Land unter heißt es am 10. Juli 1975 im Städtchen! Die Feuerwehr ist im Dauereinsatz! Seit 1958 hat Löffingen kein so verheerendes Hochwasser erlebt. Nach sintflutartigen Regenfällen kann der Stettbach, der ab dem Maienland eingedohlt ist, die Wassermassen nicht mehr fassen und die Fluten ergießen sich über die Straßen. Vor allem in der Unteren Hauptstraße laufen viele Keller voll. Hier fährt ein Feuerwehrauto gerade am Friseursalon Geisinger (Untere Hauptstr. 4) und am Gasthaus »Adler« (Untere Hauptstr. 2) vorbei.
Am 10. Juli 1975 steht Löffingen sprichwörtlich unter Wasser. Ein derart schweres Hochwasser hat das Städtchen seit 1958 nicht mehr erlebt. Auslöser ist ein heftiges Sommergewitter, das binnen drei Stunden 86 Liter Regen pro m² bringt. Der Stettbach – sonst ein unscheinbarer, eingedohlter Bach, der ab dem Maienland unter der Altstadt verläuft – ist den Wassermassen nicht mehr gewachsen. Er tritt über die Ufer und überschwemmt die Straßen.
Während Anwohner*innen und Ladenbesitzer in der Unteren Hauptstraße Keller leerpumpen und die Feuerwehr pausenlos ausrückt, nutzen andere die Gelegenheit, die ungewöhnliche Szenerie zu erkunden. Der Himmel hat sich inzwischen wieder aufgeklart, die Sonne scheint – und so waten einige mit hochgekrempelten Hosenbeinen durch die überflutete Innenstadt.
Man benötigt eine Lupe und muss das Luftbild schon genau studieren, um Anhaltspunkte zu seiner Datierung zu finden. Beginnen wir im Stadtzentrum: Am oberen Rathausplatz klafft eine Lücke. Die »alte Sonne« ist bereits abgerissen, aber der Neubau der »Volksbank« noch nicht errichtet. Am rechten Bildrand ist die Realschule und die Sporthalle in der Festhallenstraße zu erkennen. Der Rohbau steht bereits, aber noch fehlen die Fenster und ein Kran zeigt deutlich an, dass die Bauarbeiten längst noch nicht abgeschlossen sind. Die Luftaufnahme muss also 1973 entstanden sein. Dazu passt, dass in der Ferne in Dittishausen das Appartementhochaus grüßt, das 1972 fertiggestellt wurde.
Im Vordergrund ist das Neubaugebiet am Reichberg zu erkennen. Nachdem sich das Städtchen im Verlauf der 1960er Jahre »Auf der Breiten« und »Im kleinen Brühl« ausgedehnt hat, setzt Anfang der 1970er Jahre eine rege Bautätigkeit auf dem Reichberg ein. Auf dem Foto werden gerade die Häuser in den Straßen »Am Reichberg« und in der »Birkenstraße« gebaut.
Schwarzwald-Verlag GmbH, Offenburg / Sammlung Familie Waßmer
Im Haus Alenbergstr. 28 betreiben Hans Jordan und Agathe Jordan geb. Köpfler das Café »Alenberg«, zu dem auch eine Pension gehört. Auf der Werbepostkarte sind zwei Ansichten abgebildet. Oben ist der Garten hinter dem Haus zu sehen, auf dem Sitzbänke und Sommerliegen zum Verweilen einladen. Für die kleinen Gäste gibt es einen Sandkasten. Unten ist ein Blick in den Cafébereich zu sehen. Ein modernes Fernsehgerät hängt im Hintergrund an der Wand.
Schwarzwald-Verlag GmbH, Offenburg / Sammlung Familie Waßmer
»Cafe« steht in großen Buchstaben am Haus Alenbergstr. 28. Darin betreiben Hans Jordan und Agathe Jordan geb. Köpfler das Café »Alenberg«, zu dem auch eine Pension gehört. Vier Autos parken vor dem Haus, um zu signalisieren, dass es ein beliebtes Lokal zur Einkehr ist. Auf der Terrasse hinterm Haus stehen blaue Sonnenschirme.
Umgebaut und modernisiert ist es, das Haus Baumgart in der Alenbergstraße, das nach dem Großbrand 1921 erbaut wurde. Es gehört seit Mitte der 1950er Jahre dem Schreiner Kurt Baumgart und seiner Ehefrau Hermine geb. Zürcher (1907-?). Sie hatte es von ihren Eltern übernommen, dem Schuhmacher Julius Zürcher (1873-1955) und dessen Ehefrau Berta geb. Morath (1883-1965). Verglichen mit älteren Aufnahmen fallen die baulichen Veränderungen ins Auge: Das Scheunentor mit seinem Rundbogen ist verschwunden und an seiner Stelle ein modernes Garagentor eingebaut. Die hölzerne Stalltür ist entfernt und der frühere Zugang zum Stall mit Glassteinen zugemauert. Die Fensterläden, die früher an der Fassade zu sehen waren, fehlen.
Von der erhöhten Vorstadtstraße fällt der Blick hinunter auf das Haus Kirner in der Alenbergstraße. Nach dem Großbrand 1907 waren die beiden Brandplätze der Häuser 82 und 83 zusammengelegt und darauf ein Neubau errichtet worden. Das Haus gehörte dem Landwirt Severin Kirner (1875-1958), der in Seppenhofen geboren war. Gemeinsam mit seiner aus Friedenweiler stammenden Frau Maria Kirner (geb. Trescher, 1884-1961) führte er das Anwesen. Das Ehepaar Kirner übergab das Haus 1953 an den Sohn Johann Kirner (geb. 1920), der die Landwirtschaft weiter betrieb.
Nach dem Großbrand 1907 wurden die Brandplätze von den Häusern 252 und 253 zusammengelegt und darauf ein Neubau errichtet. Viele Jahrzehnte wohnte hier der Schneidermeister Johannes Schmitt (1878-1967), der aus dem Württembergischen stammte und in zweiter Ehe mit Mathilde geb. Ruf aus Rötenbach verheiratet war. Er betrieb in dem Haus in den Alenbergstraße sein Schneidergeschäft. 1959 kauften der Bergmann Robert Hörner und seine Frau Lina geb. Kirner (geb. 1927) das Anwesen. Als dieses Foto aufgenommen wurde, befand sich in den früheren Ladenräumlichkeiten im Erdgeschoss die Fahrschule Mogel.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Werner Lubrich zur Verfügung.
Das Rathaus wird renoviert. Während die Fassade am oberen Rathausplatz eingerüstet ist, ist vom unteren Rathausplatz aus auf den ersten Blick nicht viel von den Renovierungsarbeiten zu erkennen. Der Weihnachtsbaum steht auf dem Platz. Die Straße ist abgesperrt und ein Kran blockiert die Durchfahrt.
Das Rathaustürmchen fehlt auf dem Bild, es wird gerade grundlegend saniert. Die Kupferarbeiten führt Blechnermeister Josef Heiler durch. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten werden in die Kugel unter dem Kreuz die Namen von Bürgermeister Dr. Dieter Mellert, der Handwerker und der Bediensteten des Rathauses eingelassen.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Werner Lubrich zur Verfügung.
Das Rathaus ist eingerüstet, weil seine Fassade gerade renoviert wird. Der Rathausplatz ist von Autos zugeparkt. Dass hier früher Märkte abgehalten wurden, ist kaum mehr vorstellbar. Nur die Brunnenfigur der »Schnitterin«, die aus dem Autoblech herausragt, erinnert noch daran. Die Zeiten, dass sich im Erdgeschoss des Rathauses die Markthalle befand, sind lange vorbei. Heute befinden sich dort die Kurverwaltung und die Stadtbücherei, wie auf den Fensterscheiben zu lesen ist.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Adolf Benz zur Verfügung.
Im Frühjahr 1973 bricht im Ökonomieteil des Aussiedlerhofs von Adolf Benz (1930-2025) im Stettholz ein Feuer aus. Die Feuerwehr muss mangels Wasserreservoir mit Gülle löschen. Der Ökonomieteil ist nicht zu retten und brennt bis auf die Grundmauern nieder. Glücklicherweise kann die Feuerwehr aber ein Übergreifen der Flammen auf das Wohngebäude verhindern. Dies ist auch der Brandmauer zwischen Ökonomieteil und Wohnbereich zu verdanken, die auf dem Foto zu sehen ist. Die Brandspuren an dem Mauerwerk zeugen von der dramatischen Situation.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Karl Hauger zur Verfügung.
Der Rathausturm ist zur Zeit für Renovierungsarbeiten eingerüstet. Eine ideale Gelegenheit, um hinaufzuklettern und aus ungewöhnlicher Perspektive einen Blick auf das Städtchen zu erhaschen.
Hier fällt der Blick auf den Stadtring in der Demetriusstraße. Neben dem Neubau der Sparkasse (Demetriusstr. 13) stehen das Wohn- und Geschäftshaus »Mode-Egle« (Demetriusstr. 14) und die Metzgerei Butsch (Demetriusstr. 15). Am linken Bildrand ist zu erkennen, dass sich daran noch die alte »Adler«-Scheune anschließt. Sie wird 1980 abgerissen und weicht einem Neubau.
In der außerhalb der Altstadt liegenden Ringstraße steht das Mehrfamilienhaus Ringstr. 8, das seit seiner Erbauung in den 1920er Jahren »neuer Benzbau« genannt wird. Es diente ursprünglich vor allem für Beschäftigte der Holzindustriewerke Josef Benz AG als Werkswohnungen. Hinter dem Bahnhofsgebäude und der Bahnlinie ist das Areal des früheren Sägewerks zu erkennen, das zu diesem Zeitpunkt bereits stillgelegt ist. 1972 schloß es seine Pforten. Noch erinnert aber der Benz-Kamin unübersehbar an diesen wichtigen Industriebetrieb, der für mehrere Generationen Arbeitsplatz vieler Menschen in Löffingen und Umgebung war.