Dieses Foto stellte dankenswerterweise Anni Zumstein zur Verfügung.
Sie stehen dicht beieinander im Hof hinter dem Haus, als hätte man sie für einen kurzen Moment aus dem Alltag herausgerufen. Familie Fehrenbach hat für die Kamera Aufstellung genommen. Eine Frau trägt einen auffälligen Hut und ein Halstuch, vielleicht ein Kostüm. Manches spricht dafür, dass das Foto zur Fasnachtszeit entsteht. Die anderen stehen schlicht gekleidet da.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Maria Göpper zur Verfügung.
Eine Oma steht mit ihren Enkelkindern vor dem hohen Staketenzaun, der den Hofgarten des Hauses Josef Fehrenbach umgibt. Der Schatten des Fotografen fällt auf die Ringstraße, die noch ein Schotterweg ist.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Franz Scholz zur Verfügung.
Schneidermeister Johann Wehrle (links) steht mit seiner Familie vor dem Werkstatteingang seines Hauses. Die einstige Toreinfahrt musste einer Tür und einem Fenster weichen. In der Werkstatt hat bereits sein Schwiegersohn der Schuhmachermeister Gerhard Scholz (1925-1998) seine Tätigkeit aufgenommen, wie an dem angebrachten Schild zu erkennen ist. Scholz stammt aus dem schlesischen Breslau und lernte während des Krieges Anneliese Wehrle (1924-2011) kennen, als der Soldat in Löffingen stationiert war. Nach dem Krieg heirateten die beiden.
V. l. n. r.: Johann Wehrle (1889-?), Gerhard Scholz, Anneliese Scholz geb. Wehrle, Luise Wehrle geb. Strobel (1887-1962), Unbekannt, Unbekannt.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Petra Nobs zur Verfügung.
Vor dem Haus des Elektromeisters Karl Götz stehen Kinder in Festagskleidern, die auf das Baby im Kinderwagen aufpassen sollen. Die Szene wird in einem Schnappschuss festgehalten. Das kleine Vorgärtchen, von einem Lattenzaun eingerahmt, ist verschwunden. Die Fläche ist gepflastert.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Hermann Egle zur Verfügung.
Ein Umzugswagen steht in der Demetriusstraße vor den Häusern der Näherin Mathilde Heiler (Demetriusstr. 3) und des Landwirts Anton Engesser (Demetriusstr. 4). Wenig später heißen die Besitzer der beiden Anwesen Otto Schmidt und Karl Götz.
Vier Pferde sind vor den Wagen gespannt. Vermutlich stellen die Narren und Närrinnen eine Köhlerfamilie dar. Einen Hinweis gibt der Kohlenmeiler auf dem Wagen. Das Motto der diesjährigen Fasnacht lautet: »Das altdeutsche Lied in Wort, Bild und Sang«. Da der Meiler nicht qualmt, stellt die Gruppe vermutlich das Volkslied »Kein Feuer, keine Kohle« dar.
Auf dem Foto sind u.a. Schneidermeister Hermann Ganter (1895-1957), Schmiedemeister Otto Fürst (1894-?) und Sattlermeister Ernst Krauß zu sehen.
Webseite der Firma Raumgestaltung Welte-Joos, Überlingen
Als junge Braut steht Christiane Krauß mit ihrem Bräutigam Hermann Welte vor ihrem Elternhaus in der Demetriusstraße. Kennengelernt hatten die beiden sich Dank des Sattlergeschäfts des Vaters Ernst Krauß. Denn der Bräutigam, gebürtig aus Hohenwettersbach bei Karlsruhe und Raumausstatter von Beruf, war auf Wanderschaft gegangen und hatte bei Ernst Krauß in Löffingen gearbeitet. Eingerahmt wird das Brautpaar von nächsten Familienangehörigen und befreundeten Nachbarn.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Arthur Waibel zur Verfügung.
In drei Reihen haben sich die Mädchen aufgestellt, die der Handarbeitsklasse der Gewerbeschule angehören. 22 Schülerinnen blicken in die Kamera, daneben ihre Lehrerin. Die Aufnahme entsteht vor dem Hintereingang des »Stadtbaus« in der Ringstraße, dessen Eingangstür im Hintergrund zu sehen ist. Die Schülerinnen gehören den Jahrgängen 1910/11 an. Nach dem Abschluss der Volksschule besuchen sie die Gewerbeschule, wo Handarbeit auf dem Stundenplan steht: Nähen, Stricken, Sticken – Fähigkeiten, die für die meisten jungen Frauen im Alltag unverzichtbar sind. Die Mädchen wirken ernst, nur wenige erlauben sich ein angedeutetes Lächeln. Ihre Kleidung ist schlicht, viele tragen Schürzen oder dunkle Kittel, an den Füßen fest geschnürte Stiefel. Die erste Reihe sitzt auf einfachen Stühlen, dahinter reihen sich die anderen auf.
Links neben dem Eingang prangt ein kleines Messingschild: »Gugelberger prakt. Arzt«. Noch hat Dr. Franz Gugelberger hier seine Praxisräume. Erst Mitte der 1930er Jahre wird er in die neu erbaute Villa in der Maienlandstraße umziehen.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Maria Göpper zur Verfügung.
Die Bühne in der Kirchstraße bebt, Gelächter und Anfeuerungsrufe hallen durch die Gasse. Mit aller Kraft stemmen sich die »Laternenbrüder« und die »Hansele« ins Seil, die Gesichter verzerrt vor Anstrengung, die Füße fest in die Bohlen der Bretter gestemmt. Mal wankt die eine Seite, mal die andere – doch keine will nachgeben. Mitten im Tumult steht der Narrenpolizist Fritz Göpper (1900-?) und wacht über das Spiel. Mit ernster Miene, aber blitzenden Augen spielt er den Schiedsrichter, während um ihn herum die Zuschauer*innen johlen.
Dieses Foto stellten dankenswerterweise Michael Rösch und Sonja Schwörer zur Verfügung.
»»» Trigger-Warnung
Auf der Rückseite des Fotos steht: »Fasnacht 1950 Neger-Gruppe«. Damals war diese Bezeichnung noch sehr verbreitet. Spätestens heute gilt das »N-Wort« als Schimpfwort und als abwertende rassistische Bezeichnung für schwarze Menschen. Dass auch die Darstellung bei der Fasnacht 1950 durchaus abwertend gemeint ist, zeigen die Kostüme, das »Blackfacing«, aber vor allem das Gebaren der Narren, ihre Gestik und Mimik. Affenähnlich auf dem Boden kauernd und primitiv die Zunge herausstreckend werden schwarze Menschen dargestellt. Und ein weißes Publikum lacht.
Nun ist an Fasnacht bekanntermaßen (fast) alles erlaubt, aber eben nur fast. Die Grenze verläuft dort, wo sie andere diskriminiert und herabwürdigt. Das Fasnachtsmotto 1950 lautet: »Völkertreffen in Löffingen, der Zentrale Europas«.
Dieses Foto stellten dankenswerterweise Elisabeth und Franz Isele zu Verfügung.
»»» Trigger-Warnung
Die Pferde schnauben, der Wagen ruckelt durch die Kirchstraße, und hoch oben darauf tobt das wilde Treiben: Männer und Frauen mit bemalten Gesichtern, Federschmuck und Lanzen stellen »Indianer« dar. Ein Marterpfahl ragt in die Höhe, während die Darsteller die Arme in die Luft reißen und das Publikum am Straßenrand anfeuern. »Entdeckung Amerikas durch Kolumbus« lautet das Fasnachtsmotto des Jahres 1935 – und die Darstellung folgt dem Klischeebild, das in Büchern oder Abenteuerfilmen populär geworden ist.
Die »Fremden« werden dabei exotisiert, ihre Darstellung schwankt zwischen Faszination und Verachtung. Sie erscheinen als wilde, ungezähmte Gestalten, über die man lacht, die man bestaunt, deren Wirklichkeit aber unsichtbar bleibt. So wie hier in Löffingen entstehen an Fasnacht Bilderwelten, die das Eigene stärken, indem sie das Andere zur Karikatur verzerren.
Im Hintergrund ist, fast verdeckt, das Haus von Wagnermeister Adolf Schelling (Kirchstr. 11) zu erkennen. In der linken Hälfte befindet sich der Wohnbereich, in der rechten Gebäudehälfte die Ökonomie.
Vorne am Wagen steht Karl Glunk mit einer weißen Zipfelmütze – vermutlich lenkt er die beiden Pferde, die den Wagen durch die enge Kirchstraße ziehen.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Konrad Kuster zur Verfügung.
Die Stube ist schlicht, aber behaglich: geblümte Tapeten, ein Kruzifix an der Wand, eine elektrische Lampe, deren Stoffschirm tief über dem Tisch hängt. Unter ihr sitzt die Familie Kuster zum gemeinsamen Mahl. Der Tisch ist mit einer schweren Damastdecke gedeckt, Schüsseln mit dampfendem Essen stehen bereit. Die Blicke sind ernst, die Haltung aufrecht – der Fotograf hat einen besonderen Moment eingefangen.
Am oberen Tischende sitzt Adolf Kuster (1874-1946), der Hausherr. Er ist von 1920 bis 1933 Bürgermeister des Baarstädtchens, bis er durch die Nationalsozialisten im Zuge der »Gleichschaltung« abgesetzt wurde. Bis heute trägt das Haus der Familie auf dem Alenberg den Hausnamen »s’Bürgermoasters«. Neben ihm sitzen seine Ehefrau Maria Kuster (geb. Ehrath, 1883-1961), mit der er seit 1906 verheiratet ist, und mehrere Kinder.
V.l.n.r.: 1 Agathe Kuster oder Anna Kuster (abgeschnitten), 2 Franz Kuster (1913-1943), 3 Konrad Kuster (1921-?), 4 Adolf Kuster (1874-1946), 5 Maria Kuster (geb. Ehrath), 6 Anna Kuster (verh. Schelling 1919-2010)
Das Schicksal meint es nicht leicht mit der Familie: Beim Großbrand 1921 war ihr Anwesen auf dem Alenberg zerstört und danach neu erbaut worden. Die Absetzung als Bürgermeister kränkt den tiefgläubigen Katholiken Adolf Kuster bis an sein Lebensende. Und der Tod des Sohnes Franz Kuster als Soldat 1943 wird zum schwersten Schlag. Adolf Kuster stirbt am 23. Juli 1946 im Alter von 71 Jahren, seine Witwe Maria folgt ihm 1961.