

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Luzia und Dieter Vierlinger zur Verfügung.
Die Werkstatttür steht weit offen, doch gearbeitet wird heute nicht nur drinnen. Wagner Hermann Schelling (1914-1998) und seine Ehefrau Anna Schelling (geb. Kuster, 1919–2010), haben einen Teil ihrer Arbeit auf den gepflasterten Vorplatz ihres Hauses (Kirchstr. 11) verlegt. Für den Fotografen zeigen sie anschaulich, wie ein hölzernes Wagenrad entsteht.
Vor ihnen liegen Nabe, Speichen und weitere Holzteile bereit. Hermann Schelling arbeitet mit schwerem Handwerkszeug, während Anna Schelling die einzelnen Teile zurechtlegt und festhält. Stück für Stück wird sichtbar, wie viel handwerkliches Geschick nötig ist, damit aus den einzelnen Holzteilen ein stabiles Rad entsteht. Im Hintergrund lehnt bereits ein fertiges Wagenrad in der geöffneten Werkstatt.
Doch das Wagnerhandwerk hat zu diesem Zeitpunkt seine große Zeit längst hinter sich. Landwirtschaftliche Fuhrwerke werden zunehmend durch Traktoren und motorisierte Fahrzeuge ersetzt, hölzerne Wagenräder kaum noch neu angefertigt. Für Hermann Schelling bleiben vor allem Reparaturen und einzelne Arbeiten an älteren Fahrzeugen. Die beiden Fotos dokumentieren damit ein Handwerk, das im Begriff ist, aus dem Alltag zu verschwinden.
Auf der zweiten Aufnahme beobachten zwei weitere Personen die Arbeit aus der geöffneten Werkstatt. Bei der älteren Frau handelt es sich vermutlich um Josepha Schelling (geb. Fehrenbach, 1893-1980). So wirkt die Szene beinahe wie eine kleine Vorführung im Familienkreis – und zugleich wie ein letztes anschauliches Zeugnis der alten Wagnerei.
Standort des Fotografen: 47.883543, 8.345267


















