Ehepaar Zürcher vor ihrem Haus in der Alenbergstraße, ca. 1950-1955

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Hermine Baumgart zur Verfügung.

Vor ihrem Haus in der Alenbergstraße stehen der Schuhmacher Julius Zürcher (1873-1955) und seine Ehefrau Bertha geb. Morath (1883-1965). Er war gebürtiger Löffinger, aber sie stammte aus Unadingen. Bertha Zürcher war als »Liechtladeri« bekannt: Wenn jemand verstarb, ging sie von Haus zu Haus, verkündete den Todesfall und lud zur Totenwache und zur Beerdigung ein.

Standort des Fotografen: 47.884922, 8.344668

Haus Zürcher in der Alenbergstraße, ca. 1930-1935

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Anton Heizmann zur Verfügung.

An der Einmündung von Alenbergstraße und Rötengasse steht eine dreiköpfige Personengruppe. Die Straße ist noch nicht asphaltiert, sondern besteht nur aus Schotter. Im Hintergrund sind die Häuser von Schuhmacher Julius Zürcher (1873-1955) und von Landwirt Konstantin Ganter (1852-1931) zu sehen. Das Haus Zürcher war beim Großbrand 1921 abgebrannt und danach als zweistöckiges Wohnhaus mit kleiner Ökonomie wieder aufgebaut worden. Das Haus Ganter war beim Großbrand 1921 verschont geblieben und kein Raub der Flammen geworden.

V.l.n.r.: 1 Maria Heizmann (verh. Armbruster, 1911-?), 2 Josef Armbruster, 3 Leopoldine Geisinger (1901-1989)

Leopoldine Geisinger lebt bis zu ihrem Tod 1989 im Nachbarhaus Alenbergstraße 6.

Standort des Fotografen: 47.884947, 8.344610

Haus Kuster beim Großbrand, 28. Juli 1921

Verlag A. Rebholz, Löffingen | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Luzia Bader, Inge Benitz und Franz Scholz zur Verfügung.

Nur wenige Fotos werden während des Großbrandes vom 28. Juli 1921 aufgenommen. Zu sehr sind die Menschen mit den Löscharbeiten und dem Retten von Hab und Gut beschäftigt. Erst in den Tagen nach dem Brand wird das Ausmaß der Zerstörung fotografisch dokumentiert.

Anders bei diesem Foto, das während des Brandes aufgenommen wird: Zu sehen ist das Haus von Bürgermeister Adolf Kuster oben auf dem Alenberg.  Durch Funkenflug ist das Gebäude in Brand geraten. Festgehalten wird der dramatische Augenblick, als sich der Dachstuhl hebt und lichterloh brennt. Der aufsteigende Rauch zeigt, wie stark der Wind an diesem Tag ist.

Standort des Fotografen: 47.886180, 8.343484

Trümmerstätte am unteren Rathausplatz nach dem Großbrand, 1921

Fotograf: Engelhard Baumgartner, Freiburg | Stadtarchiv | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Inge Benitz und Georg Willmann zur Verfügung.

Vom Gasthaus »Adler« aus fällt der Blick auf die Brandstätte beim Mailänder Tor. Im Hause des Julius Heer (Demetriusstr. 10) war um die Mittagszeit Feuer ausgebrochen, das sich, angefacht von einem leichten Wind, den Stadtring entlangfraß und auf die angrenzenden Straßenzüge am Rathausplatz und in der Ringstraße übergriff. Innerhalb kurzer Zeit standen die Häuser bis hinauf zum Alenberg in Flammen. Auch das Wäldchen auf dem Alenberg war zeitweise bedroht. Ebenso das Rathausgebäude, das am rechten Bildrand zu sehen ist. Die Feuerwehren aus Löffingen und der Umgebung setzten alles daran, es zu retten – genauso wie das Postamt: Denn wären diese beiden massiven Gebäude dem Feuer zum Opfer gefallen, dann wäre das Schicksal weiterer Straßenzüge besiegelt gewesen.

Das Mailänder Tor aus dem Jahr 1580 brannte nicht ab. Es war baulich aber in einem solch schlechten Zustand und stellte außerdem zunehmend ein Verkehrshindernis dar, dass es im Herbst 1921 abgerissen und an seiner Stelle ein bereiteres und höheres Torgebäude erbaut wurde.

Standort des Fotografen: 47.883609, 8.343593

Blick vom Rathausturm nach dem Großbrand, 1921

Stadtarchiv | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Inge Benitz und Franz Scholz zur Verfügung.

Vom Rathausturm fällt der Blick nach dem Großbrand vom 28. Juli 1921 auf die Trümmerstätte. Zu sehen sind die eingeäscherten Gebäude in der Demetriusstraße und der Ringstraße bis hoch zum Alenberg.

Der Giebel vorne rechts gehört zum Postamt am oberen Rathausplatz, dessen Rettung gelang. Dahinter der Trümmerberg gehörte einst zum Haus des Schmiedemeisters Viktor Fürst (Demetriusstr. 5). Dahinter sind das ausgebrannte Anwesen des Landwirts Martin Mayer (Ringstr. 3) und direkt daneben das zerstörte Haus des Landwirts Karl Diesberger (Ringstr. 2) zu sehen. Der einsame Laufbrunnen, der inmitten der Trümmer an der Einmündung der Demetriusstraße in die Ringstraße steht, diente bei den Löscharbeiten als Wasserreservoir. Die Schneise der Zerstörung setzt sich in der Alenbergstraße fort. Besonders markant ist der stehengebliebene Giebel der Weinhandlung Benitz (Alenbergstr. 7-9), der aus dem Trümmerfeld emporragt.

Denselben Blick hatte Oberlehrer Eugen Steidlinger am Brandtag. Er notierte in seinen Erinnerungen: »Ich eilte auf den Rathausturm. Da bot sich mir ein grauenerregender Anblick. Tatsächlich brannte da oben auf dem Alenberg eine ganze Häuserreihe. Aus den mächtigen Gebäuden Benitz u. Thoma sprüten die Feuergarben empor, die danebenliegenden Häuser hatten auch schon Feuer gefangen, und das rasende Element fraß sich bereits den Berg hinauf – Gras, Sträucher und Bäume in ein Glutmeer verwandelnd. – Es war, als würden zürnende Dämonen den Brand mit unsichtbaren Geisterhänden in toller Wut über das ohnmächtige Städtchen wälzen.«

Standort des Fotografen: 47.883974, 8.344235

Blick vom Maienland zum Alenberg, ca. 1950

Verlag A. Rebholz, Löffingen | Sammlung Familie Waßmer | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Pia und Alfons Durst zur Verfügung.

Der Blick fällt über Gärten im Maienland hinweg in Richtung Alenberg. Obstbäume in voller Blüte stehen im Vordergrund, denn es ist ein sonniger Frühlingstag. Am linken Bildrand ist der Hof vom Haus Kuster (Maienlandtstr. 7) zu sehen. An der Einmündung zur Rötengasse steht das Haus Egle (Maienlandstr. 8). Die Rötengasse ist noch nicht begradigt. Am linken Bildrand ist die alte Bruchsteinmauer erkennbar. Auf dem Nachbargrundstück steht das Kindererholungsheim Gugelberger (Maienlandstr. 6). Darüber thronen die Häuser der Alenberstraße, die größtenteils nach dem Großbrand 1921 neu erbaut wurden. Besonders ins Auge sticht das Haus Benitz (Alenbergstr. 7-9), das nicht zu unrecht den Beinamen das »Hohe Haus« trägt. Ganz oben auf dem Alenberg ist der Kurpark zu erkennen. Noch steht dort ein hölzerner Pavillon.

Das Foto wird von einem erhöhten Standort aus aufgenommen, vermutlich aus einem Fenster des Hauses Faller (Bahnhofstr. 3) heraus.

Standort des Fotografen: 47.884661, 8.341677

Haus Adrion in der Alenbergstraße, 1955

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Fritz Adrion zur Verfügung.

Nach dem Großbrand von 1921 erwarb der Gipsermeister Fritz Adrion (1897-1971) im Jahr 1923 ein Grundstück in der Alenbergstraße. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Rosa Adrion (geb. Berger, 1898-1973) ließ er dort ein einstöckiges Wohnhaus errichten, an das sich Werkstatt und Scheune anschlossen.

Das Foto zeigt das Anwesen 1955. Neben dem Eingang ist ein kleiner Vorgarten angelegt. An der Fassade ist Tannenreisig befestigt – ein Hinweis darauf, dass die Aufnahme wohl an Fronleichnam entsteht.

Standort des Fotografen: 47.886463, 8.343046

Haus Durst in der Alenbergstraße, Juli 2012

Sammlung Familie Waßmer

Dass dieses Gebäude bereits 1778 errichtet wurde, wie die Jahreszahl über dem Türsturz verrät, ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Zu viele Veränderungen haben das Aussehen des Hauses Durst (Alenbergstr. 2) in den vergangenen Jahrzehnten geprägt.

Das ursprünglich zweigeschossige Gebäude wurde um ein drittes Stockwerk erweitert, wodurch die Dachform heute ungewöhnlich wirkt. Auch der einstige Ökonomiebereich ist verschwunden: Wo früher Stalltüren und Scheunentore waren, befinden sich nun Fenster, Balkone und Garagentore. Das Haus erzählt damit von der Wandlung eines landwirtschaftlichen Anwesens hin zu einem modernen Wohnhaus, das sich den Bedürfnissen der Zeit anpasst.

Standort des Fotografen: 47.884914, 8.344720

Haus Durst in der Alenbergstraße, ca. 1976

Stadtarchiv

Von der Ringstraße aus fällt der Blick auf das Haus Durst (Alenbergstr. 2) – ein Haus im Wandel, im Übergang von bäuerliclandwirtschaftlicher Nutzung zu einem reinen Wohngebäude. Die Aufnahme zeigt eine Zwischenphase: Zwar ist das Gebäude bereits um ein Stockwerk aufgestockt, doch der Ökonomieteil mit seinem großen Scheunentor im Rundbogen und der kleinen Stalltür daneben ist noch unverkennbar.

Auch im Wohnbereich wird der Umbau sichtbar: Während im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss noch die alten Sprossenfenster erhalten sind, zeigen die neu eingesetzten Fenster im zweiten Obergeschoss bereits die modernisierte Formensprache.

Wenige Jahre später wird der Ökonomiebereich ganz verschwinden. Der landwirtschaftliche Bereich wird zu Wohnungen umgebaut, Balkone entstehen, das Scheunentor wird durch Garagentore ersetzt. So hält das Foto den Moment fest, in dem Vergangenheit und Zukunft architektonisch nebeneinanderstehen.

Standort des Fotografen: 47.884784, 8.344790

Haus Beha in der Alenbergstraße, 2000

Sammlung Familie Waßmer

Die gesamte Häuserzeile in der Alenbergstraße trägt die Handschrift der Wiederaufbaukommission nach dem Großbrand von 1921. Einheitlich in Proportion und Gestaltung entstanden, bilden die Häuser bis heute ein geschlossenes Straßenbild.

Das Haus Beha (Alenbergstr. 10), das Hermann Beha und Hildegard Beha gehört, zeigt noch diesen ursprünglichen Zustand. Links liegt der Ökonomiebereich mit den großen Scheunentoren und Stalltür, rechts der Wohnbereich mit Haustür nebeneinander. Fensterläden gliedern die schlichte Fassade und geben ihr den typischen Charakter der 1920er Jahre. Lediglich die Dachgaube verrät eine spätere Veränderung – ein stiller Hinweis darauf, dass auch in diesen Häusern der Wandel nicht aufzuhalten ist. Doch noch immer lässt sich am Haus Beha die klare Sprache des Wiederaufbaus ablesen.

Standort des Fotografen: 47.885552, 8.343944

Familie Kuster am Tisch in der Stube, ca. 1930-1933

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Konrad Kuster zur Verfügung.

Die Stube ist schlicht, aber behaglich: geblümte Tapeten, ein Kruzifix an der Wand, eine elektrische Lampe, deren Stoffschirm tief über dem Tisch hängt. Unter ihr sitzt die Familie Kuster zum gemeinsamen Mahl. Der Tisch ist mit einer schweren Damastdecke gedeckt, Schüsseln mit dampfendem Essen stehen bereit. Die Blicke sind ernst, die Haltung aufrecht – der Fotograf hat einen besonderen Moment eingefangen.

Am oberen Tischende sitzt Adolf Kuster (1874-1946), der Hausherr. Er ist von 1920 bis 1933 Bürgermeister des Baarstädtchens, bis er durch die Nationalsozialisten im Zuge der »Gleichschaltung« abgesetzt wurde. Bis heute trägt das Haus der Familie auf dem Alenberg den Hausnamen »s’Bürgermoasters«. Neben ihm sitzen seine Ehefrau Maria Kuster (geb. Ehrath, 1883-1961), mit der er seit 1906 verheiratet ist, und mehrere Kinder.

V.l.n.r.: 1 Agathe Kuster oder Anna Kuster (abgeschnitten), 2 Franz Kuster (1913-1943), 3 Konrad Kuster (1921-?), 4 Adolf Kuster (1874-1946), 5 Maria Kuster (geb. Ehrath), 6 Anna Kuster (verh. Schelling 1919-2010)

Das Schicksal meint es nicht leicht mit der Familie: Beim Großbrand 1921 war ihr Anwesen auf dem Alenberg zerstört und danach neu erbaut worden. Die Absetzung als Bürgermeister kränkt den tiefgläubigen Katholiken Adolf Kuster bis an sein Lebensende. Und der Tod des Sohnes Franz Kuster als Soldat 1943 wird zum schwersten Schlag. Adolf Kuster stirbt am 23. Juli 1946 im Alter von 71 Jahren, seine Witwe Maria folgt ihm 1961.

Standort des Fotografen: 47.886337, 8.343333

Kind beim Schlittenfahren in der Alenbergstraße, ca. 1955-1960

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Pia Durst zur Verfügung.

Ein Wintertag am Alenberg: Die Straße fällt steil hinunter zum Städtchen, eine perfekte Piste für alle Kinder – zumindest in Zeiten, als Autos noch selten fahren. Auf dem Schnee sitzt ein kleines Mädchen entschlossen auf seinem Schlitten, die Hände fest am Lenkseil, der Blick ernst und voller Vorfreude. Gleich geht es los, rasant die Straße hinab.

Im Hintergrund sind die Häuser Himmelseher (Alenbergstr. 12) und Ganter (Alenbergstr. 14) zu sehen. Seit dem Tod des Apothekers Erwin Himmelseher 1949 wohnt darin seine Witwe Sofie Himmelseher geb. Jordan, 1881-?). Das Nachbarhaus gehört dem Blechnermeister Otto Ganter (1881-1960) und seiner Ehefrau Johanna Ganter (geb. Selb, 1875-1962). Das Haus Ganter gehört zu den wenigen Gebäuden am Alenberg, die beim Großbrand 1921 nicht zerstört wurden.

Standort des Fotografen: 47.885585, 8.343909