Mehrbildkarte »Gruß aus Löffingen« mit vier Ansichten, 1907

Verlag R. Märklin, Freiburg | Stadtarchiv

Die colorierte Mehrbildkarte aus dem Jahr 1907 vereint vier Ansichten: In der oberen Hälfte ist eine Gesamtansicht des Städtchens zu sehen, die vom Gewann »Breiten« aufgenommen ist. Am linken Bildrand ist das neu gebaute Forstamt (Rötenbacher Str. 8) zu sehen. Die Häuser des Städtchens schmiegen sich an den Fuß des Alenbergs. Nur die katholische Pfarrkirche St. Michael ragt aus dem Häusergewirr heraus.

Darunter sind links und mittig zwei Ansichten des Gasthauses »Pilgerhof« (Maienlandstr. 24) abgebildet: Eine Hausansicht von der Straße aus und ein Blick in die »Gartenwirtschaft«: Unter Bäumen sind Bierbänke aufgebaut, die zur Einkehr einladen. Die vierte Ansicht zeigt rechts die 1901 geweihte Wallfahrtskirche Witterschnee. Sie wurde ab 1894 im neoromanischen Stil erbaut.

Haus Guth im Weberweg, ca. 1907-1910

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Walter Ganter zur Verfügung.

Nur wenig verändert hat sich das Haus Guth bis heute. Die sichtbarste Veränderung bezieht sich auf die Scheunentore: Die beiden kleinen wurden durch Garagentore ersetzt, das größere musste dem Einbau zweier Fenstern weichen. Statt einer Haustür und einer Stalltür ist heute ein modernes Treppenhaus zu sehen; die Treppenstufen, die einst zum Eingang hinaufführten, wurden beseitigt. Aber ansonsten ist die Abfolge der Fenster gleich geblieben. Auch das große Dach ist unverändert.  

Vor dem Haus steht eine Frau mit drei kleinen Kindern. Vermutlich handelt es sich um Sofie Guth geb. Spehl (1870-1956), die Ehefrau des Landwirts Anton Guth (1871-1918). Eines der Kinder dürfte Franz Guth (1903-1970) sein, der 1938 das Anwesen übernahm. Sophie Guth war gebürtig aus Göschweiler. In jungen Jahren wurde sie bereits Witwe, denn ihr Ehemann Anton starb 1918, gerade einmal 47 Jahre alt. Sie selbst starb 1956 im Alter von 85 Jahren.

Standort des Fotografen: 47.884558, 8.343130

Ausschnitt: Blick von der »Breiten« auf das Städtchen, ca. 1908

Sammlung Familie Waßmer

Von der »Breiten« aus wird diese Gesamtansicht des Städtchens aufgenommen. Das Bild ist ein Ausschnitt aus einer Mehrbildkarte, die 1908 postalisch läuft. Die gewählte Perspektive bietet den besten Blick auf ganz Löffingen, wie es in einem sanften Tal liegt und sich an den Alenberg schmiegt.

Die katholische Pfarrkirche St. Michael mit ihrem Turm und ihrem mächtigen Kirchenschiff kommt von hier gut zur Geltung. Außerdem ist man damals stolz auf das 1905 neu erbaute Forsthaus (Rötenbacher Str. 8) und auf den dahinter erkennbaren Bahnhof von 1901. Beide mussten unbedingt mit auf das Foto.

Bei den Häusern auf dem Alenberg handelt es sich größtenteils um Gebäude, die beim Großbrand 1921 zerstört werden. Die kleine Straße im Vordergrund ist der heutige Hans-Thoma-Weg, der damals in Richtung Göschweiler führt.

Die Gesamtansicht des Städtchens ist ein Ausschnitt aus einer Mehrbildkarte.

Standort des Fotografen: 47.881718, 8.340444

Familie Winterhalder vor ihrem Haus in der Oberen Hauptstraße, ca. 1908

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Franz und Elisabeth Rosenstiel zur Verfügung.

Als dieses Foto um das Jahr 1908 aufgenommen wird, lautet die offizielle Adresse dieses Hauses noch »Bei des Mahlers Kreuz« und die Hausnummer ist die »201«. Üblicherweise wird aber der Hausname benutzt: »s’Wälders«. Das Haus gehört seit 1896 dem Landwirt Robert Winterhalder (1871-1940) und seiner Ehefrau Sofie geb. Widmann (1870-1945). Gemeinsam mit drei ihrer Kinder haben sie sich vor ihrer Haustür im Schatten eines Obstbaumes aufgestellt. 

Robert Winterhalder stammte gebürtig vom Blessinghof in Schollach, seine Frau aus Oberbränd. Die beiden hatten dort 1893 geheiratet und zogen dann nach Löffingen. Sie bekamen acht Kinder. Das älteste Kind auf dem Foto ist vermutlich Cäcilie Winterhalder (1901-?). Sie wird sich später mit dem Landwirt Robert Rosentiel (1900-?) verheiraten und das elternliche Anwesen übernehmen. 

Standort des Fotografen: 47.885224, 8.352677

Häuser Guth und Kopp in der Rötengasse, ca. 1900-1907

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Paula Veith zur Verfügung.

Wo heute das Haus Rötengasse 2 steht, standen bis 1907 die beiden landwirtschaftlichen Anwesen von Paul Guth (Maienland 138) und Johann Kopp (Maienland 139). Beide Häuser wurden am 30. Januar 1907 ein Raub der Flammen und brannten ab. Durch das Feuerversicherungsbuch liegt uns eine Beschreibung der beiden Anwesen vor. Demnach handelte es sich bei dem Haus Guth um ein zweistöckiges Wohnhaus mit Scheuer und Stallung, einer Wagenremise, einem Zwischenbau mit gewölbtem Keller, einer Holzremise sowie einem Göpelschopf, der zum Antrieb von Dreschmaschinen diente. Das Haus Kopp wird als zweistöckiges Wohnhaus mit Scheuer, Stallung und Schopf beschrieben.

Beim Wiederaufbau wurden die beiden Brandplätze zusammengelegt und darauf von Paul Guth (1881-1924) ein neues zweistöckiges Wohnhaus mit Scheuer und Stallung errichtet. Wenige Jahre später verkaufte er es aber wieder und zog 1919 in das Haus Rathausplatz 6, in dem er bis zu seinem frühen Tod ein Ladengeschäft betrieb.

Standort des Fotografen: 47°53’07.1″N 8°20’33.7″E

Blick von der Bahnhofstraße in Richtung Mailänder Tor, ca. 1906

Dieses Foto stelte uns dankenswerterweise Theo Walz zur Verfügung. 

Den Blick, wie er sich auf dieser Fotografie darbietet, gibt es heute nicht mehr. Aufgenommen wurde das Foto von der Bahnhofstraße aus: Der Blick geht über die Ringstraße hinweg in Richtung Mailänder Tor. Heute versperrt der 1923/24 erbaute »Benzbau«, in dem sich zahlreiche Mietwohnungen befinden, diese Perspektive. 

Am linken Bildrand ist der Seitengiebel des Hauses Strobel (Ringstr. 6) zu erkennen, vor dem ein Spalierbaum wächst. Rechts daneben ist das Haus Fritsche (Ringstr. 5) zu sehen, wie es vor dem Großbrand 1921 aussah. Es ist leicht verdeckt durch das Haus des Landwirts Ferdinand Schultheiß (Maienlandstr. 1). Davor in der Ringstraße steht ein kleines weißes Häuschen, an dessen Giebel die Aufschrift »Wage« angebracht ist. Offenbar diente es als Gemeindewaage. Rechts daneben ist die Wiederkehr an der Rückseite vom Haus des Kaufmanns Heinrich Walz zu erkennen. Kaum mehr zu entziffern ist auf der mehr als 100 Jahre alten Fotografie der Schriftzug »Heinr. Walz Eisenhandlung«. Es schließt sich rechts daneben die Rückseite der »Adler«-Scheune an, die zum gleichnamigen Gasthaus gehörte.

Standort des Fotografen: 47°53’01.5″N 8°20’31.8″E

Mehrbildkarte mit vier Ansichten, ca. 1900-1904

Verlag Th. Schmutz-Mayer, Löffingen

»Auch einmal von hier mögen Sie & Ihre so werthe Familie beste Grüße empfangen«, heißt es auf dieser Ansichtskarte, die am 18. Oktober 1904 von Löffingen aus versandt wurde.

Die Mehrbildkarte zeigt vier Ansichten des Städtchens. Unter einer Gesamtansicht, die vom »Reichberg« aus aufgenommen wurde, sind drei Einzelbilder zu sehen: Ganz links ist das »Warenhaus z[um] Kasten« (Untere Hauptstr. 7) abgebildet, das seit 1900 dem Kaufmann Thomas Schmutz gehört, der auch als Verleger diese Ansichtskarte fungiert. Kein Wunder, dass er sein eigenes Kaufhaus so prominent abbildet. Daneben ist die 1898 vollendete »Wallfahrtskirche z[um] Schneekreuz« zu sehen. Und ganz rechts ist eine idealisierte Darstellung des Kriegerdenkmals abgebildet. Das 1894 geschaffene Denkmal zur Erinnerung an die Kriegsteilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 ist übergroß dargestellt, was im Größenvergleich mit den Menschen deutlich ins Auge springt.

Mehrbildkarte mit »Warenhaus zum Kasten« und Kirche Witterschneekreuz, ca. 1901

Kunstanstalt Fr. Schmidt, Lahr

Auf der Postkarte ist eine »Gesammt Ansicht« von Löffingen zu sehen. Auf der neueröffneten Bahnstrecke dampft gerade ein Zug in Richtung Bahnhof. Die neuerbaute Wallfahrtskirche zum Schneekreuz wird ebenfalls werbewirksam ins Bild gesetzt. Das »Warenhaus zum Kasten«, für das ebenfalls geworben wird, ist auf einem entrollten Blatt Papier zu sehen. Den Namen hat das Kaufhaus vom fürstenbergischen Getreidespeicher übernommen, der sich früher in diesem Gebäude befand. Das Zehnt-Getreide wurde in der Redensart der Einwohner in den Kasten gefahren. So entstand der Hausname »Zum Kasten«. Der offizielle Name auf dem Kaufhausschild war: »Th. Schmutz-Mayer z. Kasten«. Der Name Mayer verweist auf die Vorbesitzer des Kaufhauses, von denen Thomas Schmutz das Gebäude übernahm. Er war auch der Besitzer des angebauten Hauses. Auf dem Dach ist eine imposante Blitzableiteranlage zu sehen. In der Kirchstraße steht ein mit Pferden bespannter Karren.

Mehrbildkarte mit drei Stadtansichten, ca. 1907-1909

Gebr. Ebner, Oberkirch i.B. / Verlag Johann Schmutz, Löffingen
Sammlung Familie Waßmer

Diese Mehrbild-Postkarte kommt kurz nach der Jahrhundertwende auf den Markt. Unter der Überschrift »Gruß aus Löffingen« zeigt sie drei Ansichten und Sehenswürdigkeiten des Städtchens.

Oben ist die 1898 geweihte neue Wallfahrtskirche »Witterschnee« zu sehen, sicherlich eine Hauptattraktion für Besucher*innen, die anlässlich ihrer Wallfahrt eine Postkarte nach Hause an Verwandte und Freunde versenden, aber auch der ganze Stolz der Einwohner*innen.

In der Mitte ist der Straßenzug der Unteren »Hauptstraße« zu sehen. In dieser Durchgangsstraße liegen mit dem »Adler« und dem »Lamm« gleich zwei renommierte Wirtschaften, in die nicht nur die Einheimischen, sondern auch auswärtige Gäste gerne einkehrten. Zu erkennen ist außerdem der alte Laufbrunnen, der 1912 durch den Demetriusbrunnen ersetzt wird.

Und unten ist eine Ansicht des oberen Rathausplatzes zu sehen, der hier noch als »Marktplatz« bezeichnet wird. Der Markt ist bereits im Niedergang begriffen, er verliert rapide an Bedeutung und ist kaum mehr existent. Das Rathaus und das Gasthaus »Sonne« rahmen den Platz ein.

Ausschnitt: Untere Hauptstraße in Richtung Gasthaus »Lamm«, ca. 1907-1909

Verlag Gebrüder Ebner, Oberkirch in Baden | Verlag Johann Schmutz, Löffingen | Sammlung Familie Waßmer

Mitten auf dem unteren Rathausplatz steht der alte Trogbrunnen. Seit jeher versorgt der Laufbrunnen an dieser Stelle die Einwohner*innen mit Wasser und dient zugleich als Viehtränke. Als Zeichen des technischen Fortschritts trägt die steinerne Brunnensäule eine Gaslaterne. Der Brunnen steht deutlich weiter links als der heutige Demetriusbrunnen, der ihn 1912 ersetzen wird, und ragt in die Untere Hauptstraße hinein.

Rechts erhebt sich das mächtige Gebäude des Gasthauses »Adler« (Untere Hauptstr. 2). Das schmiedeeiserne Wirtshausschild spannt sich an der Hausecke über die Straße. 1907 erwarb der Friseurmeister Julius Limb die linke Hälfte des Hauses, um dort seinen Friseursalon (Untere Hauptstr. 4) einzurichten. Die Umbauarbeiten sind auf der Aufnahme offenbar noch im Gange. Damit lässt sich auch die Entstehungszeit des Fotos recht eng eingrenzen.

Am linken Bildrand steht das Haus Schmutz (Rathausplatz 6). Auch ihm bleibt nicht mehr viel Zeit: Am 11. Dezember 1909 brennt es ab und wird anschließend durch einen Neubau im Jugendstil ersetzt. Hoch über die Häuserzeile links ragt der »Kasten« (Untere Hauptstr. 7), der ehemalige fürstenbergische Kornspeicher, mit seiner zur Straße gerichteten Giebelfront und dem markanten Dach.

Der Blick folgt der leicht gekrümmten Hauptstraße bis zum Gasthaus »Lamm« (Kirchstr. 29), dessen Giebel den Straßenraum im Hintergrund abschließt. Noch gibt es kaum Verkehr, und die Straße gehört Fußgängern, Handwerkern, Fuhrwerken und dem Vieh. Zugleich kündigen Gaslaterne und Geschäftsumbauten bereits an, dass auch im alten Löffingen die moderne Zeit Einzug hält.

Standort des Fotografen: 47.883709, 8.343778

Musterriege des Turnerbunds, 1908

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Dieter Vierlinger zur Verfügung.

Auf dem Turngerät im Hintergrund steht mit weißer Farbe geschrieben: »Musterriege 1908 Löffingen«. Und im Vordergrund wird die Jahreszahl auf einem Lederball wiederholt. 13 Turner des drei Jahre zuvor gegründeten Turnerbunds versammeln sich für dieses Gruppenfoto. Sie tragen Sportkleidung, unter ihren weißen Hemden sind ihre Gürtel zu sehen mit dem Turner-Gruß »Gut Heil«. Zwei der Turner sind mit Siegerkränzen aus Eichenlaub bekrönt. In ihrer Mitte steht ein Mann im Anzug. Er hält eine gerahmte Siegerurkunde. Es könnte sich um den ersten Vorsitzenden, den Kaufmann Karl Nägele handeln.

Ein Blick in die Vereinschronik lässt vermuten, dass das Foto in Hüfingen aufgenommen wird. Denn im August 1908 beteiligt sich der Turnerbund am dortigen Gauturnfest und erringt einen ersten Preis.

Wer weiß, wie die Turner heißen?

1.Reihe, liegend, v.l.n.r.: 1 J. Göhry, 2 ???
2.Reihe, sitzend, v.l.n.r.: 1 Karl Schmid (1878-1955), 2 [Ernst] Bader, 3 Karl Häusle, 4 Josef Bader
3.Reihe, stehend, v.l.n.r.: 1 ??? Werne, 2 ??? Fehrenbach, 3 Konrad Nägele (1885-1960), 4 ??? (im Anzug), 5 [??? Mayer], 6 ??? Zepf, 7 J. Schweizer (?-1916 gefallen), 8 ??? Schmutz

Verschiedene Sportgeräte sind auf dem Foto zu erkennen: Neben dem Sprunggerät und dem Schleuderball sind eine Kugel zum Kugelstoßen, eine Hantel zum Gewichtheben und eine Matte, auf der die beiden Sportler vorne liegen, zu nennen.

Standort des Fotografen: Hüfingen

Gasthaus »Adler« und Haus Limb in der Unteren Hauptstraße, ca. 1907-1914

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Franz Hofmeier zur Verfügung.

Zwei Geschäfte teilen sich ein stattliches Gebäude in der Unteren Hauptstraße. Erst 1907 wird das ursprünglich einheitliche Haus in zwei Hälften geteilt. Links richtet Friseurmeister Julius Limb (1883-1968) sein Geschäft ein. Große Schaufenster nehmen fast die gesamte Breite des Erdgeschosses ein. Über ihnen wirbt ein Schild mit »Anfertigung moderner Haararbeiten« sowie mit »Drogen Parfümerien Cigarren«. Vor dem Eingang stehen Julius Limb im weißen Friseurkittel und weitere Personen für den Fotografen bereit.

In der rechten Gebäudehälfte betreiben der Gastwirt Heinrich Faller (1872-1927) und seine Ehefrau Mathilde Faller (geb. Bausch, 1875-1952), den Gasthof »Adler«. Das schmiedeeiserne Wirtshausschild hängt weithin sichtbar an der Hausecke. Im Erdgeschoss gibt es hier lediglich den Eingang; von dort führt eine Treppe hinauf zur Gaststube im ersten Stock.

Noch ist gut zu erkennen, dass beide Haushälften ursprünglich zusammengehören. Im Laufe der Jahrzehnte werden sie jedoch mehrfach umgebaut und unterschiedlich gestaltet. Fassaden, Fenster und Eingangsbereiche entwickeln sich immer stärker auseinander, sodass heute kaum noch auffällt, dass hier einst ein einziges Gebäude stand.

Weiter links setzt sich die Häuserzeile fort. Zu erkennen sind die Bäckerei des Bäckermeisters Ernst Straub (Untere Hauptstr. 6) und die Restauration Benz (Untere Hauptstr. 8).

Standort des Fotografen: 47.883649, 8.343892