Organistin Johanna Rebholz, Mai 1962

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Johanna Rebholz (geb. Ganter, 1913-2003) sitzt an der Orgel, den Blick auf die Noten gerichtet, die Hände sicher auf den Tasten. Kaum jemand sieht sie hier oben auf der Orgelempore der katholischen Kirche St. Michael, denn dieser Bereich bleibt meist dem Kirchenchor vorbehalten. Und doch ist sie allen Kirchgängerinnen und Kirchgängern vertraut: Seit Jahrzehnten prägt ihr Spiel die Gottesdienste der katholischen Pfarrgemeinde Löffingen.

Johanna Rebholz spielt seit 1937 die Orgel. Dass sie dieses Amt übernahm, war keineswegs geplant. Als 23-Jährige sprang sie spontan ein – ohne formale Ausbildung. Am 23. März 1937 traf sich der Kirchenchor, dem sie bereits seit zehn Jahren angehörte, zur Gesangsprobe. Der Chorleiter und Organist, Hauptlehrer Emil Willig, erschien nicht. Der NSDAP-Kreisleiter hatte ihm untersagt, seinen kirchlichen Dienst weiter auszuüben, sofern er seine Stelle als Lehrer nicht gefährden wollte. Schneidermeister Hermann Ganter übernahm daraufhin die Leitung des Chores und bestimmte kurzerhand seine Nichte Johanna Ganter zur Organistin. In den folgenden Monaten und Jahren erhielt sie Orgelunterricht von ihrem Cousin August Ganter, der 1933 zum Priester geweiht worden war und als Pfarrer in Ewattingen wirkte. Unterstützt wurde sie zudem von Schreinermeister August Limb, der sich als versierter Registrateur an der Orgel erwies.

Als dieses Foto am 5. Mai 1962 anlässlich der Primiz von Pater Alfred Benz entsteht, wirkt Johanna Rebholz bereits seit 25 Jahren als Organistin. Sie sitzt noch an der »alten Orgel«. Wenige Jahre später, bei der Kirchenrenovierung 1968/69, wird die Orgelempore abgerissen. Die alte Orgel verlässt Löffingen und wird am 15. Januar 1969 nach Überlingen überführt. Stattdessen erhält die Kirche eine neue 30-Register-Orgel der Firma Orgelbau Schwarz (Inhaber Eugen Pfaff), wobei die alten Pfeifen weiterverwendet werden. Johanna Rebholz muss sich zunächst an das neue Instrument gewöhnen. Doch sie bleibt der Kirchenmusik treu. Über weitere zwei Jahrzehnte engagiert sie sich mit großer Hingabe. Nicht selten zieht sie sich abends oder nachts allein in die Kirche zurück, um Orgelmessen einzustudieren und zu üben. Ihr Wirken bleibt meist im Hintergrund – und ist doch aus dem musikalischen Leben der Gemeinde nicht wegzudenken.

Standort des Fotografen: 47.882533, 8.344125

Konfirmanden mit Pfarrer Waßmer, 1971

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Pfarrer Dieter Waßmer (1940-2021) läßt sich zusammen mit den diesjährigen Konfirmand*innen vor dem Altar der Johannes-Kirche fotografieren. Sechs Jugendliche stehen an diesem Tag im Mittelpunkt: Sie feiern ihre Konfirmation, bekräftigen im Gottesdienst öffentlich ihren Glauben und erneuern damit das Taufversprechen, das einst stellvertretend für sie gesprochen wurde.

Nach der Segnung und der Übergabe des persönlichen Konfirmationsspruchs – der sie durch ihr weiteres Leben begleiten soll – entsteht dieses Erinnerungsfoto. Die Jugendlichen tragen festliche Kleidung; die beiden Mädchen in der vorderen Reihe kleiden sich zeittypisch in kurzen Kleidern, die Jungen in Anzügen mit Krawatte. Hinter ihnen steht Pfarrer Waßmer im Talar, der sie durch die Vorbereitungszeit begleitet hat.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Heinrich Schmid, 2 ???, 3 ???, 4 Klaus Walz
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Hans-Dieter Dominke, 3 ???, 4 Pfarrer Dieter Waßmer

Standort des Fotografen: 47.881352, 8.348744

Kommunionkinder des Jahrgangs 1975/76 vor dem Hochaltar, 1985

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Ein langer, ereignisreicher Tag: Am Vormittag der Festgottesdienst in der katholischen Pfarrkirche St. Michael. Dann das gemeinsame Mittagessen mit der Familie, Geschenke, Aufregung – und vielleicht ein Stück Torte zu viel. Am Nachmittag kommt man wieder in der Kirche zusammen, denn es findet die Vesper statt. Nun stehen die Kommunionkinder des Jahrgangs 1975/76 in feierlicher Pose vor dem Hochaltar. Die Mädchen tragen weiße Kleider und Kränzchen im Haar, die Buben schwarze Anzüge. Sie alle halten ihre verzierten Kommunionkerzen. Im Hintergrund leuchtet der vergoldete Hochaltar, geschmückt mit gelben Blumen – der festliche Rahmen für einen Tag, den wohl niemand so schnell vergisst.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 Simone Kasprowicz, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 Yvonne Isele (verh. Albrecht), 9 Monika Heizmann, 10 ???, 11 ???, 12 Cornelia Vogt
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Ulla van den Heuvel, 3 Rebecca Fetz, 4 ???, 5 ???, 6 Marita Beha
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 Dirk Schreiber, 2 ???, 3 ???, 4 Heike Wörwag, 5 ???, 6 ???, 7 ???
4.Reihe, v.l.n.r.: 1 Dejan Schönfeld, 2 Conny Bader, 3 ???, 4 ???, 5 Daniel Schätzle, 6 ???, 7 Konrad Isele, 8 ???, 9 ???

Standort des Fotografen: 47.882414, 8.344667

Glockenweihe für die Kirche Witterschneekreuz, Januar 1982

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

In der Pfarrkirche St. Michael werden zwei Glocken festlich präsentiert. Sie sind mit Tannengrün geschückt, denn heute werden sie geweiht. Bestimmt sind sie für die Wallfahrtskirche Witterschneekreuz. Kinder wie Erwachsene haben sich eingefunden, um bei der Weihe dabei zu sein – ein Ereignis, das in Erinnerung bleibt.

V.l.n.r: 1 ???, 2 Kerstin Beck, 3 Karl Schreiber (1910-2001), 4 Fridolin Becher (1930-2020)

Die Wallfahrtskirche Witterschneekreuz war in den Jahren 1894 bis 1896 erbaut und 1901 geweiht worden. Ursprünglich verfügte sie über zwei Glocken, doch die größere wurde im Zweiten Weltkrieg für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen. Erhalten blieb nur die kleine Glocke von 1853, gegossen von der Villinger Glockengießerei Grüninger, 40 kg schwer mit dem Schlagton h′′′+8. Sie ist auf dem Foto rechts zu sehen.

Dank zahlreicher Spenden kann das Geläut nun wieder vervollständigt werden. Am 16. Oktober 1981 wurde in einer Heidelberger Glockengießerei die neue, größere Glocke gegossen. Sie wiegt 63 kg, erklingt im Schlagton gis′′+7 und trägt die Inschriften »Das Kreuz weist uns den Weg« und »Wallfahrtskirche zum Schneekreuz, Löffingen, 1981«. Auch das Bild des Wallfahrtskreuzes und das Pfarrwappen sind darauf angebracht.

Mit der neuen Glocke wird zugleich eine elektrische Läutanlage eingebaut, sodass man zum Läuten nicht mehr auf den Kirchturm steigen muss. Seitdem erklingen beide Glocken gemeinsam – mittags und abends zur Betzeit und selbstverständlich zu den Gottesdiensten.

Standort des Fotografen: 47.882516, 8.344550

Innenraum der Kapelle Witterschneekreuz, ca. 1898

Aus: Kurzer Abriß der Geschichte, Entstehung und Entwicklung der Wallfahrt zum Schneekreuz beim Witterschnee in Löffingen im badischen Schwarzwalde, 1898

Diese Lithographie zeigt die älteste bekannte Darstellung des Inneren der Kapelle Witterschneekreuz. Sie wird in einer Schrift veröffentlicht, die anlässlich der Segnung der neu erbauten neoromanischen Wallfahrtskirche erscheint. Darin wird nicht nur die Geschichte des Wallfahrtsortes erzählt, sondern auch die mündlich überlieferten Wundergeschichten – im Vergleich zur kürzeren Fassung von Stadtpfarrer Anselm Friedrich Kaier aus dem Jahr 1866 – ausführlich ausgeschmückt.

Abgebildet ist das Innere der alten Kapelle, die 1846/47 errichtet und 1894 an ihren heutigen Standort verschoben wurde. Die Wände sind mit Holz verkleidet. Im Zentrum steht der Altar mit einem Kruzifix – allerdings nicht mit dem verehrten »Schneekreuz«, das sich seit dem Bau der steinernen Wallfahrtskirche in deren Innerem befindet. Auffällig sind die zahlreichen Bilder, vor allem Votivbilder, die von Gläubigen als Dank für erfahrene Hilfe gestiftet wurden. Auf Gesimsen sind Statuen von Christus, der Gottesmutter und verschiedenen Heiligen aufgestellt. Schon damals wird die Kapelle regelmäßig geleert und immer wieder neu gestaltet. Die später charakteristische Anordnung mit drei großen Kreuzen – Christus in der Mitte, flankiert von den beiden Schächern – ist hier noch nicht vorhanden.

In der Publikation mit dem Titel »Kurzer Abriß der Geschichte, Entstehung und Entwicklung der Wallfahrt zum Schneekreuz beim Witterschnee in Löffingen im badisch« wird das Innere der Kapelle eindrücklich beschrieben: »Daß in ungeahnter Zahl von Leiden, Nöthen, Beschwerden und Drangsalen die Hilfe des göttlichen Erlösers am Kreuze, beim Schneekreuze, aus weiten Gegenden bis zur unmittelbaren Nähe angerufen wird und daß ebenso in ungeahnter Weise und Zahl Gebeterhörungen und Begnadigungen bei der Gnadenstätte zum Schneekreuze den andächtig gläubig Rufenden vom göttlichen Heiland am Kreuze unläugbar zu Theil wird, liegt der antrügliche Beweis in den nach Hunderten zählenden Votiv-Tafeln, die geopfert werden, vor Augen. Votiv-Tafeln mit Augen, Mund, Nase, Ohren, Händen, Armen, Füßen, Köpfen,
Körpern, alles Theile vom Menschen; aber auch mit Häusern, Feldern und Hausthieren, wie Fuhrwerken bemalt, zieren die Wände oder behängen solche innert der Kapelle. […] Nebst diesen unläugbaren Beweisstücken über erlangte Hilfe im christlich gläubigen Gebete zeugen auch die Menge geopferter Krückenstöcke und Krücken davon.«

Standort: 47.893007, 8.336204

Trauung vom Brautpaar Egle / Ganter vor dem Hochaltar, August 1955

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Christa Egle und Hans-Peter Hepting zur Verfügung.

Der Moment ist feierlich und still. In der barocken Pfarrkirche St. Michael, vor dem reich geschmückten Hochaltar, stehen Braut und Bräutigam nebeneinander. Der Maurermeister Alfred Egle (1920-2001) und seine Braut Else Ganter (1923-2011) haben sich versammelt, um den Bund fürs Leben zu schließen. Es ist Donnerstag, der 25. August 1955. Die Hochzeitsgesellschaft sitzt in den hölzernen Kirchenbänken, der Blick ist nach vorne gerichtet – auf das Paar, das vorn steht. Die Braut trägt ein schlichtes weißes Kleid mit langem Schleier. Der Bräutigam steht in dunklem Anzug an ihrer Seite.

Nicht Stadtpfarrer Karl Weickhardt (1905-1977) vollzieht das Sakrament, sondern ein Verwandter der Braut: Pfarrer August Ganter (1907-1970) spricht die liturgischen Worte. Die Zeremonie findet – wie vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil üblich – am Hochaltar statt, mit dem Rücken zur Gemeinde. Die Messe selbst wird auf Latein gefeiert, das Trauversprechen, also die eigentlichen Worte, mit denen Braut und Bräutigam einander die Ehe versprechen, wird aber auf Deutsch gesprochen. Links und rechts stehen die Trauzeugen: Fritz Egle (1929-2017), Bruder des Bräutigams, und Johann Fürderer. Auch Gerhard Scholz (1925-1998), der Meßmer, und ein Ministrant sind Teil der Szene.

V.l.n.r.: 1 Fritz Egle (Trauzeuge), 2 Else Ganter, 3 Alfred Egle, 4 Pfarrer August Ganter, 5 Johann Fürderer (Trauzeuge), 6 Ministrant ???, 7 Meßmer Gerhard Scholz

Standort des Fotografen: 47.882512, 8.344594

Prozession der Kommunionkinder in der Unteren Hauptstraße, 1943

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Lydia Zepf zur Verfügung.

Ein seltener Moment feierlicher Andacht inmitten eines vom Krieg geprägten Jahres: Die Kommunionkinder ziehen von der katholischen Pfarrgemeinde St. Michael kommend die Untere Hauptstraße entlang, um gleich darauf in die Seppenhofer Straße einzubiegen. Vorneweg marschieren Ministranten, die Kirchenfahnen aufrecht vor sich tragend. Ihnen folgt der Geistliche in priesterlichem Ornat – es ist Vikar Gerhard Schnetz, mit ernstem Blick und gefalteten Händen.

Die Jungen, festlich gekleidet in dunklen Anzügen mit weißen Schleifen, gehen in geordneten Reihen. Hinter ihnen reihen sich die Mädchen ein – ganz in Weiß, mit Haarschmuck. Alle tragen Kerzen, das Zeichen ihrer Erstkommunion. Schaulustige säumen den Weg. Der Rand der Straße ist gepflastert. Links ist der »alte Benzbau« (Untere Hauptstr. 8) zu sehen und rechts der Ökonomiebereich des Gasthauses »Sonne« (Kirchstr. 29).

Standort des Fotografen: 47.882739, 8.343550

Neun Frauen in der Kirchenbank bei der Erstkommunion, 1983

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Neun Frauen sitzen nebeneinander in der Kirchenbank der katholischen Pfarrkirche St. Michael. Eine zehnte fehlt – nicht, weil sie nicht dabei wäre, sondern weil sie den Moment mit der Kamera festhält. Alle zehn verbindet ein besonderes Versprechen: Sie sind Patinnen von Renate Kopp, die an diesem Tag ihre Erstkommunion feiert. Als Renate geboren wurde, erklärten sich diese zehn Frauen bereit, gemeinsam die Patenschaft zu übernehmen – Ausdruck ihrer Freundschaft zur Mutter Ursula Kopp (geb. Rosenstiel, 1930-2018) und ihrem Ehemann Heinrich Kopp (1930-2015), aber darüber hinaus ein sichtbares Zeichen gegenseitiger Unterstützung und praktizierter Nächstenliebe.

Natürlich nehmen die zehn Frauen beim Festgottesdienst anlässlich der Erstkommunion ihres Patenkindes gemeinsam teil. Ein starkes Bild für Zusammenhalt und gelebte Gemeinschaft.

V.l.n.r.: 1 Maria Hall (1924-2014), 2 Lotte Ratzer (geb. Groß, 1930-2025), 3 Inge Mayer (geb. Hepting), 4 Lore Echtle (geb. Ganter, 1926-2014), 5 Margaretha Adrion (geb. Bierle, 1926-2021), 6 Luise Kienzler, 7 Martha Adrion (geb. Fehrenbach, 1928-2019), 8 Mathilde Schmid (geb. Geisinger, 1926-1989), 9 Else Egle (geb. Ganter, 1923-2011)

Standort des Fotografen: 47.882530, 8.344518

Fronleichnamsschmuck in der Alenbergstraße, ca. 1950

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Genoveva Kinast zur Verfügung.

In der NS-Zeit wurden die Prozessionen an Fronleichnam von den staatlichen Behörden behindert und eingeschränkt. In der Nachkriegszeit wird wieder an das religiöse Brauchtum angeknüpft. Nicht nur durch die Innenstadt führt die Prozession der katholischen Kirchengemeinde, sondern auch über den Alenberg.

Der gesamte Weg ist mit einem Blumenteppich versehen. Zweige mit jungem Grün sind links und rechts der Straße in das Pflaster gesteckt, um die Prozessionsstrecke einzurahmen. Zwischen dem Haus Gaede (Alenbergstr. 23) und dem Haus Zimmermann (Alenbergstr. 24) ist in diesem Jahr ein besonders aufwändig gestalteter Fronleichnamsschmuck installiert: Eine Art Ehrenpforte, von zwei Säulen getragen und von einem begrünten Bogen überspannt, der von einem kleinen Kreuz gekrönt wird.

Sie Säulen aus Gips sind vermutlich von der Gipser-Familie Adrion geschaffen worden, die gleich nebenan im Haus Alenbergstr. 21 wohnt.

Standort des Fotografen: 47.886412, 8.343143

Drei Frauen in der Oberen Hauptstraße, Mai 1951

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Gabi Senn zur Verfügung.

Drei junge Frauen spazieren bei schönstem Frühlingswetter durch die Obere Hauptstraße. Das Gasthaus »Linde« (Obere Hauptstr. 10) im Hintergrund ist festlich geschmückt. Eine Fahne in den Farben blau-weiß flattert im Wind und eine lange Reisiggirlande schmückt die Fassade. Heute ist Donnerstag, der 24. Mai 1951, und die katholische Gemeinde feiert Fronleichnam. Der Prozessionsweg ist von grünen Ästen und Zweigen gesäumt, die links und rechts in das Straßenpflaster gesteckt sind. Dieser Schmuck ist nichts außergewöhnliches, sondern jedes Jahr zu sehen, und würde wohl kaum rechtfertigen, dass die drei Frauen sich fotografieren lassen.

Die drei posieren neben einer Ehrenpforte, die auf Höhe vom Haus Selb (Obere Hauptstr. 12) und vom »Gebertsaal« (Obere Hauptstr. 11) die Straße überspannt. Sie gehört nicht zur jährlichen Dekoration für Fronleichnam, aber ein anderes wichtiges Ereignis wirft seine Schatten voraus: Am 27. Mai 1951 bekommt Löffingen seine Stadtrechte wieder verliehen und erwartet zahreiche auswärtige Gäste! Anlässlich der Stadterhebung wird auch ein großer Festumzug stattfinden. Leider wird das Wetter, ganz anders als am heutigen Fronleichnamstag, nicht mitspielen…

V.l.n.r.: 1 Irma Zepf (verh. Hasenfratz, geb. 1937), 2 Margarete Zepf (verh. Senn, 1932-2021), 3 Lotte Groß (verh. Ratzer, 1930-2025)

Standort des Fotografen: 47.884438, 8.347476

Innenraum der Kapelle Witterschneekreuz, 2015

Foto: Joergens.mi/Wikipedia, CC-BY-Sa-3.0

Der Innenraum der 1846/47 erbauten Kapelle Witterschneekreuz wirkt auf den ersten Blick überwältigend. Die Wände sind dicht mit Devotionalien behängt: zahllose Kruzifixe, gerahmte Heiligenbilder und Rosenkränze bedecken die hölzerne Wandverkleidung fast vollständig. An der Stirnwand hängt ein großes Kruzifix mit dem leidenden Christus, flankiert von zwei weiteren Kruzifixen. Unterhalb der Kreuze ist der Altar aufgebaut, auf dem eine Vielzahl an Heiligenfiguren, sowie Marien- und Jesusstatuen stehen. Entlang der Seitenwände stehen einfache, holzfarbene Bänke, auf denen weitere kleinere Opfergaben, gerahmte Bilder, Kerzen und Andachtsgegenstände abgelegt sind. Auch auf dem Fußboden liegen Devotionalien. Hohe, rundbogige Fenster auf beiden Seiten lassen Licht in die Kapelle strömen.

Für viele Pilger*innen ist die alte Kapelle ein besonderer Ort, erfüllt von Spiritualität. Die dichte Sammlung an Votivgaben erzählt von persönlichen Schicksalen, von Gebeten, Dank und Bitte. Andere Besucher*innen hingegen empfinden die Fülle der Exponate, die Holzvertäfelung und die fast klaustrophobische Enge als erdrückend. Viele Gegenstände sind weniger wertvolle Zeugnisse der Volksfrömmigkeit als vielmehr zufällig zusammengetragene Hinterlassenschaften aus Haushaltsauflösungen – abgelegte Erinnerungsstücke, für die es keine Verwendung mehr gibt. Die meisten Objekte besitzen auch keinen besonderen kunsthandwerklichen Wert. Viele sind massengefertigt oder einfach gearbeitet. Dennoch erzählen auch sie auf ihre Weise eine Geschichte und sind kleine Zeugnisse religiösen Glaubens, die sich nicht über Ästhetik definieren.

In den Jahren 1974 bis 1977 wurde die Kapelle in Eigenarbeit der Pfarrangehörigen auf neue Fundamente gesetzt und innen renoviert. Das Foto zeigt den Zustand 2015. 2024 wird der Innenraum schließlich grundlegend umgestaltet.

Standort des Fotografen: 47.893007, 8.336204

Kirchenfenster in der Kirche Witterschneekreuz, 2024

Sammlung Familie Waßmer

Vier Kirchenfenster sind in der südlichen und nördlichen Apsis der Wallfahrtskirche Witterschneekreuz zu sehen. Dargestellt sind verschiedene Szenen der Kirchengeschichte: die Kreuzauffindung durch die heilige Helena (ca. 325), die Rückführung des Kreuzes nach Jerusalem durch den oströmischen Kaiser Herakleios (630) und die Kreuzzugspredigt des französischen Predigers Peter der Einsiedler (1094).

In einem vierten Kirchenfenster ist die Errettung des verirrten Mannes im Schneesturm zu sehen, der zum Dank das »Schneekreuz« stiftete, das in der Kirche verehrt wird. Der Überlieferung zufolge geschah die Rettung des Mannes um das Jahr 1732 oder 1740. Letztere Jahreszahl wird in der Inschrift des Kirchenfensters genannt: »A.D. 1740 verirrte Nachts im Schneesturm hier ein Wanderer und errichtete auf Gelöbnis für erflehte Errettung hier das Schneekreuz.« Zu sehen ist der Mann und ein Engel, der die Glocke des Städtchens läutet. Der Überlieferung nach hörte der Mann in seiner Not das Glockengeläut und auch Stimmen von Holzfällern, die zu sehr später Stunde auf dem Heimweg vom Wald waren. »HERR ERHOERE UNSER FLEHN« ist in einem Spruchband zu lesen.

Die Kirchenfenster sind Arbeiten der Freiburger Glasmalereiwerkstatt Helmle & Merzweiler.

Standort des Fotografen: 47.893453, 8.335839