2 Fotos: Prozession auf dem Rathausplatz, Fronleichnam 1958

Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Das Fronleichnamsfest ist ein Hochfest im Kirchenjahr der katholischen Kirche. An die heilige Messe schließt sich eine Prozession durch die Straßen des Städtchens an, bei der der Stadtpfarrer eine Monstranz mit einer konsekrierten Hostie trägt. Die Prozession ist auf dem oberen Rathausplatz angekommen. Der Pfarrer schreitet unter einem Stoffbaldachin, der »Himmel« genannt wird. Feuerwehrmänner mit gezücktem Degen marschieren in einem quasi militärischen Zeremoniell daneben. Ministranten ziehen vorneweg. Sie tragen Leuchter, schwenken Weihrauchfässer, tragen das Schiffchen mit dem Weihrauch und schellen mit ihren Handschellen. Hinter dem »Himmel« folgen Bürgermeister Paul Benitz und die Gemeinderäte.

Am linken Bildrand stellen sich die Mitglieder des Kirchenchores, Ordensfrauen in der Tracht der Vinzentinerinnen und eine Schar Kinder bereits auf, denn gleich wird der Prozessionszug am Stationenaltar vor der »alten Sonne« Halt machen. Der Pfarrer wird einen Abschnitt aus dem Evangelium vortragen, es werden Fürbitten gesprochen und der sakramentale Segen in alle Himmelsrichtungen und über die Stadt erteilt.

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Zu sehen sind u.a. Norbert Brugger als Ministrant und Hermann Schelling als »Himmelträger«.

Standort des Fotografen: 47.883852, 8.344617

2 Fotos: Weihbischof Hermann Schäufele vor der Kaplanei, 1957

Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Der Freiburger Weihbischof Hermann Schäufele (1906-1977) ist in die katholische Pfarrgemeinde St. Michael gekommen, um den Firmlingen das Sakrament der Firmung zu spenden. Nach dem Gottesdienst entstehen diese Fotos, die Schäufele vor der Kaplanei im Gespräch mit Stadtpfarrer Karl Weickhardt (1905-1977), Vikar Heinz Körner (1920-2001), den Reiselfinger Vikar (und späteren Freiburger Erzbischof) Oskar Saier (1932-2008) und den Ministranten zeigt. Hermann Schäufele wird im folgenden Jahr vom Domkapitel zum Erzbischof gewählt und von Papst Pius XII. ernannt. Bis zu seinem Tod 1977 wird er dieses Amt bekleiden.

Standort des Fotografen: 47.882085, 8.344373

Einweihung des Krankenhaus-Erweiterungsbaus, 25. Mai 1957

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Der Krankenhaus-Erweiterungsbau in der Seppenhofer Straße wird am 25. Mai 1957 eingeweiht. Nach der Schlüsselübergabe des Architekten Karl-Heinz Fischer an Bürgermeister Paul Benitz begeben sich die anwesenden Gäste in den Neubau und drehen eine Runde durch die neu geschaffenen Räumlichkeiten. Stadtpfarrer Karl Weickhardt (1905-1977) und Vikar Heinz Körner (1920-2001) nehmen die kirchliche Weihe vor, begleitet von Meßmer Gerhard Scholz (1925-1998), der das Weihwasser und das Weihrauchfaß reicht. Die Geistlichen ziehen durch alle Räume in dem dreistöckigen Bau und segnen alle Zimmer.

Für die Krankenpflege sind neben weltlichem Pflegepersonal vor allem Schwestern des heiligen Vinzentiusordens zuständig. Bereits 1885 wurde ein entsprechender Vertrag mit dem Ordenssuperiorat der barmherzigen Schwestern in Freiburg geschlossen. Zunächst waren es zwei, später drei und ab 1920 vier Vinzentinerinnen, die im städtischen Krankenhaus ihren Dienst leisteten.

Standort des Fotografen: 47.881670, 8.345634

Gäste bei der Einweihung des Krankenhaus-Erweiterungsbaus, 25. Mai 1957

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willman zur Verfügung.

Hinter dem Krankenhaus-Erweiterungsbau in der Seppenhofer Straße haben sich die Ehrengäste versammelt. Es ist der 25. Mai 1957 und die feierliche Einweihung des rund 500.000 DM teuren Bauprojekts findet statt. Der Freiburger Architekt Karl-Heinz Fischer (2.v.l.) wird gleich Bürgermeister Paul Benitz (1.v.l.) die Schlüssel übergeben. 

Zu den anwesenden Ehrengäste zählen u.a. Landrat Mallebrein, Regierungsrat Boll, Bezirksbaumeister Matt, die Bürgermeister der acht umliegenden Gemeinden, die sich an den Baukosten beteiligt haben, die Gemeinderäte der umliegenden Ortschaften und der Stadtrat von Löffingen sowie die am Bau beteiligten Handwerker und Firmen. Am rechten Bildrand sind der katholische Stadtpfarrer Karl Weickhardt und Vikar Heinz Körner in Begleitung von Meßmer Gerhard Scholz zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.881670, 8.345634

2 Fotos: Prozession mit Weihbischof Schäufele anlässlich der Firmung, 1957

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Die Firmung in der katholischen Pfarrkirche St. Michael ist vorüber. Die feierliche Prozession zieht von der Kirche in Richtung Kaplanei in der Seppenhofer Straße. Vorneweg marschieren die Ministranten. Dahinter kommen die Geistlichen, u.a. Stadtpfarrer Karl Weickhardt (1905-1977), Vikar Heinz Körner (1920-2001) und der Freiburger Weihbischof Hermann Schäufele (1906-1977). Schäufele wird im folgenden Jahr vom Domkapitel zum Erzbischof gewählt und von Papst Pius XII. ernannt.

Standort des Fotografen: 47.882306, 8.344052

Ministranten mit Pfarrer Weickhardt, April 1965

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Gerald Münzer zur Verfügung.

Der Gottesdienst ist zu Ende. Stadtpfarrer Karl Weickhardt (1905-1977) verlässt die katholische Pfarrkirche St. Michael, begleitet von einer Schar Ministranten. Vor ihm geht der Oberministrant Gerald Münzer (geb. 1952). Die Gewänder der Messdiener werden von den katholischen Ordensfrauen genäht und bestickt, die in Löffingen im Krankenhaus und im Kindergarten wirken. Die Ministranten sind v.l.n.r. Peter Streit (1954-1966), Bernhard Benz (geb. 1954), Karl-Martin Kuster (?), Christian Bayer (geb. 1952), Walter Hauser, Gerald Münzer.

Vermutlich entsteht das Foto am Weißen Sonntag, worauf auch die Jungs in schwarzen Anzügen hindeuten, die im Hintergrund zu sehen sind. Außerdem warten Kirchgänger am Ausgang der Kirche, mit Regenschirmen bewaffnet. An einem normalen Kirchensonntag wird vermutlich auch eher nicht fotografiert, noch dazu bei solchem Schmuddelwetter!

Standort des Fotografen: 47.882698, 8.343946

Kelch und Becher von 1586 im Heimatmuseum, ca. 1935

Stadtarchiv

Mehr als 400 Jahre alt sind diese beiden Gegenstände! Jahrhundertelang wurden der Kelch und Becher im Rathaus aufbewahrt. Seit 1935 sind sie im Heimatmuseum ausgestellt. Die beiden Trinkgefäße sind silbern und teilweise vergoldet. Sie sind mit Buckeln und feinen Renaissanceornamenten verziert. Darauf ist die Inschrift zu lesen: »M Gerg Miller Pfarrer zu Löffingen verert disen Becher ainer Gemaind 1586«.

Der Stifter war Georg Müller, der in den Jahren 1583 bis 1600 als Pfarrer in Löffingen wirkte. Davor war er Pfarrer in Fürstenberg. Er hinterließ der Gemeinde bei seinem Tod 1605 nicht nur dieses Andenken. In seinem Testament vermachte er der Stadt darüber hinaus Geld zum Bau einer Siechenhauses außerhalb der Stadtmauer. Es wurde daraufhin 1606 in der Hohlgasse erbaut.

Standort des Fotografen: 47.882677, 8.347752

Gedenkstein für Stadtpfarrer und Dekan Markus Bosch, 2009

Sammlung Familie Waßmer

Der verwitterte Gedenkstein am östlichen Chor der katholischen Pfarrkirche St. Michael erinnert an die Baugeschichte des Gotteshauses. Darauf steht geschrieben: »ANNO 1713 /  IST ALLHIESIGER CHOR / 1715 / DIE KIRCHE GEBAUET / UNT DEN 25 WE / INMONAT GEWEIH / ET DER THURN ABER / 1721 / ERHOEHET WORTEN / ALLES UNTER MARX / BOSH PFARRERN UNT / DES VILLINGEN CAP / TULS CAMERERN«.

Stadtpfarrer Markus Bosch, der auch Kämmerer und Dekan des Kapitels Villingen war, wirkte von 1701 bis zu seinem Tod am 31. Dezember 1742 in Löffingen. Er entschloss sich, die Pfarrkiche umzubauen und zu vergrößern. Dazu wurde der Chor verlängert und der Kircheninnenraum barockisiert. Das ehemalige Kirchenschiff konnte nicht nach Westen erweitert werden, weil das Gelände direkt anstoßend an den Westgiebel dem »Adler«-Wirt gehörte. So konnte die umgebaute Kirche wie vorher nur durch die Nebeneingänge betreten werden. Am 25. Oktober 1715 konnte die Kirche mit vier Altären und die angebaute Muttergotteskapelle mit drei Altären durch den Konstanzer Weihbischof geweiht werden. 1721 ließ Pfarrer Bosch dann den Kirchturm, der sich am Standort der heutigen Sakristei befand,  erhöhen und mit einem barocken Turmhelm krönen. Nach 42-jährigem Wirken starb Bosch 1742 im Alter von 69 Jahren.

Der heutige Haupteingang der Kirche konnte erst angelegt werden, als der »Adler«-Wirt Johann Georg Lutz sein Gartengrundstück 1855 für 2.000 Gulden verkaufte. Daraufhin wurde der heutige Kirchturm an der Westseite neu erbaut und der Durchgang unter dem Turm diente fortan als Haupteingang.

Standort des Fotografen: 47.882652, 8.344490

Kommunionkinder der Jahrgänge 1900/1902 vor der Kirche, 30. März 1913

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Olga Streit zur Verfügung.

Die Geschlechtertrennung wird bei der Erstkommunion am 30. März 1913 streng eingehalten. Jungen und Mädchen werden getrennt voneinander vor der Pfarrkirche St. Michael fotografiert. Im Hintergrund ist das Langhaus zu sehen. Deutlich zu erkennen ist, dass die Glasfenster mit Bildern und Mustern verziert waren, die heute nicht mehr vorhanden sind.

49 Erstkommunionkanten sind auf dem Gruppenfoto versammelt. Ihre vier Lehrer rahmen sie ein: Franz Merk und ??? auf der linken Seite, Ferdinand Eggert und Eugen Steidlinger auf der rechten. In der Mitte stehen zwei Geistliche, einer von ihnen ist Pfarrverweser August Hermann (1882-1933), der von 1912 bis 1916 in der Pfarrgemeinde wirkt.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 Josef Sibold (*1901), 9 ???, 10 ???, 11 ???, 12 Karl Bader (*1902), 13 ???, 14 Konrad Sibold (1900-1979)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Eugen Fehrenbach (*1901), 2 August Zepf (*1900), 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Karl Beha (*1901)
4.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 Fritz Seilnacht (1901-?), 7 ???, 8 ???, 9 ???
5.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 Franz Bader (1901-1986)

Standort des Fotografen: 47.882787, 8.344624

Kommunionkinder der Jahrgänge 1900/1902 vor der Kirche, 30. März 1913

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Olga Streit zur Verfügung.

Die Geschlechtertrennung wird bei der Erstkommunion am 30. März 1913 streng eingehalten. Mädchen und Jungen werden getrennt voneinander vor der Pfarrkirche St. Michael fotografiert. Im Hintergrund ist das Langhaus zu sehen. Deutlich zu erkennen ist, dass die Glasfenster mit Bildern und Mustern verziert waren, die heute nicht mehr vorhanden sind.

46 Erstkommunikantinnen sind auf dem Gruppenfoto versammelt. Ihre vier Lehrer rahmen sie ein: Franz Merk und ??? auf der linken Seite, Ferdinand Eggert und Eugen Steidlinger auf der rechten. In der Mitte stehen zwei Geistliche, einer von ihnen ist Pfarrverweser August Hermann (1882-1933), der von 1912 bis 1916 in der Pfarrgemeinde wirkt.

1. Reihe, v.l.n.r.: Nr. 8: Franziska Bieler (*1900, verh. Fehrenbach), Nr. 9: Klara Bieler (*1900), Nr. 11: ??? Kaufmann.
2. Reihe, v.l.n.r.:
3. Reihe, v.l.n.r.: ???, ???, ???, Nr. 4: Leopoldine Geisinger (1901-1989)
4. Reihe, v.l.n.r.: Nr. 10: Anna Hepting (*1900, verh. Ganter), Lehrer Eugen Steidlinger
5.Reihe, v.l.n.r.:

Standort des Fotografen: 47.882787, 8.344624

Stadtpfarrer Karl Weickhardt mit zwei Geistlichen, ca. 1950-1960

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Cindy Küßner zur Verfügung.

In schwarze Soutanen gekleidet sind Stadtpfarrer Karl Weickhardt (1905-1977), 1.v.r., und zwei Mitgeistliche. Bis weit in die 1960er Jahre hinein ist die Soutane als Alltagsbekleidung eines Priesters der römisch-katholischen Kirche üblich.  Beim Anlegen der Soutane spricht der Kleriker das lateinische Ankleidegebet: »Dominus pars hæreditàtis meæ et calicis mei: tu es qui restitutes hæredìtatem meam mihi« (dt. »Der Herr ist mein Erbteil, der Anteil meines Kelches. Du bist es, der mein Erbteil wiederhergestellt hat«). 

Wer weiß, wer die beiden Mitgeistlichen sind?
Wo wird das Foto aufgenommen?

Standort des Fotografen: ?

Stadtpfarrer Guido Andris, ca. 1925

Erzbischöfliches Archiv Freiburg

Guido Andris (1879-1974) war von 1929 bis zu seiner gewaltsamen Vertreibung 1934 Stadtpfarrer in der katholischen Pfarrei Löffingen.

Geboren wurde er am 14. Dezember 1879 in Schollach als Sohn eines Schmiedes. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach dem Besuch der Volksschule wechselte er als 14-Jähriger auf die Lendersche Lehranstalt in Sasbach. Von 1897 bis 1901 besuchte er das Großherzogliche Badische Gymnasium in Rastatt und das dortige Erzbischöfliche Gymnasialkonvikt. Nach seinem Abitur 1901 studierte er bis 1904 Katholische Theologie an der Universität Freiburg. Am 5. Juli 1905 wurde Andris durch Erzbischof Thomas Nörber (1846-1920) zum Priester geweiht.

Er wirkte als Vikar in den Pfarreien Ettenheim, Oberwolfach und ab 1907 in Rastatt. Von 1910 bis 1912 war er von seinen seelsorgerischen Aufgaben entbunden, um sich dem katholischen Pressewesen zu widmen. In dieser Zeit fungierte er als Redakteur der Zeitungen Badenia und Rastatter Zeitung. Dabei lieferte er sich teilweise heftige Auseinandersetzungen mit dem politischen Liberalismus. Seine eigene politische Heimat war die katholische Zentrumspartei, deren Mitglied er war. 1912 wurde er Pfarrverweser in der katholischen Pfarrei Staufen. Zwei Jahre später kam er nach Ottenhöfen, wo er im Februar 1916 als Pfarrer investiert wurde. 15 Jahre lang wirkte er in der dortigen Pfarrei. Im März 1929 wurde Andris in die katholische Pfarrei Löffingen versetzt und im Auftrag des Freiburger Erzbischofs Karl Fritz investiert.

Früh geriet er in Konflikt mit der NSDAP-Ortsgruppe Löffingen, die bereits im April 1928 gegründet worden war. Die örtlichen Nationalsozialisten schrieben anonyme Hetzbriefe und attackierten den Priester in der nationalsozialistischen Presse als »geistlichen Zentrumsagitator«. 1932 spitzte sich die Konfrontation zu, als sich Andris im Zuge der Reichspräsidentenwahl 1932 für die Wiederwahl Hindenburgs aussprach. Er warnte vor den »religiösen Gefahren« der NS-Bewegung und bezeichnete Hitler als »Taufscheinkatholiken«. An Ostern 1932 verweigerte der Seelsorger NSDAP-Mitgliedern bei der Beichte die Absolution. Dem Konflikt lagen letztlich weltanschauliche Gründe zugrunde, wie Andris’ Predigt gegen die Ideologie der »Vernichtung lebensunwerten Lebens« und seine Stellungnahme gegen die kirchenfeindlichen Schriften von Alfred Rosenberg zeigen.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme nutzten die lokalen Nationalsozialisten die neuen Möglichkeiten, die sich ihnen boten, um Rache zu üben: Der gleichgeschaltete Gemeinderat forderte in mehreren Versetzungsgesuchen von Erzbischof Conrad Gröber (1872-1948) die Versetzung des Stadtpfarrers. Andris agierte in dieser Zeit vorsichtig und enthielt sich öffentlicher Kritik an der Reichsregierung. Er fuhr aber fort, die lokalen Nationalsozialisten zu kritisieren, wenn diese gegen die Bestimmungen des Reichskonkordats verstießen. Ständiger Streitpunkt war der Umgang mit den katholischen Vereinen: Andris hatte ein blühendes Vereinswesen aufgebaut, das die Nationalsozialisten zu zerschlagen versuchten, obwohl das Konkordat eine Bestandsgarantie gab. Außerdem griff der Priester wiederholt den Ortsgruppenleiter und Ortsjugendführer sowie andere lokale Nationalsozialisten wegen ihres Lebenswandels an, der nicht seinen Vorstellungen von Moral und Sitte entsprach. Im Januar 1934 ermittelte die Geheime Staatspolizei gegen Andris und seinen Vikar Friedrich Kornwachs, da diese als Geistliche in Löffingen »untragbar« seien.

Am 23. Juni 1934 holte die NSDAP-Ortsgruppe mit Unterstützung der Kreisleitung Neustadt zum entscheidenden Schlag gegen den Priester aus. Am Vormittag drangen Nationalsozialisten in das katholische Pfarrhaus ein und beleidigten und bedrohten Andris. Sie forderten ihn auf, den katholischen Sportverband Deutsche Jugendkraft (DJK) aufzulösen. Andris lehnte dies ab. Am Nachmittag versammelten sich daraufhin Nationalsozialisten vor dem Pfarrhaus. Sie schrien Parolen gegen die DJK und forderten lautstark: »Heraus mit dem Rebellen!« Andris telefonierte mit Erzbischof Gröber. Dieser gab ihm Anweisung, Löffingen mit dem nächsten Zug zu verlassen und nach Freiburg zu kommen. Unterdessen eskalierte die Situation: Einige Bürger kritisierten die Aktion der Nationalsozialisten, es kam zu Wortgefechten, Rangeleien und körperlicher Gewalt. Insgesamt wurden 16 Bürger verhaftet. Einer von ihnen, der Landwirt Karl Bader (1902-1971), hatte die Kirchenglocken Sturm geläutet und wurde dafür mit Gefängnis und einmonatiger Haft im Konzentrationslager Kislau bestraft. Andris folgte schließlich der Weisung seines Erzbischofs und verließ seine Pfarrei. Die Nationalsozialisten verhöhnten ihn auf dem Weg zum Bahnhof und stimmten das Volkslied »Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus« an.

Nach seiner gewaltsamen Vertreibung am 23. Juni 1934 wurde Andris am 29. Juni in Freiburg von der Gestapo unter dem Vorwurf der »Aufreizung zum Landfriedensbruch« verhaftet und in »Schutzhaft« genommen. Nach vier Tagen wurde er wieder freigelassen. Er wurde aber mit einem Bezirks- und Ortsverweis bestraft und durfte somit weder nach Löffingen noch in den Amtsbezirk Neustadt zurückkehren. Die Bemühungen, eine Aufhebung dieses Verweises zu erwirken, scheiterten. Im Januar 1935 versetzte Erzbischof Conrad Gröber schließlich Andris »unter Absenzbewilligung« in die Pfarrei Steinbach (Baden-Baden), wo der Geistliche im Oktober des Jahres investiert wurde.

Aus gesundheitlichen Gründen wurde er 1942 auf die Insel Reichenau versetzt. Beinahe drei Jahrzehnte wirkte Andris dort in der Pfarrei St. Peter und Paul. 1965 konnte er sein 60. Priesterjubiläum feiern. Fünf Jahre später ging er in den Ruhestand. Am 28. April 1974 starb er im Alter von 94 Jahren in Niederzell. Seine letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Friedhof.