Blick von der Hohlgasse zur Bahnhofstraße, ca. 1926

Sammlung Familie Waßmer

Von der Hohlgasse fällt der Blick auf eine lange Holzbiege und die Bahngleise. Hier wird so genanntes Papierholz gelagert, Schwachholz, das aus der Durchforstung stammt und für die Zellstoffproduktion verwendet wird. Vermutlich wird es hier zwischengelagert, bevor es verkauft wird nach Neustadt an die Holzzellstoff- und Papierfabriken AG, bei der Bevölkerung kurz »Zillosi«, bei den Bahnhof-Bediensteten »HuPAG« genannt.

Hinter der Bahnlinie stehen die Häuser der Bahnhofstraße. Ganz links ist der Kindergarten zu sehen (Bahnhofstr. 9). Über dem Eingang hängt ein Schild mit der Aufschrift »Kinderschule«. Das Haus Bahnhofstr. 5 steht noch nicht, es wird erst 1928 von den beiden Schwestern Amalie und Berta Suckert erbaut. Weiter rechts sind das Dienstwohnungsgebäude der Deutschen Reichsbahn (Bahnhofstr. 4) und das 1913 erbaute Haus des Drehers und Maschinenhändlers Christian Faller (Bahnhofstr. 3) zu sehen.

Weiter im Hintergrund sind einige der nach dem Großbrand 1921 neu erbauten Häuser in der Ringstraße und am Alenberg zu erkennen. Vor allem das mächtige Gebäude der Weinhandlung Benitz fällt ins Auge. Unterhalb davon steht in der Rötengasse, halb verdeckt, noch die Brandruine des Hauses Thoma.

Standort des Fotografen: 47.885580, 8.340100

Hilda Schultheiß mit Nichte in der Maienlandstraße vor dem Haus Fürst, 1950

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Bölle zur Verfügung.

Mit ihrer kleinen Nichte Rita Schmid auf dem Arm steht Hilda Schultheiß in der Maienlandstraße, nur wenige Schritte hinter dem Mailänder Tor. Das kleine Mädchen blickt zur Kamera und hebt die Hand zum Gruß. Hilda Schultheiß hält sie sicher auf dem Arm und lächelt in die Kamera – eine alltägliche Familienszene.

Hinter den beiden sind große Mengen »Riswellen« säuberlich aufgeschichtet. Sie gehören ganz selbstverständlich zum Ortsbild und dienen als Brennmaterial. Dahinter ist der Seitengiebel des Hauses Fürst (Demetriusstr. 10) gut zu erkennen. Links öffnet sich der Blick hinauf in Richtung Ringstraße.

Das Anwesen Fürst wird zu dieser Zeit von Anna Maria Fürst (geb. Scheier, 1897-?) geführt. Ihr Ehemann Emil Fürst (1898-1944) starb im letzten Kriegsjahr beim Schanzen im Elsass. Später geht das Haus an die Tochter Magdalena Kopp (geb. Fürst, 1932-2015) über.

Standort des Fotografen: 47.884097, 8.343524

Bierbrauerei Selb in der Oberen Hauptstraße, ca. 1900

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Hildegard Keller zur Verfügung.

Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich in der Oberen Hauptstraße 7 eine Bierbrauerei befunden. Im Feuerversicherungsbuch von 1866 wird das Anwesen beschrieben als Wohnhaus mit Scheuer, Brauereikeller, Kellerbraugewölbe und Kühlschiffbau, in dem die aus der Sudpfanne kommende heiße Würze ausgeschlagen wurde.

Viele Jahre gehörte die Brauerei der Familie Selb: Zunächst dem Bierbrauer Hermann Selb (1840-1892), dann seiner Witwe Sophie Selb geb. Fischer (1847-1922) und schließlich ab 1909 dem Sohn Johann Selb (1871-1911), der allerdings schon zwei Jahre später starb. 1919 war es mit der Biertradition dann endgültig vorbei. Das Anwesen wurde verkauft, umgebaut und darin eine Apotheke eröffnet.

Auf dem Foto ist eine Personengruppe vor einem Mäuerchen mit Holzbiege zu sehen. Fünf Männer sitzen auf einem Holzkarren, auf dem sich Bierfässer befinden. Zwei der Männer halten Biergläser in der Hand. Der Mann in der Mitte scheint bereits ordentlich betrunken zu sein und albert herum: Er hat sich eine eiserne Kette um den Hals gelegt und thront oben auf einem Fass auf dem Karren. Seine rechte Hand reißt er hoch, in der linken Hand hält er eine Sense.

Gut möglich, dass auf dem Sensenblatt ursprünglich das Datum notiert war, an dem die Fotografie aufgenommen wurde. Aber das Bild ist im Laufe der Zeit so verblichen, dass solche Details nicht mehr zu erkennen sind.

Standort des Fotografen: 47.884612, 8.346318

Gasthäuser »Pilgerhof« und »Witterschnee« in der Maienlandstraße, ca. 1920

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Helene Krauß zur Verfügung.

Ein Sommertag in der Maienlandstraße: Vor dem Gasthaus »Pilgerhof« (Maienlandstr. 24) sitzen fünf Frauen an einem kleinen Tischchen, genießen die Sonne und plaudern miteinander. Ein Fahrrad lehnt griffbereit an der Wand. Ein Junge läuft mit seinem Schubkarren die Straße entlang – viel Verkehr hat er nicht zu fürchten, denn Autos sind hier eine Seltenheit. Über die Straße spannt sich ein Stromkabel, an dem eine Lampe hängt: Ein sichtbares Zeichen, dass die Maienlandstraße bereits elektrifiziert ist.

An der Fassade des Hauses prangt ein großes Emailleschild: »Kaffee & Gasthaus zum Pilgerhof«. Geführt wird der »Pilgerhof« von Gast- und Landwirt Otto Vogel (1871-1940) und seiner Ehefrau Rosa Vogel (geb. Faller, 1870-1934). In der linken Gebäudehälfte befindet sich der Ökonomiebereich. Direkt nebenan befindet sich ein weiteres Gasthaus: der »Witterschnee« (Maienlandstr. 26). Hier bewirten Robert Rosenstiel (1873-1932) und seine Ehefrau Maria Rosenstiel (geb. Selb, 1879-1959) ihre Gäste. Sowohl der »Pilgerhof« als auch der »Witterschnee« gehören zur Infrastruktur, die das Wallfahrtswesen zum Witterschneekreuz mit sich bringt. Auch Pilger*innen kehren hier ein, bevor sie sich auf den Heimweg machen.

Standort des Fotografen: 47.886725, 8.341701

Trachtengruppe vor dem Haus Fehrenbach im Maienland, ca. 1935

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Helene Krauß zur Verfügung.

Fast wie ein Haus im Freilichtmuseum Vogtsbauernhöfe im Gutachtal mutet das Haus Fehrenbach im Maienland auf dieser Fotografie an. Verwitterte Holzschindeln, Fenster mit Holzläden, das Dach teils mit Schindeln, teils mit Ziegeln eingedeckt,  davor eine sorgfältig aufgeschichtete Holzbiege. Die Zeit scheint stehen geblieben.

Das Foto findet als Ansichtskarte mit dem Titel »Löffinger Schwarzwaldtrachten« Verbreitung. Mitglieder der Trachtengruppe lassen sich vor dem Haus fotografieren.

V.l.n.r.: 1 Helene Häusler (verh. Krauß, 1912-2006), 2 Alma Egle (verh. Spadinger, ?-?), 3 Schneidermeister Hermann Ganter (1895-1957), 4 Maria Faller (verh. Selb, 1919-1967), 5 Landwirt Johann Laufer (1888-1951)

In den 1950er Jahren wird das Haus von dem Ehepaar Karl Schreiber (1910-2001) und Mina Schreiber (geb. Rappenegger, 1917-2004) gekauft. Darin wachsen ihre Kinder Karl, Alfons, Monika, Marlies (Maria Luise), Georg und Martin auf. Bei verschiedenen Renovierungen und Ausbausphasen müssen die Holzschindeln zuerst Schieferplatten und später Dachziegel und Verputz weichen.

Standort des Fotografen: 47.887787, 8.341421

Haus Fehrenbach in der Maienlandstraße, ca. 1959

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rudolf Lasson zur Verfügung.

Gemächlich trottelt die Kuh die Maienlandstraße entlang. Am Strick führt sie eine Frau – Berta Fehrenbach (1909-?), die fast hinter dem kräftigen Tier verschwindet. Noch ist die Straße nicht asphaltiert – nur die beiden gepflasterten Rinnen für das Regenwasser ziehen sich entlang. In der Maienlandstraße gibt es zahlreiche Landwirtschaften, Vieh wird auf den Feldern gehalten und zur Arbeit eingespannt. Es wird aber auch durch die Straße geführt, wenn es zum Begatten zum Farrenstall im Städtchen gebracht wird.

Im Hintergrund steht das Haus Fehrenbach (Maienlandstr. 33). An der Fassade des Ökonomiebereichs lehnen Gerätschaften, eine aufgestapelte Holzbiege an der Giebelseite wartet auf den nächsten Winter.

Standort des Fotografen: 47.887649, 8.341283

Hexengruppe vor dem Haus Schultheiß in der Maienlandstraße, Fasnacht ca. 1956-1963

Sammlung Familie Waßmer

Die Hexengruppe erhält 1956 ihr erstes einheitliches Häs, das sich aber noch vom heutigen unterscheidet. Hier sind Hexen hinter dem Mailänder Tor vor dem Haus Schultheiß (Maienlandstr. 1) zu sehen. Das Haus brennt zusammen mit dem angebauten Haus Müller (Demetriusstr. 13) im Oktober 1969 ab.

Standort des Fotografen: 47.884094, 8.343590

Haus Egle in der Ringstraße, 1952

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Ein Kind steht vor dem Haus Egle (Ringstr. 1) und blickt zum Fotografen. Neben der Haustür ist Brennholz ordentlich zu einer Holzbiege aufgeschichtet. Über dem Eingang zum kleinen Laden steht schlicht »Handlung«.

Das Gebäude entstand beim Wiederaufbau nach dem Großbrand von 1921. Der Staffelgiebel ist charakteristisch für eine Reihe der damals neu errichteten Häuser und gibt der ansonsten schlichten Fassade einen besonderen Akzent. Eigentümer sind der Müller Gustav Egle (1881-1954) und seine Ehefrau Pauline Egle (geb. Mäder, 1887-1966). Ihr Elternhaus stand bereits vor dem Brand an dieser Stelle.

Später übernimmt die Tochter Frieda Durst (geb. Egle, 1929-1982), das Anwesen. Im Erdgeschoss betreibt sie ein kleines Geschäft, in dem sie Textilwaren, Aussteuer und Wallfahrtsartikel verkauft.

Standort des Fotografen: 47.884577, 8.344373

Johann Fehrenbach mit einem Schwein, ca. 1930-1940

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Anni Zumstein zur Verfügung.

Der Landwirt Johann Fehrenbach (1871-1943) hat hinter seinem Anwesen in der Ringstraße die Tür zum Schweinestall geöffnet und das Schwein herausgelassen. Metzger Adam Leitold (1869-1959) blickt abwägend auf das Tier. In der Hand hält er ein Bolzenschussgerät.

Standort des Fotografen: 47°52’59.9″N 8°20’35.1″E

Haus Benz in der Kirchstraße, vor 1914

Sammlung Familie Waßmer

Aus den Fenstern lehnen sich neugierige Gesichter, sie blicken hinunter auf das Geschehen in der Kirchstraße. Mitten darunter: der Seifensieder Anton Benz (1848-1936), am Fenster über der Stalltür. Er ist ein hochdekorierter Veteran des deutsch-französischen Krieges von 1870/71.

Im Erdgeschoss betreibt er gemeinsam mit seiner Ehefrau Rosalia Benz (geb. Heizmann, 1849–1932) eine Seifensiederei mit eigenem Laden. Wer den Blick auf die Schaufensterscheibe richtet, erkennt die Auslage: Stücke von Kernseife, Päckchen mit Waschpulver, Flaschen mit Bodenöl und sogar Karrenschmiere. Praktische Dinge für den Alltag – unverzichtbar in einem Haushalt, in einer Landwirtschaft, in einem Betrieb. Das Haus Benz in der Kirchstraße trägt den Hausnamen »s’Soapfesieders«

Standort des Fotografen: 47.883097, 8.344373

Kind beim Schlittenfahren in der Alenbergstraße, ca. 1955-1960

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Pia Durst zur Verfügung.

Ein Wintertag am Alenberg: Die Straße fällt steil hinunter zum Städtchen, eine perfekte Piste für alle Kinder – zumindest in Zeiten, als Autos noch selten fahren. Auf dem Schnee sitzt ein kleines Mädchen entschlossen auf seinem Schlitten, die Hände fest am Lenkseil, der Blick ernst und voller Vorfreude. Gleich geht es los, rasant die Straße hinab.

Im Hintergrund sind die Häuser Himmelseher (Alenbergstr. 12) und Ganter (Alenbergstr. 14) zu sehen. Seit dem Tod des Apothekers Erwin Himmelseher 1949 wohnt darin seine Witwe Sofie Himmelseher geb. Jordan, 1881-?). Das Nachbarhaus gehört dem Blechnermeister Otto Ganter (1881-1960) und seiner Ehefrau Johanna Ganter (geb. Selb, 1875-1962). Das Haus Ganter gehört zu den wenigen Gebäuden am Alenberg, die beim Großbrand 1921 nicht zerstört wurden.

Standort des Fotografen: 47.885585, 8.343909

Haus Nobs in der Alenbergstraße, ca. 1929

Dieses Foto stellte dankenswerterweise August Durst zur Verfügung.

Das Haus Nobs (Alenbergstr. 2) ist das einzige Gebäude des Straßenzuges, das den verheerenden Großbrand von 1921 überstand. Seine Geschichte reicht weit zurück – am Türpfosten ist die Jahreszahl 1778 zu lesen. Das Foto zeigt das Gebäude in seiner alten Gestalt: zweistöckig, mit einem steilen Dach und der charakteristischen Fassadengestaltung. Auffällig sind die drei Rundbögen von Haustür, Stalltür und Scheunentor, die dem Haus sein markantes Gesicht gaben.

Vor der Fassade mit dem hochgezogenen Spalierbaum posiert Familie Nobs. Das Haus gehört dem Sägearbeiter Martin Nobs (1890-1970), der aus Oberbränd stammt, und seiner Ehefrau Adelheid Nobs (geb. Löffler, 1894-?). Eine der beiden Frauen hält ein kleines Kind auf dem Arm. Es könnte die Tochter Josefa Nobs (verh. Durst, 1929-?) sein.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???

Später geht das Anwesen in den Besitz der nachfolgenden Generation über. Im Laufe der Jahrzehnte wird das Haus mehrfach umgebaut, aufgestockt und modernisiert, bis es seine spätere Gestalt erhält.

Standort des Fotografen: 47.884914, 8.344720