»Baaremer Quartett«, ca. 1930

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hermann Egle zur Verfügung.

Vier Männer sitzen nebeneinander auf einer Gartenbank und schauen ausgesprochen ernst drein. Dabei sorgen sie sonst gerade für gute Unterhaltung: Als »Baaremer Quartett« treten die vier Sänger bei Festen und geselligen Veranstaltungen auf. Sie sind gewissermaßen die Löffinger Ausgabe der berühmten »Comedian Harmonists«. Doch von ausgelassener Sangesfreude ist auf dieser Momentaufnahme wenig zu spüren.

V.l.n.r.: 1 Metzgermeister Fritz Seilnacht (1901-1987), 2 Schneidermeister Hermann Ganter (1895-1957), 3 Friseurmeister Julius Limb (1883-1968), 4 Kaufmann Albert Benitz (1905-1996)

Schon die unterschiedlichen Berufe der Sänger zeigen: Das gemeinsame Singen ist kein Broterwerb, sondern Freizeitvergnügen – allerdings offenbar auf einem Niveau, das ihnen Auftritte und einen eigenen Namen einbringt. Bis 1939 tritt das »Baaremer Quartett« gemeinsam auf.

Standort des Fotografen: ???

Neo Vetter, ca. 1930-1940

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Ernst blickt der junge Mann in die Kamera. Er trägt einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd und eine gestreifte Krawatte. Mit leicht gespreizten Beinen steht er vor einer gemalten Atelierkulisse, die einen See und eine idyllische Uferlandschaft zeigt. In beiden Händen hält er einen Gehstock, auf den er sich stützt.

Die sorgfältig arrangierte Aufnahme entsteht in einem Fotostudio. Der elegante Anzug und die romantische Landschaftskulisse verleihen dem Porträt einen feierlichen Charakter. Zugleich werden die beiden Gehstöcke nicht verborgen, sondern selbstverständlich in die Komposition einbezogen.

Unklar ist bislang, wer der junge Mann ist. Überliefert ist lediglich sein Familienname (Vetter) und sein Spitzname (»Neo«). Zu welcher Löffinger Familie Vetter er gehört, wissen wir nicht. Wer erkennt den jungen Mann und kann etwas über ihn erzählen?

Standort des Fotografen: ???

Familie Hepting beim Gräberbesuch auf dem Friedhof, ca. 1930-1940

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Still stehen drei Angehörige der Familie Hepting vor einem Grab. Der Mann links hat seinen Hut abgenommen und hält ihn vor sich in den Händen, die Frau in der Mitte blickt zu Boden. Auch der jüngere Mann rechts verharrt schweigend. Für einen Moment wird ein sehr persönlicher Augenblick des Gedenkens fotografisch festgehalten – Aufnahmen auf dem Friedhof sind eher selten.

Um welches Grab es sich handelt und wem der Besuch gilt, ist bislang nicht bekannt. Frisch angelegt scheint es nicht zu sein. Auch an Allerheiligen entsteht das Foto nicht: Die Bäume tragen noch dichtes Laub, und auf den Gräbern blühen Blumen. Alle drei sind dunkel gekleidet. Ob dies Ausdruck der Trauer ist oder ihrer gewöhnlichen sonntäglichen Kleidung entspricht, lässt sich nicht entscheiden.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???

Im Hintergrund steht die Friedhofskapelle. Sie wurde 1862 errichtet – als Ersatz der Antoniuskapelle an der Landstraße nach Rötenbach, die bereits 1842 abgebrochen worden war. Sogar deren Glöcklein fand in der neuen Kapelle eine weitere Verwendung.

Standort des Fotografen: 47.885312, 8.347165

2 Fotos: Ewald Hepting mit zwei Zicklein vor dem Elternhaus in der Dittishauser Straße, ca. 1938

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Der kleine Ewald Hepting (1933-2010) sitzt auf der Treppe und kneift die Augen gegen die Sonne zusammen. Neben ihm balancieren die beiden Zicklein über die Treppenstufen. Eine dünne Gerte lehnt griffbereit an der Hauswand – um die lebhaften Tiere beisammenzuhalten.

Die beiden jungen Ziegen scheinen kaum stillhalten zu wollen. Während das eine Zicklein neugierig auf den gepflasterten Hof hinaustapst, wird das andere von Ewald Hepting fest im Arm gehalten. Der Bub wirkt dabei fast ein wenig angestrengt. Offenbar gehört das Hüten der Tiere schon früh selbstverständlich zum Alltag der Kinder dazu.

Die Aufnahmen entstehen vor seinem Elternhaus in der Dittishauser Straße. Zur Haustür führen zwei abgetretene Sandsteinstufen hinauf. Direkt daneben befindet sich die hölzerne Stalltür. Der einfache Zaun, das unregelmäßige Pflaster und die verwitterte Hausfassade erzählen vom bäuerlichen Alltag.

Standort des Fotografen: 47.885210, 8.348853

Stadtmusik, ca. 1933

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Die Stadtmusik marschiert in geschlossener Formation die Straße entlang. Vorneweg schreiten zwei Männer: links ein Uniformierter mit Mütze, daneben ein Herr im dunklen Frack und mit schwarzem Zylinder. Vermutlich handelt es sich bei ihm um den Dirigenten oder einen offiziellen Vertreter des Vereins. Dahinter folgen die Musiker mit ihren Blechblasinstrumenten. Mitten im Zug ragt der reich geschmückte Schellenbaum empor, der um 1870 von Löffinger Handwerkern gestiftet wurde und bis heute zu den traditionsreichsten Symbolen der Stadtmusik zählt.

Die Musiker tragen einheitliche Uniformen mit Schirmmützen. Ob der Umzug in Löffingen oder auswärts stattfindet, lässt sich nicht eindeutig klären. Die beiden Gebäude im Hintergrund bieten kaum Anhaltspunkte. Auffällig ist der ernste und disziplinierte Eindruck der Gruppe. Die Musiker marschieren dicht geschlossen, beinahe militärisch geordnet. Darin spiegelt sich noch deutlich die Herkunft des Musikvereins aus Bürgerwehr und Feuerwehrkapelle wider.

Dirigent ist Rupert Hepting (1905-1990). Er wird 1933 Nachfolger des verstorbenen Dirigenten Rupert Wehrle.

Standort des Fotografen: ???

Kühe am Ratzer-Brunnen in der Dittishauser Straße, ca. 1935

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilde Adrion zur Verfügung.

Zwei Kühe stehen am »Ratzer-Brunnen« in der Dittishauser Straße, der auch als Viehtränke dient. Der Platz um den Brunnen ist mit Kopfsteinpflaster befestigt, damit der Boden nicht aufweicht und matschig wird. Die Tiere gehören zum landwirtschaftlichen Anwesen der Familie Hepting und sind aus dem nahegelegenen Stall ein paar Meter über die Straße zum Brunnen getrieben worden.

Im Vordergrund ist der kleine Ewald Hepting (1933-2010) zu sehen, der eine Geisel in der Hand hält. Das Foto dürfte gestellt sein: Der Junge posiert für die Kamera, treibt die Kühe aber nicht wirklich.

Der Chronist Leo Ratzer (1881-1948), der im benachbarten Haus (Dittishauser Str. 1) wohnt, beschreibt 1938 in einem Artikel, wie der zunehmende Autoverkehr das Leben von Mensch und Tier verändert. Sein Beitrag trägt den Titel »Der Verkehr auf der Landstraße vor 50 Jahren und heute«. Darin heißt es:
»Heute nimmt auch das störrischste Ochsenvieh kaum mehr Notiz von dem oft ohrenbetäubenden Verkehr; viel lästiger ist ihm das Ungeziefer in den Sommermonaten. Man kann hier seit zwei Jahren einen alten Ochsen beobachten, der seinen Weg von und zum Brunnen ganz allein, hart an einem Gartenzaun vorbei, nimmt und die Straße vollkommen außer Acht lässt. Dieses brave Tier könnte manchem Zeitgenossen als Beispiel in der Verkehrsdisziplin dienen – hier spricht der natürliche Instinkt.«

Standort des Fotografen: 47.884780, 8.348525

2 Fotos: Kälbchen auf der Dittishauser Straße, ca. 1939

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Vorsichtig tritt das Kälbchen auf das Kopfsteinpflaster, hebt den Kopf und bleibt mitten auf der Dittishauser Straße stehen. Die Sonne scheint warm, der Moment gehört ganz ihm. Verkehr gibt es hier kaum. Das junge Tier ist gerade aus dem Stall des Hauses Hepting (Dittishauser Str. 7) getreten. Solche kleinen Ausflüge gehören zum Alltag. Straße und Hof gehen ineinander über, Menschen und Tiere teilen sich den Raum ganz selbstverständlich. Am gegenüberliegenden »Ratzer-Brunnen« wird das Vieh auch ab und zu getränkt. Im Hintergrund steht ein Junge und beobachtet die Szene – vermutlich Ewald Hepting (1933-2010). In der Stalltür ist eine Frau zu sehen, wohl seine Mutter Sofie Hepting (geb. Jonner, 1909-1995). Sie behält das Kälbchen im Blick. Nach ein paar Minuten ist der kleine Ausflug vorbei. Das Kälbchen dreht um und trottet zurück in den Stall.

Rechts neben dem Haus Hepting schließt sich das Haus Sperer (Dittishauser Str. 9) an. Es gehört dem Gärtner Xaver Sperer und seiner Ehefrau Maria Sperer (geb. Lohmüller). Eine Holzbiege ist aufgeschichtet.

Standort des Fotografen: 47.885175, 8.348860

Blick vom Rathausplatz in die Obere Hauptstraße, ca. 1935

Sammlung Familie Waßmer

Vom oberen Rathausplatz fällt der Blick in die Obere Hauptstraße. Zu sehen ist links der »Stadtbau« (Demetriusstr. 1), in dem sich bis 1942 die Gewerbeschule befindet. Ein Erker, unter dem das Löffinger Wappen zu sehen ist, schließt das Haus zur Straße hin ab. Früher war der Stadtring an dieser Stelle geschlossen und eines der Stadttore überragte – bis zu seinem Abbruch 1819 – die Straße. Jetzt fällt der Blick ungehindert in Richtung »Eichhäusle« (Obere Hauptstr. 1) und zum Haus Baader (Obere Hauptstr. 3). Letzteres gehört dem Landwirt Emil Baader (1863-1941) und geht 1939 in den Besitz seines Schwiegersohnes Georg Waibel über. Dahinter sind, leicht erhöht, die Häuser der Vorstadtstraße zu erkennen. Ein Heuwagen holpert die Obere Hauptstaße entlang und biegt gleich beim »Scharfen Eck« um die Kurve.

Am »Stadtbau«, der nach dem Großbrand vom 23. März 1907 erbaut wurde, hängt ein kleines Schild. Darauf ist »Dr. Gugelberger« zu lesen. Ein Pfeil weist die Richtung zum Eingang, der sich rückseitig auf der Ringstraße befindet. Der Arzt Dr. med. Franz Gugelberger (1878-1943) betreibt seine Praxis in dem Gebäude, bevor er 1936 seine neu erbaute Villa in der Maienlandstraße bezieht.

Standort des Fotografen: 47.884152, 8.345125

Laternenbrüder auf einer Treppe, Fasnacht ca. 1930

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Hermann Egle und Gaby Vogt zur Verfügung.

In Fuhrmannskitteln und weißen Zipfelmützen lassen sich die »Laternenbrüder« fotografieren. Einige führen eine Laterne als Erkennungszeichen mit sich – und sei es nur in Miniaturgröße. Und eine Tabakpfeife darf offenbar auch nicht fehlen. Joseph Benitz (1897-1981) ist außerdem mit mehreren Militärorden dekoriert.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Joseph Benitz, 2 ???, 3 Julius Limb, 4 Hermann Ganter [oder Engelbert Müller?], 5 Albert Benitz
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Wilhelm Vogt sen., 2 Heinrich Wider, 3 Paul Benitz, 4 ???, 5 Fritz Seilnacht
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ??? (am Fenster)

Das Foto wird vermutlich nicht in Löffingen, sondern auswärts aufgenommen.

Standort des Fotografen: ???

Mädchengruppe vor einer Haustür, ca. 1935

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Verena Neumann zur Verfügung.

Sechs Mädchen stehen vor einer Haustür und lächeln in die Kamera. Alle tragen Kleidchen, die wohl größtenteils von ihren Müttern selbst gefertigt sein dürften. Fünf der Mädchen haben lange Haare, die zu Zöpfen geflochten sind. Es scheint ein sonniger Herbst- oder Frühlingstag zu sein. Die sechs blinzeln gegen die niedrigstehende Sonne.

Wer weiß, wer die Mädchen sind?

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Luise Schopferer (verh. Mayer, 1923-2012)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???

Standort des Fotografen: evtl. Seppenhofen

Kühe auf der Jungviehweide, ca. 1930-1940

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Elisabeth und Franz Isele zur Verfügung.

Die Kühe, die hier weiden und Gras fressen und an der Tränke Wasser trinken, kümmern sich nicht darum, auf welche Geschichte die Jungviehwiede zurückblicken kann.

Mit dem Niedergang des Kornmarktes Ende des 19. Jahrhunderts wurde es notwendig, die Landwirtschaft, die bislang vor allem aus Getreideanbau bestand, stärker auf Viehwirtschaft auszurichten. Die Entstehung der Jungviehweide reicht denn auch in das Jahr 1896/97 zurück. Damals errichtete die Stadt nach Zustimmung des Gemeinderates am 27. Juni 1896 und des Bürgerausschusses am 16. Mai 1897 auf dem alten Weidegelände in den Gewannen »Burg« und »Witterschnee« und auf der dazwischen liegenden Stadtwiese eine Jungviehweide zur Förderung der Viehzucht. Stallungen wurden gebaut und eine Brunnenleitung gelegt. Der erste Auftrieb erfolgte im Mai 1899. Damals fungierte die Jungviehweide als Kreisjungviehweide des Großkreises Freiburg. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Weidebetrieb für einige Jahre eingestellt. Doch im Mai 1927 öffnete die Kreisjungviehweide wieder, nachdem am 3. August 1926 ein neuer Vertrag mit der Kreisverwaltung Freiburg unterzeichnet worden war. Die Pachtrechte gingen Mitte der 1930er Jahre auf den Landkreis Neustadt über. Das Weideareal umfasste zu diesem Zeitpunkt 33,2 Hektar für rund 80 Jungrinder.

Standort des Fotografen: 47.895833, 8.337778

Arbeiter im Sägewerk Benz, ca. 1929-1935

Fotograf: Foto Jung, Neustadt
Dieses Foto stellten dankenswerterweise Lore und Michael Fehrenbach zur Verfügung.

In den Holzindustriewerken Josef Benz AG sind kurz vor dem Großbrand 1928 rund 350 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Zwei von ihnen sind auf diesem Foto im Vordergrund zu sehen. Die beiden Männer stehen in einem der Maschinenhäuser. Im Hintergrund sind weitere Arbeiter zu sehen.

Vorne stehen August Vogelbacher (?-1942 vermisst), der von der »Bleiche« stammt, und Albert Veith (1895-1960), der in Kappelwindeck geboren wurde.

Im Hintergrund steht rechts Wilhelm Maier (1896-?), der Sohn des Zieglers Joseph Anton Maier und dessen Ehefrau Franziska Maier (geb. Zimmermann). Er wuchs in der »Ziegelhütte« auf.

Im Adressbuch von 1937 steht, dass beide »Säger« von Beruf sind und im Haus Nr. »112« wohnen, also im »neuen Benzbau« (Ringstr. 8), das als Wohnhaus für Arbeiter des Sägewerks und ihre Familien erbaut wurde.

Vermutlich entsteht das Foto nach dem Wiederaufbau des 1928 gleich zweimal abgebrannten Sägewerks, um die neuen technischen Anlagen fotografisch zu dokumentieren.

Standort des Fotografen: 47.883428, 8.339509