Kinder des Jahrgangs 1921/22 bei einem Ausflug, ca. 1928

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Christa Egle zur Verfügung.

Heute bleibt die Schulbank leer. Die Kinder des Jahrgangs 1921/22 sind zu einem Ausflug ins Grüne aufgebrochen und versammeln sich für ein Erinnerungsfoto auf einer Wiese. In drei Reihen sitzen und stehen sie dicht beieinander. Dabei ist die Geschlechtertrennung kaum zu übersehen: Vorne haben ausschließlich die Mädchen Platz genommen, während die Jungen in den beiden hinteren Reihen stehen und sitzen. Einzige Ausnahme ist ein Mädchen, das in der Mitte der dritten Reihe steht.

Auch die Kleidung erzählt von ihrer Zeit. Gleich mehrere Jungen tragen Matrosenanzüge mit dem charakteristischen breiten Kragen. Diese Kindermode ist im Kaiserreich außerordentlich beliebt, hält sich aber noch lange darüber hinaus. Die Mädchen tragen Kleider und Schürzen, manche mit großen weißen Kragen oder Schleifen im Haar.

Ein besonders schönes Detail trägt der Junge ganz links in der hinteren Reihe bei sich: An einem Riemen hängt ihm eine kleine Blechdose vor dem Bauch. Vermutlich steckt darin sein Proviant für unterwegs. Schließlich macht ein Wandertag hungrig.

Wo der Ausflug hinführt, ist nicht bekannt. Dichter Wald und Gebüsch bilden die Kulisse. Für die Kinder dürfte es ein kleines Abenteuer sein – und das Gruppenfoto hält einen jener besonderen Schultage fest, an denen einmal nicht Lesen, Schreiben und Rechnen auf dem Stundenplan stehen.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Hedwig Egle (1921-1929), 4 ???, 5 Agathe Köpfler (verh. Jordan, 1922-1982), 6 ???, 7 ???, 8 ???, 9 ???, 10 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 ???, 9 ???, 10 ???
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???

Standort des Fotografen: ???

Männergruppe im Gasthaus XXX, ca. 1925-1930

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Eng zusammengerückt sitzt eine Männergesellschaft an einem langen Tisch. Ob es sich um einen regelmäßigen Stammtisch, eine gesellige Runde oder vielleicht doch um eine Arbeitsbesprechung handelt, ist nicht bekannt. Auffällig ist jedenfalls, dass mit Bürgermeister Adolf Kuster (1874-1946) und den Lehrern Eugen Steidlinger (1873-1939) und Alfred Zwingert (1880-1938) mehrere bekannte Persönlichkeiten des Städtchens vertreten sind. Auch ein uniformierter Mann sitzt mit am Tisch. Zu welcher Organisation er gehört, lässt sich auf dem Foto nicht sicher erkennen. Denkbar wäre etwa ein Beschäftigter der Reichsbahn.

Der Aufnahmeort bleibt also vorerst ein Rätsel. Dabei bietet die Wirtsstube zahlreiche Hinweise. Der untere Teil der Wände ist mit Holz vertäfelt, links steht ein aufwendig verzierter Kachelofen. An den Wänden hängen Reklametafeln für »Fürstenberg Bier« und »Stern-Brezel«, außerdem ein Werbeplakat des Löffinger Maschinenhändlers Christian Faller. Rechts ist ein Fahrplan der Reichsbahn angebracht. Ob die Aufnahme deshalb im Bahnhofslokal entsteht? Dagegen spricht, dass die Fenster nicht recht zu bekannten Ansichten des 1945 zerstörten Bahnhofsgebäudes passen.

Schade ist, dass auch die an der Wand befestigte Zeitung nicht besser zu erkennen ist. Wären Schlagzeilen oder Erscheinungsdatum lesbar, ließe sich die Aufnahme genau datieren. Adolf Kuster ist von 1920 bis 1933 Bürgermeister in Löffingen. Alfred Zwingert wird 1932 zum Oberlehrer in Bühlertal ernannt und verlässt das Städtchen. Das Foto muss also davor entstanden sein. Es bleibt nur die Einordnung zwischen 1925 und 1930 – und die Hoffnung, dass vielleicht jemand die Wirtsstube oder weitere Männer der Runde erkennt.

V.l.n.r.: 1 Lehrer Eugen Steidlinger (1873-1939), 2 ???, 3 ???, 4 ??? (verwackelt), 5 ???, 6 Lehrer Alfred Zwingert (1880-1938), 7 ???, 8 ???, 9 Bürgermeister Adolf Kuster (1874-1946), 10 ???

Standort des Fotografen: ???

Haus Benitz in der Alenbergstraße, ca. 1923-1927

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Noch ist das Wohn- und Geschäftshaus Benitz (Alenbergstr. 7/9) ein Neubau. Nach dem verheerenden Großbrand vom 28. Juli 1921, bei dem Familie Benitz gleich drei Häuser verliert, entsteht das stattliche Doppelhaus nach Plänen der Wiederaufbaukommission unter Leitung des Freiburger Architekten Carl Anton Meckel (1875-1938). Anfang 1923 werden die Wohn- und Geschäftsräume nach und nach bezogen.

Das Gebäude überragt die benachbarten Häuser der Alenbergstraße deutlich. Für den Fotografen ist die Familie auf beide Balkone getreten. Unten stehen mehrere Angehörige um Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959), oben haben die beiden erwachsenen Söhne Joseph Benitz und Paul Benitz Platz genommen. So wird aus der Aufnahme zugleich ein Familienfoto und ein stolzes Bild des gerade erst wiederaufgebauten Hauses.

Unterer Balkon, v.l.n.r.: 1 Albert Benitz (1905-1996), 2 ???, 3 Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959), 4 ???
Oberes Balkon, v.l.n.r.:
1 Joseph Benitz (1897-1981), 2 Paul Benitz (1899-1979)

Besonders interessant ist eine handschriftliche Ergänzung auf dem Abzug. Quer über die Fassade steht in blauer Schrift: »Weinkellerei – Joseph Hogg – Branntweine«. Offenbar dient das Foto als eine Art Entwurf: Familie Benitz plant, mit einer großen Werbeschrift auf die im Haus betriebene Weinhandlung aufmerksam zu machen. Noch existiert die Beschriftung nur auf dem Foto – auf Aufnahmen von 1927 ist sie dann tatsächlich an der Fassade angebracht.

Standort des Fotografen: 47.885040, 8.344570

Rückseite von Benz-Villa in der Bonndorfer Straße, ca. 1925-1930

Stadtarchiv

Die Villa wurde in den 1920er Jahren vom Sägewerksbesitzer Josef Benz (1882-1932) erbaut. Es handelt sich um zwei nahezu identische Villen, die nebeneinander stehen. Zu sehen ist hier nicht die Straßenfront, sondern die Rückseite der Villa Bonndorfer Straße 8, die (später) dem Sohn Hans Benz (1914-1957) gehört.

Der Bau zeichnet sich durch ein breit gelagertes, leicht geschwungenes Walmdach aus, das dem Haus eine weiche, fast organische Form verleiht. Aus dem Dach treten mehrere Gauben mit steilen Giebeln hervor, die zusätzlichen Wohnraum im Dachgeschoss schaffen und die Dachfläche gliedern. Zwei helle Kamine durchstoßen die Dachfläche und setzen vertikale Akzente.

Die Fassade ist zweigeteilt: Während das Erdgeschoss hell verputzt ist, ist das Obergeschoss mit Holzschindeln verkleidet – ein Gestaltungselement, das auch die Nähe zur Holzindustrie widerspiegelt. Die regelmäßig angeordneten Fenster sind mit Klappläden versehen. Auffällig sind zudem zwei spitz zulaufende Fenster, die dem Bau einen leicht historisierenden Charakter verleiht.

Im Hintergrund ist das Schrankenwärterhaus an der Seppenhofer Straße zu erkennen. Die Bonndorfer Straße existiert zu diesem Zeitpunkt noch nicht; der Verkehr verläuft stattdessen über die Seppenhofer Straße in Richtung Seppenhofen.

Standort des Fotografen: 47.880013, 8.345410

Familie Strobel (?) am Waschtrog, ca. 1920

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Heute ist Waschtag – und das bedeutet Schwerstarbeit. Im gepflasterten Hof steht der große verzinkte Waschtrog auf seinen vier Beinen. Darum gruppieren sich mehrere Frauen, die Ärmel hochgekrempelt, die Schürzen festgebunden. Ihre Hände greifen in das warme Seifenwasser, heben nasse Wäschestücke, wringen, reiben, tauchen ein – immer im gleichen Rhythmus, der viele Stunden füllt. Der Duft von Kernseife liegt in der Luft.

Neben den Frauen steht ein Mädchen. Es schaut neugierig in die Kamera, darf dabei sein, muss aber noch nicht mithelfen. Es hört neugierig den Gesprächen der Frauen zu, die über dem Waschtrog geführt werden – mal ernst, mal heiter. Ein Mann hat sich für einen Moment mit aufs Bild gesellt. Er packt beim Wäschewaschen nicht mit an.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Anna Strobel (geb. Guth, 1898-?), 5 ???, 6 ???

Fotos wie dieses sind selten. Während das Arbeitsleben der Männer in der Landwirtschaft und im Handwerk nur gelegentlich fotografisch festgehalten wird – ist die Hausarbeit der Frauen fast nie ein Fotomotiv.

Anna Strobel (1898-?) ist mit dem Landwirt Anselm Strobel (1883-1954) in der »Ziegelhütte« verheiratet.

Standort des Fotografen: ???

Drei Jugendliche im Fotostudio, ca. 1920

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Alexandra Scholl zur Verfügung.

Drei Jugendliche stehen nebeneinander und blicken ernst in die Kamera – so ernst, wie es sich für ein ordentliches Porträtfoto gehört. Das Foto entsteht in einem Fotostudio, wohl in den frühen 1920er Jahren. Der Hintergrund mit Vorhang und gerahmtem Bild ist gemalt, die Bodenlinie markiert den Übergang zur Studiodekoration.

Die beiden Größeren links und rechts tragen Anzug, Weste, Krawatte und Hut – und präsentieren ihre Taschenuhr, die sie an einer Kette mit sich führen. Der Jugendliche in der Mitte trägt eine Schirmmütze. Sind es vielleicht Klassenkameraden?

V.l.n.r.: 1 [Paul Straub?], 2 Otto Schweizer (1906-1992), 3 [Franz Zepf?]

Standort des Fotografen: ???

Männergesangsverein »Eintracht«, ca. 1925

Dieses Foto stellten Christa Egle und Hans-Peter Hepting zur Verfügung.

Die Mitglieder des 1861 gegründeten Männergesangsvereins »Eintracht« versammeln sich zu einem Gruppenfoto. 1919/20 übernahm Hauptlehrer Alfred Zwingert (1880-1938), der in der Mitte der ersten Reihe sitzt, die musikalische Leitung des Vereins. Erster Vorsitzender ist Friseurmeister Julius Limb, der auf dem Foto fehlt. Zweiter Vorsitzender ist der Kaufmann Joseph Benitz (1897-1981), der vorne links sitzt. Auch Schneidermeister Hermann Ganter, der als Schriftführer fungiert, fehlt auf dem Gruppenfoto.

Was mag der Anlass für dieses Foto sein? Im August 1923 nimmt der Verein am großen Preissingen in Freiburg-Littenweiler teil. Die Sänger kehren mit einem ersten Preis nach Hause. Vielleicht wird das Foto deshalb aufgenommen? Jedenfalls tragen die meisten Vereinsmitglieder an ihrem Revers eine Art Festabzeichen oder Auszeichnung. Sie posieren vor dem Gasthaus »Traube« in Seppenhofen, in das man wohl zur Feier des Tages einkehrt.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Joseph Benitz (1897-1981), 2 ???, 3 ???, 4 Hauptlehrer Alfred Zwingert (1880-1938), 5 ???, 6 Karl Hepting (1893-1979), 7 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Ernst Krauß (1897-1978), 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 Otto Schmitt, 9 ???, 10 ???, 11 ???
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 Johann Kaltenbrunner, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 Alfred Geisinger
4.Reihe, v.l.n.r.: 1 Eugen Fehrenbach, 2 Karl Hasenfratz, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 ???, 9 ???, 10 ???

Standort des Fotografen: 47.873322, 8.349300

Fünf Jugendliche bei einem Ausflug ins Grüne, ca. 1925-1930

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

An einem kleinen Hang haben sich fünf junge Männer im Gras niedergelassen – wobei der Ausdruck »Männer« für die Mehrzahl von ihnen wohl übertrieben ist, denn augenscheinlich handelt es sich eher um noch halbe Kinder. Leider ist unbekannt, wer die Fünf sind. Wo das Foto wohl aufgenommen wird? Bei einem Ausflug in die Umgebung? Oder doch einfach nur am Rande der »Hasle« oder auf dem »Ochsenberg«?

V.l.n.r.: 1 ??? (geb. 1907-1909), 2 ??? (geb. 1907-1909), 3 ??? (geb. 1907-1909), 4 ???, 5 August Mösch

Standort des Fotografen: ???

Haus Strobel in der Oberen Hauptstraße, ca. 1922

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Matthias von Dungen zur Verfügung.

»Bei des Mahlers Kreuz« lautet die Adresse der Häuser, die an der Ausfallstraße nach Unadingen in der heutigen Oberen Hauptstraße stehen. Das namensgebende Steinkreuz steht direkt neben dem Haus Strobel (Obere Hauptstr. 35) und ist am linken Bildrand zu sehen. Beim Haus Strobel handelt sich um ein einstöckiges Wohnhaus mit Scheuer und Stallung, an das 1910 rückseitig ein Schweinestall angebaut wurde. Neben dem Kreuz hängt an einer Wäscheleine frischgewaschene Kleidung zum Trocknen in der Sonne. Es ist Frühling. Der Spalierbaum hat noch kein Laub und die Vorfenster sind noch angebracht.

Familie Strobel lässt sich vor ihrem Haus fotografieren. Das Haus gehört seit 1919 dem Landwirt und Gipsermeister Bernhard Strobel (1886-1970) und seiner Ehefrau Anna Strobel (geb. Fehrenbach, 1886-1970). Die beiden sind gleichaltrig, wobei Bernhard Strobel wenige Monate jünger ist. Er kam am 14. August 1886 zur Welt, während Anna Strobel bereits am 24. Mai geboren wurde. Beide sterben im Jahr 1970, Bernhard Strobel am 15. März und seine Witwe folgt ihm am 4. Juni 1970 ins Grab.

Die Strobels sind eine kinderreiche Familie: Drei Jungs sitzen auf einer Holzbank vor dem Haus, während zwei Mädchen gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Vater vor der Haustür stehen. Die drei Jungs sind Hans Strobel (1913-1954), Josef Strobel (1912-?) und Eugen Strobel (1919-2009). Die beiden Mädchen sind Mathilde Strobel (verh. Schilling, 1914-1983) und Hermine Strobel (verh. von Dungen, 1917-1998). Die Tochter Hedwig Strobel (verh. Kienzler, 1923-2007) ist noch nicht geboren. Im zweiten Stock schaut eine ältere Frau zum Fenster hinaus.

Zwei Details sind an dem Foto noch interessant: Zum einen ist die Elektrizität hervorzuheben, die seit 1916 die Häuser des Städtchens mit Strom versorgt. Die gespannten elektrischen Leitungen sind unübersehbar, auch auf dem Dach ist ein Mast angebracht. Zum anderen sticht das Schild ins Auge, das zwischen dem Haus Strobel und dem benachbarten Haus Göhry (Obere Hauptstr. 37) angebracht ist. Darauf ist zu lesen: »Josef Göhry – Schleifanlagen – Schmiedmeister – Hammerwerk«. Offenbar betreibt Josef Göhry (1893-?) im Hof seine Schmiedewerkstatt, die er 1920 eingerichtet hat.

Standort des Fotografen: 47.885284, 8.351461

Familie Baader, ca. 1920

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz sowie Gerda Wach geb. Waibel zur Verfügung.

Familie Baader lässt sich fotografieren. Der Landwirt Emil Baader (1863-1941) wurde am 16. September 1863 geboren. Seine Eltern waren der Sattler und »Ochsen«-Wirt Johann Baader und dessen (erste) Ehefrau Karoline Baader (geb. Faller). Neben seiner Landwirtschaft verdient sich Emil Baader Geld als »Kutscher für Reisende«. Verheiratet ist er mit Ludwina Baader (geb. Jordan, 1867-1932), mit der er zwei Töchter hat. Die Familie wohnt im Haus Nr. 220 (Obere Hauptstr. 3), das Emil Baader im Jahr 1900 gekauft hat.

V.l.n.r.: 1 Emil Baader (1863-1941), 2 Ludwina Baader (geb. Jordan, 1867-1932), 3 Josefine Baader (verh. Waibel, 1905-?), 4 Monika Baader (verh. Wehrle, 1910-?)

Ludwina Baader stirbt 65-jährig am 14. März 1932. Emil Baader folgt ihr am 12. Juni 1941 im Alter von 77 Jahren.

Standort des Fotografen: ???

Feuerwehrübung auf dem oberen Rathausplatz, ca. 1927

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Karl-Heinz Guderian zur Verfügung.

Keine Sorge! Es brennt nicht im Gasthaus »zum goldenen Löwen« (bzw. im »Hôtel au Lion d’Or«, wie auf dem zweisprachigen Wirtshausschild auch auf Französisch zu lesen ist), noch in einem anderen der umstehenden Gebäude. Zwar ist die Feuerwehr im Einsatz. Eine Feuerwehrspritze steht Mitten auf dem oberen Rathausplatz, Wasser aus dem Rathausbrunnen entnehmend. Uniformierte Feuerwehrmänner mit glänzenden Helmen rennen hin und her. Eine Feuerwehrleiter ist ausgefahren. Und die Zuschauer*innen, die dem Spektakel beiwohnen, schauen interessiert, aber tiefenentspannt zu. Das wäre bei einem wirklichen Brand ganz anders, schließlich fielen nur wenige Jahre zuvor, beim Großbrand 1921, 36 Anwesen einer Feuersbrunst zum Opfer. Auch im Gasthaus »Löwen« stehen die Gäste neugierig am Fenster und schauen dem Treiben der Feuerwehr zu. – Klar, es handelt sich um eine Feuerwehrübung! Offenbar gilt die Probe dem Rathaus, die Blicke vieler Zuschauer*innen sind dorthin gerichtet.

Vergleicht man das Foto und die darauf abgebildeten Fassaden vom Gasthaus »Löwen« (Rathausplatz 11), aber auch der angrenzenden Gebäude (Gasthaus »Ochse« und Stadtmühle), die am linken und rechten Bildrand angeschnitten zu sehen sind, mit älteren Ansichten der frühen und mittleren 1920er und jüngeren Bildern der 1930er Jahre, dann wird deutlich, dass die Feuerwehrübung etwa zwischen 1927 und 1930 stattfindet. 1927 erhält die Freiwillige Feuerwehr Löffingen ihre erste Automobilfeuerspritze. Wahrscheintlich wird das nagelneue motorisierte Löschgerät hier zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert.

Standort des Fotografen: 47.884085, 8.344574

Anna Ganter mit ihrer Tochter Else, ca. 1927

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hermann Egle zur Verfügung.

Auf einer Sitzbank im Wald haben sich Mutter und Tochter niedergelassen. Die Frau im Mantel ist Anna Ganter (geb. Hepting, 1900-?), die seit 1922 mit dem Schneidermeister Hermann Ganter (1895-1957) verheiratet ist. Neben ihr sitzt ihre erstgeborene Tochter Else Ganter (verh. Egle, 1923-2011). Ihre Beine baumeln in der Luft. Vielleicht sind die beiden auf einem kleinen Herbstspaziergang in der »Hasle« oder im Stadtwald unterwegs?

Standort des Fotografen: ???