5 Fotos: »Wieberfasnet« im Gasthaus »Linde«, Fasnacht 1962

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Für einen Abend verwandelt sich die Wirtsstube des Gasthauses »Linde« in ein Klassenzimmer. Sechs »Schülerinnen« haben auf einfachen Bänken Platz genommen und breiten ihre Hefte und Bücher vor sich aus. Dann betritt die »Lehrerin« den Raum – heute in Gestalt von Maria Hall. Die Klasse erhebt sich und der Unterricht kann beginnen.

Doch mit einer gewöhnlichen Schulstunde hat das Ganze natürlich wenig zu tun. Die Frauen führen einen Sketch bei der »Wieberfasnet« auf, die seit 1954 stattfindet und damit bereits zum neunten Mal gefeiert wird. Das Programm wird von Frauen für Frauen gestaltet. Der Mimik der Lehrerin nach zu urteilen, erweist sich ihre Klasse als ausgesprochen anstrengend: Mal scheinen die Schülerinnen begriffsstutzig, mal bringen sie ihre Lehrerin mit Fragen an den Rand des Nervenzusammenbruchs.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Marta Adrion, 2 Ursula Kopp, 3 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Margret Adrion, 2 Luise? Kienzler, 3 Olga Streit

Auch die Ausstattung der Wirtsstube fällt ins Auge. In der Ecke stehen ein großer Radioapparat und darüber ein Fernsehgerät. Radio und Fernsehen halten damit längst Einzug in die Gaststube – zu einer Zeit, in der noch keineswegs jeder Haushalt einen eigenen Fernseher besitzt. Bei besonderen Übertragungen kann das Gasthaus so zum gemeinschaftlichen Fernsehraum werden. Fußballspiele, Unterhaltungssendungen oder aktuelle Nachrichten lassen sich gemeinsam verfolgen. Ob auf diesem Bildschirm im Jahr zuvor etwa die Bilder vom Bau der Berliner Mauer zu sehen waren, wissen wir nicht – möglich wäre es jedenfalls.

Für die »Wieberfasnet« bleibt der Fernseher an diesem Abend jedoch dunkel. Das Unterhaltungsprogramm findet unmittelbar davor statt – und wird von den Frauen selbst bestritten.

Standort des Fotografen: 47.884277, 8.346539

Familie Glunk bei der Heuernte im »Breitenfeld«, 1962

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Ursula Glunk zur Verfügung.

Die Heuernte ist in vollem Gang. Auf dem Feld im Gewann »Breitenfeld« wird das getrocknete Gras zusammengerecht und auf den Wagen geladen. Ein Traktor steht bereit, dahinter türmt sich das Heu bereits hoch auf. Oben auf dem Wagen steht jemand und verteilt die Ladung, damit möglichst viel darauf passt und nichts herunterfällt.

Alle helfen mit. Mit Rechen und Heugabeln wird das Heu zusammengetragen, aufgeladen und festgestampft. Die Arbeit ist mühsam und schweißtreibend, zumal das Feld nicht gerade vor der Haustür liegt. Das landwirtschaftliche Anwesen der Familie Glunk befindet sich im Maienland, das »Breitenfeld« dagegen am anderen Ende der Löffinger Gemarkung.

Am Rand steht eine Kurgästin mit Fotoapparat und schaut zu. Für sie ist die Heuernte offenbar ein interessantes Motiv, vielleicht sogar ein Stück ländlicher Idylle. Für Familie Glunk hingegen ist es vor allem Arbeit, bei der jede helfende Hand gebraucht wird. Das Foto selbst wird von einem anderen Zuschauer aufgenommen – vielleicht ebenfalls einem Kurgast? Private Farbfotografien sind Anfang der 1960er Jahre noch eine Seltenheit.

Standort des Fotografen: 47.871834, 8.369776

Einschulung der Erstklässler mit Lehrerin Klose, 1962

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Lore Fehrenbach und Michael Fehrenbach zur Verfügung.

Noch beginnt das Schuljahr nicht nach den Sommerferien, sondern bereits an Ostern. Deswegen tragen die Erstklässler*innen am Tag ihrer Einschulung auch keine leichte Sommerkleidung, sondern sie sind recht warm angezogen. Aber Schultüten haben sie auch jetzt schon. Und stolz lächeln sie in die Kamera – wie die Jahrgänge vor und nach ihnen. Ihre Klassenlehrerin Waltraud Klose, die aus Westpreußen stammt, unterrichtet bereits seit 1953 an der Volksschule Löffingen.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Cornelia Münzer, 2 ???, 3 ???, 4 Margot Götz (verh. Egy), 5 Eugen Münzer, 6 Michael Durst (?-2025)
2.Reihe, v.l.n.r.: 7 ???, 8 ???, 9 ???, 10 ???, 11 Roland Mürb, 12 Klaus Längin (1955-2011)
3.Reihe, v.l.n.r.: 13 ???, 14 ???, 15 Hedwig Scholz , 16 Manuela Köpfler, 17 Günther Pfeifer
4.Reihe, v.l.n.r.: 18 Gertrud Lux (verh. Feser), 19 ???, 20 Angela Kuster, 21 Lore Fehrenbach, 22 Andrea Heiler (verh. Dobler), 23 Konrad Jonner, 24 Karl Bank, 25 Rudi Straetker
5.Reihe, v.l.n.r.: 26 Karl-Egon Honold (1955-2008), 27 ???, 28 Klaus Maier, 29 Werner Maier, 30 ???, 31 ???
6.Reihe, v.l.n.r.: 32 ???, 33 ???, 34 ???, 35 Willi Göpper (1954-2020), 36 ???, 37 Lehrerin Waltraud Klose

Zu sehen ist der Jahrgang 1955. Ihm gehören vermutlich u.a. an: Gerda Bausch, Hannelore Frey, Jürgen Jonner, Anni Nickel, Eveline Seidenberg, Peter Studer, Erika Wörwag.

Standort des Fotografen: 47.882309, 8.347886

Tankstelle an der Bundesstraße 31, 1962

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Thomas Scherer zur Verfügung.

»BP« steht für »British Petroleum«. In Deutschland heißt die Tochtergesellschaft des Ölunternehmens »BP Benzin- und Petroleum-Gesellschaft mbH«. Die Firmenfarben sind gelb-grün, wie auf dem Foto leicht ersichtlich ist. Zu sehen ist die Bundestraße 31, die nicht mehr durch das Städtchen, sondern als Umgehungsstraße an ihm vorbei führt. Viel Verkehr herrscht auf dem Foto nicht. Aber die Momentaufnahme täuscht und eine Tankstelle (Fürstenbergstr. 25a) wird natürlich trotzdem benötigt. Sie wurde 1961 erbaut. Erster Pächter ist Willi Scherer.

1964 folgen ihm als Betreiber Familie Waldmann, später Herr Veigle und ab ca. 1973 Paul Vögtle.

Standort des Fotografen: 47.888310, 8.348465

2 Fotos: »Laternenbrüder« am Demetriusbrunnen, Fasnacht 1962

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Erwin Mayer zur Verfügung.

Die »Laternenbrüder« stellen sich am Demetriusbrunnen zu einem Gruppenfoto auf. Sie tragen blaue Fuhrmannskittel und schwarze Rundhüte. Nicht nur die aktiven »Laternenbrüder« kommen mit auf das Erinnerungsfoto, sondern auch einige altverdiente Mitglieder. Sie nehmen den Narrenvater Karl Guth (1961/62) in ihre Mitte. Auf der Standarte mit der Laterne ist die Jahreszahl »1840« zu entziffern, obgleich die »Laternenbrüder« offiziell erst 1889 gegründet wurden. Aber vielleicht erfolgte damals nur eine Wiedergründung?

Mit auf das Foto darf eine Schar Kinder: Sie tragen ebenfalls einen Rundhut oder eine weiße Zipfelmütze. Vier von ihnen halten außerdem eine Laterne in die Kamera, das Symbol des Vereins. Wenn sie erwachsen sind, werden sie vielleicht in die Fußstapfen ihrer Väter treten und ebenfalls »Laternenbrüder« werden.

1.Reihe (Kinder), v.l.n.r.: 1 Erwin Mayer, 2 Michael Guth, 3 Willi Mayer, 4 ???, 5 ???, 6 Gerhard Pfeiffer
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Rudolf Selb, 2 Fritz Fehrenbach, 3 Josef Bader, 4 Karl Glunk, 5 Hans Müller, 6 Josef Benitz jr., 7 Narrenvater Karl Guth, 8 Hugo Schropp, 9 Josef Guth, 10 Josef Frei, 11 Julius Limb, 12 Hans Schwarz, 13 Joseph Benitz sen., 14 Paul Benitz, 15 Bernhard Strobel, 16 Wilhelm Krauß, 17 Franz Fehrenbach, 18 Narrenpolizist Fritz Göpper

Standort des Fotografen: 47.883808, 8.343755

Skispringen am »Walze Bergle« im Maienland, 1962

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Bernhard Adrion zur Verfügung.

Nein, auf diesem Foto ist nicht die 1950 gebaute Hochfirstschanze in Neustadt zu sehen, und der Skispringer ist nicht der Olympiasieger und dreimalige deutsche Meister Georg Thoma (geb. 1937).

Das Foto wird am »Walze Bergle« im Maienland aufgenommen. Der kleine Hügel ist benannt nach dem Haus Walz (Maienlandstr. 47), das am rechten Bildrand zu sehen ist. Es gehört dem Polizeisekretär Karl Walz (1891-1969) und dessen Ehefrau Anna Walz geb. Frey (1900-1992). Direkt daneben befindet sich eine Skipiste mit Schanze. Nachmittags nach der Schule treffen sich die Kinder hier zum Wintersport. Gerade springt Bernhard Adrion (geb. 1951) und fliegt elegant durch die Luft. Vier bis acht Meter sind durchaus zu schaffen.

Im Hintergrund ist das Haus Fehrenbach (Maienlandstr. 30) zu sehen, das auf der gegenüber liegenden Straßenseite steht.

Standort des Fotografen: 47.888963, 8.341587

Kommunionkinder vor dem Kirchenportal, 1962

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Bernhard Adrion, Christoph und Marlies Müller sowie Rita Bölle zur Verfügung.

Die katholischen Kinder des Jahrgangs 1951/52 aus Löffingen und Seppenhofen feiern zusammen am »Weißen Sonntag« die Erstkommunion. Gemeinsam versammeln sie sich für ein Erinnerungsfoto vor dem (südlichen) Kirchenportal der Pfarrkirche St. Michael. Der Kirchturm ist frisch verputzt. Vorher konnte man das Mauerwerk sehen.

1.Reihe, v.l.n.r.: Renate Adrion (verh. Schelb), Marietta Mürb, Erika Geisinger, Marlies Müller, Claudia Benz (Seppenhofen), Gertrud Brunner, Gerlinde Meder, Ursula Weiß (verh. Moch), Veronika Kaltenbrunner (verh. Ruf)

2.Reihe, v.l.n.r.: ???, Edith Satler (Seppenhofen), Luzia Trenkle (verh. Vierlinger), Renate Trenkle (verh. Obert), Carola Keller, Ursula Schelling, Annemarie Hryzuniak, Priska Nickel (verh. Winterhalder), Helga Schwörer (verh. Saar), Irmgard Guth, Eva Guth, Marlies Heizmann, Rosa Guth (Seppenhofen)

3.Reihe, v.l.n.r.: Klaus Baader, Hanspeter Kuster, Klaus Heizmann, Josef Jäger, Josef Brunner, Michael Kasprowicz, Manfred Kienzler, Ernst Effinger, Josef Wölfle, Rolf Beck

4.Reihe, v.l.n.r.: Winfried Vogt, Walter Hauser, Georg Dieterle, ???, Johann Brunner (Seppenhofen), Daniel Fehrenbach, Bernhard Adrion

Standort des Fotografen: 47.882779, 8.344261

2 Fotos: Blick vom Reichberg auf das verschneite Städtchen, 1962

Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Wolfgang Lüdemann-Ravit zur Verfügung.

Es ist ein sonniger Wintertag. Still und friedlich liegt das Städtchen in der Talmulde zwischen Reichberg und Alenberg. Schon seit einigen Jahren wächst das Städtchen über die Bahnlinie hinaus. Zunächst entstanden die Häuser in der Bonndorfer Straße, jetzt wird das Gewann »Im kleinen Brühl« bebaut. Mehrfamilienhäuser entstehen, neue Straßen wie die Gartenstraße und die Scheffelstraße werden angelegt. Das Gewann »Breiten« wird kurze Zeit später ebenfalls als Neubaugebiet erschlossen.

Standort des Fotografen: 47.879007, 8.342917

Große Hexe auf dem oberen Rathausplatz, Fasnacht 1962

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Wolfgang Lüdemann-Ravit zur Verfügung.

Die große Hexe hatte bereits 1958 ihren ersten Auftritt. Und groß ist wörtlich gemeint, denn mit einer Höhe von 5,80 Meter passte sie nicht durch das Mailänder Tor. Vier Jahre später ist die große Hexe immer noch ein beliebtes Fotomotiv beim Fasnachtsumzug und ein Erkennungszeichen der Löffinger Hexengruppe.

Auf dem Wagen fährt eine weitere Hexe mit, die bereits im ersten einheitlichen »Häs« der Hexengruppe gekleidet ist, allerdings noch nicht mit gelber Schürze und einem braunen mit schwarzen Karos versehenen Rock.

Standort des Fotografen: 47.883903, 8.344790

2 Fotos: Turnerriege bei der Weihnachtsfeier des Turnerbundes, 1962

Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Der Turnerbund feiert seine Weihnachtsfeier in der holzvertäfelten Turnhalle. Dabei wird natürlich auch geturnt! Eine Turnerriege tritt in ihrer weißen Sportkleidung an. Dann schwingen sich die neun Turner in den Handstand empor. Da sie dies auf unterschiedlichem Untergrund tun, auf dem Hallenboden, auf einem Stuhl oder einem Tisch, bildet sich eine schöne Pyramide.

V.l.n.r.: Robert Rosenstiel, Rolf Fehrenbach, Willi Fehrenbach, Hans Streit, Walter Egle, Hans Schneider, Richard Zepf, Hans Jordan (1923-2002), Josef Heiler

Standort des Fotografen: 47.882892, 8.347652

Trachtengruppe auf der Jungviehweide, 1962

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Priska Zemann zur Verfügung.

Soviel Besuch bekommen die Jungrinder auf der Jungviehweide selten. Heute gibt sich die Trachtengruppe ein Stelldichein, um ein Gruppenfoto aufzunehmen. Das Motiv mit den Rindern an der Viehtränke, vor einem Holzstall und daneben eine Schwarzwaldtanne, ist einfach zu pittoresk. Als colorierte Ansichtspostkarte findet das Foto Verbreitung.

Die Entstehung der Jungviehweide geht in das Jahr 1896 zurück. Als der Getreideanbau Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend unrentabel wurde und auch der tradtionsreiche Kornmarkt wegbrach, wollte die Stadtgemeinde die Viehzucht fördern. Auf den alten Weidengeländen der Gewanne »Burg« und »Witterschnee« sowie der Stadtwiese legte sie eine Jungviehweide an. Die Stadtgemeinde stellte das Gelände zur Verfügung und verpachtete er fortan. Betrieben wurde die Jungviehweide aber ab 1899 vom Landkreis Freiburg. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Weidebetrieb vorübergehend eingestellt, doch bereits 1927 wurde die Jungviehweide wieder in Betrieb genommen, jetzt als Jungviehweide des Landkreises Neustadt. Damals umfasste sie 33,2 Hektar Weidefläche für rund 80 Jungrinder.

V.l.n.r.: Albert Benitz, Elisabeth Isele, Karl Koch, Hildegard Beha, Melitta Fehrenbach, Walter Selb (1929-2002), Ulrich Fehrenbach, Emma Selb, Dieter Vierlinger mit der Gitarre, Siegfried Dieterle, Olga Streit, Engelbert Müller.

Standort des Fotografen: 47.896016, 8.337714

Julius Limb mit Enkelinnen, 1962

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Gaby Vogt zu Verfügung.

Wenige Jahre vor seinem Tod entsteht dieses Familienfoto von Friseurmeister Julius Limb (1883-1968) mit seinen zwei Enkeltöchtern. Links ist seine Enkelin Beate Geisinger (verh. Hofmeier, geb. 1954) und rechts seine Enkelin Dorothea Geisinger (verh. Kasprowicz, geb. 1950) zu sehen. Beide Enkeltöchter werden später das Friseurhandwerk erlernen.

Standort des Fotografen: 47.883482, 8.343642