Haus Funk in der Kirchstraße, ca. 1950-1960

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Edith Biedenbach zur Verfügung.

Das »Funke-Haus« (Kirchstr. 10) wirkt mit seiner schmalen, hohen Fassade und dem steilen Satteldach fast ein wenig gedrungen. Auffällig sind die unregelmäßig angeordneten kleinen Fenster mit Sprossen, die symmetrisch anmuten, aber im Detail doch unterschiedlich sitzen. Im Erdgeschoss befinden sich rechts zwei Fenster mit hölzernen Fensterläden. Ganz oben im Dachgeschoss öffnet sich eine große Ladeluke, die von einem hölzernen Vorbau überdacht wird. Von hier aus wird über einen Flaschenzug oder Seilzug Heu und Stroh, aber auch Brennholz direkt ins Dachgeschoss eingelagert. Links schließt das Nachbarhaus (Kirchstr. 12) mit einem Staffelgiebel an – ein typisches Merkmal der historischen Bauweise in der Altstadt.

Im Erdgeschoss ist außerdem ein rundbogiger Durchgang zu erkennen, der von der Kirchstraße in die Eggertenstraße führt. Das »Funketörle«, wie er genannt wird, trägt im Volksmund auch den spöttischen Beinamen »Stinktörle«, weil gleich daneben das Plumpsklo liegt. Außerdem entleerten sich in dem dunklen Durchgang häufig Wirtshausbesucher auf ihrem Heimweg. Ein ebenerdig liegender Schweinestall trug auch zum Gestank bei (»Suusoach«).

Das Haus gehört dem Sägearbeiter Johann Georg Funk und seiner Ehefrau Maria Funk (geb. Laule, 1899-1966). Ihr Sohn Richard Funk (geb. 1932) wird es später erben. Doch lange bleibt das Gebäude nicht mehr stehen: 1974 wird es abgerissen.

Standort des Fotografen: 47.883149, 8.344571

Kirchstraße mit viel Schnee, ca. 1985

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Unkundige Besucher*innen des Städtchens könnten glauben, dass das hellblaue Haus und das rosafarbige Haus in der Kirchstraße Altbauten sind, dabei sind beide erst ca. 1980 erbaut worden. Die beiden Vorgängergebäude Funk (Kirchstr. 10) und Hauser (Kirchstr. 8) waren Mitte der 1970er Jahre abgerissen worden. Der Arzt Dr. Gebhard Hecht (1920-2008) errichtete an ihrer Stelle zwei Neubauten mit Staffelgiebel, die sich stimmungsvoll in das Gebäudeensemble des Straßenzuges einfügen.

Ganz links ist das Haus von Maschinenarbeiter Erich Freund (Kirchstr. 12) zu sehen, das in den vergangenen Jahren mehrfach umgebaut wurde. Wo früher das Scheunentor war, ist jetzt ein Garagentor. Darüber befand sich früher ein kleines Fenster, jetzt befindet sich dort ein Balkon mit Balkontür.

Standort des Fotografen: 47.882938, 8.344455

Kirchstraße, ca. 1955

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Ruhig liegt sie da, die Kirchstraße, die damals noch »Hafnergasse« genannt wird. Drei Frauen stehen vor dem Haus Benz (Kirchstr. 12) zusammen und halten ein Schwätzchen. Ansonsten wirkt die Straße fast wie ausgestorben. Von hektischem Verkehr ist nichts zu sehen.

In der Straßenmitte steht noch der alte Laufbrunnen, der später zu den Aussiedlerhöfen nach Stettholz versetzt wird. Eine Holzbiege, ein Karren, ein paar Holzfässer und ein Misthaufen stehen auf der linken Seite im Straßenraum, der zur Hofreite gehört.

Man sieht es den Häusern auf der linken Straßenseite an, dass es sich um alte Bausubstanz handelt, die seit Jahrzehnten kaum verändert wurde. Das Aussehen der rechten Straßenseite hingegen hat sich nach dem Großbrand 1929 stark verändert: Drei neue Häuser wurden damals erbaut und alle mit Staffelgiebeln versehen. Das angrenzende Haus Walz (Kirchstr. 15), das seit 1951 dem Kaufmann Theo Walz gehört, ist im Erdgeschoss bereits modernisiert und verfügt über breite Schaufenster. Das 1. und 2. Obergeschoss ist aber noch nicht umgebaut. Beim Haus Schelling (Kirchstr. 11) ist im Dachgeschoss eine neue Schleppgaube herausgezogen. Ein Scheunentor ist noch dort zu sehen, wo später der Durchbruch zur Bittengasse, das »Postbögle« geschaffen wird.

Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte werden durch Abbruch und Brand weitere Gebäude des Straßenzuges unwiederbringlich aus dem Stadtbild verschwinden.

Standort des Fotografen: 47.883017, 8.344256

Blick in die verschneite Kirchstraße, ca. 1969

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Drei von den sechs Häusern, die auf diesem Foto zu sehen sind, existieren heute nicht mehr. Abgerissen werden Anfang der 1970er Jahre das Haus Funk mit dem »Stinktörle« (Kirchstr. 10) und das Haus Hauser (Kirchstr. 8), in dessen Erdgeschoss sich ein kleines Schreibwarengeschäft befindet. Ende der 1980er Jahre fällt dann auch das Haus Fehrenbach (Kirchstr. 6) der Stadtsanierung zum Opfer.

Doch noch ist die alte Bausubstanz vorhanden. Da auf dieser Seite der Kirchstraße in der Vergangenheit keine Brände wüteten, handelt es sich wirklich um altehrwürdige Gemäuer. Tief verschneit liegt die Kirchstraße dar, ein einsamer Mensch bahnt sich seinen Weg.

Standort des Fotografen: 47.883053, 8.344340

Kirchstraße, ca. 1969

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Der Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Michael ist als Schattenwurf auf dem Foto zu sehen. Er fällt auf die Kirchstraße, die bereits asphaltiert ist, nur die Regenrinnen sind gepflastert. Vorne rechts ist ein Wagen zu sehen, auf dem geflochtene Körbe stehen. Sie gehören zum Geschäft von Sattlermeister Karl Koch, das nicht mehr auf dem Bild zu sehen ist.

Der Blick fällt auf die gegenüber liegende Straßenseite. Das Haus von Maschinenarbeiter Erich Freund (Kirchstr. 12) ist frisch gestrichen und die Fassade erstrahlt in hellem weiß. Daneben ist das Haus Funk (Kirchstr. 10) mit dem »Stinktörle« zu sehen. Es wird Anfang der 1970er Jahre abgerissen – zusammen mit dem Haus Hauser (Kirchstr. 8), in dem sich noch ein Schreibwarengeschäft befindet, wie an der Markise und dem Schaufenster zu erkennen ist. Es folgen die Häuser Schlenker (Kirchstr. 6) und Fehrenbach (Kirchstr. 4).

Standort des Fotografen: 47.882935, 8.344446

Rosa Henzler mit Enkelkind in der Kirchstraße, ca. 1965

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Andrea Wörner-Schießel und Klaus-Peter Wörner zur Verfügung.

Mitte der 1960er Jahre sind die Misthaufen und die aufgeschichteten Holzbiegen, die früher der Hafnergasse ihr besonderes Gepräge gaben, längst aus dem Straßenraum verschwunden. Mehrere der vormals hier wohnhaften Landwirte sind in die Aussiedlerhöfe nach Stettholz umgezogen und haben ihre landwirtschaftliche Anwesen im Städtchen aufgegeben. Statt Heuwagen parken nun Autos in der Kirchstraße. Der Laufbrunnen im oberen Teil der Straße kommt nicht mehr zur Geltung, sondern ist ebenfalls zugeparkt. Auch er wird in Kürze verschwinden und in Stettholz wieder aufgebaut.

Im Vordergrund steht eine ältere Frau mit einem kleinen Mädchen an der Hand und lässt sich fotografieren. Es ist Rosa Henzler geb. Winterhalder (1900-?), die Inhaberin des Kaufhauses Henzler (Kirchstr. 25), mit ihrer Enkelin Andrea Wörner.

Am linken Bildrand ist zu erkennen, dass der Ökonomiebereich des Hauses Kuster (Kirchstr. 14) bereits abgerissen und durch einen Neubau mit Autogaragen und Balkonen ersetzt wurde.

Standort des Fotografen: 47.882952, 8.344242

Haus Benz in der Kirchstraße, ca. 1956

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Adolf Benz zur Verfügung.

Der Hausname des Hauses Benz (Kirchstr. 12) lautet seit über 100 Jahren »Soapfesieders«, da hier von 1874 bis zu seinem Tod 1936 der Seifensieder und Landwirt Anton Benz (1848-1936) mit seiner Familie wohnte.

Als dieses Foto in den 1950er Jahren aufgenommen wird, ist Anton Benz bereits 20 Jahre tot. Das Anwesen wird längst von der nächsten Generation betrieben und gehört mittlerweile der Witwe Josefine Benz geb. Beha (1900-1958), die mit Emil Benz (1882-1946) verheiratet war. Sie wird es bald ihrem Sohn Adolf Benz (1930-2025) übertragen. Die Familie Benz gehört zu den Familien, die 1958 aus dem Städtchen nach Stettholz aussiedelt. Aber der Name »Soapfesieders« bleibt auch danach erhalten.

Dass das Haus Benz ursprünglich zum Mayerhof des Klosters Friedenweiler gehörte, ist hingegen heutzutage aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Dabei erklärt dies, warum sich das Gebäude von den angrenzenden Häusern deutlich unterscheidet. Betrachtet man das Foto, dann fällt auf, dass das Haus Benz die Nachbarhäuser deutlich überragt. Die Geschosshöhen und die Fenster sind größer und wirken stattlicher. Als einziges Haus in dem Straßenzug verfügt es über Staffelgiebel.

Standort des Fotografen: 47.883024, 8.344405

Kirchstraße, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Von der Kirche aus fällt der Blick die leicht gebogene Kirchstraße hinauf. Links steht im Vordergrund das Haus des Seifensieders Anton Benz (Kirchstr. 12) mit seinem markanten Staffelgiebel. Gleich daneben führt ein kleiner Tordurchgang in die Eggertenstraße. Auf der rechten Straßenseite ist das Haus des Sattlermeisters Ernst Geisinger (Kirchstr. 21) zu sehen. Holzstapel und landwirtschaftliches Gerät lagern unmittelbar im Straßenraum, ein paar Hühner laufen frei umher. Weiter oben steht einer der steinernen Laufbrunnen, die noch zum alltäglichen Straßenbild gehören.

Die Kirchstraße ist noch ganz selbstverständlich ein Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsraum zugleich. Vor den Häusern wird Holz gelagert, Tiere bewegen sich auf der Straße, und der Brunnen dient der Wasserversorgung von Menschen und Vieh. Das Haus Geisinger und mehrere angrenzende Gebäude auf der rechten Straßenseite werden wenige Jahre später beim Brand von 1929 zerstört.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 11 unter der Überschrift »Blick von der Kirche in die Seitengasse«. Sie gehört zu den 28 Fotografien, mit denen der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg und Schriftleiter der Zeitschrift, seinen Rundgang durch Löffingen illustriert. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift richtet ihr Augenmerk besonders auf historische Bauformen, gewachsene Ortsbilder und regionale Besonderheiten.

Wingenroth gefällt die Kirchstraße gerade wegen ihres unregelmäßigen, alten Erscheinungsbildes. Er beschreibt sie als »langes gebogenes Gäßlein«, in dem einige der ältesten Häuser mit »gotischen Gewänden« auffielen. Besonders angetan ist er vom steinernen Laufbrunnen und schwärmt von einer früheren Zeit, »die solchen Brunnen so hübsch in die Straße setzte«. Nur eines stört seinen vom Heimatschutz geprägten Blick: der Drahtzaun am Kirchplatz. Aber der befindet sich im Rücken des Fotografen und ist nicht in diesem Bild zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.882911, 8.344179

Haus Rebholz in der Kirchstraße, 1973

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Brigitte und Günter Leber zur Verfügung.

Anfang der 1970er Jahre entsteht dieses Farbfoto in der Kirchstraße. Zu sehen sind von links das Haus von Werkzeugmacher Richard Funk, in dem ein niedriges Törchen den Durchgang zur Eggertenstraße ermöglicht, und daran angrenzend das Haus Hauser, in dem sich ein Schreibwarengeschäft von Rosa Hauser geb. Rebholz befindet. Beide renovierungsbedürftige Häuser werden kurze Zeit später abgerissen und auf dem Grundstück durch Dr. Gebhard Hecht ein neues Wohnhaus erbaut.

Neben dem Schreibwarengeschäft Hauser, zu dem auch noch ein Ökonomieteil gehört, sind die Häuser der Witwe Helene Schlenker geb. Rösch und der Witwe Lina Fehrenbach geb. Hasenfratz zu erkennen. Hinter dem Straßenzug ragt ein Baukran hoch: Am Rathausplatz wird das Gebäude der Volksbank gerade gebaut.

Standort des Fotografen: 47.883127, 8.344534

Aufführung auf der Fasnachtsbühne in der Kirchstraße, Fasnacht 1961

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Anita Stephani zur Verfügung.

Vor der großen Bühne in der Kirchstraße drängt sich die Menschenmenge. Kinder recken die Hälse, Erwachsene lachen und klatschen, als die Stadtmusik. Zwischen den Reihen treten die »Laternenbrüder« auf. Über allem thront die überlebensgroße Hexe der Hexengruppe – zugleich Furcht einflößend und komisch, eine perfekte Kulisse für das ausgelassene Spiel.

Im Hintergrund zeichnen sich auch die Häuser der Kirchstraße ab, unbeabsichtigt Teil der Szenerie. Besonders das Haus von Richard Funk (Kirchstr. 10) fällt ins Auge: Ein Haus mit Wiederkehr zur Straße, einer hohen, schmalen Dachgaube und schweren Holztüren, unter denen ein Aufzugskran angebracht ist. Wer genau hinsieht, erkennt, dass die Fenster schief stehen – ein Zeichen dafür, dass sich Teile des Gebäudes bereits gesenkt haben. Wenige Jahre später wird das Haus, zusammen mit dem Nachbarhaus Heiler (Kirchstr. 8), abgerissen. An ihrer Stelle errichtet Dr. Gebhard Hecht einen Neubau.

Standort des Fotografen: 47.883162, 8.344674

Rückansicht des Hauses Funk in der Eggertenstraße, 1973

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Karl Hauger zur Verfügung.

Fast mittelalterlich mutete das Mauerwerk des Hauses Funk an, wie es sich bis in die 1970er Jahre an seiner Rückseite zur heutigen Eggertenstraße hin dem Betrachter darbot. Im Haus Funk gibt es einen Durchgang, der wegen des daneben liegenden Plumpsklos »Stinktörle« genannt wird. Das Gebäude wird 1974 abgerissen. Es fällt damit genauso dem modernen Zeitgeist zum Opfer wie kurz zuvor das alte Gasthaus »Sonne« in unmittelbarer Nachbarschaft. Das Foto wird vom Grundstück der abgerissenen »Sonne« aus aufgenommen.  

Standort des Fotografen: 47.883511, 8.344616