Blick zum Gasthaus »Lamm« und zur Kirche, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Zwischen den Häusern der Unteren Hauptstraße öffnet sich der Blick zur katholischen Pfarrkirche St. Michael. Ihr schlanker Turm ragt weit über die Dächer des Städtchens hinaus. Davor steht das stattliche Gasthaus »Lamm« (Kirchstr. 29), das mit seiner breiten Giebelfront den Straßenraum prägt. Zu erkennen sind außerdem das Warenhaus »zum Kasten« (Untere Hauptstr. 7) und am rechten Bildrand der sogenannte »alte Benzbau« (Untere Hauptstr. 8).

Auffällig ist die freie Fläche vor der Kirche. Hier klafft eine Baulücke: Das Kaufhaus von Anton Schirmer (Kirchstr. 25) brannte 1916 ab und wurde bislang nicht wieder aufgebaut. Dadurch ist die Kirche von der Unteren Hauptstraße aus ungewöhnlich frei zu sehen. Erst mit einer späteren Neubebauung wird sich dieser Blick wieder verändern.

Die Aufnahme erscheint 1921 als Bild Nr. 8 unter der schlichten Überschrift »Blick auf die Kirche« in der Zeitschrift »Badische Heimat«. Für seinen neunseitigen Beitrag über Löffingen stellt der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) insgesamt 28 Ansichten zusammen und führt seine Leser*innen damit auf einem fotografischen Rundgang durch das Städtchen. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift will Geschichte, Architektur und Landschaft Badens einem größeren Publikum näherbringen. Gerade diese Aufnahme hält dabei nicht nur ein markantes Ortsbild fest, sondern auch einen vorübergehenden Zustand: die Baulücke nach dem Brand von 1916.

Standort des Fotografen: 47.883235, 8.343618

Ausschnitt: »Restauration« Benz und Kaufhaus »Kasten« in der Unteren Hauptstraße, ca. 1899

Verlag J. A. Binder Nachfolger, Bonndorf
Sammlung Familie Waßmer

Das Bild ist mit »Kirchplatz« betitelt. Zu sehen ist der Bereich der Unteren Hauptstraße, an dem die Ringstraße einmündet. Rechts steht das Haus Benz (Untere Hauptstr. 8). Es wurde nach dem Brand von 1887 neu errichtet und gehörte dem Holzhändler und Gastwirt Johann Benz (1850-1908) und seiner Ehefrau Katharina geb. Maier (1850-?). Im Erdgeschoss betreiben sie eine Wirtschaft, eine »Restauration«, wie auf dem Schild zu lesen ist. Vor dem Gebäude steht eine Pferdekutsche. Zwei Damen und ein Herr stehen im Vordergrund. Die Personengruppe wurde für die lithographische Ansicht hinzugefügt.

Links steht das dreistöckige Warenhaus »Zum Kasten« (Untere Hauptstr. 7). An der Fassade hängt ein Schild, auf dem der Schriftzug »Geschwister Traber z. Kasten« zu entziffern ist. Sofie Traber, die geschiedene Ehefrau des Kaufmanns Friedrich Keller, betreibt das Geschäft von 1894 bis 1899. Im Hintergrund ragt die katholische Pfarrkirche St. Michael hoch. 

Dieses Bild ist ein Ausschnitt aus einer Mehrbildkarte.

Standort des Fotografen: 47.883280, 8.343513

Bahnübergang an der Rötenbacher Straße im Winter, ca. 1952-1960

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Egon Eggert zur Verfügung.

Der Blick fällt aus dem Schrankenwärterhäuschen in der Rötenbacher Straße in Richtung Bahnübergang. Die Schranken sind geöffnet und zwei Lastwagen fahren gerade über die Gleisanlage. Es liegt Schnee und die Straßen sind vermutlich rutschig. Jenseits der Bahnlinie ist die Landwirtschaftsschule zu sehen, die 1952 im früheren katholischen Pfarrhaus ihre Pforten öffnete. Das Grundstück gegenüber ist unbebaut: Das Barockhaus, das früher dort stand, wurde bei einem Fliegerangriff im Frühjahr 1945 zerstört. Im Hintergrund ragt der Kirchturm der katholischen Pfarrkirche empor.

Standort des Fotografen: 47.881969, 8.342380

Bahnübergang an der Rötenbacher Straße, ca. 1952-1960

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Egon Eggert zur Verfügung.

Der Blick fällt von der Rötenbacher Straße in Richtung Städtchen. Im Vordergrund ist der beschrankte Bahnübergang zu sehen. Das Holzhäuschen dient dem Schrankenwärter Egon Eggert (geb. 1924) als Unterstand bei Wind und Wetter. Auf der gegenüberliegenden Seite der Gleisanlagen ist das ehemalige katholische Pfarrhaus zu sehen. Es wurde gegen Kriegsende stark beschädigt, ist hier aber bereits wieder frisch renoviert. Seit 1952 ist darin die Landwirtschaftsschule untergebracht.

Das Foto wurde offenbar an Fronleichnam oder am Patrozinium aufgenommen. Am Kirchturm, der noch nicht verputzt ist, weht eine Kirchenfahne. Auch in der Unteren Hauptstraße sind Häuser beflaggt. Wenn man genau hinschaut, erkennt man, dass gerade eine Prozession durch die Straße zieht.

Standort des Fotografen: 47.881969, 8.342380

Frauenlöschgruppe bei einer Probe in der Unteren Hauptstraße, ca. 1943/44

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Heike Soldan-Bölle zur Verfügung.

Als im Zweiten Weltkrieg die wehrfähigen Männer der Freiwilligen Feuerwehr eingezogen waren und die Wehr kaum mehr einsatzfähig war, rief Feuerwehrkommandant Wilhelm Maier 1942 eine Frauenlöschgruppe ins Leben. 25 junge Frauen stellten sich in den Dienst der Feuerwehr. Ihre Ausbildung und Leitung übernahm Brandmeister Karl Glunk. Im darauffolgenden Jahr nahm Franziska Fritsche an einem Lehrgang der Feuerwehrschule in Schwetzingen teil und wurde dann Gruppenführerin. Wöchentlich fanden Proben statt.

Das Foto zeigt eine Feuerwehrprobe in der Unteren Hauptstraße. Die Schläuche liegen ausgerollt. Schaulustige, darunter viele Kinder, schauen zu. Noch wird gelacht. Aber der Ernstfall folgte spätestens mit dem Fliegerangriff am 22. Februar 1945, als das Bahnhofsgebäude, die Kistenfabrik des Sägewerks Josef Benz AG und der Farrenstall in Flammen aufgingen. Es gelang der Frauenlöschgruppe unter großer Gefahr die Brände zu löschen und sieben weitere Entstehungsbrände im Keime zu ersticken.

Standort des Fotografen: 47.883081, 8.343855

Mehrbildkarte »Gruß aus Löffingen« mit drei Ansichten, ca. 1899

Verlag J. A. Binder Nachfolger, Bonndorf | Sammlung Familie Waßmer

Diese lithographische Mehrbildkarte wird am 26. August 1906 mit der Deutschen Reichspost von Löffingen nach Freiburg versandt. »Ein Gruß von Ferne«, ist auf der Vorderseite mit blauer Tinte notiert. Entfernungen sind eben relativ.

Die Ansichtskarte zeigt im oberen Bereich eine Gesamtansicht des Städtchens. Der Blick von der »Breiten« ist detailliert herausgearbeitet. Ein Zug mit Dampflokomotive fährt gerade in Richtung Donaueschingen. In Wirklichkeit ist zu diesem Zeitpunkt die Bahnlinie noch nicht eröffnet. Der Zug fährt nicht wirklich durch das Bild, sondern wird für die lithographische Ansicht einfach hinzugefügt.

In der Mitte der Karte ist in einem eckigen Rahmen das »Kriegerdenkmal« von 1894 abgebildet. Es ist nur wenige Jahre zuvor zur Erinnerung an die Kriegsteilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 eingeweiht worden. Das Denkmal ist überdimensioniert dargestellt, um seine Bedeutung zu betonen.

Durch den runden Rahmen besonders hervorgehoben ist das dritte Bild, das mit »Kirchplatz« betitelt ist. Zu sehen ist der Bereich der Unteren Hauptstraße, an dem die Ringstraße einmündet. Rechts steht die »Restauration« Benz (Untere Hauptstr. 8). Vor dem Gebäude steht eine Pferdekutsche. Zwei Damen in der Kleidung der damaligen Zeit und ein Herr stehen im Vordergrund. Auch diese Personengruppe wird für die lithographische Ansicht hinzugefügt. Links steht das dreistöckige Warenhaus »Zum Kasten« (Untere Hauptstr. 7). Im Hintergrund ragt die katholische Pfarrkirche St. Michael hoch. 

Mehrbildkarte »Löffingen i.B.« mit zwei Ansichten, 1906

Verlag Theodor Mayer, Löffingen / Gebrüder Metz, Tübingen
Sammlung Familie Waßmer

Diese colorierte Mehrbildkarte wird 1906 von der Firma Gebrüder Metz in Tübingen, einem der größten Postkartenverlage der damaligen Zeit, hergestellt und von dem Löffinger Kaufmann Theodor Mayer vertrieben. Auf ihr sind zwei Ansichten zu sehen: Oben eine Gesamtansicht des Städtchens, unten ein Blick durch das alte Mailänder Tor in Richtung Rathausplatz und Untere Hauptstraße: »Partie beim Rathaus« ist das kleine Bild beschriftet.

Am 11. März 1906 wird die Karte auf dem Postamt in Löffingen abgestempelt und an »Monsieur Joseph Riehle« im schweizerischen Lausanne versandt. Auf der Rückseite ist ein denkbar banaler Inhalt niedergeschrieben: »Gruß von Joseph Denzel. Später werde ich Dir einen Brief schreiben.«

Demonstration gegen die Krankenhausschließung, 15. Mai 1981

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hermann Egle zur Verfügung.

Eine politische Demonstration mitten im Städtchen? Das hatte und hat bis heute Seltenheitswert. Aber Anfang der 1980er Jahre kämpft eine Bürgerinitiative »für die Erhaltung des Löffinger Krankenhauses«, wie unmissverständlich auf dem Leittransparent gefordert wird. Der Demonstrationszug führt auf dem Foto gerade über den unteren Rathausplatz.

Das Stuttgarter Sozialministerium unter Leitung von Annemarie Griesinger und der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald sind überein gekommen, das Löffinger Krankenhaus zu schließen. Trotz der Gründung einer Bürgerinitiative, Demonstrationen und verschiedenen Protestaktionen kann das städtische Krankenhaus nicht gerettet werden. Selbst die medienwirksame Ankettung des grünen Landtagsabgeordneten Helgo Bran hilft nichts. Am 31. März 1983 schließt das Krankenhaus seine Pforten. Bereits 1985 eröffnet in dem Gebäude das Altenpflegeheim St. Martin.

Wer erkennt die Demonstranten?
1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Martin Mayer, 2 Margarete Benitz, 3 Paul Bugger, 4 Georg Tschiggfrei, 5 Alfred Egle, 6 Robert Hepting, 7 Eugen Hasenfratz, 8 Julius Körner
Außerdem ist u.a. Franz Zahn (aus Bachheim) zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.884005, 8.344007

Ausschnitt: Untere Hauptstraße in Richtung Gasthaus »Lamm«, 1910/11

Verlag Eugen Felle, Isny | Stadtarchiv

Vom Unteren Rathausplatz wandert der Blick die Untere Hauptstraße entlang. Rechts sind das Gasthaus »zum Adler« (Untere Hauptstr. 2), das Haus von Friseurmeister Julius Limb (Untere Hauptstr. 4) und die Bäckerei von Ernst Straub (Untere Hauptstr. 6) zu sehen.

Am linken Bildrand ist im Vordergrund eine Baustelle zu erkennen. Nach dem Brand des Hauses von Johann Cölestin Schmutz (Rathausplatz 6) im Jahre 1909 wurde der Brandplatz geräumt und der Apotheker Otto Buisson lässt gerade einen Neubau errichten. 

Das Foto ist ein Ausschnitt aus einer Mehrbildkarte.  

Standort des Fotografen: 47.883627, 8.343912

Ehrenpforte in der Unteren Hauptstraße bei der Stadterhebung, 27. Mai 1951

Dieses Foto stelle uns dankenswerterweise Pia Durst zur Verfügung.

Am Ortsteingang in der Unteren Hauptstraße, der damaligen Landstraße, die Freiburg mit Donaueschingen verband, war anlässlich der Feierlichkeiten zur Stadterhebung am 27. Mai 1951 eine Ehrenpforte aufgebaut. »Herzlich Willkommen« hieß sie die Gäste, die mit ihrem Auto in das Baarstädtchen kamen oder am nahegelegenen Bahnhof eintrafen. In der Mitte über dem Tor war das Stadtwappen angebracht. Eine weitere Ehrenpforte war am Ortseingang in der Oberen Hauptstraße aufgebaut.

Im Hintergrund ist der Kirchturm der Pfarrkirche St. Michael zu sehen, der noch unverputzt ist. Auf dem Grundstück davor hatte bis 1945 das Barockhaus Kaus gestanden, das am 25. Februar 1945 durch Fliegerbomben zerstört wurde.

Standort des Fotografen: 47.882429, 8.343138

Bierwirtin Katharina Gebert, ca. 1900

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Emma Binder zur Verfügung.

Die Bierwirtin Katharina Gebert (1819-1904) wurde 1819 als Tochter von Johann Gebert und dessen Ehefrau Katharina geb. Steinmann in Löffingen geboren. Ihr zwei Jahre älterer Bruder Jakob Gebert (1817-1875), der Bäckermeister war, vererbte ihr bei seinem Tod das Haus Untere Hauptstraße 6. Katharina Gebert starb am 19. April 1904 im Alter von 84 Jahren. Sie war Zeit ihres Lebens ledig geblieben. Auf diesem Foto trägt sie Tracht. 

Mehrbildkarte »Gruß aus Löffingen« mit drei Ansichten, ca. 1910/11

Verlag Eugen Felle, Isny / Stadtarchiv

Diese Mehrbildkarte wurde am 8. August 1911 als »Gruß aus Löffingen« versandt: »Grüße an die Buben, sie sollen bestimmt kommen«, wurde auf der Vorderseite der Postkarte handschriftlich notiert.

Oben im ovalen Kreis ist eine Ansicht vom Unteren Rathausplatz mit dem Rathaus zu sehen. Das Bildchen trägt den Titel: »Kriegerdenkmal und Schule«. Da das Rathaustürmchen nicht mehr in den Bildausschnitt passte, wurde es von dem Verlag Eugen Felle dazu retuschiert. Interessant ist auch, dass die Häuser in der Demetriusstraße über keine Staffelgiebel verfügen.

Links ist eine Ansicht der »Pfarrkirche« St. Michael zu sehen. Das Foto wurde von der damaligen Hafnergasse aus aufgenommen. Im Vordergrund steht das Kaufhaus von Anton Schirmer, das im März 1916 vollständig abbrannte.

Rechts ist die »Straßenpartie« in der Unteren Hauptstraße abgebildet. Der Blick fällt vom Unteren Rathausplatz in Richtung Gasthaus »Lamm«. Im Vordergrund wird gerade das Eckgebäude von Apotheker Otto Buisson (Rathausplatz 6) neu erbaut. Das Vorgängerhaus war am 11. Dezember 1909 bei einem Feuer zerstört worden.