Luftbild mit Sägewerk Benz, ca. 1950-1955

Schöning & Co., Lübeck
Stadtarchiv

Der Zweite Weltkrieg, in dessen Verlauf Hunderte ausländische Zwangsarbeiter zur Arbeit in den Holzindustrie-Werken Josef Benz AG gezwungen worden waren, ist vorüber. Die Zerstörungen, die im Frühjahr 1945 bei Fliegerangriffen auf das Städtchen, aber auch auf das Sägewerk entstanden waren, sind beseitigt: Elf Gebäude und Schuppen des Sägewerkes waren vollständig zerstört, weitere sechs schwer und 18 leicht beschädigt worden. Das Bahnhofsgebäude ist zwar noch nicht wieder aufgebaut, aber es geht aufwärts. Die Siedlung »Neue Heimat« in der Haslachstraße ist für Vertriebene und Flüchtlinge gebaut. Die Währungsreform war am 21. Juni 1948 in den drei Westzonen durchgeführt worden und seitdem ist die Deutsche Mark Zahlungsmittel. Das »Wirtschaftswunder« kann also kommen. 

Schön zu erkennen ist auf der Luftaufnahme das Sägewerk, das neben der neugegründeten Wäschefabrik Prause und der neugegründeten Industrie- und Außenhandelsgesellschaft Page der wichtigste Arbeitgeber im Städtchen ist. Etwa 140 Frauen und Männer aus Löffingen und der Umgebung sind Anfang der 1950er Jahre im Sägewerk Benz beschäftigt. Das Werksareal erstreckt sich über ein etwa 10 ha großes Gelände in einem Dreieck zwischen Hohlgasse, Güterstraße und Rötenbacher Straße. 

Blick vom Kirchturm auf das Sägewerk Benz, ca. 1930-1940

Stadtarchiv

Nach den beiden verheerenden Großbränden im Juli 1928, die die Holzindustriewerke Josef Benz AG fast komplett zerstörten, wurde schnell der Wiederaufbau der Werksanlage in Angriff genommen. Die Anlage wurde verkleinert, aber nach modernsten Gesichtspunkten neu aufgebaut. Statt der früheren Holzhallen wurden nun massive Gebäude aus Stein errichtet. Nach dem Abschluss des Weideraufbaus entstand diese Fotografie, die vom Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Michael aufgenommen wurde.

Zu sehen ist der Bahnhof, der im Frühjahr 1945 einem Bombenangriff zum Opfer fällt, die Bahnlinie und dahinter das Werksgelände. Gut zu erkennen sind das Sägewerk mit dem Kesselhaus, die Kistenfabrik, die Kyanisier- und Imprägnieranstalt sowie diverse Maschinenhäuser und Schuppen sowie im Hintergrund den Schälspäneturm. Am linken Bildrand ist die Villa Benz (Rötenbacher Str. 12) zu sehen, die am Rande des Firmenareals direkt an der Landstraße steht.

Standort des Fotografen: 47.882618, 8.344001

2 Fotos: Blick vom Kirchturm auf das brennende Sägewerk Benz, 7. Juli 1928

Diese Fotos stellen dankenswerterweise Sabine Hornstein und Rita Willmann zur Verfügung.

Einen dramatischen Augenblick hält dieses Foto fest, das vom Kirchturm aufgenommen wird. Der Blick fällt über den Bahnhof und die Bahnlinie hinweg auf die Holzindustriewerke Josef Benz AG. Das Sägewerk steht lichterloh in Flammen. Ein Großteil des Werksgeländes wird bei der Brandkatastrophe in Schutt und Asche gelegt.

Der Feuer bricht am Abend gegen 21.45 Uhr im Späneturm aus und breitet sich in rasender Geschwindigkeit aus. In kürzester Zeit stehen drei Maschinenhäuser, die Sägerei, das Hobelwerk, mehrere Schuppen, die Kantine, die Schlosserei, die Kistenmacherei und weitere Gebäude in Flammen. Der gegenüberliegende Bahnhof ist lange Zeit stark gefährdet, kann von den Feuerwehren aber gerettet werden. Die Hitze und Glut ist so groß, dass die Schienen der Anschlussgleise, die in das Werk führen, schmelzen, sodass sie vollkommen verbogen sind.

In dem 1911/12 errichteten Werk sind zu diesem Zeitpunkt rund 350 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Die meisten von ihnen werden arbeitslos, und das nur ein Jahr vor dem Beginn der Weltwirtschaftskrise.

Standort des Fotografen: 47.882620, 8.344027

Blick vom Kirchturm in Richtung Bahnhof und Sägewerk Benz, ca. 1927

Verlag A. Rebholz // Stadtarchiv
Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Inge Benitz, Werner Lubrich, Georg Willmann und Rita Willmann zur Verfügung.

Vom Kirchturm herunter fällt der Blick auf den Bahnhof, die Bahnlinie und das Firmenareal der Holzindustriewerke Josef Benz AG. Das ab 1911/12 errichtete Werk besteht aus einem Holzgroßhandel, aus Dampfsäge- und Hobelwerken, einer Kistenfabrik, einer Imprägnieranstalt und einer Kyanisieranstalt. Rund 350 Arbeiter und Angestellte sind zu dieser Zeit in dem Werk beschäftigt. Der rauchende Kamin gehört zur »Skyline« von Löffingen.

Wenige Monate nach der Aufnahme dieses Fotos wird das Sägewerk bei zwei Bränden im Juli 1928 weitgehend zerstört. Am 7. Juli 1928 bricht ein Feuer im Späneturm aus und breitet sich in rasender Geschwindigkeit aus. In kürzester Zeit stehen die drei Maschinenhäuser, die Sägerei, das Hobelwerk, mehrere Schuppen, die Kantine, die Schlosserei, die Kistenmacherei und weitere Gebäude lichterloh in Flammen. Der gegenüberliegende Bahnhof ist lange Zeit stark gefährdet, kann von den Feuerwehren aber gerettet werden. Die Hitze und Glut ist so groß, dass die Schienen der Anschlussgleise, die in das Werk führen, schmelzen, sodass sie vollkommen verbogen sind. Am 23. Juli 1928 kommt es zu einem weiteren Brand, bei dem auch die – bislang verschont gebliebene – Kyanisieranstalt eingeäschert wird. Damit verlieren weitere 130 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz. Beim Wiederaufbau werden die Holzgebäude durch massive Steinbauten ersetzt.

Standort des Fotografen: 47.882620, 8.344027

Blick von der Bahnlinie hinüber zum Alenberg, ca. 1901/02

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Benitz zur Verfügung.

Diese Fotografie ist eine Rarität, weil sie gleich vier Häuser zeigt, die beim Großbrand 1921 zerstört wurden. Von ihnen gibt es kaum Bilder oder gar keine weiteren Aufnahmen. Drei der Häuser sind auf der Ansicht markiert: »No. 1« zeigt das »Stammhaus Benitz-Hogg«, »No. 2« das »Haus Thoma-Eggert« und »No. 3« ist mit »Geburtshaus Benitz« beschriftet.

Das Doppelhaus Alenbergstr. 7/9 wurde 1823 von dem Gastwirt Joseph Hogg (1796-1857) erbaut. Er errichtete es auf einem älteren Weinkeller und eröffnete darin im darauffolgenden Jahr seine Weinhandlung Joseph Hogg. Sie bestand unter diesem Namen bis zum Jahr 2007. Hogg starb 1857. Seine Witwe Elisabeth Hogg geb. Waldvogel (1800-1869) verkaufte 1862 das Haus mit der Weinhandlung an ihren Neffen, den Weinhändler Josef Eggert (1831-1888). Das Anwesen bestand aus zwei zweistöckigen Wohnhäusern, die aneinandergebaut waren, aus einem Branntweinkeller, einem Gewölbekeller, einem Pumpbrunnen, einem Ökonomiegebäude mit Scheuer, Stall und Schopf, einer Küferwerkstatt und einem Waschhaus sowie einem Schweinestall. Eggert war mit Carolina Theresia geb. Löw (1841-1876) verheiratet, die aus Heiligenberg stammte, aber kurz nach der Eheschließung starb, sodass die Ehe kinderlos blieb. 1895 wurden der Weinhändler Joseph Benitz (1859-1919) und der Josef Paul Thoma (1868-?) neue Eigentümer des Geschäfts und des Gebäudekomplexes. Wegen seiner Größe und seiner exponierten Lage auf dem Alenberg wurde es auch das »Hohe Haus« genannt. Thoma schied bereits 1902 aus dem Geschäft aus.

Das Haus »No. 3« stand unterhalb des Alenbergs in der Rötengasse. Im Feuerversicherungsbuch von 1898 wird es beschrieben als zweistöckiges Wohnhaus, mit einem Gewölbekeller und einem Balkenkeller, Scheuer, Stallung und Abortanbau, Schopf mit Schweinestallung und einem Gartenhaus. Nach dem Großbrand 1921 stand die Brandruine noch bis Mitte der 1930er Jahre. Sie wurde erst abgeräumt, als der Arzt Dr. Gugelberger auf einem Teil des Grundstücks seine Villa errichtete (Maienlandstr. 6). Bis zum heutigen Tag sind im Bereich Rötengasse Trümmerteile des Gebäudes und ein Treppengeländer vorhanden.

Auch das daneben stehende Gebäude (Ringstr. 6) wurde beim Großbrand zerstört. Es gehörte dem Landwirt Martin Mayer. Im Vordergrund des Fotos sind die Bahngleise und die Bahnhofstraße zu erkennen, die freilich noch nicht asphaltiert, sondern nur ein unbefestigter Weg ist. Am linken Bildrand ist das Dienstwohnungsgebäude der Großherzoglichen Eisenbahngesellschaft zu sehen (Bahnhofstr. 4).

Standort des Fotografen: 47.884782, 8.340910

Haus Trenkle in der Hohlgasse, ca. 1925

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Andreas Trenkle zur Verfügung.

1916 erwarb der Landwirt und Bahnarbeiter Ferdinand Trenkle (1878-1955) aus Behla und seine Ehefrau Josefa geb. Bender (1885-1950), gebürtig aus Seppenhofen, das Haus Hohlgasse 1. Es ist ein zweistöckiges Wohnhaus mit Scheuer, Stallung, Holz- und Wagenschopf und liegt direkt an der Bahnlinie. Im Vordergrund ist eine rot-weiß-gestreifte Bahnschranke und ein Stellwerkhäuschen zu sehen.

Direkt vor dem Haus verlaufen Bahngleise, die in die Holzindustriewerke Josef Benz AG führen, denn das Sägewerk verfügt über einen eigenen Gleisanschluss.

Standort des Fotografen: 47.885357, 8.340259

»Flugzeugaufnahme von Löffingen«, ca. 1935

Badisch-Pfälzische Flugbetrieb A.G., Mannheim | Verlag A. Rebholz, Löffingen | Stadtarchiv | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Elisabeth und Franz Isele zur Verfügung.

Ein Flugzeug kreist über das Städtchen und ein Luftbild wird aufgenommen. Die »Flugzeugaufnahme« findet als Ansichtskarte Verbreitung. Im Vordergrund ist die heutige Güterstraße zu sehen. Dahinter befindet sich die Bahnlinie und jenseits der Gleise das im Frühjahr 1945 zerstörte Bahnhofsgebäude. Am Ortseingang fallen die beiden Barockhäuser ins Auge: Links das katholische Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10) und rechts das Haus Kaus (Untere Hauptstr. 9a).

Hinter der katholischen Pfarrkirche St. Michael ist die Hafnergasse (heute Kirchstraße) zu erkennen: Die Häuser auf der rechten Straßenseite wurden nach dem Großbrand 1929 neu erbaut. An der »Hasle« steht bereits das Gebäude der Festhalle und Volksschule. Mit dem Bau wurde 1923 begonnen, aber er konnte erst 1936 eingeweiht werden. Die Außenanlage ist hier noch nicht gestaltet. 

Blick über die Bahngleise zum Kindergarten, ca. 1953

Verlag A. Rebholz / Sammlung Familie Waßmer

»   -Kindergarten« lautet die Inschrift auf dem Schild an dem Gebäude Bahnhofstr. 9. Es wurde 1907 erbaut und diente von Anfang an als »Kinderschule«. Das Schild ist deshalb interessant, weil es die Entnazifizierung nach dem Ende der NS-Herrschaft zeigt. Bis 1945 hatte auf dem Schild »NSV-Kindergarten« gestanden, da der Kindergarten der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) unterstand. Damit war bei Kriegsende Schluß und die Buchstaben »NSV« wurden auf dem Schild weiß übermalt. Zurück blieb eine leere weiße Stelle.

Im Vordergrund sind die Bahngleise zu sehen. Holzbiegen sind aufgeschichtet. Schuppen stehen entlang der Bahnhofstraße. Sie dienen als Lager der Kohlenhandlung von Wilhelm Siefert. Hier werden Kohle und Briketts von Bahnwaggons zwischengelagert, daher auch die Klappen.

Der Giebel, der über die Schuppen ragt, gehört zum Haus Bahnhofstr. 11. Darin wohnt die Witwe Emma Willman geb. Gratwohl (1880-?). Sie ist eine Kriegerwitwe: Ihr Ehemann, der Bauunternehmer Robert Willmann (1874-1917), ist 1917 im Kriegslazarett Freiburg an den Folgen einer Gasvergiftung verstorben. 

Dahinter sind die Häuser im Maienland zu erkennen. Oben auf dem Alenberg stechen am linken Bildrand besonders gut die Häuser Jonner (Alemannenstr. 1), Adrion (Alenbergstr. 21) und Kuster (Alenbergstr. 18) ins Auge. Es folgen die Häuser Münzer (Alenbergstr. 15) und Fehrenbach (Alenbergstr. 13). Über ihnen erhebt sich das Alenbergwäldchen. Am rechten Bildrand fällt der Blick die Rötengasse hinunter zum Haus Ganter (Maienlandstr. 8), zum Kindererholungsheim Gugelberger (Maienlandstr. 6) und darüber zum Haus Benitz, dem »hohen Haus« (Alenbergstr. 7-9).

Standort des Fotografen: 47.885528, 8.340140

Gesamtansicht des Städtchens vom »kleinen Brühl« aus, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Weit und fast unverbaut liegt Löffingen in der Landschaft. Vom Gewann »Im kleinen Brühl« fällt der Blick über Wiesen und die Bahnlinie hinweg auf das Städtchen. Die Aufnahme entsteht ungefähr dort, wo später die Gartenstraße verläuft. Von einer geschlossenen Bebauung ist hier noch nichts zu sehen; auch entlang der Bonndorfer Straße stehen noch keine Häuser.

Jenseits der Bahnlinie beginnen die Häuser der Seppenhofer Straße und des heutigen Pfarrwegs. Dahinter verdichtet sich die Bebauung zum historischen Stadtkern. Über den Dächern ragt der Turm der katholischen Pfarrkirche St. Michael auf und gibt der Silhouette ihren markantesten Akzent. Der freie Vordergrund macht besonders deutlich, wie kompakt Löffingen zu dieser Zeit noch inmitten der landwirtschaftlich genutzten Flächen liegt.

Die Gesamtansicht bildet als Foto Nr. 28 den Abschluss des neunseitigen Beitrags über Löffingen, der 1921 in der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint. Der Kunsthistoriker und Schriftleiter Max Wingenroth (1872-1922) führt seine Leser*innen darin anhand von 28 Ansichten auf einem Rundgang durch das Städtchen. Herausgegeben wird die Zeitschrift vom 1909 gegründeten »Landesverein Badische Heimat e. V.«, der sich der Geschichte, Kunst, Landschaft und Volkskunde Badens widmet. Das Schlussbild trägt die Bildunterschrift »Löffingen von Seppenhofen aus«.

Zum Ende seines Rundgangs wird Wingenroth beinahe poetisch: »Da liegt das Städtlein sonnenbeglänzt, von sanften Hügelrücken umrahmt, vor uns, mit seinen freundlichen Häusern, ihren altersbraunen Dächern, dem schlichten Kirchturm ein echtes Kind der Baar, das sich seine stillen Reize noch lange unverdorben erhalten möge.« Mit seiner Ortsangabe liegt er allerdings daneben: Er verortet den Aussichtspunkt auf einer »Höhe bei Reiselfingen«. Tatsächlich entsteht die Aufnahme wesentlich näher am Städtchen, im Bereich des »kleinen Brühl«, in Richtung Seppenhofen gelegen.

Standort des Fotografen: 47.879723, 8.344469

Sägewerk Benz mit Bahnlinie, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Mehrere Gleise durchziehen den Vordergrund, dahinter erhebt sich das weitläufige Werksgelände der Holzindustriewerke Josef Benz AG. Hohe Schornsteine und Fabrikgebäude bestimmen die Silhouette. Das Sägewerk liegt jenseits der Bahnlinie im Bereich der heutigen Güter- und Kesselstraße – deutlich abgesetzt vom alten Stadtkern.

Erst 1911/12 wird der Betrieb an dieser Stelle errichtet. Zunächst besteht er aus einem zweigattrigen Sägewerk und einer Kistenfabrik, doch das Unternehmen wächst rasch. In den folgenden Jahren kommen weitere Anlagen hinzu. Bis 1924 verfügt das Werk über zwölf zusätzliche Sägegatter, ein Hobelwerk, eine Kyanisieranstalt zur Holzkonservierung und eine Steckenschälerei. Das Sägewerk entwickelt sich damit zu einem bedeutenden Industriebetrieb und Arbeitgeber in Löffingen.

Als Bild Nr. 23 mit der schlichten Bezeichnung »Das Sägewerk« erscheint die Aufnahme 1921 in der Zeitschrift »Badische Heimat«. In seinem neunseitigen Beitrag führt der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) die Leser*innen anhand von 28 Fotografien durch Löffingen. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift beschäftigt sich mit Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens. Dass neben Straßenansichten und Häusern auch ein moderner Industriebetrieb Aufnahme findet, zeigt, wie sehr sich das Erscheinungsbild des Städtchens inzwischen verändert.

Mit der neuen Industrie kann Wingenroth allerdings wenig anfangen. Fast erleichtert stellt er fest: »Es fehlt auch nicht die unvermeidliche Fabrik, ein Sägewerk, doch liegt sie glücklicherweise über der Bahn drüben«. Für künftige Neu- und Umbauten fordert er eine ansprechendere Gestaltung, insbesondere bei Dächern und Baumaterialien. Seine Bemerkung verrät den Blick des Heimatschutzes: Die Industrialisierung lässt sich nicht aufhalten, soll sich aber möglichst harmonisch in Landschaft und Ortsbild einfügen.

Standort des Fotografen: 47.884056, 8.341661

Haus Kaus in der Unteren Hauptstraße, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Unmittelbar am Bahnübergang steht das Haus Kaus (Untere Hauptstr. 9a). Mit seinem hohen, doppelt abgewalmten Dach wirkt es wie ein Gegenstück zum katholischen Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10) auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Zusammen bilden die beiden Gebäude ein markantes Ensemble am südlichen Ausgang des Städtchens. Beide Häuser werden als Barockhäuser bezeichnet, da die doppelt abgewalmten Dächer an die Bauformen Spätbarocks im 18. Jahrhunderts erinnern. Im Vordergrund sind die Gleise und die Schranke des Bahnübergangs zu erkennen.

Das Haus Kaus wurde 1803 errichtet. Ab 1892 wohnten darin der Bierwirt und Kaufmann Wilhelm Kaus (1853-1892) und dessen Ehefrau Theresia Kaus (geb. Kaier, 1860-1935). Das Gebäude wird am 25. Februar 1945 bei einem Fliegerangriff vollständig zerstört. Nach Kriegsende wird es nicht wieder aufgebaut. Damit verschwindet eine Hälfte des einstigen architektonischen Ensembles am Bahnübergang.

Die Aufnahme erscheint 1921 als Bild Nr. 25 in der Zeitschrift »Badische Heimat« unter der Überschrift »Gegenüberliegendes Barockhaus am Ausgang nach Göschweiler«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) führt seine Leser*innen darin anhand von 28 Fotografien durch Löffingen. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift widmet sich der Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens.

Gerade die beiden Barockhäuser begeistern Wingenroth. Zum Abschluss seines Rundgangs schreibt er: »Wir wollen unsere leider kurze Besichtigung mit Erfreulicherem schließen, dessen es gerade in Löffingen noch genug gibt.« Zu diesen erfreulichen Beispielen zählt er ausdrücklich die beiden Häuser am Bahnübergang, die »jeder Stadt eine Zierde wären«. Besonders hebt er ihre »doppelt abgewalmten Dächer« hervor – ein deutliches Beispiel dafür, welche Bauformen der Heimatschutz jener Zeit als vorbildlich und erhaltenswert ansieht.

Standort des Fotografen: 47.882415, 8.342536

Ankunft von Kurgästen am Bahnhof, 1954/55

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Maria Göpper zur Verfügung.

Ein Zug der Bundesbahn ist soeben am Bahnhof angekommen. Die Reisenden, die einen Pauschalurlaub bei dem Reiseveranstalter »Scharnow-Reisen GmbH & KG« gebucht haben, verlassen den Zug und strömen über die Bahnhofstraße. Sie begeben sich zum Sammelpunkt auf der anderen Straßenseite. Dort sortieren sie sich, um auf die Gasthäuser, Pensionen und Privatzimmer verteilt zu werden. Im Hintergrund wartet schon ein Omnibus, um die Kurgäste, die in einem der Dörfer der Umgebung ihre Unterkunft haben, dorthin zu fahren. Die anderen müssen laufen.

Standort des Fotografen: 47.883902, 8.341977