Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.
An der diesjährigen Straßenfasnacht beteiligen sich diese drei Narren: Wagnermeister Hermann Schelling (1914-1998), Ernst Rogg (1887-1941) und Kaufmann Konrad Bader (1915-1946). Gerade ziehen sie durch die Demetriusstraße.
Sie stehen vor den Häusern Werne (Demetriusstr. 11) und Fürst (Demetriusstr. 10), die beide 15 Jahre zuvor nach dem Großbrand neu gebaut wurden. Die Straße ist noch nicht asphaltiert. Nur vor den Hauseingängen sind Pflastersteine verlegt.
Die Schmuckmappe ist mit dem Stadtwappen verziert und trägt darunter die Inschrift: »Unserem Führer«. Damit gemeint ist Reichskanzler Adolf Hitler, der seit dem Tod von Reichspräsident Paul von Hindenburg 1934 auch das Amts des Staatsoberhaupts ausübt und sich »Führer« nennt. Schlägt man die Mappe auf, dann findet man eine Schmuckurkunde. In geschwungener Schrift mit Tinte geschrieben, offenbart ihr Inhalt den faschistischen Personenkult um den Diktator: »Anlässlich der Eröffnung der Adolf-Hitler-Schule, deren Fertigstellung wir der Schaffung des Dritten Reiches durch unsern Führer verdanken, verleihen in dankbarer Anerkennung die Bürger der Gemeinde Löffingen unserm Führer das Ehrenbürgerrecht.«
Tatsächlich wurde der Bau der Festhalle und der Schule an der »Hasle« bereits 1923 begonnen. Durch die Inflation verzögerte sich zunächst die Fertigstellung des Rohbaus. Die Festhalle konnte 1927 weitgehend fertiggestellt und auch fortan genutzt werden. Aber durch die Weltwirtschaftskrise schleppte sich der Innenausbau der Schule dahin. Das NS-Regime nutzte schließlich die Fertigstellung und die Eröffnung des Schulgebäudes am 29./30. August 1936 für ihre Propaganda.
Ob der Gemeinderat in der Nachkriegszeit jemals Hitler, der am 30. April 1945 Selbstmord verübte, jemals die Ehrenbürgerrechte formal aberkannte, ist unbekannt.
Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.
Im Jahr 1936 sind »Märchen und Sagen« das Motto der Fasnacht. Und da die Nazis seit drei Jahren an der Macht sind, sind nicht mehr nur alte Volksmärchen, etwa der Gebrüder Grimm, angesagt, sondern auch die germanische Mythologie. Dieser Umzugswagen widmet sich dem nordischen Gott Thor. Das Schild am Wagen informiert in reinster Sütterlinschrift, was genau dargestellt wird: »Im Zwergenreich ward Thors Hammer geschmiedet«. Der von Kühen gezogene Wagen fährt gerade am »Gebertsaal« (Obere Hauptstr. 11) vorbei.
Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.
Der 24. Februar 1936 ist ein Montag, aber nicht irgendeiner, sondern der »Fasnet Mändig«! Durch die Bahnhofstraße zieht sich der Narrenumzug. Am Bahnhofsgebäude fährt gerade ein Pferdewagen vorüber, der mit Nadelbäumen und Tannenreisig geschmückt ist. Ein Schild informiert, dass hier ein »Märchen« dargestellt wird. Und angesichts der kostümierten Narren mit Zipfelmützen und Rauschebärte, die auf dem Wagen sitzen, kann wohl kein Zweifel bestehen, dass es sich um die »sieben Zwerge« handelt. Und das »Schneewittchen« in einem strahlend weißen Kleid thront hinter ihnen.
Der Bahnhof, 1901 erbaut, wird 1945 bei einem Bombenangriff komplett zerstört. 1953/54 erfolgt der Neubau.
Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.
An Fasnacht zieht der Narrenumzug durch die Vorstadtstraße. Im Anmarsch ist gerade die Stadtmusik, die weiße Zipfelmützen trägt. Eine Schar Kinder läuft neben ihr her. Die Straße ist noch nicht geteert, nur beim Laufbrunnen ist der Platz gepflastert.
Die Häuser im Hintergrund gehören dem Zimmermann Leopold Roth und seiner Ehefrau Apollina geb. Bieler (Vorstadtstr. 4) sowie dem Postschaffner Karl Beha und seiner Ehefrau Luise geb. Bader (Vorstadtstr. 5). Auf das Foto wurde auf die Fassade vom Haus Roth das Aufnahmedatum gestempelt: »24. Febr. 1936«.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Daniela Scherzinger zur Verfügung.
Die Welpen werden vorsichtig im Arm gehalten, als wären sie kostbare Schätze. Vor dem Haus in der Rötenbacher Straße hat sich die Familie Limb aufgestellt, und im Vordergrund sitzt aufmerksam die Hündin Fraya. Sie hat die Kleinen wohl gerade erst zur Welt gebracht und behält ihre Menschen und ihren Nachwuchs genau im Blick.
In der Mitte steht Schreinermeister August Limb (1884-1976), flankiert von seiner Ehefrau Anna Limb (geb. Gebert, 1890-1960) und der Tochter Emma Limb (verh. Binder, 1913-2005). Ein Foto wie dieses entsteht nicht zufällig. Der Hundenachwuchs ist etwas Besonderes, ein Ereignis, das festgehalten werden soll.
V.l.n.r.: 1 Anna Limb (geb. Gebert, 1890-1960), 2 August Limb (1884-1976), 3 Emma Limb (verh. Binder, 1913-2005)
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elisabeth Rosenstiel zur Verfügung.
Nach der Einäscherung bei einem Brand 1930 ist das Haus Rosenstiel (Obere Hauptstr. 45) neu gebaut. Cäcilie Rosenstiel (geb. Winterhalder, 1901-?), die mit dem Landwirt Robert Rosenstiel (1900-?) verheiratet ist, steht vor der Haustür, die Arme in die Hüften gestemmt. Vor ihr steht ihre Tochter Friedhild Rosenstiel (geb. 1932), neben ihr steht ihr Vater, der Landwirt Robert Winterhalder (1871-1940).
Robert Winterhalder, gebürtig vom Blessinghof in Schollach, ist bereits 65 Jahre alt und sehbehindert, weshalb er eine gelbe Armbinde mit drei schwarzen Punkten trägt. Er lehnt sich an den Türrahmen. Zur Familie Rosenstiel haben sich zwei Wanderer gesellt, die im Vordergrund auf den Treppenstufen Platz genommen haben.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Matthias Frank zur Verfügung.
Ein von Pferden gezogener Fasnachtswagen fährt durch die Untere Hauptstraße. Eben kommt er am Geschäft von Friseurmeister Julius Limb (Untere Hauptstr. 4) vorbei. Der Wagen ist mit einem Halbmond geschmückt. Zwei Frauen fahren mit. Hinter dem Wagen marschieren Männer in wallenden Gewändern und mit Turbanen auf dem Kopf. Es wird eine orientalische Szene dargestellt, vermutlich das Märchen »Der alte Sultan« der Gebrüder Grimm. Denn an der Fasnacht 1936 lautet das Motto: »Sagen und Märchen des deutschen Volkes«.
Der Pferdeführer am rechten Bildrand ist Willy Mayer (1907-1994).
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Matthias Frank und Olga Streit zur Verfügung.
Wie aus »Tausendundeiner Nacht« muten die Männer in ihren Gewändern und mit ihren Turbanen an, die auf dem unteren Rathausplatz stehen. Sie führen einen Wagen mit sich, von Pferden gezogen, auf dem mehrere Frauen stehen. Der Wagen ist mit einem Halbmond geschmückt. Nur das Kriegerdenkmal zur Erinnerung an den Feldzug 1870/71 mit dem Reichsadler stört die Illusion, man sei im Orient. Die Gruppe stellt vermutlich das Märchen »Der alte Sultan« der Gebrüder Grimm dar. Denn an der Fasnacht 1936 lautet das Motto: »Sagen und Märchen des deutschen Volkes«.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Carola Hannes zur Verfügung.
Am Rathaus fährt ein Fasnachtswagen vorbei. Darauf ist eine riesige Krone zu sehen, in derer Mitte große und kleine Fasnachtsnarren stehen. Der Wagen ist mit Tannenreisig verkleidet, um die Wagenkonstruktion zu verbergen. Die beiden Schilder, die vorne rechts und hinten rechts zu erkennen sind, verraten, welches Motiv hier gezeigt wird. Im feinsten Sütterlin steht geschrieben: »Thors Siegeszug mit der Krone des erschlagenen Riesenkönig« sowie »Thor und sein Hammer – Herrscher über Riesen und Zwerge«.
Offensichtlich wird hier eine mythologische Erzählung aus der »Edda« in Szene gesetzt, in der es um den germanischen Gott Thor geht, dem sein Hammer geraubt worden war. Als er ihn wieder in Händen hielt, erschlug er alle anwesenden Riesen der Familie Thrymrs. Thrymr war einer der Erschlagenen. Es überrascht nicht, dass das Foto vom Umzugswagen aus der Zeit der Nationalsozialismus stammt, denn die »Edda« und der germanische Mythos wurde von den Nationalsozialisten breit rezipiert. Das Motto der Fasnacht lautet 1936: »Sagen und Märchen des deutschen Volkes«.
V.l.n.r.: ???, Elisabeth Hepting, Karolina Auer, Rosa Henzler, ???, Fritz Adrion sen.
»Nach einem Stich«, so signierte in der linken unteren Ecke der Gewerbelehrer Karl Ehret sein Gemälde. Er malte es 1936, ein Jahr nach der Eröffnung des Heimatmuseums, bei dessen Schaffung er sich zweifelsohne Verdienste erworben hatte. Ehrets Gemälde hängt bis heute im Heimatmuseum, ohne dass darauf hingewiesen wird, dass es sich um eine gefälschte Stadtansicht handelt, die völlig ahistorisch ist. Denn der Pädagoge bediente sich einfach aus zwei alten Stadtansichten und fügte sie ineinander. Das Ergebnis ist eine Ansicht des Städtchens, die es so nie gab. Ehret selbst datierte sein Gemälde der »Fürstlich-Fürstenbergischen Stadt Loeffingen« fälschlicherweise in das Jahr »1790«.
Als Vorlage diente ihm größtenteils ein Ölgemälde von 1861 (hier). Er kombinierte es mit Details aus einem Stich, der das Städtchen in den Jahren 1833-1835 zeigt (hier). Darauf ist das 1832 gebaute Rathaus mit dem Rathausturm, aber auch die katholische Pfarrkirche St. Michael mit einem achteckigen Turmhelm an der Südseite des Kirchenschiffes zu sehen, der 1845 abgerissen wurde. Erst 1857 wurde der neue Kirchturm am Westgiebel des Langhauses errichtet.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Monika Huber zur Verfügung.
Das Schaufenster der »Gottlieb«-Filiale am Rathausplatz ist anlässlich des Firmenjubiläums dekoriert. »65 Jahre gute Ware 1871-1936 Gottlieb« ist auf dem runden Schild zu lesen. Weinflaschen und ein Weinfass werden im Schaufenster präsentiert. Darunter ist der Schriftzug »Trinkt deutschen Wein« auf die Scheibe geschrieben. Der Slogan wird seit den 1920er Jahren bei Werbekampagnen verwendet.
1871 war der erste »Gottlieb«-Laden in Saarbrücken durch den Drechsler Ludwig Gottlieb gegründet worden. In den Folgejahren eröffnete er unter Beteiligung seiner Söhne und seines Schwiegersohns weitere Lebensmittelgeschäfte. Vor dem Ersten Weltkrieg verfügte das Unternehmen L. Gottlieb bereits über 300 Filialen. Die Löffinger Filiale befand sich im Haus von Kaufmann Paul Guth.