschäftshaus von Kaufmann Wilhelm Kohler (Rathausplatz 13), sind reich »vaterländisch beflaggt«. Links haben sich einige Frauen dazugestellt. Am rechten Bildrand drängen sich neugierige Jungen ins Bild – sie wollen den seltenen Anblick des Großherzogs auf keinen Fall verpassen.
Verlag A. Rebholz Diese Fotos stellten dankenswerterweise Inge Benitz und Rita Willmann zur Verfügung.
Nach dem Großbrand am 28. Juli 1921, bei dem 36 Häuser in Löffingen zerstört wurden, traf am 31. Juli der Innenminister des Landes Baden, Adam Remmele (1877-1951) ein. Er wollte sich ein Bild von dem Ausmaß der Katastrophe machen. Mittlerweile war ein Kontingent der Reichswehr und eine Hundertschaft der Polizei eingetroffen, um die Aufräumarbeiten durchzuführen. Zum Abschluss der Arbeiten kommt Remmele am Samstag, den 17. September 1921 ein zweites Mal nach Löffingen, um der Hundertschaft für ihren Einsatz zu danken.
Auf den beiden Bildern schreitet der Innenminister die Front der angetretenen Polizisten ab. In gebührendem Abstand stehen einige Erwachsene und Kinder. Vor allem letztere sind sicherlich fasziniert von dem besonderen Ereignis eines Ministerbesuchs. Die meisten Löffinger haben aber vermutlich Wichtigeres zu tun, als nach einem Minister Ausschau zu halten.
Links im Bild steht vor dem Gasthaus »Löwe« ein Bierlaster der Brauerei Rothaus.
Verlag A. Rebholz, Löffingen | Sammlung Familie Waßmer
Die Perspektive des Fotos ist so gewählt, dass die Brunnenfigur mit dem Blumenschmuck im Vordergrund zu sehen ist. Der Blick geht an der »Schnitterin« auf dem Rathausbrunnen vorbei zum Gasthaus »Ochsen« (Rathausplatz 12) und zum Haus Vogt (Rathausplatz 13). »Zigarrenhaus Vogt – Groß- u. Kleinverkauf« steht groß auf einem Werbeschild über dem Schaufenster.
Das Haus Vogt, das den Rathausplatz oben abschließt, weist eine Besonderheit auf. Das Zigarrengeschäft Wilhelm Vogt verfügt über einen imposanten Eingang. Vier Holzsäulen rahmen die Eingangstür und die zwei Fenster ein. Ein mit Schnitzereien versehener Querbalken bildet den oberen Abschluss des Eingangsportals. Im zweiten Stockwerk bietet ein Balkon einen herrschaftlichen Blick auf den Platz. Der Laden kann auch durch einen seitlichen Eingang von der Durchfahrtstraße betreten werden. Oben am Giebel ragt ein Balken heraus, über den mit einem Seilzug Lasten in den Speicher befördert werden können.
Das Foto entsteht nach dem erneuten Umbau und einer weiteren Modernisierung des Gasthauses »Ochsen«. Der frühere Zwerchgiebel auf der linken Seite wurde beseitigt, der einstige Ökonomieteil auf der rechten Seite wurde um ein Stockwerk aufgestockt, sodass sich nun eine einheitliche Geschosshöhe bildet. Das bis dahin steil aufragende Dach wurde abgeflacht. Verschwunden sind die Fensterläden und die Sprossenfenster. Der Rundbogen des Garagentores wurde durch eine quadratische Form ersetzt. Ein Staffelgiebel trennt nun das Gebäude vom angrenzenden Gasthaus »Löwen«.
Diese modern gestaltete und sogar farbige Ansichtskarte zeigt eine Außenansicht und zwei Innenaufnahmen des Gasthauses »Ochsen« vor dem Umbau im Jahre 1968. Damaliger Besitzer ist der Metzgermeister Helmut Köpfler. Die Karte diente dazu, Gäste zu werben und findet als Kartengruß von Gästen Verbreitung.
Der Innenraum präsentiert sich als helle lichtdurchflutete Gaststube mit Holzfußboden und halbhoher Holzvertäfelung. Einfache Stühle stehen um Tische mit weißen Tischtüchern. Die Fotos wurden für diese Ansichtskarte bearbeitet und coloriert, sodass man durch die Fenster in hellblauen Himmel blicken kann.
Auf der Rückseite der Werbepostkarte wird die Ausstattung des Hauses angepriesen: Das Gasthaus verfügt über ein Telefon und die Gästezimmer haben fließend kaltes und warmes Wasser.
Verlag A. Rebholz, Löffingen | Sammlung Familie Waßmer
Vergangen ist die Zeit, dass das Gasthaus »Ochsen« noch das typische Aussehen einer Bauernwirtschaft hatte, mit Haupthaus, in dem sich die Wirtschaft befand, und daneben der Ökonomieanbau mit Stallung und Scheunentor. Auf diesem Foto ist der landwirtschaftliche Teil zu einem Saal umgebaut. Im Stockwerk darüber entstanden Fremdenzimmer. Für die wenigen Gäste mit Auto steht eine Garage zur Verfügung.
Oben im Giebel fordert ein Werbebild mit einem Weinglas dazu auf »Trinkt Laufener«. Der Fotograf bringt durch die Gäste unter den Sonnenschirmen eine einladende Atmosphäre ins Bild. Fast bedauert man als Betrachter, sich nicht dazusetzen zu können. Am Garagentor zur rechten kündet ein Plakat die Eröffnung des neuen Clubhauses des Fußballclubs an.
Wo sich heute meist eine Blechlawine durch das Städtchen zieht und Autos parken, herrscht auf diesem Foto Leere. Ein Mann steht mitten auf der Straße, die noch nicht asphaltiert ist. Vor dem Gasthaus »Ochsen« scheinen ein paar Menschen zu sein. Der Platz dient noch nicht als Parkplatz, sondern als »Marktplatz«, wie auch der Titel der Ansichtskarte lautet. Buntes Markttreiben ist allerdings seit der Jahrhundertwende selten geworden. 1904 ist der Kornmarkt ganz eingestellt worden.
Rechts sind die Gasthäuser »Löwen« und »Ochsen« zu sehen. Der »Löwen« gehört dem aus Grafenhausen stammenden Gastwirt Vinzenz Jäger (1852-1930), der mit Adelheid Jäger (geb. Rogg) verheiratet ist. Der »Ochsen« wird seit dem Tod von Gastwirt Martin Gromann (1866-1905) von seiner Witwe Josefa Gromann geb. Sibold (1863-1937) betrieben. Der Platz findet oben rechts seinen Abschluss in dem Haus von Kaufmann Wilhelm Vogt (1880-1964), der es 1906 erworben hat. Deutlich ist das Schaufenster zu sehen. Vogt, in Bonndorf geboren, ist mit Elisabeth Vogt geb. Martin (1877-1959) aus Hondingen bei Blumberg verheiratet.
Dominiert wird der obere Rathausplatz von einem dreistöckigen Neubau auf der linken Seite. Nach dem Brand von 1907 erwarb die Stadtgemeinde den Brandplatz von Handelsmann Heinrich Wertheimer. Sie errichtete darauf die »Industrie- und Gewerbeschule«. Das Gebäude wurde mehrere Meter zurückgesetzt und so eine breitere Durchfahrt für den Verkehr geschaffen. Das Gebäude verfügt über eine repräsentative Freitreppe und einen Erker zum Platz hin.
Diese Ansichtskarte wird am 21. Februar 1911 von Löffingen nach Göschweiler versendet. Adressiert ist sie an »Fräulein Josephina Effinger«. Sie enthält Glückwünsche zu ihrem Geburtstag.