Diese Fotos stellten uns dankenswerterweise Michael und Dorothea Kasprowicz zur Verfügung.
Bei einem »Schützengildenfest im 15. Jahrhundert« darf offensichtlich eine Kanone nicht fehlen. Denn so lautet das Motto der Fasnacht 1937 und unübersehbar in der Mitte der Fasnachtsbühne steht ein riesiges Geschütz. Es ist »Fasnetmändig«, der 8. Februar 1937. Eine große Menschenmenge hat sich auf dem Rathausplatz eingefunden, um dem närrischen Treiben zuzuschauen.
Auf der Fasnachtsbühne sind u.a. Fritz Adrion und Julius Limb zu sehen.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Georg Willmann zur Verfügung.
Auf dem oberen Rathausplatz ist die Fasnachtsbühne aufgebaut. Die Zuschauer auf dem Platz stehen eng an eng und recken ihre Köpfe, um der Darbietung auf der Bühne folgen zu können. Eine Gruppe Uniformierter steht auf den Bühnenbrettern, sie tragen unterschiedliche Soldatenuniformen, auch eine Pickelhaube ist zu erkennen. Schließlich lautet das Fasnachtsmotto in diesem Jahr: »Generalmusterung und Besuch seiner Majestät des Kaisers«. Der musste zwar vor 12 Jahren nach dem verlorenen Krieg in der Novemberrevolution abdanken und ging ins Exil in die Niederlande. Aber heute ist Wilhelm II. zurück in Löffingen!
Im Hintergrund ist das Rathaus zu sehen. Das Erdgeschoss ist noch nicht umgebaut, denn noch sind die alten Türen vorhanden, die einst in die Markthalle führten. Wenige Jahre später wird die Vorschussbank in die Räumlichkeiten einziehen und die Türen werden durch Fensteröffnungen ersetzt. In den Häusern dahinter befindet sich rechts das Postamt und das Geschäft von Buchbinder Anton Rebholz (Rathausplatz 3) und links die Metzgerei von Johann Riegger (Rathausplatz 4). Das letztere Gebäude wurde nach dem Großbrand 1921 neu erbaut.
Diese Fotos stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz sowie Georg Willmann zur Verfügung.
Aus einem Fenster des Rathauses fällt der Blick auf das närrische Treiben, das unten auf dem Rathausplatz stattfindet. Mit dem Rücken zum Fotografen ist die »Schnitterin« zu sehen, die Brunnenfigur, die auf dem Rathausbrunnen steht. Der Brunnen selbst ist nicht zu erkennen, da er mit der Fasnachtsbühne überbaut ist. Einige Narren haben die Bühne in Besitz genommen. Es handelt sich um die Gruppe, die ihren Umzugswagen mit dem Lied »Zu Mantua in Banden« betitelt hat. Die Zuschauer recken die Köpfe, um ihre Darbietung zur Tiroler Aufstandsbewegung 1809 zu verfolgen.
Bei dem bunten Treiben auf dem Platz werden die Details im Hintergrund leicht übersehen. Das Gasthaus »Ochsen« (Rathausplatz 12) wurde kurz zuvor umgebaut. Der einstige Ökonomieteil mit seinem großen Scheunentor ist verschwunden. Statt dessen wurde die Gaststube erweitert und weitere Fenster in die Fassade hineingebrochen. Die Außenmauer ist noch nicht wieder verputzt, sodass in der rechten Gebäudehälfte deutlich das Mauerwerk zu erkennen ist.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Willi Pütz zur Verfügung.
»Gasthaus Goldener Löwe Post« lautet der offizielle Name des »Löwen«. Betrieben wird das Gasthaus seit 1953 von dem Gastwirt Walter Zepf (1924-2009) und seine Ehefrau Elisabeth geb. Jordan (1930-2009). Zwei Autos parken vor dem Gebäude: Das Auto, das rechts vor dem Kastanienbaum, steht, ist ein »Karmann-Ghia Typ 14« und gehört der »Löwen Lisbeth«. Auf ihn sind Ski geschnallt.
Im Vordergrund ist der Rathausbrunnen zu sehen, auf dessen Brunnensäule die »Schnitterin« thront. Sie erinnert an die Zeit, als Löffingen noch einen regional bedeutsamen Kornmarkt veranstaltete und auf dem Rathausplatz das Markttreiben stattfand. Noch ist nur um den Brunnen herum ein kleines Stück gepflastert und der übrige Platz noch nicht befestigt. Eine schmucklose Straßenlaterne überragt den »Löwen« und den angrenzenden »Ochsen«. In dessen Erdgeschoss sind bereits moderne Fenster eingebaut.
Verlag A. Rebholz Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Georg Willmann zur Verfügung.
Auf dem oberen Rathausplatz ist die Fasnachtsbühne aufgebaut. Die Holzbretter überspannen den Rathausbrunnen, nur die Brunnensäule mit der »Schnitterin« ragt heraus. Die Bühne wird umringt von einer großen Menge Zuschauern, die die Aufführung neugierig verfolgen. Gerade findet eine Tanzdarbietung von mehreren Frauen in Tracht statt, die Stadtmusik spielt dazu. Heugarben liegen auf der Bühne herum.
Im Protokollbuch des Turnerbunds ist für Februar 1914 vermerkt, dass Turnwart Karl Häusle mit »6 Damen und 6 Herren einen Schnittertanz« eingeübt habe. Die Darbietung verläuft »großartig und zur vollsten Zufriedenheit der Zuschauer«. Es folgen weitere Tanzdarbietungen, u.a. ein »humoristischer Bauernlümmeltanz«. Anschließend begibt man sich ins Gasthaus »Sonne«, wo ein Ball stattfindet und man das Tanzbein schwingt.
In der Bildecke unten links ist vermerkt, dass der Buchbinder Anton Rebholz das Foto »1914« aufgenommen hat. Im Widerspruch dazu steht, dass in der Chronik der »Laternenbrüder« für 1914 vermerkt ist, dass in diesem Jahr »keine Fasnet« stattfand, weil man im Vorjahr das 25. Gründungsjubiläum der Laternenbrüder groß gefeiert und sich offenbar verausgabt hatte. Da die »Laternenbrüder« aber 1889 gegründet wurden, feiern sie 1914 und nicht 1913 ihr Silbernes Jubiläum.
Im Hintergrund sind die beiden Erdgeschosse der Gasthäuser »Löwe« und »Sonne« zu sehen.
Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.
Am »Fasnet Mändig« wird auf der Fasnachtsbühne auf dem oberen Rathausplatz ein buntes Programm geboten. Das Motto in diesem Jahr lautet: »Sagen und Märchen des Deutschen Volkes.« Eben wird das Märchen von den »Sieben Schwaben« aufgeführt.
Die sieben als tölpelhaft dargestellten Schwaben ziehen mit ihrem Speer zu einem Abenteuer aus. Höhepunkt der Erzählung ist ihr Kampf mit einem vermeintlichen Untier, das sich als Hase entpuppt. Das Publikum amüsiert sich bestimmt herrlich, denn Schwabenwitze sind in Baden immer einen Lacher gut.
Im Hintergrund ist das Rathaus zu sehen. In dessen Erdgeschoss befindet sich seit kurzem eine Filiale der »Vorschussbank« und »Sparkasse«. Das Haus auf der rechten Seite ist die Metzgerei von Johann Riegger (Rathausplatz 3).
Verlag A. Rebholz, Löffingen | Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hilda Hepting zur Verfügung.
»Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr« ist der Leitspruch der Feuerwehr. Er ist auf ein Schild geschrieben, das von Tannenreisig geschmückt über der 1927 angeschafften Automobilfeuerspritze angebracht ist. Die Feuerwehr versammelt sich nach einer Feuerwehrübung auf dem Rathausplatz zu einem Gruppenfoto vor dem Rathausbrunnen. Die Schnitterin ragt über dem Fahrzeug und den Feuerwehrhelmen herraus.
Wer erkennt die Feuerwehrmänner?
Vor dem Auto stehend, v.l.n.r.: 1 Ernst Krauß, 2 August Limb, 3 ??? Zepf, 4 Hermann Ganter, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 ???, 9 ???, 10 ???, 11 Fritz Seilnacht, 12 ???, 13 ??? Auf dem Auto, v.l.n.r.:
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.
Das Wasser des Rathausbrunnens plätschert friedlich vor sich hin. Auf der Brunnensäule steht eine Bronzefigur aus dem Jahr 1869. Die junge Frau hält in der rechten Hand eine Sichel, im linken Arm ein Bündel Getreideähren. Die Figur ist eine Allegorie auf den Löffinger Kornmarkt, der einst auf dem Rathausplatz stattfand – aber auch in der Markthalle im Rathausgebäude.
Denn das Rathaus diente seit seiner Erbauung 1831 auch als Kaufhaus. Im Erdgeschoss befand sich eine große Halle (die »Fruchthalle«), die mit Klappläden in alle vier Himmelsrichtungen zu öffnen war. Mitte der 1930er Jahren bezog die Volksbank die Räumlichkeiten, die zum oberen Rathausplatz hin liegen.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Ulrike Rheiner zur Verfügung.
Ein kleines Mädchen steht auf dem Rand des Rathausbrunnens. Während des Balanceaktes hält es sich an den Brunnenröhren fest. Bei dem Mädchen handelt es sich um Bärbel Zahn (1954-1957), die Tochter von Bäckermeister Jakob Zahn und dessen Ehefrau von Anna geb. Brilisauer, die am 19. September 1957 im Alter von drei Jahren stirbt.
Im Hintergrund ist das kleine Gemischwarengeschäft von Viktor Heinrich und das Eingangsportal des Postamtes zu erkennen. Der Post steht bis zu seinem Tod der Postassistent Wilhelm Jester (1894-1955) vor. 1958 zieht das Postamt wenige Meter weiter in die rechte Gebäudehälfte desselben Doppelhauses (Rathausplatz 2). Die Räumlichkeiten des kleinen Gemischtwarengeschäft und der Post werden zusammengelegt und die Firma L. Gottlieb GmbH eröffnet darin einen Supermarkt.
Diese Fotos stellten dankenswerterweise Petra Nobs und Gaby Vogt zur Verfügung.
Auf der Fasnachtsbühne am Rathausbrunnen gruppieren sich diese kostümierten Narren für Gruppenfotos. Die Brunnenfigur der »Schnitterin« ragt aus dem bunten Haufen hervor. Im Hintergrund ist am Rathaus links und rechts vom Eingangsportal der Schriftzug »Vorschußbank« und »Sparkasse« zu entziffern. Die Bank eröffnete 1935 in der früheren Markthalle im Erdgeschoss ihre Geschäftsräume. Insofern kann das Foto frühestens in der Mitte der 1930er Jahre entstanden sein.
Oberes Foto, v.l.n.r.:
Unteres Foto, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Otto Schweizer (1906-1992), 4 Otto Fürst, 5 Albert Benitz, 6 ???, 7 ???, 8 ???
Mitten auf dem oberen Rathausplatz steht frei das Rathaus und teilt den Platz in zwei Bereiche: in den oberen Rathausplatz und den unteren Rathausplatz. Links daneben erhebt sich das frühere Gasthaus »Sonne« (Rathausplatz 9-10). Der Gastbetrieb ist zu diesem Zeitpunkt bereits eingestellt. Daneben markieren kleine Bäumchen den Bereich des Schulhofs, denn das Rathaus dient zugleich als Schulhaus. Einige Personen bewegen sich über den ansonsten ruhig wirkenden Platz.
Seine dritte Funktion als Kaufhaus hat das Rathaus seit der Jahrhundertwende verloren. Nur noch die großen rundbogigen Türen im Erdgeschoss, die einst zur Markthalle führten, erzählen vom früheren Marktgeschehen. Vor dem Gebäude steht der Rathausbrunnen mit der Figur der »Schnitterin«. Auch sie erinnert an die Bedeutung Löffingens als Marktort und insbesondere an den einst wichtigen Kornmarkt der Baar.
In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 10 – allerdings mit einer falschen Bildunterschrift: »Rathaus und Gasthaus zum Löwen«. Tatsächlich ist links neben dem Rathaus nicht der »Löwen«, sondern die »alte Sonne« zu sehen. Das Foto gehört zu den 28 Ansichten, mit denen der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) seinen neunseitigen Rundgang durch Löffingen illustriert. Als Schriftleiter der vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebenen Zeitschrift richtet er seinen Blick besonders auf Architektur und gewachsene Stadtbilder.
Das freistehende Rathaus gefällt Wingenroth ausgesprochen gut. Er beschreibt, wie »wirksam« es in der Mitte des Platzes stehe, und lobt »die Geschlossenheit seiner Bauerscheinung«. Besonders gelungen erscheint ihm, dass das Gebäude den Rathausplatz »gut in zwei Hälften« teilt. Diese städtebauliche Wirkung lässt sich auf der Aufnahme sehr schön nachvollziehen.
Die beiden traditionsreichen Gasthäuser »Ochsen« und »Löwen« beherrschen die Ostseite des oberen Rathausplatzes. Einige wenige Personen beleben den ansonsten ruhig wirkenden Platz. Rechts im Vordergrund steht der Rathausbrunnen mit seiner Figur der »Schnitterin«.
Die beiden Gasthäuser gehören seit langem zu den markanten Gebäuden im Städtchen. Zusammen mit dem Rathaus und dem Brunnen prägen sie den oberen Rathausplatz, der noch weitgehend frei von Verkehr ist.
In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 13 unter der Überschrift »Oberer Platz, Ostseite, Gasthäuser zum Löwen und Ochsen«. Sie gehört zu den 28 Fotografien, mit denen der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) seinen Rundgang durch Löffingen illustriert. Als Schriftleiter der vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebenen Zeitschrift beurteilt er immer wieder, wie gut sich alte und neue Gebäude in das gewachsene Stadtbild einfügen.
Nachdem Wingenroth zuvor die Fassadengestaltung des früheren Fürstenbergischen Amtshauses kritisiert hat, gefällt ihm diese Seite des Platzes deutlich besser. Lediglich die neugestaltete linke Hälfte des »Ochsen« stört ihn etwas. Doch er ist zuversichtlich: »Die Zeit wird durch Verwischung des neuen Anstriches das Ihrige tun.« Insgesamt seien dies ohnehin nur »leise Fehler« im Vergleich zu den Bausünden, die er andernorts beobachtet. Hier zeigt sich sein vom Heimatschutz geprägter Blick: Neues wird nicht grundsätzlich abgelehnt – es soll sich aber möglichst unauffällig in das überlieferte Ortsbild einfügen.