2 Fotos: Köhler-Familie Nägele bei der Arbeit im Stadtwald, 1911

Verlag A. Rebholz, Löffingen | Diese Fotos stellte dankenswerterweise Käthe Kaufmann zur Verfügung.

Die Nägeles waren über mehrere Generationen Köhler, weshalb sie als »s’Kohle Nägeles« bekannt waren. Bis heute heißt der Platz im Stadtwald, an dem ihre Köhlerhütte stand und die Meiler abgebrannt wurden, »Kohlplatz«. Auf dem Foto ist Konrad Nägele (1885-1960) zu sehen, der letzte Köhler. Er legt gerade den so genannten »Bruck«. Die Holzstücke werden zu einem Holzkohlen-Meiler aufgeschichtet, der bis zu 80 m³ umfassen kann.

Die Fotos sind Teil einer Serie, die der Fotograf Anton Rebholz aufnahm.

Standort des Fotografen: 47.909612, 8.323702

Haus Heizmann in der Festhallenstraße, 1913

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Karl Heizmann zur Verfügung.

Für das Foto hat sich Familie Heizmann vor ihrem holzverschindelten Wohnhaus aufgestellt. Drei Generationen sind zu erkennen. Der Landwirt Leopold Heizmann (1844-1920) kaufte 1868 das Anwesen »An der Haslach« in der heutigen Festhallenstraße. 1910 übergab er es an seinen Sohn Anton Heizmann (1879-1929), der ebenfalls Landwirt war und im selben Jahr seine Frau Anna geb. Faller (1884-1960) heiratete. Ein Jahr später wurde ihr erstgeborener Sohn Karl Heizmann (1911-1947) geboren, der auf dem Foto auf dem Arm seiner Mutter zu sehen ist.

Standort des Fotografen: 47.884063, 8.348065

Familie Wehrle vor ihrem Haus am Reichberg, ca. 1915

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Oskar Baader zur Verfügung.

»D’Usländers«, so lautete der Hausname für das Anwesen der Familie Wehrle. Sie wohnte weit außerhalb der Altstadt an der Göschweiler Straße und kam quasi aus dem Ausland nach Löffingen, z. B. um einzukaufen oder die Schule zu besuchen. Das Anwesen gehörte dem Taglöhner Franz Josef Wehrle (1870-1945) und seiner Ehefrau Maria geb. Bausch (1884-1915), die es von ihren Eltern Friedrich und Magdalena Bausch geerbt hatte. Das Haus war nicht an die Wasserversorgung angeschlossen. Etwa 30 Meter entfernt befand sich ein Brunnen, von dem die Wehrles ihr Wasser holen mussten. Hinter dem Bretterverschlag (links auf dem Bild) befand sich außerdem ein großes Wasserfass.

Franz Josef Wehrle wurde 1870 in Dittishausen geboren. Er heiratete Maria geb. Bausch, die aber schon 1915 im Alter von nur 31 Jahren starb. Der Witwer stand mit den Kindern allein da und heiratete 1916 Lina geb. Streit (1893-?), die aus Falkau stammte. Aus erster und zweiter Ehe hatte Franz Josef Wehrle insgesamt zwölf Kinder. Sechs davon sind auf dem Foto vor dem Haus zu sehen. Die junge Frau müsste die erste Ehefrau Maria Wehrle sein. Franz Josef Wehrle starb 1945 im Alter von 74 Jahren.

Standort des Fotografen: 47.879502, 8.342265

Gasthaus »Engel« beim Schneekreuz, ca. 1914

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Erika und Norbert Freudenberg zur Verfügung.

»Gasthaus Engel L. Markstahler«, steht auf dem Wirtshausschild, das am Seitengiebel angebracht ist. Dank dieser Information lässt sich das Bild ziemlich genau datieren. Denn 1914 hat der Milchhändler Ludwig Markstahler das Gasthaus gekauft, das direkt neben der Witterschneekirche steht. Zuvor war der »Engel« seit 1873 im Besitz der Familie Guth gewesen. Ludwig Markstahler betreibt das Gasthaus aber nur kurze Zeit persönlich, denn er ist während des Ersten Weltkrieges Soldat und fällt am 30. Januar 1917. Seine Witwe führt die Land- und Gastwirtschaft weiter. 1924 verheiratet sie sich mit dem Landwirt Heinrich Mayer. Bis 1934 betreiben sie gemeinsam das Gasthaus und stellen dann den Schankbetrieb ein.

Standort des Fotografen: 47.891867, 8.336837

Heinrich Wider und Johann Schmitt als Soldaten in Flandern, 1917

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Heiner Wider zu Verfügung.

Nicht in Löffingen, sondern im fernen Flandern entsteht dieses Doppelporträt von Heinrich Wider und Johann Schmitt. Die beiden Löffinger treffen sich dort an der Front während ihres Militärdienstes im Ersten Weltkrieg. Im Fotostudio lassen sie sich in ihrer Uniform ablichten. Auf der Rückseite ist das Foto mit den Worten beschriftet: »Das Wiedersehen in Flandern 1917. Eine Erinnerung aus der Jugendzeit.«

Beide kehren in ihre Heimat und in ihr ziviles Leben zurück. Johann Schmitt (1878-1967), der ursprünglich aus Württemberg stammt, arbeitet weiterhin als Schneidermeister. Der fast 20 Jahre jüngere Heinrich Wider (1896-1975) tritt in das Baugeschäft seines Vaters ein und wird Bauunternehmer.

Standort des Fotografen: Flandern

Ernst Heiler als Soldat, ca. 1914-1918

Fotograf: Leo Molitor, Neustadt | Dieses Foto stellte dankenswerterweise Paula Veith zur Verfügung.

Ein Soldat steht in feldgrauer Uniform in einem Fotostudio. Seine rechte Hand hat er auf das Tischchen neben sich gelegt, mit seiner linken Hand umfasst er die Koppel seiner Uniform. An seiner Kopfbedeckung sind zwei Kokarden zu sehen, die schwarz-weiß-rote Reichskokarde und eine weitere Kokarde, vermutlich in den badischen Farben.

Vermutlich ist der Soldat Ernst Heiler (1895-1949), geboren am 9. Juni 1895. Er ist Landwirt und verheiratet mit Rosa Heiler (geb. Selb, 1896-1967). Sie betreiben zusammen ihr landwirtschaftliches Anwesen im heutigen Pfarrweg 1. Ernst Heiler stirbt am 15. Februar 1949 im Alter von nur 53 Jahren.

Standort des Fotografen: Neustadt

Fünf Freunde im Fotostudio, ca. 1914

Fotograf: Leo Molitor, Neustadt | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Paula Veith sowie Peter Sackner und Monika Huber zur Verfügung.

Fünf Jugendliche lassen sich in einem Fotostudio aufnehmen. Alle sind herausgeputzt und tragen Anzüge. Warum die jungen Männer ein gemeinsames Foto von sich wollen, ist unbekannt. Es könnte sein, dass das Verbindende der 1905 gegründete Turnerbund ist.

1.Reihe, sitzend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Franz Schweizer (1899-1971)
2.Reihe, stehend, v.l.n.r.: 1 Karl Sibold (1893-1976), 2 Anselm Zepf (1898-?), 3 ? Faller

Standort des Fotografen: Neustadt

Franz Schweizer als Soldat im Ersten Weltkrieg, 1917

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Alexandra Scholl und Paula Veith zur Verfügung.

Der Gipsermeister Franz Schweizer (1871-1938) ist bereits 43 Jahre alt, als der Erste Weltkrieg im August 1914 beginnt. Geboren wurde er 1871 im schwäbischen Bad Ditzenbach. 1897 hatte er nach Löffingen eingeheiratet und eine Familie gegründet. Jetzt ist er Soldat. Seine Frau Anna Schweizer (geb. Götz) und seine Kinder bangen um ihn und hoffen, dass ihr Ehemann und Vater gesund nach Hause zurückkehrt.

Franz Schweizer stirbt am 22. August 1938 im Alter von 67 Jahren, rund ein Jahr vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges.

Standort: Unbekannt

Mann mit Mädchen hinter dem Haus Kaus, ca. 1915

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Rolf und Ingrid Meßmer zur Verfügung.

Hinter dem Haus Kaus in der Unteren Hauptstraße sitzen ein Mann und ein Mädchen auf einem Bänkchen. Hinter ihnen ist ein holzverschindelter Schuppen zu sehen. Zwei zahme Rehe, die kein Anzeichen von Scheue zeigen, und zwei Hühner sind mit auf dem Bild zu sehen.

Das Mädchen ist Paula Kaier (1903-1984), die später den »Linden«-Wirt Ernst Meßmer (1897-1950) heiraten wird. Der Mann könnte Dr. Josef Schmelcher (1855-1923) sein, der seit 1882 in Löffingen als praktischer Arzt tätig ist und unter dessen Leitung das Krankenhaus vergrößert wurde.

Das Haus Kaus wird bei einem Bombenangriff am 24. Februar 1945 zerstört.

Standort des Fotografen: 47.882285, 8.343487

Werkshalle des Sägewerks Benz mit Kamin, ca. 1915

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Franz Rosenstiel zur Verfügung.

Die älteste Ansicht des 1911/12 von Josef Benz (1882-1932) errichteten Sägewerkes ist auf diesem Foto zu sehen. In der Anfangszeit bestand das Werk aus einem zweigattrigen Sägewerk mit einer angeschlossenen Kistenfabrik. Auf dem Giebel der aus Holz errichteten Fabrikhalle steht mit großen Buchstaben geschrieben: »JOSEF BENZ – Dampfsäge Hobelwerk Holzhandlung Kistenfabrik«. Hinter der Halle ragt der Benz-Kamin in die Höhe, aus dem gerade dunkler Rauch aufsteigt. Die Halle brannte beim Großfeuer am 7. Juli 1928 ab und wurde beim Wiederaufbau durch ein massives Steingebäude ersetzt.

Das Foto wurde von der Rötenbacher Straße aus aufgenommen, vom Grundstück der »Benz-Villa« (Rötenbacher Str. 12) aus, deren Gartenzaun zu sehen ist. Im Hintergrund ist das Haus von Landwirt Ernst Göhry (Hohlgasse 2) zu erkennen. Als diese Aufnahme entstand, war Ernst Göhry nicht zu Hause, sondern stand als Soldat im Feld. Er gehörte dem Infanterie-Regiment Nr. 445 an. Im Mai 1918 fiel der Gefreite im Alter von nur 38 Jahren. Er hinterließ Frau und Kinder. Seine Witwe Wilhelmina Göhry geb. Guth verheiratete sich später in zweiter Ehe mit dem Landwirt und Schmied Franz Amann.

Standort des Fotografen: 47.882752, 8.340017

Rosa Heiler geb. Selb im Fotoatelier, ca. 1914-1918

 

Fotograf: Leo Molitor, Neustadt
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Luzia Heiler zur Verfügung.

Eine junge Frau lässt sich im Fotoatelier fotografieren. Es ist Rosa Selb (1896-1967), die später Ernst Heiler (1895-1949) heiratet. Das Foto hat er vermutlich bei sich, als er Soldat im Ersten Weltkrieg ist. Daher könnten die Gebrauchsspuren und Knicke herrühren.

Standort des Fotografen: Neustadt

Blick von der Hohlgasse auf das Städtchen, ca. 1911/12

Verlag A. Rebholz
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

 Diese Gesamtansicht des Städtchens wurde von der Hohlgasse aufgenommen. Über eine unbebaute Wiese geht der Blick in Richtung Bahnlinie. Jenseits der Gleise sind in der Bahnhofstraße der 1901 eröffnete Bahnhof, das Haus des Briefträgers Josef Fehrenbach (Bahnhofstr. 2) und das Dienstwohnungsgebäude der Großherzoglichen Eisenbahnverwaltung (Bahnhofstr. 4) zu sehen. Das Haus des Drehers Christian Faller (Bahnhofstr. 3) wird kurze Zeit später 1913 gebaut. Auch der »Benzbau« in der Ringstraße wird erst später 1923/24 errichtet.

Durch die fehlende Bebauung sind die Häuser des Altstadtrings kaum verdeckt. Da sie aber im Tal liegen, ist nicht viel mehr als die Dächerlandschaft zu erkennen. Staffelgiebel gibt es kaum, da diese erst beim Wiederaufbau nach dem Großbrand 1921 Verwendung fanden. Aus der Altstadt ragen der Rathausturm und der Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Michael empor.  

Im Vordergrund rechts ist eine Lagerfläche zu erkennen, die zum Sägewerk gehört. 1911/12 entstand das Werksgelände der Holzindustriewerke Josef Benz AG im Bereich der heutigen Güter- und Kesselstraße. Es bestand zunächst aus einem zweigattrigen Sägewerk mit einer Kistenfabrik, wurde dann aber rasch weiter ausgebaut.

Standort des Fotografen: 47.885179, 8.339647