Rupert Hepting (?) und Hermann ??? am Bahnhof, ca. 1940-1945

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Es sieht nach einem Abschied aus. Rupert Hepting (?) steht vor dem Löffinger Bahnhofsgebäude und unterhält sich mit Hermann ???. Dieser trägt einen langen Mantel, Feldmütze und militärische Ausrüstung – unübersehbar ist, dass die Aufnahme während des Zweiten Weltkrieges entsteht.

Vermutlich ist Hermann ??? für einige Tage auf Heimaturlaub in Löffingen und muss nun wieder zu seiner Einheit zurückkehren. In Kriegszeiten bekommen Abschiede am Bahnhof eine besondere Bedeutung: Niemand kann wissen, wann – und ob – man sich wiedersehen wird. Möglicherweise lässt es sich Rupert Hepting (?) deshalb nicht nehmen, den Urlauber bis zum Zug zu begleiten.

Auch am linken Bildrand herrscht Aufbruchsstimmung. Ein Junge läuft mit einer Ledertasche und einem verschnürten Paket am Bahnhof entlang. Hinter den beiden Männern steht ein Auto. Der Bahnhof ist ein Ort des Kommens und Gehens, der Abreise und der Rückkehr.

Das Foto erhält noch aus einem anderen Grund dokumentarischen Wert. Das Bahnhofsgebäude, vor dem die beiden Männer stehen, existiert nicht mehr lange: Bei einem Luftangriff am 22. Februar 1945 wird es vollständig zerstört.

Standort des Fotografen: 47.883783, 8.342082

Narrengruppe »Eintracht«, Fasnacht 1933

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Fast wie eine kleine Theaterszene wirkt das Gruppenfoto. Vier Personen haben an einem mit weiß karierter Decke gedeckten Tisch Platz genommen. Im Mittelpunkt sitzen eine Frau und ein Mann, beide umfassen ihre Weinkrüge und blicken einander tief in die Augen. Links lehnt sich ein Mann mit Melone und kleinem Schnurrbart ins Bild – seine Aufmachung erinnert unverkennbar an Charlie Chaplin. Rechts sorgt ein Akkordeonspieler für die passende musikalische Begleitung.

Hinter der Tischgesellschaft stehen sechs weitere Männer. Mit Hüten, ungewöhnlichen Kleidungsstücken, geschminkten Gesichtern und angeklebten Nasen haben auch sie sich für die Fasnacht herausgeputzt. Die ganze Szene ist sorgfältig arrangiert. Vielleicht posieren die Beteiligten nur für das Foto, vielleicht führen sie aber auch einen kleinen Sketch auf, bei dem die beiden Trinkenden am Tisch die Hauptrollen spielen.

Wo die Aufnahme entsteht, ist nicht bekannt. Die gemusterte Tapete und die Bilder an der Wand könnten zu einer Wirtsstube ebenso gehören wie zu einem privaten Wohn- oder Geschäftsraum. Denkbar wäre beispielsweise auch die Weinhandlung Hogg – belegen lässt sich das bislang jedoch nicht.

Rätsel gibt außerdem die rückseitige Beschriftung »Eintracht Löffingen« auf. Sind die Männer Mitglieder des Männergesangvereins »Eintracht«, die gemeinsam Fasnacht feiern? Dann stellt sich die Frage, welche Rolle die einzige Frau in der Runde spielt. Oder bezeichnet »Eintracht« gar nicht den Verein, sondern lediglich die närrische Gemeinschaft auf dem Foto? Geradezu einträchtig sitzen und stehen sie jedenfalls beisammen.

Wer erkennt die Personen – und weiß vielleicht, wo diese Fasnachtsszene aufgenommen wird und was es mit der Beschriftung »Eintracht« auf sich hat?

1.Reihe, sitzend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Paul Benitz (1899-1979), 4 [Albert Benitz?]
2.Reihe, stehend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???

Standort des Fotografen: ???

Brunnen vor dem Haus Durst in der Ringstraße, ca. 1950-1960

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Eine willkommene Erfrischung an einem warmen Tag: Ein Mann beugt sich über den Brunnen und trinkt direkt von dem kalten Wasser, das aus der Brunnensäule fließt. Zwei Frauen im Hintergrund beobachten die Szene und scheinen sich über den spontanen Durstlöscher zu amüsieren. Die Brunnen im Städtchen dienen traditionell nicht nur der Wasserversorgung, sondern auch als Viehtränken. Hier macht sich einmal ein Mensch das frische Wasser zunutze.

Im Hintergrund steht das Haus Durst (Ringstr. 1), das nach dem Großbrand von 1921 neu errichtet wird. An seiner Fassade wächst ein Spalierbaum empor. Das Gebäude dient zugleich als Wohn- und Geschäftshaus, denn im Erdgeschoss befindet sich ein kleiner Laden. Über dem Eingang ist schlicht das Wort »Handlung« zu lesen; der Rollladen ist gerade heruntergelassen. Frieda Durst (geb. Egle, 1929-1982) verkauft hier Textilwaren, Aussteuer und Wallfahrtsartikel. Letztere bietet sie – zusammen mit ihrer Mutter Lina Egle (geb. Mäder, 1887-1966) – auch an einem Verkaufsstand bei der Wallfahrtskirche Witterschneekreuz an.

Standort des Fotografen: 47.884502, 8.344612

4 Fotos: Umzugswagen »Santa Maria« in der Bahnhofstraße, Fasnacht 1961

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Helga Küßner und Christa Egle zur Verfügung.

Mit voller Kraft voraus steuert die »Santa Maria« durch die Bahnhofstraße. Der Umzugswagen des Fußballclubs ist als Dampfschiff gestaltet, mit Bullaugen, Anker, Schornstein, Mast und bunten Wimpeln. Gezogen wird das Narrenschiff von einem Traktor, an dessen Steuer Franz Isele (1933-2014) sitzt. Neben dem Wagen läuft »Kapitän« Hans Müller (1926-2014) und navigiert seine ungewöhnliche Besatzung durch das Städtchen.

An Bord sind u.a. zu sehen: Ernst Wehrle (»Wehrli Schniider«), Erich Adrion (»Drilli«, 1926-2001), Anton Maier, Bruno Schwanz, Erich Riedlinger (1936-1997), Hans Küßner (1937-2020), Emil Kopp (1932-2022)

An Bord herrscht ausgelassene Stimmung. Einige der Fußballer haben sich als Frauen verkleidet, andere geben mit breitkrempigen Hüten und dunklen Bärten finstere Seemänner oder Piraten. Gleich zwei Akkordeons sorgen für die passende musikalische Begleitung. Welche Lieder erklingen, wissen wir nicht – Seemannsromantik liegt Anfang der 1960er-Jahre jedenfalls im Trend. Freddy Quinn besingt seit Jahren die Ferne und das Meer, und mit »Seemann (Deine Heimat ist das Meer)« landet Lolita 1960 einen großen Schlagererfolg.

So verwandelt sich die Bahnhofstraße für einige Minuten in eine Hafenstraße. Die Fußballer gehen auf große Fahrt – auch wenn ihre »Santa Maria« das Baarstädtchen vermutlich nicht weiter verlässt als bis zum Ende der Umzugsstrecke.

Standort des Fotografen: 47.884009, 8.341860

Familie Benitz vor ihrem Haus, April 1935

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Familie Benitz hat sich vor ihrem Haus in der Alenbergstraße zum Gruppenfoto versammelt. Im Mittelpunkt sitzt Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959), umgeben von ihren Kindern, Schwiegertöchtern und Enkelkindern. Die Haustür hinter ihnen ist mit Reisiggirlanden und weißen Papierblumen geschmückt, zwei Tännchen rahmen den Eingang ein. Der Anlass ist ein besonderer: Franz Benitz (1908-1944), rechts in der hinteren Reihe, feiert seine Heimatprimiz. Am 31. März 1935 wurde der 27-Jährige durch den Freiburger Erzbischof Conrad Gröber zum Priester geweiht. Eine Woche später, am 7. April, zelebriert er in seiner Heimatgemeinde Löffingen erstmals die Messe. Familie und katholische Kirchengemeinde feiern den Neupriester, und auch das Elternhaus wird für diesen Tag festlich geschmückt.

Für Anna Benitz ist es ein Familienfest nach Jahren, in denen sie bereits schwere Schicksalsschläge hinnehmen musste. Seit 1919 ist sie Witwe. Mit ihrem Mann, dem Weinhändler Joseph Benitz (1859-1919), hatte sie sieben Kinder. Zwei von ihnen leben 1935 nicht mehr: Friedrich Benitz (1902-1908) starb bereits als Kind, die Tochter Anna (1896-1922) im Alter von 26 Jahren. Beim Großbrand von 1921 traf es die Familie besonders hart: Gleich vier ihrer Häuser wurden zerstört. Das Wohn- und Geschäftshaus in der Alenbergstraße, vor dem die Familie sich nun versammelt, entstand beim anschließenden Wiederaufbau.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Joseph Benitz (1928-2012), 2 Hedwig Benitz (geb. Steidlinger, 1900-1995), 3 Elisabeth Benitz (verh. Burger, 1930-2019), 4 Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959), 5 Josefine Benitz (geb. Klaus, 1903-1991), 6 Anna Maria Benitz (1934-2021), 7 [Maria Benitz (1911-?)?]
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Joseph Benitz (1897-1981), 2 Albert Benitz (1905-1996), 3 Paul Benitz (1899-1979), 4 Franz Benitz (1908-1944)

Franz Benitz ist der einzige der Söhne, der Priester wird, doch die gesamte Familie ist sehr religiös und tief im katholischen Milieu verwurzelt. Familienmitglieder engagieren sich im kirchlichen Leben, etwa im Kirchenchor und im Stiftungsrat, und politisch in der Zentrumspartei. Gerade deshalb geraten sie nach der nationalsozialistischen Machtübernahme ins Visier der örtlichen Nationalsozialisten. Joseph Benitz (1897-1981) wurde im August 1933 für zwei Tage in sogenannte »Schutzhaft« genommen – eine willkürliche Inhaftierung, die der Einschüchterung politischer Gegner dient.

Als das Foto aufgenommen wird, ist es noch keine zehn Monate her, dass Stadtpfarrer Guido Andris am 23. Juni 1934 gewaltsam aus Löffingen vertrieben wurde. Joseph Benitz und Albert Benitz gehörten zu den mutigen Männern, die offen gegen das Vorgehen der Nationalsozialisten protestieren. Beide wurden daraufhin verhaftet. Vor diesem Hintergrund ist die Primiz von Franz Benitz im Frühjahr 1935 nicht nur ein Familienfest. Sie ist zugleich ein sichtbares Bekenntnis zum Katholizismus, der vom NS-Regime zunehmend unter Druck gesetzt wird.

Standort des Fotografen: 47.885270, 8.344131

Umzugswagen »Santa Maria« in der Unteren Hauptstraße, Fasnacht 1961

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elisabeth Müller zur Verfügung.

Bei strahlendem Sonnenschein liegt plötzlich das Schiff »Santa Maria« in der Unteren Hauptstraße vor Anker. Der Umzugswagen, von einem Traktor gezogen, ist mit Bullaugen, Anker, Schornstein, Mast und bunten Wimpeln als Dampfschiff gestaltet. Ob er gerade langsam durch die Straße fährt oder vor dem Geschäft »Konsum« (Untere Hauptstr. 7) einen kurzen Halt einlegt, lässt sich nicht erkennen.

An Bord drängt sich eine Schar Narren. Es sind Mitglieder des Fußballclubs, die für ihren Auftritt in Frauenkleider geschlüpft sind. Einer sitzt auf der Reling und lässt die Beine über die Bordwand baumeln, die anderen stehen dicht gedrängt dahinter. Auch der Mann vor dem Wagen gehört zur Inszenierung und gibt sich mit seiner Schirmmütze als Kapitän zu erkennen. Es ist  Kapitän ist Hans Müller (1926-2014).

Die Untere Hauptstraße bildet die Kulisse für das närrische Spektakel. Zu sehen sind der »Konsum«, das Gasthaus »Sonne«, die Brunnenstube und der Seitengiebel vom Kaufhaus Henzler – und mitten hindurch zieht das ungewöhnliche Narrenschiff. Welches Motto die Fußballer ihrem Wagen geben und wohin die närrische Seereise führen soll, ist leider nicht überliefert.

Standort des Fotografen: 47.883254, 8.343815

Badende Kinder im Waldbad, ca. 1942

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Die Kinder stehen im flachen Wasser und haben sich für ein Erinnerungsfoto versammelt. Vorne sitzt Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995) als einzige Erwachsene im Wasser. Sie trägt einen Badeanzug und eine Badekappe. Bei ihr sind mehrere Kinder, darunter ihre kleine Tochter Inge Hepting (verh. Mayer, geb. 1939) und ihr Sohn Ewald Hepting (1933-2010).

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Lisel Vogt, 2 Inge Hepting (verh. Mayer, geb. 1939), 3 Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Ewald Hepting (1933-2010), 3 [Egon Bader (1933-1999?]

Das Wasserbecken des Waldbades wirkt auf der Aufnahme erstaunlich groß. Das dürfte an der Perspektive liegen: Der Fotograf befindet sich dicht über der Wasseroberfläche, während sich das Becken weit in den Hintergrund erstreckt. Dahinter beginnt unmittelbar die offene Landschaft mit Wiesen und dem Waldrand am Horizont.

So unbeschwert die sommerliche Szene erscheint, entsteht sie mitten im Zweiten Weltkrieg. Für Sofie Hepting und ihre Kinder gehört die Trennung von ihrem Ehemann und Vater zum Alltag, denn Rupert Hepting (1905-1990) ist Soldat bei der Wehrmacht. Auf dem Foto ist davon jedoch nichts zu spüren: Für einen Moment zählen nur Wasser, Sonne und ein gemeinsamer Sommertag im Waldbad.

Standort des Fotografen: 47.899667, 8.332308

Familie Hepting mit Verwandten vor dem Haus Benz in der Oberen Hauptstraße, ca. 1940

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Hepting zur Verfügung.

Für das Familienfoto rücken mehrere Generationen zusammen. Rupert und Sofie Hepting stehen mit ihren Kindern Ewald und Inge vor dem Haus Benz in der Oberen Hauptstraße. Mit dabei sind Sofies Mutter Katharina Jonner sowie weitere Verwandte.

Dass inzwischen Krieg herrscht, ist auf dem Familienbild unübersehbar. Rupert Hepting (links) trägt ebenso wie der rechts stehende Hermann ??? Wehrmachtsuniform. Zwischen den beiden Soldaten stehen die Frauen und Kinder in ihrer Alltags- und Sonntagskleidung – eine familiäre Momentaufnahme, in die der Zweite Weltkrieg hineinragt.

Zu Besuch ist auch die Nichte Margret Bammert, Tochter von Adolf Bammert und Agathe Bammert (geb. Jonner), die mit ihrer Familie in Neustadt lebt. Noch nicht identifiziert sind Else ??? und Hermann ???.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Margret Bammert, 2 Inge Hepting (verh. Mayer, geb. 1939), 3 Ewald Hepting (1933-2010)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Rupert Hepting (1905-1990), 2 Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995), 3 Katharina Jonner (geb. Thoma, 1875-1955), 4 Else ???, 5 Hermann ???

Im Hintergrund steht das Anwesen des Landwirts Otto Benz (Obere Hauptstr. 14). Bis 1929 bewirtschaftet er einen Hof in der Bittengasse. Nachdem dieser beim Großbrand in der Kirchstraße zerstört worden ist, errichtet er hier in der Oberen Hauptstraße einen Neubau. Links daneben ist das Haus Berger (Obere Hauptstr. 16) zu erkennen. Ein großes Werbeschild an der Fassade wirbt für Autoreifen – ein kleines Detail, das auf das Geschäft von Schlossermeister und Automechaniker Leopold Berger hinweist.

Standort des Fotografen: 47.884618, 8.348240

Neo Vetter, ca. 1930-1940

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Ernst blickt der junge Mann in die Kamera. Er trägt einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd und eine gestreifte Krawatte. Mit leicht gespreizten Beinen steht er vor einer gemalten Atelierkulisse, die einen See und eine idyllische Uferlandschaft zeigt. In beiden Händen hält er einen Gehstock, auf den er sich stützt.

Die sorgfältig arrangierte Aufnahme entsteht in einem Fotostudio. Der elegante Anzug und die romantische Landschaftskulisse verleihen dem Porträt einen feierlichen Charakter. Zugleich werden die beiden Gehstöcke nicht verborgen, sondern selbstverständlich in die Komposition einbezogen.

Unklar ist bislang, wer der junge Mann ist. Überliefert ist lediglich sein Familienname (Vetter) und sein Spitzname (»Neo«). Zu welcher Löffinger Familie Vetter er gehört, wissen wir nicht. Wer erkennt den jungen Mann und kann etwas über ihn erzählen?

Standort des Fotografen: ???

Familie Hepting beim Gräberbesuch auf dem Friedhof, ca. 1930-1940

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Still stehen drei Angehörige der Familie Hepting vor einem Grab. Der Mann links hat seinen Hut abgenommen und hält ihn vor sich in den Händen, die Frau in der Mitte blickt zu Boden. Auch der jüngere Mann rechts verharrt schweigend. Für einen Moment wird ein sehr persönlicher Augenblick des Gedenkens fotografisch festgehalten – Aufnahmen auf dem Friedhof sind eher selten.

Um welches Grab es sich handelt und wem der Besuch gilt, ist bislang nicht bekannt. Frisch angelegt scheint es nicht zu sein. Auch an Allerheiligen entsteht das Foto nicht: Die Bäume tragen noch dichtes Laub, und auf den Gräbern blühen Blumen. Alle drei sind dunkel gekleidet. Ob dies Ausdruck der Trauer ist oder ihrer gewöhnlichen sonntäglichen Kleidung entspricht, lässt sich nicht entscheiden.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???

Im Hintergrund steht die Friedhofskapelle. Sie wurde 1862 errichtet – als Ersatz der Antoniuskapelle an der Landstraße nach Rötenbach, die bereits 1842 abgebrochen worden war. Sogar deren Glöcklein fand in der neuen Kapelle eine weitere Verwendung.

Standort des Fotografen: 47.885312, 8.347165

5 Fotos: »Wieberfasnet« im Gasthaus »Linde«, Fasnacht 1962

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Für einen Abend verwandelt sich die Wirtsstube des Gasthauses »Linde« in ein Klassenzimmer. Sechs »Schülerinnen« haben auf einfachen Bänken Platz genommen und breiten ihre Hefte und Bücher vor sich aus. Dann betritt die »Lehrerin« den Raum – heute in Gestalt von Maria Hall. Die Klasse erhebt sich und der Unterricht kann beginnen.

Doch mit einer gewöhnlichen Schulstunde hat das Ganze natürlich wenig zu tun. Die Frauen führen einen Sketch bei der »Wieberfasnet« auf, die seit 1954 stattfindet und damit bereits zum neunten Mal gefeiert wird. Das Programm wird von Frauen für Frauen gestaltet. Der Mimik der Lehrerin nach zu urteilen, erweist sich ihre Klasse als ausgesprochen anstrengend: Mal scheinen die Schülerinnen begriffsstutzig, mal bringen sie ihre Lehrerin mit Fragen an den Rand des Nervenzusammenbruchs.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Marta Adrion, 2 Ursula Kopp, 3 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Margret Adrion, 2 Luise? Kienzler, 3 Olga Streit

Auch die Ausstattung der Wirtsstube fällt ins Auge. In der Ecke stehen ein großer Radioapparat und darüber ein Fernsehgerät. Radio und Fernsehen halten damit längst Einzug in die Gaststube – zu einer Zeit, in der noch keineswegs jeder Haushalt einen eigenen Fernseher besitzt. Bei besonderen Übertragungen kann das Gasthaus so zum gemeinschaftlichen Fernsehraum werden. Fußballspiele, Unterhaltungssendungen oder aktuelle Nachrichten lassen sich gemeinsam verfolgen. Ob auf diesem Bildschirm im Jahr zuvor etwa die Bilder vom Bau der Berliner Mauer zu sehen waren, wissen wir nicht – möglich wäre es jedenfalls.

Für die »Wieberfasnet« bleibt der Fernseher an diesem Abend jedoch dunkel. Das Unterhaltungsprogramm findet unmittelbar davor statt – und wird von den Frauen selbst bestritten.

Standort des Fotografen: 47.884277, 8.346539

Hochzeitszug beim Rathausportal, ca. 1951

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Christoph Müller und Marlies Müller sowie Rita Bölle zur Verfügung.

Eine festlich gekleidete Hochzeitsgesellschaft zieht am Rathaus entlang in Richtung unterer Rathausplatz. Am Portal steht ein geschmücktes Tännchen – ein sichtbares Zeichen dafür, dass im Rathaus eine standesamtliche Trauung stattfindet. Braut und Bräutigam befinden sich außerhalb des Bildausschnitts, sodass sich nur schwer bestimmen lässt, welches Paar hier heiratet.

Vielleicht ist die Gesellschaft auf dem Weg zur kirchlichen Trauung, vielleicht geht es bereits zum Gasthaus, in dem gefeiert wird. Neben dem Hochzeitszug läuft eine ganze Schar Kinder mit. Sie wollen einen Blick auf das Brautpaar erhaschen – und hoffen womöglich darauf, den Weg mit einem Seil versperren zu können. Erst gegen die Zahlung eines kleinen »Wegezolls« darf der Hochzeitszug dann weiterziehen.

Fast ebenso auffällig wie die Festgesellschaft sind die vier großen Zifferblätter, die an der Rathauswand lehnen. Offenbar wird die Rathausuhr gerade renoviert. Die Zeit steht gerade still.

Standort des Fotografen: 47.883718, 8.344233