Musterriege des Turnerbunds, 1908

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Dieter Vierlinger zur Verfügung.

Auf dem Turngerät im Hintergrund steht mit weißer Farbe geschrieben: »Musterriege 1908 Löffingen«. Und im Vordergrund wird die Jahreszahl auf einem Lederball wiederholt. 13 Turner des drei Jahre zuvor gegründeten Turnerbunds versammeln sich für dieses Gruppenfoto. Sie tragen Sportkleidung, unter ihren weißen Hemden sind ihre Gürtel zu sehen mit dem Turner-Gruß »Gut Heil«. Zwei der Turner sind mit Siegerkränzen aus Eichenlaub bekrönt. In ihrer Mitte steht ein Mann im Anzug. Er hält eine gerahmte Siegerurkunde. Es könnte sich um den ersten Vorsitzenden, den Kaufmann Karl Nägele handeln.

Ein Blick in die Vereinschronik lässt vermuten, dass das Foto in Hüfingen aufgenommen wird. Denn im August 1908 beteiligt sich der Turnerbund am dortigen Gauturnfest und erringt einen ersten Preis.

Wer weiß, wie die Turner heißen?

1.Reihe, liegend, v.l.n.r.: ???, ???
2.Reihe, sitzend, v.l.n.r.: Karl Schmid (1878-1955), [Ernst] Bader, Karl Häusle, Josef Bader
3.Reihe, stehend, v.l.n.r.: ??? Werne, ??? Fehrenbach, Konrad Nägele (1885-1960), ???, ??? Zepf

Verschiedene Sportgeräte sind auf dem Foto zu erkennen: Neben dem Sprunggerät und dem Schleuderball sind eine Kugel zum Kugelstoßen, eine Hantel zum Gewichtheben und eine Matte, auf der die beiden Sportler vorne liegen, zu nennen.

Standort des Fotografen: Hüfingen

Gasthaus »Adler« und Friseurgeschäft Limb in der Unteren Hauptstraße, ca. 1907-1914

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Franz Hofmeier zur Verfügung.

Ursprünglich war das Gebäude im Vordergrund ein Haus. 1907 wurde es in zwei Gebäudehälften geteilt. In der linken Hälfte richtete der Friseurmeister Julius Limb (1883-1968) im Erdgeschoss sein Friseurgeschäft ein. Schaufenster erstreckten sich über die gesamte Breite. Auf dem Schild an der Fassade steht: »Anfertigung moderner Haararbeiten« und »Drogen Parfümerien Cigarren«.

In der rechten Gebäudehälfte betrieben der Gast- und Landwirt Heinrich Faller (1872-1927) und seine Ehefrau Mathilde geb. Bausch (1875-1952) den Gasthof »zum Adler«. Im Erdgeschoss gab es damals nur die Eingangstür, von wo die Treppe zur Gaststube im ersten Stock hochführte.

Im Laufe der Zeit wurden die beiden Häuserhälften mehrfach renoviert. Die Fassadengestaltung wich immer mehr voneinander ab, sodass man heute kaum mehr erkennen kann, dass es sich ursprünglich um ein Haus handelte.

Im Hintergrund links sind die Bäckerei von Ernst Straub und die Restauration Benz zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.883649, 8.343892

Schulklasse des Jahrgangs 1901/02 mit Lehrer Eggert vor dem Rathaus, 1908

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Ludwig Storz und Olga Streit zur Verfügung.

Die Schulkinder des Jahrgangs 1901/02 erscheinen zum Fototermin in ihren Sonntagskleidern. Im Vergleich zu früheren Klassenfotos sind innerhalb weniger Jahre Veränderungen in der Kleidung und der Frisur der Mädchen erkennbar. Die Röcke sind kürzer. Hohe Stiefel schauen darunter hervor. Die Haare sind nicht mehr so straff nach hinten gebunden und bei einigen Mädchen mit einer Schleife verziert. Hauptlehrer Ferdinand Eggert ist 40 Jahre lang bis 1919 Lehrer an der Volksschule.

Die Schule befindet sich in dieser Zeit im Rathausgebäude, weshalb das Klassenfoto auch auf dem unteren Rathausplatz aufgenommen wird. Der Platz selbst ist nicht aspahaltiert ode gepflastert, sondern besteht nur aus einer Schotterfläche.

1. Reihe, v.l.n.r.: ???, ???, ???, Leopoldine Geisinger (1901-1989), Lina Rosenstiel, ???, ???, ???, ???, Klara Bieler, Franziska Bieler (1900-?)
2. Reihe, v.l.n.r.: Karl Beha (1901-?), Eugen Fehrenbach (1901-?), ???, ???, ???, Karl Bader (1902-1971), ???, ???, ???, ???
3. Reihe, v.l.n.r.: ???, ???, ???, ???, ???, ???, ???, Ludwig Storz (1902-1987), ???

Standort des Fotografen: 47.883819, 8.344146

Schulklasse des Jahrgangs 1893/94 mit Lehrer Matt vor dem Rathaus, ca. 1902-1904

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Hermann Egle zur Verfügung.

Wenn der Fotograf in die Schule einbestellt wird, kommen die Kinder im »Sonntagsstaat« zur Schule. Das Fotografieren ist eine spannende Angelegenheit für die Schüler*innen. Die Kamera steht auf einem Stativ und der Fotograf verschwindet unter einem schwarzen Tuch. Dabei muss man stillsitzen und ohne zu blinzeln in die Kamera schauen. Für die Aufnahme wählt der Fotograf als Hintergrund die geschlossene Eingangstüre der einstigen Markthalle im Rathausgebäude.

Der Lehrer, der mit seinen 36 Schüler*innen fotografiert wird, ist Lehrer Wilhelm Matt. Die Kinder gehören dem Geburtsjahrgang 1893/94 an.

1.Reihe, v.l.n.r.: ???, ???, ???, ???, Karl Sibold (1893-1976), ???, ???, ???, Karl Hepting (1893-?)
2.Reihe, v.l.n.r.:
3.Reihe, v.l.n.r.: ???, Otto Fürst, Franz Sibold (1893-1929), Arnold Winterhalder (1893-1919), Emma Hirt (verh. Münzer, 1893-1983), ???, ???, Maria Ganter (verh. Fritsche, 1893-1965)   
4.Reihe, v.l.n.r.:

Zu dem Jahrgang gehört vermutlich auch Klara Schönle (1893-?).

Standort des Fotografen: 47.883819, 8.344146

Ausschnitt: Blick auf den unteren Rathausplatz, 1906

Verlag Theodor Mayer, Löffingen / Gebrüder Metz, Tübingen
Sammlung Familie Waßmer / Stadtarchiv

Durch den niederen Torbogen des alten Mailänder Tores fällt der Blick auf die »Partie am Rathaus«. Das schräg gegenüber stehende Eckhaus von Kaufmann Cölestin Schmutz ist noch ein typisches Ackerbürgerhaus mit kleinem Laden. Es brennt am 11. Dezember 1909 bis auf die Grundmauern ab.

In der Platzmitte steht noch ein alter Laufbrunnen, der 1912 durch den Demetriusbrunnen ersetzt wird. Menschen flanieren über den unteren Rathausplatz, eine Pferdekutsche fährt in Richtung der heutigen Unteren Hauptstraße.

Die Darstellung der Menschen und der Kutsche ist keine realistische Wiedergabe. Der Postkartenverlag Gebrüder Metz, der diese Ansichtskarte herstellte, machte von der Möglichkeit der Retusche und Collage intensiven Gebrauch. Die Ansichten wurden zumeist künstlerisch bearbeitet, verfremdet und ästhetisiert.

Das Bild ist ein Ausschnitt aus einer Mehrbildkarte.

Standort des Fotografen: 47.883986, 8.343695

Blick auf den Marktplatz mit Gasthaus »zur Sonne« und Rathaus, ca. 1907

Verlag Johann Schmutz

Anfang der 1970er Jahre erfuhr der obere Rathausplatz durch den Abbruch des früheren Gasthauses »Sonne« eine grundlegende Veränderung. Wo heute die Volksbank und ein modernes Geschäfts- und Wohnhaus steht und die Kirchstraße auf den Rathausplatz einmündet, beherrschte bis 1973 dieses Gebäude mit seiner jahrhundertelangen Tradition als Gaststätte den Platz.

Das Gasthaus »Sonne« stand neben dem Rathaus schräg zu den umstehenden Häusern und ließ an den Seiten nur schmale Durchfahrten. Die »Sonne« war neben dem »Löwen« und dem »Ochsen« das dritte renommierte Gasthaus am Marktplatz, dessen Stern allerdings um die Jahrhundertwende rapide am Sinken war.

In der Zeit, als dieses Foto entstand, gab es ständige Besitzerwechsel. 1905 gehörte die »Sonne« dem Gastwirt Fridolin Schneider und seiner Frau Maria geb. Fürderer. Sie verkauften sie 1906 an ihren Verwandten Johann Baptist Fürderer, der Müller und Bäcker aus Unterfischbach war. Dieser musste das Gasthaus bereits ein Jahr später wieder aufgeben und verkaufte sie seinerseits weiter. Verschiedene Besitzer und Pächter folgten.

Dieses Foto ist ein Ausschnitt aus einer Mehrbildkarte mit drei Ansichten, die um 1907 entstand (siehe Mehrbildkarte).

Standort des Fotografen: 47.884201, 8.345180

Juxpostkarte »Gefängnis in Löffingen«, 1908

Sammlung Familie Waßmer

Diese Fotopostkarte wurde von einem Internetportal 2010 zum Verkauf angeboten mit der Beschreibung »Löffinger Gefängnis«. Die Karte ist postalisch gelaufen und trägt einen Freiburger Poststempel mit Datum vom 4. Juni 1908. An Frau Dietrich im Frankfurter Stadtteil Bornheim wurde die Karte versandt.

Die drei jungen Männer schreiben: »Ansicht des Gefängnisses in Löffingen, in demselben 2 Bundesbrüder sowie ein Dritter denselbigen Wasser und Brot reicht. Die Abgebildeten grüssen Dich Fritz Schick (1), R. Hürner (2), Hagen Sch! (der Freund der Gefangenen).«

Die Unterschriften sind nur schwer zu entziffern. Der Begriff Bundesbruder weist darauf hin, dass es sich bei den jungen Männern um Studenten handelte, die einer Studentenverbindung angehörten. Fritz Schick begann seinen Nachnamen statt mit einem normalen »S« sogar mit dem monogrammartigen Zirkel seiner Stundenverbindung. Vermutlich studierten die drei Männer an der Universität Freiburg. Dass sie aus Löffingen stammten, ist eher unwahrscheinlich. Vermutlich waren sie auf Besuch oder sogar nur auf Durchreise. Die vergitterten Fenster neben dem Eingangsportal zum Rathaus und zugleich zur Schule brachte das Trio wohl auf die Idee, dieses Juxfoto zu gestalten.

Ein Gefängnis verbarg sich hinter diesen Gittern allerdings nicht. Der Schulkarzer war damals im Eichhäusle.

Standort des Fotografen: 47.883783, 8.344567