Sechs Närrinnen beim »Bunten Abend«, Fasnacht 1954

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Am 21. Februar 1954 findet in der Festhalle der traditionelle »Bunte Abend« des Turnerbunds statt – ein Höhepunkt der Löffinger Fasnacht. Auf der Bühne reiht sich ein Programmpunkt an den nächsten: Sketche, Musik, Tanz, Parodie. Mitten drin: diese sechs Närrinnen in karierter Kleidung (halblange Hosen und Blusen), schwarzen Westen und weißen Gymnastikschuhen, die eine Art Revuetanz aufführen. Im Gleichschritt heben sie die Beine, lachen ins Publikum, und der Applaus ist ihnen sicher.

V.l.n.r.: 1 Irma Hasenfratz (geb. Zepf), 2 ???, 3 Hanni Sibold (verh. Thoma, geb. 1930), 4 Margareta Senn (geb. Zepf, 1932-2021), 5 ???, 6 Friedel Sibold (verh. Bölle)

Standort des Fotografen: 47.882871, 8.347787

6 Fotos: Närrinnengruppe »Jacob Sisters« bei der Wieberfasnet im Gasthaus »Linde«, Fasnacht 1994

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Inge Mayer und Rita Willmann zur Verfügung.

In der Wirtsstube des Gasthauses »Linde« ist an diesem Abend kein Platz mehr frei – die Bühne gehört den Frauen! Seit 1954 wird hier die »Wieberfasnet« gefeiert, mit einem bunten Programm, Gesang, Sketchen und reichlich Lachen. Männer sind an diesem Abend nicht zugelassen – mit einer einzigen Ausnahme: Pfarrer und Vikar dürfen als Ehrengäste zusehen.

Als die »Jacob Sisters« die Bühne betreten, kocht die Stimmung. Vier Närrinnen in identischen Kostümen – blau-weiß karierte Kleider mit Spitzen­schürzen, blonden Lockenperücken und rosa Schleifen im Haar – treten ins Rampenlicht. In den Armen halten sie schneeweiße Plüschhündchen, die sie liebevoll an sich drücken.

V.l.n.r.: 1 Annette Burgbacher (geb. Hall), Ursula Kopp (1930-2018), 3 Maria Hall (1924-2014), 4 Angela Vögt

Damit parodieren sie die echten »Jacob Sisters«, ursprünglich ein deutsches Gesangstrio, später Quartett, das in den 1960er und 1970er Jahren mit Schlagern bekannt wurde – und das sich nie ohne seine kleinen weißen Pudel zeigte. In der Löffinger Version sind die Damen zwar weniger glamourös, dafür umso witziger: Mit übertriebener Eleganz, falschen Wimpern und Schmollmund spielen sie ihre Rollen bis ins Detail. Das Publikum johlt vor Begeisterung – die närrischen »Jacob Sisters« erobern die »Linde« im Sturm.

Standort des Fotografen: 47.884257, 8.346541

Närrische Frauengymnastikgruppe in der Festhalle, Fasnacht 1980

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Im Treppenaufgang der Festhalle haben sich die Frauen der Gymnastikgruppe zu einem Gruppenfoto versammelt. Es ist Fasnacht 1980, vermutlich wird heute der »Bunte Abend« des Turnerbunds veranstaltet. Die Stimmung ist ausgelassen, die Kostüme liebevoll abgestimmt: karierte Röcke oder Westen, weiße Blusen, rote Halstücher und Strohhüte mit Schleifen. Die Frauengymnastikgruppe, sonst für Dehnübungen und Bodenturnen bekannt, zeigt an diesem Abend, dass sie auch auf der Festhallenbühne mit ihrer Darbietung eine gute Figur macht.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Veronika Leber, 2 Margarete Maier, 3 Renate Rosenfelder, 4 Hildegard Kaufmann
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Renate Meder, 2 [Unbekannt] von Wirth, 3 Inari Boehm, 4 Renate Finkbeiner, 5 Annette Ratzer
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 Hannlore Schmidt, 2 Heide Kromer, 3 Rita Schönau
4.Reihe, v.l.n.r.: 1 Maria Hall, 2 Elvira Fischer (geb. Egle, 1925-2020), 3 Margareta Senn (geb. Zepf), 4 Olga Streit (geb. Fehrenbach)

Standort des Fotografen: 47.882912, 8.347952

Drei Närrinnen auf der Festhallenbühne, Fasnacht 1953

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.

Die drei jungen Frauen auf der Bühne der Festhalle zeigen, wie viel Kreativität in der Fasnacht steckt. In aufwändigen Kleidern, die an höfische Mode des 18. Jahrhunderts erinnern, präsentieren sie sich dem Publikum. Die mittlere Närrin trägt sogar eine hohe Perücke, geschmückt mit Federn und Blüten, während ihr bodenlanges Kleid wie ein barockes Festgewand wirkt. Die beiden Frauen links und rechts daneben flankieren sie in weißen Kleidern mit bauschigen Überwürfen und schwarzen Lackschuhen.

Es ist Fasnacht 1953, und die Stimmung in der Festhalle ist ausgelassen. Auf der Bühne wird die »Große Preis-Narren-Modenschau« ausgerufen – eine Schau, die nicht nur das Auge erfreut, sondern auch prämiert wird. Man erkennt, dass viel Arbeit, Phantasie und Stolz in die Kostüme geflossen ist.

V.l.n.r.: 1 Alice Faller (verh. Schilling), 2 Anita Gaede (verh. Hoitz), 3 Angela Meßmer (verh. Hölderle, geb. 1934)

Standort des Fotografen: 47.882923, 8.347825

2 Fotos: Eugen Fehrenbach in der Backstube, ca. 1970

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Sigrid und Eugen Fehrenbach zur Verfügung.

Zwischen Mehlsäcken, Backblechen und dem großen Ofen steht Eugen Fehrenbach in seiner Backstube (Scheffelstr. 1). Der Bäcker- und Konditormeister nimmt gerade mit seinem Schieber frisch gebackene Brote aus dem Ofen. Auf den Backblechen daneben stapeln sich bereits die länglichen Laibe mit kräftiger Kruste, die appetitlich glänzen.

Anfang der 1970er Jahre nennt man sie schlicht »Baguettes«. Besonders beliebt sind sie bei den italienischen Arbeitern des Sägewerks Benz, die man noch als »Gastarbeiter« bezeichnet. Genau genommen handelt es sich jedoch nicht um klassische französische Baguettes – die in Italien ohnehin kaum bekannt sind –, sondern eher um Filoni, wie man die länglichen Brote südlich der Alpen nennt. Eugen Fehrenbach orientiert sich zwar an der Form und der knusprigen Kruste, doch er mischt das Weißmehl mit dunklerem Mehl, sodass die Brote kräftiger ausfallen.

Standort des Fotografen: 47.880091, 8.342530

2 Fotos: Fritschi-Stammtisch im Gasthaus »Ganterbräu«, 2012

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Bernhard Adrion zur Verfügung.

Im Gasthaus »Ganterbräu«, das alle nur »Fritschi« nennen, geht es an diesem Abend lebhaft zu. Eine Runde Männer sitzt in vertrauter Runde zusammen, die Gläser sind gefüllt mit Bier oder Wein. Man kennt sich lange, man lacht, erzählt Geschichten, erinnert sich, und wenn es um Politik oder Vereinsfragen geht, kann es schon einmal hoch hergehen. Aber man bleibt im Gespräch – und genau das ist es, was diese Abende ausmacht.

Die Wirtin Franziska Heiler (geb. Fritsche, 1925-2021) gesellt sich mit an den Tisch. Sie ist mehr als nur Gastgeberin: Sie ist Teil der Runde, Teil der Geschichte dieses Gasthauses, das über Jahrzehnte hinweg ein fester Treffpunkt in Löffingen ist. Auch Vereine kehren hier regelmäßig ein, und sogar der Stadtrat lässt nach seinen Sitzungen gerne den Abend im »Ganterbräu« ausklingen.

Im Uhrzeigersinn, v.l.n.r.: 1 Klaus Benitz (1938-2015), 2 Arno Gauger, 3 Hans Küssner (1937-2020), 4 Bernhard Adrion (geb. 1951), 5 Franziska Heiler (geb. Fritsche, 1925-2021), 6 Winfried Fischer (1939-2019), 7 Hans Heckle (1942-2023), 8 Willi Grohmann, 9 Franz Mürb (1928-2024)

Zwei Jahre später, im September 2014, schließt das »Ganterbräu« für immer seine Pforten. Eine Ära geht zu Ende. Am 24. September 2021 stirbt auch die »Fritschi«-Wirtin Franziska Heiler.

Standort des Fotografen: 47.884351, 8.345660

3 Fotos: Frauengruppe bei einem lustigen Kaffeekränzchen, 1964

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Alexandra Scholl zur Verfügung.

Zuerst sitzen die Frauen noch ganz gesittet beisammen. Vor ihnen auf dem Tisch stehen Kuchen, Torten und die gute Kaffeekanne mit Kaffeeservice. Im Hintergrund hängen gerahmte Bilder, die einiges über den Zeitgeist verraten: Ein Kunstdruck des berühmten »Feldhasen« (1502) von Albrecht Dürer, daneben ein Blumenstillleben, das eine sommerliche Landschaft in den Raum holt.. Alles wirkt ordentlich, so wie es sich für ein Kaffeekränzchen gehört.

Doch schon wenig später hält sich niemand mehr an förmliche Zurückhaltung. Aus dem ernsten Gruppenbild wird eine Szene voller Gelächter: eine der Frauen liegt halb über den Schoß der anderen, Köpfe fallen einander an die Schulter, Hände werden vor Lachen vors Gesicht geschlagen. Es ist ein ausgelassenes, fröhliches Durcheinander, das zeigt, wie vertraut diese Frauenrunde miteinander ist. Ein paar Stücke Kuchen, eine Tasse Kaffee und die richtige Gesellschaft reichen, um einen glücklichen Nachmittag zu erleben.

oberes Bild
V.l..n.r.:
1 [Stefanie Heiler?], 2 Anna Jordan (geb. Fehrenbach, 1907-1982, Wirtin »Küferstüble«), 3 Emma Butsch (geb. Maier, 1886-1971), 4 Maria Schweizer (geb. Ganter (1909-?), 5 Olga Geisinger (geb. Schmutz), 6 Elisabeth Hepting (geb. Münzer, 1897-?), 7 Cäcilie Rosenstiel (geb. Winterhalter, 1901-?)

mittleres Bild
V.l.n.r.:
1 Maria Schweizer (geb. Ganter, 1909-?), 2 Olga Geisinger (geb. Schmutz), 3 Elisabeth Hepting (geb. Münzer, 1897-?), 4 Cäcilie Rosenstiel (geb. Winterhalter, 1901-?), 5 Rosa Henzler (geb. Winterhalder, 1900-?), 6 ??? Duttlinger (Seppenhofen)

Standort des Fotografen: ???

2 Fotos: Marionettentanz beim »Bunten Abend«, Fasnacht 1982

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Wie an Fäden aufgehängt bewegen sie sich über die Bühne: Arme und Beine zucken ruckartig, die Körper kippen zur Seite – ganz so, als würde jemand unsichtbar über ihnen die Strippen ziehen. Beim »Bunten Abend« verwandelt sich die Jazzgruppe des Turnerbunds in ein ganzes Ensemble von Marionetten. Clown, Dirndlmädchen oder Ballerina – jedes Kostüm passt zur Rolle, und das Publikum in der Festhalle ist begeistert.

Die Regie liegt in den Händen von Petra Fehrenbach und Willi Fehrenbach. Mit ihrer Idee gelingt ein Auftritt, der nicht nur tänzerisches Können zeigt, sondern auch mit Witz und Theatralik spielt. Das Motto des Abends ist unübersehbar: »Talentschuppen«. Und tatsächlich beweisen die jungen Tänzerinnen, dass sie Talent haben.

Zu sehen sind u.a. Pia Fehrenbach (Clown mit roter Hose), Ute Kaiser (Dirndl), Anita Fehrenbach (verh. Flößer, grüne Hose), Birgit Kuhlmann (blaues Kleid mit weißer Bluse), Edith Fehrenbach (verh. Mühlbauer, blau-weißer Pierrot) und Doris Bölle (verh. Zimmermann, Ballerina).

Dreieinhalb Stunden dauert das Programm am »Bunten Abend«. Für viele im Saal gehört die Veranstaltung zum festen Bestandteil der fünften Jahreszeit.

Standort des Fotografen: 47.883030, 8.347880

Glockenweihe für die Kirche Witterschneekreuz, Januar 1982

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

In der Pfarrkirche St. Michael werden zwei Glocken festlich präsentiert. Sie sind mit Tannengrün geschückt, denn heute werden sie geweiht. Bestimmt sind sie für die Wallfahrtskirche Witterschneekreuz. Kinder wie Erwachsene haben sich eingefunden, um bei der Weihe dabei zu sein – ein Ereignis, das in Erinnerung bleibt.

V.l.n.r: 1 ???, 2 Kerstin Beck, 3 Karl Schreiber (1910-2001), 4 Fridolin Becher (1930-2020)

Die Wallfahrtskirche Witterschneekreuz war in den Jahren 1894 bis 1896 erbaut und 1901 geweiht worden. Ursprünglich verfügte sie über zwei Glocken, doch die größere wurde im Zweiten Weltkrieg für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen. Erhalten blieb nur die kleine Glocke von 1853, gegossen von der Villinger Glockengießerei Grüninger, 40 kg schwer mit dem Schlagton h′′′+8. Sie ist auf dem Foto rechts zu sehen.

Dank zahlreicher Spenden kann das Geläut nun wieder vervollständigt werden. Am 16. Oktober 1981 wurde in einer Heidelberger Glockengießerei die neue, größere Glocke gegossen. Sie wiegt 63 kg, erklingt im Schlagton gis′′+7 und trägt die Inschriften »Das Kreuz weist uns den Weg« und »Wallfahrtskirche zum Schneekreuz, Löffingen, 1981«. Auch das Bild des Wallfahrtskreuzes und das Pfarrwappen sind darauf angebracht.

Mit der neuen Glocke wird zugleich eine elektrische Läutanlage eingebaut, sodass man zum Läuten nicht mehr auf den Kirchturm steigen muss. Seitdem erklingen beide Glocken gemeinsam – mittags und abends zur Betzeit und selbstverständlich zu den Gottesdiensten.

Standort des Fotografen: 47.882516, 8.344550

Närrisches Treiben im Café Alenberg, Fasnacht 1962

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Helga Küßner und Christa Egle zur Verfügung.

Ein seltener Farb-Schnappschuss aus den frühen 1960er-Jahren: Drei Männer feiern ausgelassen im Café Alenberg. Mit Zylinder und Glas in der Hand posieren sie verschmitzt für die Kamera – ein Blitzlicht lässt die Szene hell aufleuchten und fängt die Stimmung der Nacht ein. Die Wände sind mit Girlanden und Papiersternen geschmückt, eine Sonne aus Pappe blickt von der Wand herab, und hinter der Bar funkeln Flaschen und silberne Dekoration. Alles wirkt improvisiert und gleichzeitig liebevoll vorbereitet. Man meint den Lärm, das Lachen und das gesellige Treiben zu hören.

Wird Fasnacht gefeiert? Oder vielleicht Silvester?

V.l.n.r.: 1 Hans Küßner (1937-2020), 2 Bernd Studer (1932-2026), 3 Emil Kopp (1932-2022), 4 Wirtin Agathe Jordan (geb. Köpfler, 1922-1982)

Im Hintergrund wacht aufmerksam die Wirtin Agathe Jordan geb. Köpfler (1922–1982) über das Geschehen. Sie macht das Café über viele Jahre hinweg zu einem beliebten Treffpunkt.

Standort des Fotografen: 47.887584, 8.342065

Innenraum der Kapelle Witterschneekreuz, ca. 1898

Aus: Kurzer Abriß der Geschichte, Entstehung und Entwicklung der Wallfahrt zum Schneekreuz beim Witterschnee in Löffingen im badischen Schwarzwalde, 1898

Diese Lithographie zeigt die älteste bekannte Darstellung des Inneren der Kapelle Witterschneekreuz. Sie wird in einer Schrift veröffentlicht, die anlässlich der Segnung der neu erbauten neoromanischen Wallfahrtskirche erscheint. Darin wird nicht nur die Geschichte des Wallfahrtsortes erzählt, sondern auch die mündlich überlieferten Wundergeschichten – im Vergleich zur kürzeren Fassung von Stadtpfarrer Anselm Friedrich Kaier aus dem Jahr 1866 – ausführlich ausgeschmückt.

Abgebildet ist das Innere der alten Kapelle, die 1846/47 errichtet und 1894 an ihren heutigen Standort verschoben wurde. Die Wände sind mit Holz verkleidet. Im Zentrum steht der Altar mit einem Kruzifix – allerdings nicht mit dem verehrten »Schneekreuz«, das sich seit dem Bau der steinernen Wallfahrtskirche in deren Innerem befindet. Auffällig sind die zahlreichen Bilder, vor allem Votivbilder, die von Gläubigen als Dank für erfahrene Hilfe gestiftet wurden. Auf Gesimsen sind Statuen von Christus, der Gottesmutter und verschiedenen Heiligen aufgestellt. Schon damals wird die Kapelle regelmäßig geleert und immer wieder neu gestaltet. Die später charakteristische Anordnung mit drei großen Kreuzen – Christus in der Mitte, flankiert von den beiden Schächern – ist hier noch nicht vorhanden.

In der Publikation mit dem Titel »Kurzer Abriß der Geschichte, Entstehung und Entwicklung der Wallfahrt zum Schneekreuz beim Witterschnee in Löffingen im badisch« wird das Innere der Kapelle eindrücklich beschrieben: »Daß in ungeahnter Zahl von Leiden, Nöthen, Beschwerden und Drangsalen die Hilfe des göttlichen Erlösers am Kreuze, beim Schneekreuze, aus weiten Gegenden bis zur unmittelbaren Nähe angerufen wird und daß ebenso in ungeahnter Weise und Zahl Gebeterhörungen und Begnadigungen bei der Gnadenstätte zum Schneekreuze den andächtig gläubig Rufenden vom göttlichen Heiland am Kreuze unläugbar zu Theil wird, liegt der antrügliche Beweis in den nach Hunderten zählenden Votiv-Tafeln, die geopfert werden, vor Augen. Votiv-Tafeln mit Augen, Mund, Nase, Ohren, Händen, Armen, Füßen, Köpfen,
Körpern, alles Theile vom Menschen; aber auch mit Häusern, Feldern und Hausthieren, wie Fuhrwerken bemalt, zieren die Wände oder behängen solche innert der Kapelle. […] Nebst diesen unläugbaren Beweisstücken über erlangte Hilfe im christlich gläubigen Gebete zeugen auch die Menge geopferter Krückenstöcke und Krücken davon.«

Standort: 47.893007, 8.336204

Gemeinderat bei Baustellenbesichtigung im Kultur- und Fremdenverkehrszentrum, 1988/89

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Brigitte Mayer zur Verfügung.

Der Gemeinderat, Bürgermeister Dr. Dieter Mellert sowie Mitarbeiter der Stadtverwaltung – darunter Stadtbaumeister Erwin Stockburger und Kämmerer Artur Klausmann – besichtigen den Neubau des Kultur- und Fremdenverkehrszentrums (KFZ), um sich vor Ort ein Bild vom Baufortschritt zu machen. Auch Albert Ergele ist mit dabei, der bis zum Abbruch des Vorgängergebäudes hier gewohnt hat.

Der Weg bis zu diesem Moment war lang. Bereits seit Jahren beschäftigten sich Gemeinderat und Stadtverwaltung mit dem Haus Welte (Kirchstraße 3), das im Volksmund »Ergele-Haus« heißt. Nach zähen Kaufverhandlungen erwarb die Stadt das Gebäude 1982. Ursprünglich war noch eine Sanierung im Gespräch, doch die Bausubstanz erwies sich als stark geschädigt. Eine Instandsetzung wäre nicht nur sehr teuer geworden, sondern hätte auch die vorgesehenen neuen Funktionen als Kultur- und Fremdenverkehrszentrum nur schwer zugelassen. 1987 erteilte die Denkmalschutzbehörde schließlich die Genehmigung zum Abbruch des spätmittelalterlichen Hauses.

Auf dem 790 m² großen Grundstück entstand ein Neubau, dessen markanter Turm als Reminiszenz an das »Obere Tor« gedacht ist, das einst nur wenige Meter entfernt stand. Die Bauleitung übernahm Architekt Ferdinand Beck. Nach zweijähriger Bauzeit wird das Kultur- und Fremdenverkehrszentrum am 22. April 1989 eröffnet. Darin befinden sich zukünftig nicht nur die Kurverwaltung, sondern auch ein Veranstaltungssaal, Räumlichkeiten für die Stadtbücherei und das Heimatmuseum sowie das Stadtarchiv.

V.l.n.r.: 1 Elvira Fischer (geb. Egle, 1925-2020), 2 Albert Ergele (1937-2021), 3 Herbert Wiggert, 4 Stadtbaumeister Erwin Stockburger, 5 Bürgermeister Dr. Dieter Mellert (1941-2019), 6 Hugo Ketterer (1930-2020), 7 Hubert Katla, 8 Werner Waßmer, 9 Kämmerer Artur Klausmann, 10 Helga Beck, 11 [Hugo Mayer?], 12 ???

Standort des Fotografen: 47.884064, 8.345634