Haus Butsch in der Demetriusstraße, ca. 1976

Stadtarchiv

Fotografien von der Jahrhundertwende bis in die Gegenwart zeigen, dass das Haus Butsch (Demetriusstr. 15) über lange Zeit hinweg erstaunlich unverändert geblieben ist. Auch die Fassade hat sich über Jahrzehnte kaum gewandelt. Seit 1957 ist dort der Schriftzug »Metzgerei Butsch« zu lesen; zuvor stand an gleicher Stelle in identischer Schrifttype »Metzgerei Werne«.

Im Jahr 1957 übernahm Metzgermeister Willy Butsch (1913-1991) das Anwesen und das Geschäft. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Emma Butsch (geb. Satler, 1911-2006) führte er die Metzgerei über viele Jahre. Eine Modernisierung erfolgte um 1964, als im Erdgeschoss ein breites Schaufenster eingebaut wurde. Abgesehen von diesem Eingriff blieb die äußere Gestaltung jedoch erhalten. 1972 ging der Betrieb an die nächste Generation über: Metzgermeister Dieter Butsch (1940–2023) übernahm das Geschäft und führt es seitdem gemeinsam mit seiner Ehefrau Uta Butsch.

Das Gebäude bildet den mittelalterlichen Stadtring. Seine Geschichte lässt sich weit in die Vergangenheit zurückverfolgen. Bereits 1494 ist an dieser Stelle das »11. Gut« des Klosters Friedenweiler erwähnt, das auch als »Uli Mayers Gut« bezeichnet wird. Dabei handelt es sich jedoch um einen Vorgängerbau, denn beim Stadtbrand von 1535 wurde das gesamte Städtchen – mit Ausnahme der Kirche – zerstört.

Standort des Fotografen: 47.883658, 8.343690

5 Fotos: Volkstrauertag auf dem unteren Rathausplatz, November 1999

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Traditionell findet das Totengedenken am Volkstrauertag auf dem unteren Rathausplatz statt. Am Mailänder Tor befinden sich seit 1930 die Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Der 1954 geschaffene Demetriusbrunnen erinnert zudem an die Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Kirchgang versammelt sich hier die Gemeinde.

Der Volkstrauertag wurde 1922 als Gedenktag für die Kriegstoten des Ersten Weltkriegs eingeführt. In der Bundesrepublik Deutschland wird er seit 1952 als staatlicher Gedenktag begangen und erinnert heute allgemein an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Dieses Gedenken ist jedoch nicht unproblematisch. Lange Zeit wurde pauschal der Gefallenen gedacht – und damit auch Soldaten eingeschlossen, die Teil eines verbrecherischen Angriffskrieges waren. Spätestens seit der Wehrmachtsausstellung von 1995, die in verschiedenen Städten gezeigt wurde und eine öffentliche Debatte entfachte, ist bekannt, dass nicht nur SS und Waffen-SS, sondern auch Teile der Wehrmacht an Kriegsverbrechen beteiligt waren und Mitverantwortung für den Holocaust trugen. Der Volkstrauertag steht seither stärker im Spannungsfeld zwischen persönlichem Gedenken, historischer Aufarbeitung und kritischer Erinnerungskultur.

Auf den Fotos ist die Gedenkfeier zu sehen: Die Stadtmusik spielt, die Feuerwehr tritt an und senkt die Fahne. Während sich die Anwesenden zum stillen Gedenken versammeln, hält Bürgermeister Frank Schmitt (1963-2005) eine Ansprache. Für ihn ist es eine Premiere: Erst seit Kurzem ist er Bürgermeister von Löffingen.

Standort des Fotografen: 47.883707, 8.343856

Narrengruppe im Schaufenster vom »Zigarren-Vogt«, Fasnacht 2005

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Susanne Obergfell und Gaby Vogt zur Verfügung.

Wie lebende Schaufensterpuppen stehen sie reglos hinter der Glasscheibe: Am »Fasnet Mändig« hat sich diese Narrengruppe als antike Römerinnen und Römer verkleidet. Sie ziehen nicht mit dem Narrenumzug durch die Straßen und mischen sich auch nicht unter das närrische Volk. Stattdessen haben sie im Schaufenster des »Zigarren-Vogt« am Rathausplatz Aufstellung genommen.

Rund drei Stunden hinweg verharren sie in ihren Posen, mit Lorbeerkränzen, Togen, Trinkgefäßen und Speeren ausgestattet. Anfangs nimmt kaum jemand Notiz von den lebenden Statuen. Doch nach und nach spricht sich der ungewöhnliche Auftritt herum. Immer mehr Passant*innen bleiben stehen und es bilden sich kleine Trauben vor dem Schaufenster. Die Römer*innen haben mitten im Fasnachtstreiben eine ganz eigene Bühne gefunden.

1.Reihe, sitzend: 1 Klaus Kinast
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Monika Frei, 2 Genoveva Kinast (geb. Adrion), 3 Luzia Bader, 4 Rudolf Gwinner, 6 Günter Schelb, 7 Gaby Vogt, 8 Renate Schelb, 9 Elfriede Schmid

Standort des Fotografen: 47.884114, 8.345322

Otto Ganter mit Gertrud Limb auf dem unteren Rathausplatz, ca. 1928

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Das Foto zeigt eine fotografische Bildsequenz, die an einen Filmstreifen erinnert. In drei aufeinanderfolgenden Aufnahmen ist dieselbe Szene festgehalten. Zu sehen sind der Blechnermeister Otto Ganter (1881-1960) und die kleine Gertrud Limb (verh. Geisinger, 1923-2011).

Während das Mädchen nahezu reglos am Rand steht, überquert Otto Ganter den unteren Rathausplatz, der verschneit ist. Die Abfolge der Bilder hält seine Bewegung Schritt für Schritt fest und verleiht der Aufnahme einen ungewöhnlich lebendigen Charakter.

Im Hintergrund sind die Häuser des Korbmachers August Egle (Demetriusstr. 14) und des Flaschnermeisters Ferdinand Willmann (Demetriusstr. 13) zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.883764, 8.343699

Häuser Zahn und Walz in der Kirchstraße mit Weihachtsdekoration, ca. 1980

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Monika Huber zur Verfügung.

Schnee liegt in der Kirchstraße und dämpft die Schritte der wenigen Passant*innen, die an diesem Winterabend noch unterwegs sind. Der frisch geräumte Fahrbahnrand türmt sich zu kleinen Wällen, während der Rest der Straße unter einer geschlossenen, hell schimmernden Decke ruht. Über die Straße hinweg spannt sich Weihnachtsdekoration: eine Girlande mit elektrischen Lichtern, die ein warmes, festliches Leuchten in die Dunkelheit werfen.

Die Schaufenster der Bäckerei Zahn (Kirchstr. 13) und des Eisenwarengeschäfts Walz (Kirchstr. 15) sind hell erleuchtet. Hinter den Scheiben präsentieren sich Waren und Auslagen. Das Licht spiegelt sich im Schnee und lässt die Kirchstraße beinahe feierlich wirken. Auch die Fassaden sind geschmückt. Ein beleuchteter Tannenbaum strahlt in der Dunkelheit. Das Städtchen zeigt sich von seiner ruhigen, behaglichen Seite – das Leben verlagert sich in diesen Tagen etwas nach innen.

Links im Hintergrund steht das Haus Schelling (Kirchstr. 11) noch in seiner alten Form. Das spätere »Postbögle«, das Fußgänger*innen eine Abkürzung zum Postamt in der Bittengasse ermöglicht, existiert hier noch nicht.

Standort des Fotografen: 47.883270, 8.344912

Weibliche Narrenpolizei auf dem oberen Rathausplatz, Fasnacht ca. 1949

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Bernhard Adrion zur Verfügung.

Die weibliche Narrenpolizei, 1936 gegründet, bereichert als weibliches Pendant zur traditionellen Narrenpolizei das närrische Treiben und sorgt schon mit ihrer bloßen Existenz für Aufsehen. Weibliche Polizistinnen konnte es nur an Fasnacht geben! In der Wirklichkeit bestand die Polizei ausschließlich aus Männern, sodass der Anblick uniformierter Frauen auf den Straßen eine kleine Sensation war. Da es für Frauen in den 1930er Jahren noch sehr ungewöhnlich war, Hosen zu tragen, griff man anfangs auf weiße Hosen des Turnerbunds zurück. Mit großer Begeisterung und Mut zur Kostümierung stellten sich die Frauen in Uniform dem närrischen Geschehen.

Während des Zweiten Weltkrieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit musste die Fasnacht zunächst ruhen. Erst 1948 finden wieder närrische Veranstaltungen statt. Die weibliche Narrenpolizei ist mit von der Partie und setzt ein starkes Zeichen für den Neuanfang und den Wunsch nach unbeschwertem Frohsinn.

V.l.n.r.: 1 ??? (maskiert), 2 Irma Schmid (verh. Adrion, 1927-2019), 3 Margarete Zepf (verh. Senn, 1932-2021), 4 Hildegard Münzer (1927/28-?), 5 ???, 6 ???

Im Hintergrund des Fotos ist das Zigarrengeschäft Vogt (Rathausplatz 13) zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.884151, 8.345150

Schaufenster vom Friseursalon Geisinger in der Unteren Hauptstraße, ca. 1970

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Beate Lubrich zur Verfügung.

Eine Szene wie aus einem Weihnachtsfilm: In der Unteren Hauptstraße liegt Schnee auf dem Gehweg, es ist Nacht, still ist die Straße – aber das Schaufenster von Geisingers Friseursalon (Untere Hauptstr. 4) strahlt hell. Über dem Geschäft leuchtet ein geschmückter Christbaum auf dem Balkon, elektrisches Licht funkelt in den Zweigen.

Der Salon ist mehr als nur ein Ort für Haarschnitt und Rasur. »Parfümerie – Friseur-Salon – Drogen« steht über dem Schaufenster, und tatsächlich: Die Auslage ist ein kleines Weihnachtsparadies. Plüschtiere und Puppen für die Kleinen, elegante Handtaschen für die Damen – man kann sich gut vorstellen, wie Kund*innen mit glänzenden Augen stehen bleiben und überlegen, was sie wohl ihren Liebsten schenken könnten.

Standort des Fotografen: 47.883496, 8.343831

Narrengruppe auf dem oberen Rathausplatz, Fasnacht 1935

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Alexandra Scholl zur Verfügung.

Eine wilde, ausgelassene Szene voller Leben. Kinder haben sich auf der steinernen Treppe vor dem Haus Nägele (Rathausplatz 2) postiert, um ja nichts vom närrischen Treiben zu verpassen – schließlich ist auf dem oberen Rathausplatz die Fasnachtsbühne aufgebaut, auf der Darbietungen und Späße geboten werden. Und von hier oben hat man den besten Blick!

Vor der Treppe steht eine bunte Narrengruppe dicht gedrängt beieinander: ein Mann in Frauenkleidern und Damenhut lehnt mit verschmitztem Blick an einem Freund im Frack und Zylinder, der mit dunklem Schnurrbart fast wie Charlie Chaplin wirkt. Neben ihnen schunkeln weitere Gestalten in improvisierten Kostümen. Ein älterer Mann mit angeklebtem Schnurrbart zieht das Akkordeon, die Falten des Balgs aufgespannt, bereit für das nächste Lied.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 Otto Schweizer, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 ???, 9 ???

In der rechten Gebäudehälfte vom Haus Nägele ist das Lebensmittelgeschäft zu sehen, das die Kaufmannswitwe Lina Nägele (geb. Ott) betreibt. Es wird später von Kaufmann Robert Sauter (1900-1945) und seiner Ehefrau Justina Sauter (geb. Brett, 1900-1994) fortgeführt.

Standort des Fotografen: 47.884099, 8.344875

Geschäft Hasenfratz-Laule am oberen Rathausplatz, April 1981

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Das Schuh- und Sporthaus Hasenfratz (Rathausplatz 2) hat seine neuen Geschäftsräume im früheren Postamt bezogen – einem historischen Gebäude mit bewegter Vergangenheit. Die Firma Hasenfratz wurde vor 60 Jahren gegründet, seit 20 Jahren wird sie von Elisabeth Laule (geb. van den Heuvel, geb. 1937) und Bruno Laule (1938-2021) geführt.

Der Umbau stellte aufgrund des Denkmalschutzes eine besondere Herausforderung dar: Das stattliche Haus wurde 1739 als Fürstlich Fürstenbergisches Amtshaus erbaut und in manchen Quellen sogar als »Schloss« bezeichnet. Hier residierte der Obervogt. Zu dem Gebäude zählte auch das Haus Rathausplatz 3, in dem sich der Ökonomiebereich der Fürstenbergischen Herrschaft befand. Später diente das Gebäudeensemble als Großherzoglich Badisches Bezirksamt und zuletzt bis 1852 als Rentamt.

Zur Eröffnung würdigte Architekt Heinrich Wider die gelungene Verbindung von Geschichte und Gegenwart: Die Sanierung sei ein Beispiel dafür, wie sich historische Bausubstanz und moderne Geschäftsnutzung miteinander vereinen lassen. Besonders markant zeigen sich heute die großzügigen Schaufenster, die das Erdgeschoss prägen und einen einladenden Blick ins Innere des Fachgeschäfts ermöglichen. Anlässlich der Geschäftseröffnung haben Freund*innen des Ehepaares Laule einen Baum aufgestellt.

Standort des Fotografen: 47.884140, 8.345053

Haus Walz und Bäckerei Zahn in der Kirchstraße, 1951

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Theo Walz zur Verfügung.

Seit 1913 ist das frühere Armenhaus der Gemeinde in der Kirchstraße im Besitz der Familie Walz. 1951 übernimmt das Haus der Kaufmann Theo Walz (1927-2015), der auch das Eisenwarengeschäft in zweiter Generation fortführt. Noch steht »Eisenhandlung Heinrich Walz« über der Tür. Theo Walz modernisiert das Gebäude Stück für Stück. Noch gibt es die alte Haustür, daneben die Stalltür und ein kleines Ladenfenster. Aber daneben ist bereits ein großes Schaufenster in die Fassade gebrochen. Und das ist nur der Anfang. Das gesamte Erdgeschoss wird bis 1955 umgebaut. Später wird auch der Wohnbereich in den Obergeschossen neu gestaltet.

Im Nachbarhaus befindet sich die Bäckerei von Jakob Zahn (Kirchstr. 13).

Standort des Fotografen: 47.883308, 8.344961

2 Fotos: Sommerschlussverkauf beim Modegeschäft Egle, ca. 1995-1997

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Der Sommerschlussverkauf (SSV) lockt auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Schnäppchenjäger ins Modegeschäft Egle (Demetriusstr. 14). Neben dem Mailänder Tor gelegen, ist es eine feste Institution in Löffingen. Das Schaufenster zeigt die attraktiven Rabatte: 10 %, 50 %, ja sogar 100 % – ein Hingucker, der zum Shoppen einlädt! Mancher Kunde und manche Kundin verlässt das Geschäft mit einer vollgepackten Einkaufstüte.

Der gesetzlich geregelte Sommerschlussverkauf wird in Deutschland 2004 abgeschafft. Bis dahin ist er durch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) geregelt und findet jeweils in den letzten Juliwochen statt.

Standort des Fotografen: 47.883809, 8.343677

2 Fotos: Narrengruppe mit fliegenden Teppichen, Fasnacht 1995

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Zwei Närrinnen schwingen sich am »Schmutzigen Dunschdig« auf »fliegenden Teppichen« durch die Straßen des Städtchens! Passend zum diesjährigen Fasnachtsmotto »Talente, Erfinder, Tüftler und Patente« haben diese beiden kreativen Köpfe eine originelle Idee umgesetzt. Gekleidet im orientalischen Stil, ein Hauch von 1001 Nacht, fliegen sie scheinbar mühelos über den unteren Rathausplatz und zaubern den Zuschauer*innen ein Lächeln ins Gesicht. Die beiden Närrinnen sind Silvia Benz (geb. Keller, links) und Gretel Kaltenbach (geb. Bader, rechts).

Standort des Fotografen: 47.883695, 8.344165