Innenansicht der Kapelle Witterschneekreuz, ca. 1950

Erzbischöfliches Archiv Freiburg, EAF S24/561

Im Jahr 1804 wandte sich Stadtpfarrer Johann Georg Eggstein (1740-1815) in einem Brief an den Kapiteldekan in Villingen. Er beschrieb darin das Wallfahrtswesen zum Witterschneekreuz, das damals noch in einer kleinen Gebetsnische angebetet wurde. Eggstein berichtete: »Täglich komen von 10-20 Stunde Wegs im umkreise Leüthe, theils gesunde, theils kranke, theils zu Fuß, theils auf Wägen und Karren daher, und füllen die Schächerhütte mit den abgeschmackteten Opfern in Wachs, und Holz, mit Weiberharzopfen, Brüsten, Krücken, Händen und Füßen an, daß es ein Grauß ist.«

Fast 150 Jahre sind seitdem vergangen. Die Gebetsnische existiert schon lange nicht mehr. 1846/47 errichtete man die heutige Holzkapelle, an deren Rückwand die Nische integriert wurde. Das Foto offenbart einen seltenen Blick in das Innere der Kapelle. Zu sehen ist eine Ecke: An der holzvertäfelten Wand hängen allerlei Votivbilder, die von Gläubigen zum Dank angefertigt wurden. Ein kleiner Altar ist aufgebaut, vor dem zwei gerahmte Bilder abgestellt wurden. Daneben hängen eine Gehhilfe und hölzerne Krücken, die gehbehinderte Menschen, offenbar nach ihrer Heilung, zum Dank zurückließen. Schon Pfarrer Eggstein erwähnte 1804 solche Krücken.

Aufgenommen wird das Bild von Hermann Ginter, der von 1949 bis 1966 Konservator der kirchlichen Kunstdenkmäler der Erzdiözese Freiburg ist und verschiedene kirchliche Gebäude in der Erzdiözese fotografisch dokumentiert.

Standort des Fotografen: 47.893008, 8.336180

4 Fotos: Kapelle Witterschneekreuz, 1990

Pfarrarchiv

Das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg kommt nach Löffingen, um sich vor Ort einen Eindruck vom baulichen Zustand der Witterschneekapelle zu verschaffen. Augenfällig ist, dass die 1846/47 aus Holz erbaute Kapelle in einem desolaten Zustand ist. Eine Fotodokumentation der Außenfassade entsteht. Dazu wird die Kapelle von verschiedenen Seiten und Perspektiven fotografiert. Auch die Rückseite wird festgehalten: Dabei ist an der alten Holzverschindelung zu erkennen, wo ursprünglich die Gebetsnische angebaut war, in der das Holzkreuz mit der Jesusfigur angebetet wurde. Im Visitationsbescheid vom 9. August 1990 stellt das Erzbischöfliche Bauamt fest, dass die Kapelle entweder abzureißen oder zu restaurieren ist.

Stadtpfarrer Hermann Litterst schreibt am 17. Dezember 1990 zurück: »Ein Abriß kann unsererseits nicht in Frage kommen.« Der drohende Abriss wird abgewendet. Als die Finanzierung der Baumaßnahme gesichert ist, wird die Kapelle 1994 neu verschindelt. Die Arbeiten werden von der Firma Walter (Langenordnach) ausgeführt. Leider verschwinden mit dem neuen Schindelschlag auch die historischen Spuren der Gebetsnische.

Standort des Fotografen: 47.893167, 8.336333

Kapelle und Kirche Witterschneekreuz, August 1970

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Die alte Witterschneekapelle aus Holz ist bereits über 120 Jahre alt. Errichtet wurde sie 1846/47, um den zahlreichen Pilger*innen, die das Schneekreuz aufsuchten, einen geschützten Raum für ihre Gebete zu schaffen. Ihr ursprünglicher Standort war allerdings dort, wo zwischen 1894 und 1898 die neue Witterschneekirche im neoromanischen Stil erbaut wurde. Denn dort hatte der im Schneesturm verirrte Mann zum Dank für seine Errettung sein »Schneekreuz« aufgestellt.

Der Schindelbeschlag ist längst verwittert. Das Glasfenster über dem Eingangsportal ist teilweise zerbrochen. 1977 wird zunächst die Außenfassade der Witterschneekirche renoviert. Erst 1994 wird ein neuer Schindelbeschlag an der Kapelle angebracht.

Standort des Fotografen: 47.892911, 8.336313

Stereofotografie von Kirche und Kapelle Witterschneekreuz, 1907

Fotograf: Pius Straub, Furtwangen // Sammlung Familie Waßmer

Wenige Tage nach dem Großbrand, der am 22./23. März 1907 im Städtchen gewütet und 14 Häuser eingeäschert hatte, kommt ein Fotograf nach Löffingen, um die Zerstörung zu dokumentieren. Auf seinem Weg macht er auch Station bei der 1901 geweihten Witterschneekreuzkirche. Das besondere an seinen Aufnahmen ist, das er Stereofotografien aufnimmt, die seit der Jahrhundertwende sehr populär sind.

Dazu nimmt er aus derselben Perspektive kurz hintereinander zwei Bilder auf, bei deren Betrachtung ein räumlicher Eindruck von Tiefe entsteht, der physikalisch nicht vorhanden ist. Umgangssprachlich wird die Stereoskopie fälschlicherweise als »3D« bezeichnet, obwohl es sich nur um zweidimensionale Abbildungen handelt. Um diese Illusion zu erzeugen, benötigt man beim Betrachten ein Stereoskop, in das die Kartonscheibe mit den beiden Fotos eingelegt wird.

Die Stereofotografie von der Wallfahrtskirche Witterschneekreuz wird beim Bahnübergang aufgenommen. Der Weg zur Linken führt zum Schrankenwärterhäuschen, das an der 1901 eröffneten Bahnlinie steht. Ein Mann und zwei Mädchen stehen auf der Straße, die noch nicht asphaltiert ist, führt sie doch ohnehin als Feldweg nur auf die Felder hinaus, denn die Aussiedlerhöfe »Stettholz« gibt es noch nicht. Hinter der 1894 bis 1898 aus Stein erbauten Kirche im neoromanischen Stil steht die alte Holzkapelle, die in den Jahren 184/47 errichtet wurde. Sie stand ursprünglich am Standort der neugebauten Kirche. An ihrer Rückseite, ihrer Apsis, befand sich einst eine Gebetsnische mit dem »Schneekreuz«, das ein aus dem Schneesturm geretteter Mann zum Dank gestiftet hatte. Am Schindelbeschlag ist der Umriss dieser Gebetsnische noch zu erahnen.

Der Boom der Stereofotografie hält nicht lange an. Aufgrund des höheren technischen Aufwands setzt sie sich nie dauerhaft durch. Außerdem wird sie wenige Jahre später bereits vom neuen Medium Film verdrängt. 

Standort des Fotografen: 47.893639, 8.334806

Kirche Witterschneekreuz, Ausschnitt, ca. 1907-1909

Gebr. Ebner, Oberkirch i.B. / Verlag Johann Schmutz, Löffingen
Sammlung Familie Waßmer

Die in den Jahren 1894 bis 1898 erbaute neoromanische Wallfahrtskirche Witterschneekreuz avanciert nach ihrer Fertigstellung schnell zum beliebten Fotomotiv auf Ansichtskarten. Besonders häufig sind Ansichten, die die neue Wallfahrtskirche aus Stein zusammen mit der alten Kapelle aus Holz zeigen. Dieses Motiv betont, dass es sich um einen alten Wallfahrtsort handelt, dessen Geschichte weiter zurückreicht.

Ursprünglich stand die hölzerne Kapelle am Standort der neuen Wallfahrtskirche, an der Stelle, an der ein aus dem Schneesturm geretteter Mann zum Dank ein Holzkreuz mit Jesusfigur errichten hatte lassen. Dieses Kreuz ist in der neu erbauten Kirche an seinem historischen Standort zu sehen. Die alte Kapelle wurde dazu mehrere Meter verschoben.

Standort des Fotografen: 47.892986, 8.336817

Kirche Witterschneekreuz, ca. 1900

Sammlung Familie Waßmer

Die Ansichtskarte zeigt die neu erbaute Wallfahrtskirche Witterschneekreuz. Am 16. Oktober 1898 wurde die Kirche gesegnet und für die Gläubigen freigegeben. Geweiht wurde sie fast drei Jahre später, am 31. August 1901, durch den Freiburger Erzbischof Thomas Nörber (1846-1920). Die Ansicht ist stilisiert, tatsächlich würde links vor der Kirche die alte Holzkapelle ins Bild ragen und auch das Schrankenwärterhäuschen müsste rechts neben der Kirche im Hintergrund zu erkennen sein. Aber das alles hätte gestört: In dieser Darstellung erhebt sich die Wallfahrtskirche allein auf weiter Flur auf der Anhöhe. Im Hintergrund sind die Berge des Schwarzwaldes zu erahnen.

Die Ansichtskarte ist im Jugenstil gestaltet. Links sind ein paar Stechpalmenzweige mit roten Beeren zu sehen. Ein blaues Ornament fasst die Ansicht vom »Schneekreuz« ein.

Standort des Fotografen: 47.893312, 8.336967

Gemälde »Löffingen im Jahre 1950«, ca. 1980

Stadtarchiv

Das Gemälde zeigt wie in einer Collage verschiedene Stadtansichten. Im Mittelpunkt steht der untere Rathausplatz mit dem Demetriusbrunnen, dem Mailänder Tor und dem Café Fuß (Rathausplatz 5). Links ist die Wallfahrtskirche Witterschneekreuz und die alte Kapelle zu sehen. Sogar der Stationenweg ist abgebildet. Rechts ist die katholische Pfarrkirche St. Michael zu erkennen, hinter der die Festhalle und die Grund- und Hauptschule an der »Hasle« aufragen.

»Löffingen im Jahre 1950« lautet der Titel des Gemäldes. Wenn man genau hinblickt wird aber deutlich, dass die miteinander kombinierten Stadtansichten jüngeren Datums sind. So steht z. B. schon der 1954 geschaffene Demetriusbrunnen, der Kirchturm wurde 1961 verputzt und die Fassadengestaltung des Café Fuß stammt aus den 1970er Jahren, während 1950 noch der Name des damaligen Inhaber Viktor Fuss an die Fassade geschrieben stand.

Im Stadtarchiv wird ein Foto des Gemäldes aufbewahrt. Das originale Gemälde hängt über 6.000 Kilometer entfernt in den USA. Es befindet sich im Besitz von Familie Moesch. Handelt es sich um Nachfahren von August Mösch, der sich als Spieler des FC nach seiner Gründung 1921 hervorgetan hat?

Der Maler des Gemäldes ist unbekannt. Eine Signatur ist nicht zu erkennen.

Mehrbildkarte mit acht Ansichten, ca. 1973

Verlag Schöning & Co
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Willi Pütz zur Verfügung.

Mit diesen acht Ansichten auf einer Mehrbildkarte stellt sich »Löffingen im Schwarzwald« vor. Ein Image soll damit geprägt werden. In der oberen Reihe sind drei Ansichten des Städtchens zu sehen: In der Mitte eine Gesamtansicht, die vom Neubaugebiet »Breite« aus aufgenommen ist, links und rechts zwei Ansichten vom unteren Rathausplatz, das die markanten Gebäude des Rathauses, des Mailänder Tores und des Café Fuß zeigt. Die neue Sparkasse ist bereits gebaut – und am oberen Rathausplatz ist eine Baustelle eingerichtet, wie am Bildrand zu erkennen ist: Der Neubau der Volksbank wird gerade errichtet.

In der unteren Reihe werden einzelne Bauwerke und Sehenswüdigkeiten beworben: Die Festhalle und Schule an der »Hasle«, die neoromanische Witterschneekirche und schließlich das Waldbad, in dem sich augenscheinlich vor allem Kinder und Jugendliche tummeln. In der mittleren Reihe ist die – immer noch – recht neue Attraktion zu sehen, die sich mehr und mehr zu einem Ausflugsziel für die weitere Umgebung entwickelt: der »Wildpark«. Noch werden gar keine Fahrgeschäfte beworben, sondern einzig und allein die Tiere, die die Besucher*innen dort sehen können.

Über sechs Ansichten sticht ein leuchtend hellblauer Himmel in die Augen. Er ist genauso retuschiert wie die pittoresken Wölkchen, die ihm eine lebendige Struktur geben.

2 Fotos: Schafherde bei der B31, 1998

Diese Fotos stellten uns dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Eine Schafherde weidet Hinter dem Alenberg, jenseits der Bundesstraße 31. Die Tiere stehen eng beieinander. Sie lassen sich von dem Autoverkehr, der ununterbrochen an ihnen vorbeirauscht, nicht stören. Es ist ein nasskalter Tag im Spätherbst. Die Sicht ist diesig, der Himmel grauverhangen. In der Ferne ist die Wallfahrtskirche Witterschneekreuz zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.892272, 8.343131

4 Fotos: Stadtpfarrer Litterst bei der Fahrzeugweihe, 1. Mai 1999

Diese Fotos stellten uns dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Traditionell findet am 1. Mai in der Witterschneekirche die Wallfahrtseröffnung mit einem Gottesdienst und anschließender Fahrzeugweihe statt. Auch in diesem Jahr lockt es wieder viele Autofahrer*innen und sonstige Fahrzeugführer*innen aus dem gesamten Hochschwarzwald nach Löffingen.

Dekan Hermann Litterst (1929-2013) geht zusammen mit zwei Ministrant*innen über die zugeparkten Wiesen rund um die Wallfahrtskirche und segnet mit Weihwasser Fahrzeuge aller Art, PKWs, Motorräder, Roller, Fahrräder und Traktoren. Für Litterst, der seit 1977 in der katholischen Pfarrgemeinde St. Michael wirkt, ist es die letzte Fahrzeugweihe, da er im Herbst in den Ruhestand geht.

Die Ministrant*innen sind Eva Thurau und Raphael Picht. Unter den Wallfahrer*innen sind u.a. zu sehen: Alexander Gromann, `??? Zipfel (Rötenbach) und Adelheid Zipfel geb. Vögt (Rötenbach).

Standort des Fotografen: 47.893550, 8.335996

Mehrbildkarte »Gruß aus Löffingen« mit vier Ansichten, 1907

Verlag R. Märklin, Freiburg | Stadtarchiv

Die colorierte Mehrbildkarte aus dem Jahr 1907 vereint vier Ansichten: In der oberen Hälfte ist eine Gesamtansicht des Städtchens zu sehen, die vom Gewann »Breiten« aufgenommen ist. Am linken Bildrand ist das neu gebaute Forstamt (Rötenbacher Str. 8) zu sehen. Die Häuser des Städtchens schmiegen sich an den Fuß des Alenbergs. Nur die katholische Pfarrkirche St. Michael ragt aus dem Häusergewirr heraus.

Darunter sind links und mittig zwei Ansichten des Gasthauses »Pilgerhof« (Maienlandstr. 24) abgebildet: Eine Hausansicht von der Straße aus und ein Blick in die »Gartenwirtschaft«: Unter Bäumen sind Bierbänke aufgebaut, die zur Einkehr einladen. Die vierte Ansicht zeigt rechts die 1901 geweihte Wallfahrtskirche Witterschnee. Sie wurde ab 1894 im neoromanischen Stil erbaut.

Ansichtskarte von der Kirche Witterschneekreuz, 1925

Kunstanstalt Franz Schemm, Nürnberg | Sammlung Familie Waßmer

Am 14. September feiert die Wallfahrtskirche Witterschneekreuz ihr Patrozinium (Kreuzerhöhung). Traditionell findet an diesem Tag eine Wallfahrt statt. So auch 1925.

Am 14. September 1925 versendet ein junger Mann namens Albert diese Ansichtskarte an ein Fräulein Hilda, das in Schlatt (bei Bad Krozingen) wohnt. Mit einigen orthografischen Fehlern schreibt er: »Von hier aus herzliche Grüße. Ist auch mal schön bei einer Walfahrt [!].« Und weiter: »Sind jetzt am Fesbern [!], hab nähmlich [!] Hunger.« Ob er zu seiner Vesperpause in das Gasthaus »Engel«, »Witterschnee« oder »Pilgerhof« oder ob er doch in ein anderes Gasthaus im Städtchen eingekehrt ist, schreibt er leider nicht.

Die farbige Ansichtskarte zeigt zwei Mädchen, die knien und beten. Ihr Gebet zur Muttergottes Maria ist darunter im Wortlaut zu lesen. Das Altarbild, vor dem sie knien, ist eine schwarz-weiß Ansicht der Wallfahrtskirche, die von Blumen eingerahmt ist. Ein Engel schwebt über ihnen. »Gruß aus Löffingen« ist daneben zu lesen.

Standort des Fotografen: 47.892999, 8.336784