Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.
Es ist »Wieberfasnet«. Das Gasthaus »Linde« ist ganz in weiblicher Hand. Die Frauen des katholischen Müttervereins haben zum vierten Mal ein buntes Programm auf die Beine gestellt. Gefeiert wird ganz ohne männlichen Anhang, eine wunderbare Gelegenheit, um die Männer durch den Kakao zu ziehen. Hier wird gerade die perfekte Nassrasur geübt, allerdings nicht an einem lebenden Objekt, sondern an Luftballons, die dick mit Rasierschaum eingeschmiert sind. Die Kunst besteht darin, die Ballons mit dem scharfen Messer zu rasieren, ohne dass sie knallen.
V.l.n.r.: 1 Maria Kaufmann (geb. Vogelbacher, geb. 1931), 2 Klara Zepf (geb. Assmuth, 1907-1999), 3 Gertrud Faller (geb. Schmid, 1925-2005), 4 Maria Hall (1924-2014)
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Priska Zemann zur Verfügung.
Die Trachtengruppe gibt sich im Gasthaus »Linde« (Obere Hauptstr. 10) ein Stelldichein und singt, begleitet von zwei Akkordeons. Das Foto wird vermutlich bei einem der Begrüßungsabende für Kurgäste aufgenommen, die wahlweise in der »Linde« oder in einem anderen Gasthaus stattfinden. Als die Lokale für die Auftritte zu klein werden, zumal laufend neue Mitglieder zur Trachtengruppe hinzukommen, werden die Heimatabende Mitte der 1960er Jahre in die Festhalle verlegt.
1.Reihe, v.l.n.r.: Rosemarie Hauser und Walter Hauser 2.Reihe, v.l.n.r.: Veronika Kaltenbrunner (verh. Ruf), Erika Geisinger, Ursula Schelling, Gretel Bader (verh. Kaltenbach), Albin Kasprowicz, Daniel Fehrenbach und Wilfried Vogt 3.Reihe, v.l.n.r.: ??? (verdeckt), ???, ???, ???, Karl Koch, Dieter Vierlinger, Elisabeth Isele, ???, Willibald Petelka (1931-2016), ???, ???, ???
Auf dem Gruppenfoto sind u.a. Melitta Fehrenbach, Olga Streit, Walter Selb, Siegfried Dieterle, Monika Bader, Josef Wölfle, Herbert von Dungen zu sehen.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Sibylle Selb zur Verfügung.
Eine echte Rarität stellt diese Aufnahme dar. Es ist die einzige bekannte Aufnahme des landwirtschaftlichen Anwesens von Familie Selb (Obere Hauptstr. 12), das wenige Jahre später einem Brand zum Opfer fällt. Am 15. August 1914 brennt das Wohnhaus und der Ökonomieteil bis auf die Grundmauern nieder.
Das Anwesen war 1835 als eine Art Aussiedlerhof errichtet worden. Die damaligen Besitzer waren nach einem Brand ihres Hauses am Rathausplatz aus dem Städtchen hierher gezogen. Der Neubau an der Landstraße nach Unadingen bestand aus einem dreistöckigen Wohnhaus, mit Gewölbekeller, Scheuer und Stall, Wagenschopf und Schweineställen. Ab 1887 gehörte das Anwesen dem Landwirt Karl Selb (1860-1935) und seiner Ehefrau Maria Anna geb. Hasenfratz (1864-1935). Sie hatten es nach ihrer Eheschließung von den Eltern Alois und Monika Selb übernommen. Auf dem Foto ist Karl Selb zu sehen, wie er mit zwei Hunden vor einer der Stalltüren steht.
Am linken Bildrand steht neben dem Misthaufen ein Güllewagen, der mit zwei Pferden bespannt ist. Dass Familie Selb Pferde besitzt, ist auch an dem Zubehör (Pferdekummet und Geschirr) zu erkennen, das über der Holzbiege an der Hauswand hängt. Unter dem hölzernen Balkon im 2. Obergeschoss befindet sich das Plumpsklo.
Links im Hintergrund ist das Gasthaus »Linde« (Obere Hauptstr. 10) zu sehen. Der Weg in Richtung »Hasle« führt über den Hof von Familie Selb. Die damalige Bezeichnung lautet »Bildgaß«, vermutlich ein Hinweis auf die Kümmerniskapelle, die bis 1823 in der Nähe der Straßenkreuzung stand. Heute ist der Weg eine ausgebaute Straße und heißt »Festhallenstraße«.
Verlag A. Rebholz, Löffingen | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Emma Binder, Dorothea und Michael Kasprowicz sowie Alexandra Scholl zur Verfügung.
Eine Gruppe kostümierter Narren stellt sich zu einem Erinnerungsfoto auf. Eine zeitgenössische Beschriftung lautet: »Festausschuss mit Narrenvater«.
V.l.n.r.: 1 »Linden«-Wirt Ernst Meßmer (1869-1943), 2 Emil Zahn, 3 Dr. Richard Straub, 4 Narrenvater Joseph Benitz (1897-1981), 5 Hauptlehrer Alfred Zwingert (1880-1938), 6 Konrad Bader (1868-1958), 7 Ratschreiber Wilhelm Krauß, 8 Schneidermeister Hermann Ganter (1895-1957)
Im Hintergrund hängt an einem Scheunentor ein Plakat. Darauf ist zu lesen: »Am Sonntag, den 20. Febr. veranst[altet] der Turnerb[und] Löffingen im Saal Gebert einen Bunten Abend.« Weiter ist der Eintrittspreis genannt (»50 Pfennig«) und es wird bekannt gegeben, dass es anschließend Tanz gibt.
Das Foto wird 1927 aufgenommen, da der 20. Februar in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt. In diesem Jahr lautet das Fasnachts-Motto: »Das altdeutsche Lied in Wort, Bild und Sang«. Zumindest einer der Narren hat auf einem Kostüm einen Violinschlüssel aufgenäht sowie Notenlinien mit den Noten »f«, »c« und »e«. Das Scheunentor gehört zum Gasthaus »Linde« in der Oberen Hauptstraße.
Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Ralf Gauger und Rudi Jordan zur Verfügung.
»Gasthaus u. Pension z. Linde Löffingen, Schwarzwald« steht in Sütterlinschrift auf dem unteren Rand der Ansichtskarte. Statt einer Linde steht eine hohe Pappel neben dem Gasthaus, dessen Dach sie weit überragt. Die »Linde« gehört zu den alten renommierten Gastwirtschaften Löffingens.
1823 wurde sie von dem Bäcker und Gastwirt Thadä Meßmer (1786-1863) erbaut. Durch die Großherzoglich-badische Regierung erhielt er die Genehmigung, kalte und warme Speisen zu verabreichen, Bier, Wein und Spirituosen auszuschenken und Gäste zu beherbergen. Als das Foto entsteht, wird das Gasthaus bereits in vierter Generation betrieben, denn Thadä Meßmer übergab es 1855 seinem Sohn Karl Meßmer (1832-1916) und dieser 1895 an seinen Sohn Ernst Meßmer sr. (1869-1943) und dieser 1927 an seinen Sohn Ernst Meßmer jr. (1897-1950).
Diese Fotos stellten dankenswerterweise Marie-Luise Schlenker und Rita Willmann zur Verfügung.
»Wieberfasnet« bedeutet, dass Dienstag vor dem »Schmutzigen Dunschdig« ist. Der Saal im Gasthaus »Linde« ist proppenvoll. Das Publikum ist weiblich, denn es sind nur Frauen zugelassen. Auch auf der Bühne stehen nur Frauen. Sie spielen Theater, musizieren, tanzen, ziehen die Männer durch den Kakao und fühlen dem Stadtpfarrer auf den Zahn.
V.l.n.r.: 1 Olga Streit, 2 Luise Kienzler (1924-2014), 3 Mathilde Schlenker (geb. Fehrenbach, 1907-1980), 4 Maria Hall (1924-2014), 5 Paula Müller, 6 ???, 7 ???
Aus der Taufe gehoben wird die »Wieberfasnet« am 23. Februar 1954. 64 Jahre lang findet die Veranstaltung statt und ist fester Bestandteil der Löffinger Fasnacht. 2019 sah es zunächst so aus, als ob die Veranstaltung erstmalig abgesagt werden muss, weil es im Vorfeld leider an Akteurinnen für das Bühnenprogramm fehlt. Erfreulicherweise findet sie aber dann doch Dank tatkräftiger Unterstützung aus Bachheim und Reiselfingen statt.
Dieses Foto stellten dankenswerterweise Alfons und Pia Durst sowie Else Egle und Hermann Egle zur Verfügung.
Eine Schar Kinder blickt andächtig in die Kamera. In ihren Händen halten einige der Jungens und Mädchen Teller, die mit Nüssen und anderen Leckereien gefüllt sind. Else Ganter (verh. Egle, 1923-2011) steht in der vorderen Reihe links mit einem Gabenteller.
Der Sankt Nikolaus mit weißem Rauschebart, gekleidet in sein Bischofsornat und in seiner Hand den Bischofsstab haltend, steht inmitten der Kinderschar. Bei sich hat er seinen treuen Begleiter Knecht Ruprecht, einen dunklen Gesellen, gekleidet in ein Fell, dessen Gesicht kaum zu erkennen ist.
An den tapezierten Wänden im Hintergrund hängen eine Uhr und ein Kruzifix sowie das Porträt eines Mannes. Die Vorhänge der großen Fenster sind zugezogen. Das Foto wird im Gasthaus »Linde« (Obere Hauptstr. 10) aufgenommen.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rolf Meßmer zur Verfügung.
Eine Handvoll Tische mit weißen Tischdecken, Holzstühle darum gruppiert, ein Kachelofen rechts an der Wand, große Fenster, durch die das Tageslicht fällt: diese Innenaufnahme zeigt die alte Wirtsstube des Gasthauses »Linde«. Seit 1823 befindet sich das Gasthaus im Familienbesitz der Meßmers. Damaliger Besitzer waren – seit 1927 – Ernst Meßmer (1897-1950) und seine Ehefrau Paula geb. Kaier (1903-1984).
Das Foto muss vor 1938 entstanden sein. Denn in diesem Jahr wird der Kachelofen in das Gaststube erneuert. Heute wird der Ofen von einer verzierten Ofenkachel geschmückt, auf der das nach dem Großbrand gebaute Mailänder Tor zu sehen ist. Darunter steht: »Das Mailänder Tor / Löffingen in der Baar / steht mehr denn tausend Jahr / 1938«.
Fotograf:Leo Molitor, Neustadt | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst sowie Sonja Schwörer geb. Vogt zur Verfügung.
Die Großeltern des heutigen Freiburger Erzbischofs Stephan Burger heiraten: Der Kaufmann Joseph Benitz (1897-1981) und die Lehrerin Hedwig Steidlinger (1900-1995) geben sich am 20. Oktober 1927 das Ja-Wort. Die Hochzeitsfeier findet offenbar im Gasthaus »Linde« statt, denn das Gruppenfoto wird auf dem heutigen »Linden«-Parkplatz aufgenommen. Das Wäldchen im Hintergrund ist die »Hasle«. Am linken Bildrand sieht man das Haus von Familie Häusle (Haslachstr. 2) durch die Bäume durchschimmern.
1.Reihe v.l.n.r.: 1 Wilhelm Vogt (1880-1964), 2 Franz Vogt (1920-1971), 3 »Linden«-Wirt Ernst Meßmer (1869-1943), 4 Josephine Meßmer (geb. Benitz. 1867-1932), 5 ???, 6 ???, 7 Oberlehrer Eugen Steidlinger (1873-1939), 8 Lina Steidlinger (geb. Weber, 1877-1953), 9 Inge Kreß auf dem Schoß, 10 Anna Benitz (geb. Glunk, 1870-1959), 11 Stadtpfarrer Josef Schlitter (1877-1942), 12 ???, 13 ???, 14 ???, 15 ???, 16 ???, 17 ??? 2.Reihe v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 Elisabeth Kreß (geb. Steidlinger), 7 Emil Kreß, 8 Braut Hedwig Benitz (geb. Steidlinger, 1900-1995), 9 Bräutigam Joseph Benitz (1897-1981), 10 ???, 11 ???, 12 [Anna Zwingert (geb. Vielsäcker)?], 13 Hauptlehrer Alfred Zwingert (1880-1938) 3.Reihe v.l.n.r.: 1 ???, 2 Franz Benitz (1908-1944), 3 ???, 4 ???, 5 Albert Benitz (1905-1996), 6 Paul Benitz (1899-1979), 7 ???, 8 ???, 9 ???, 10 ???, 11 Paula Meßmer (geb. Kaier), 12 »Linden«-Wirt Ernst Meßmer jr. (1897-1950)
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Conrad Bader zur Verfügung.
Der Gast- und Landwirt Karl Gebert (1888-1961) und Elisabeth Benz (1897-1958) heiraten. Das Brautpaar versammelt sich mit den Hochzeitsgästen zu einem Gruppenfoto vor dem Gasthaus »zur Linde«, das vis-à-vis vom »Gebert« liegt. Die Männer tragen Anzug, vier der Frauen tragen Tracht.
1.Reihe v.l.n.r.: 1 Maria Glunk (geb. Bader, 1866-1956), 2 Anna Strobel (geb. Benz, 1906-1986), 3 Agathe Benz (geb. Benz, 1899-?), 4 Anna Benz (geb. Bader, 1870-1951), 5 Emma Binder (geb. Limb, 1913-2005), 6 Emma Gebert (geb. Rosenstiel, 1865-1936), 7 ??? Rosenstiel, 8 ??? Albert (geb. Benz), 9 Josefa Beha (geb. Benz, 1905-?) 2.Reihe v.l.n.r.: 1 Therese Meier (geb. Benz), 2 ???, 3 Johann Glunk (1865-1921), 4 ???, 5 Konrad Bader (1868-1958), 6 Braut Elisabeth Gebert (geb. Benz, 1897-1958), 7 Bräutigam Karl Gebert (1888-1961), 8 Anna Limb (geb. Gebert, 1890-1960), 9 August Limb (1884-1976), 10 Robert Rosenstiel (1900-?), 11 Maria Kopp (geb. Benz), 12 ??? Albert (aus Hüfingen)
Dieses Foto stellten dankenswerterweise Emma Binder, Klemens Rebholz und Cäcilia Runge sowie Daniela Scherzingerzur Verfügung.
Die närrische Jahreszeit geht zu Ende – und damit auch die »Regentschaft« der 20-Jährigen. Im Gasthaus »Linde« versammeln sie sich, um das Ende der Fasnacht mit Alkohol zu begießen. Es wird Akkordeon gespielt und gesungen. Es ist laut und geht feucht-fröhlich zu.
Am »Schmutzige Dunschdig« wurden die Angehörigen des Jahrgangs 1913/14 nach dem Narrenbaumstellen »auf die Laterne« der Laternenbrüder vereidigt. Sie schwörten ewige Treue zur Löffinger Fasnet: »Linke Hand auf’s rechte Herz, rechte Hand auf die Laterne! Ich schwöre, angesichts dieser Laterne und der anwesenden Laternenbrüder, dass ich, solange ich lebe und Atem habe, mit allen Fasern meines Lebens, treu zur Laternenbrüder-Narrenfreiheit stehe, den Anordnungen der Narrenobrigkeit willig Folge leiste, die Löffel des Stadtwappens nie missachte, mich als Mensch vom Menschen stammend, als Mensch aufführe, und den Narrentribut, wie es das Gesetz vorschreibt, jährlich willig bezahle.«
Das Foto wird am 5. März 1933 aufgenommen, am »alten Fasnetsundig«. Der Narrenbaum wurde versteigert und gefällt. Die 20-Jährigen haben Brennbares eingesammelt und auf der »Wanne« zu einem großen Fasnetfunken aufgehäuft und entzündet. Mit dem Fasnetfunken haben sie die Fasnacht verbrannt. Dass wenige Tage zuvor in Berlin der Reichstag brannte und die Nationalsozialisten dies seitdem als Vorwand nutzen, um politisch Andersdenkende im ganzen Land brutal zu verfolgen, interessiert hier gerade niemanden.
Wer erkennt die 20-Jährigen auf dem Foto? 1.Reihe, liegend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ??? 2.Reihe, sitzend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Josef Benz (1914-1962, »Disebeppi«), 4 ???, 5 Johanna Ganter (verh. Rebholz, 1913-2003), 6 ???, 7 Karl Hall, 8 Karl Müller (1913-1971), 9 ??? 3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 Hans Strobel (1913-?), 5 Hilde Schultheiß (verh. Schulz) 4.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Emma Limb (verh. Binder, 1913-2015), 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???
Zu den 20-Jährigen gehören vermutlich auch: Willy Butsch (1913-1991).
Der Gewerbeschullehrer Karl Ehret porträtiert 1941 den »Alt-Lindenwirt« Ernst Meßmer im Profil.
Ernst Meßmer wurde am 20. September 1869 als Sohn der Wirtsleute Karl Meßmer und Franziska geb. Kramer in Löffingen geboren. Er übernahm die elternliche Gastwirtschaft und betrieb außerdem eine Landwirtschaft. Am 20. Mai 1895 heiratete der 25-Jährige seine Frau Josephine Benitz (1867-1932), die ebenfalls aus Löffingen stammte. Gemeinsam bekamen sie neun Kinder.
Zwei Jahre, nachdem er porträtiert wird, stirbt Ernst Meßmer am 31. Dezember 1943 im Alter von 74 Jahren.