Kirchstraße, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Von der Kirche aus fällt der Blick die leicht gebogene Kirchstraße hinauf. Links steht im Vordergrund das Haus des Seifensieders Anton Benz (Kirchstr. 12) mit seinem markanten Staffelgiebel. Gleich daneben führt ein kleiner Tordurchgang in die Eggertenstraße. Auf der rechten Straßenseite ist das Haus des Sattlermeisters Ernst Geisinger (Kirchstr. 21) zu sehen. Holzstapel und landwirtschaftliches Gerät lagern unmittelbar im Straßenraum, ein paar Hühner laufen frei umher. Weiter oben steht einer der steinernen Laufbrunnen, die noch zum alltäglichen Straßenbild gehören.

Die Kirchstraße ist noch ganz selbstverständlich ein Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsraum zugleich. Vor den Häusern wird Holz gelagert, Tiere bewegen sich auf der Straße, und der Brunnen dient der Wasserversorgung von Menschen und Vieh. Das Haus Geisinger und mehrere angrenzende Gebäude auf der rechten Straßenseite werden wenige Jahre später beim Brand von 1929 zerstört.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 11 unter der Überschrift »Blick von der Kirche in die Seitengasse«. Sie gehört zu den 28 Fotografien, mit denen der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg und Schriftleiter der Zeitschrift, seinen Rundgang durch Löffingen illustriert. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift richtet ihr Augenmerk besonders auf historische Bauformen, gewachsene Ortsbilder und regionale Besonderheiten.

Wingenroth gefällt die Kirchstraße gerade wegen ihres unregelmäßigen, alten Erscheinungsbildes. Er beschreibt sie als »langes gebogenes Gäßlein«, in dem einige der ältesten Häuser mit »gotischen Gewänden« auffielen. Besonders angetan ist er vom steinernen Laufbrunnen und schwärmt von einer früheren Zeit, »die solchen Brunnen so hübsch in die Straße setzte«. Nur eines stört seinen vom Heimatschutz geprägten Blick: der Drahtzaun am Kirchplatz. Aber der befindet sich im Rücken des Fotografen und ist nicht in diesem Bild zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.882911, 8.344179

Oberer Rathausplatz mit Rathaus und früherem Gasthaus »Sonne«, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Mitten auf dem oberen Rathausplatz steht frei das Rathaus und teilt den Platz in zwei Bereiche: in den oberen Rathausplatz und den unteren Rathausplatz. Links daneben erhebt sich das frühere Gasthaus »Sonne« (Rathausplatz 9-10). Der Gastbetrieb ist zu diesem Zeitpunkt bereits eingestellt. Daneben markieren kleine Bäumchen den Bereich des Schulhofs, denn das Rathaus dient zugleich als Schulhaus. Einige Personen bewegen sich über den ansonsten ruhig wirkenden Platz.

Seine dritte Funktion als Kaufhaus hat das Rathaus seit der Jahrhundertwende verloren. Nur noch die großen rundbogigen Türen im Erdgeschoss, die einst zur Markthalle führten, erzählen vom früheren Marktgeschehen. Vor dem Gebäude steht der Rathausbrunnen mit der Figur der »Schnitterin«. Auch sie erinnert an die Bedeutung Löffingens als Marktort und insbesondere an den einst wichtigen Kornmarkt der Baar.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 10 – allerdings mit einer falschen Bildunterschrift: »Rathaus und Gasthaus zum Löwen«. Tatsächlich ist links neben dem Rathaus nicht der »Löwen«, sondern die »alte Sonne« zu sehen. Das Foto gehört zu den 28 Ansichten, mit denen der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) seinen neunseitigen Rundgang durch Löffingen illustriert. Als Schriftleiter der vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebenen Zeitschrift richtet er seinen Blick besonders auf Architektur und gewachsene Stadtbilder.

Das freistehende Rathaus gefällt Wingenroth ausgesprochen gut. Er beschreibt, wie »wirksam« es in der Mitte des Platzes stehe, und lobt »die Geschlossenheit seiner Bauerscheinung«. Besonders gelungen erscheint ihm, dass das Gebäude den Rathausplatz »gut in zwei Hälften« teilt. Diese städtebauliche Wirkung lässt sich auf der Aufnahme sehr schön nachvollziehen.

Standort des Fotografen: 47.884155, 8.345170

Unterer Rathausplatz mit Demetriusbrunnen, ca. 1954-1960

Verlag A. Rebholz | Sammlung Familie Waßmer

Neu präsentiert er sich auf dem unteren Rathausplatz: der wiedererrichtete Demetriusbrunnen. Der ursprüngliche Brunnen war bei einem Fliegerangriff am 25. April 1945 zerstört worden. Die Explosion war so heftig, dass sogar der verdohlte Stettbach aufriss. Die Statue selbst blieb jedoch unversehrt und stürzte lediglich in das geöffnete Bachbett. Oswald Laufer (geb. 1930) und Valentin Maier (1901–?) bargen sie und brachten sie in Sicherheit auf das Rathaus. 1954 wurde der Brunnen schließlich neu aufgebaut – nun leicht zurückgesetzt, um der Straße mehr Raum zu geben.

Auf dem Foto sind das Rathaus und davor das Kriegerdenkmal von 1870/71 zu erkennen. Es wirkt etwas verloren; statt des alten schmiedeeisernen Gitters umgibt nun ein einfacher Maschendrahtzaun das Denkmal. Links ragt der Staffelgiebel des Hauses von Viktor Fuß (Rathausplatz 5) ins Bild, in dem er seit 1935 seine Bäckerei und sein Café betreibt. An der Seitenwand des Nachbarhauses (Rathausplatz 4) prangt die Aufschrift »M. Rohrer Metzgerei« – Metzgermeister Max Rohrer führt dort seit 1938 sein Geschäft. Ein Kind mit Fahrrad steht mitten auf der Straße, und der große Schatten im Vordergrund, der sich über den Asphalt legt, stammt vom Gasthaus »Adler«.

Standort des Fotografen: 47.883698, 8.343627

»Scharfes Eck« in Richtung Alenbergstraße, 1973

Dieses Bild stellten und dankenswerterweise Brigitte und Günter Leber zur Verfügung.

Der Fotograf hat dieses Farbbild vom »Scharfen Eck« in der Oberen Hauptstraße aus aufgenommen. Am linken Bildrand ist der Seitengiebel vom »Gasthaus Ganterbräu« zu sehen. Ein Kind steht am Brunnen und spielt mit dem Wasser.

Auf der anderen Straßenseite ist das frühere »Eichhäusle« zu sehen (Obere Hauptstr. 1), das im Besitz von Familie Jordan ist, die das »Küferstüble« betreibt. Davor parkt ein Lieferwagen. Bierkisten werden gerade auf- oder abgeladen. An der Fassade ist das Sgraffito von Friedrich Knödler (1920-1988), eine Darstellung des heiligen Christophorus, zu erkennen. Der aus der Heilbronner Gegend stammende Künstler war seit 1964 in Löffingen wohnhaft.

Der Blick fällt auf die Shell-Tankstelle von Peter Sibold und seiner Ehefrau Gertrud (Alenbergstr. 1). Die beiden betrieben sie bis zu ihrer Schließung 1985. Im Hintergrund sind in der Alenbergstraße die Häuser von Landwirt Johann Kirner (1920-2001) und von Bergmann Robert Hörner (1927-2014) und seiner Ehefrau Lina geb. Kirner zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.884424, 8.345750

Haus Sibold in der Kirchstraße, 1973

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Brigitte und Günter Leber zur Verfügung.

Bei diesem Blick in die Kirchstraße stehen die Häuser im Vordergrund, die beim Großbrand 1929 abbrannten und dann neu mit Staffelgiebeln wiederaufgebaut wurden. Das Haus von Landwirt Adolf Sibold (Kirchstraße 19) mit seiner rötlichen Fassade brannte knappe zehn Jahre nach dem Entstehen dieser Farbfotografie erneut ab.

Im Hintergrund sind das Haus Walz mit dem Ladengeschäft, die Bäckerei Zahn und das Haus Schelling zu erkennen. Beim Haus Schelling wird gerade der Ökonomieteil umgebaut und ein Garagentor eingesetzt. Einige Jahre später wird es seinerseits durch das »Postbögle« ersetzt, um einen Durchgang von der Kirchstraße in die Bittengasse und in Richtung Postamt und Schule zu ermöglichen.

Standort des Fotografen: 47.883068, 8.344496

Blick vom Kirchturm in Richtung Seppenhofen, 1961

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Karl Hauger zur Verfügung.

Farbfotos sind Anfang der 1960er Jahre noch eine Seltenheit. Dieses Foto ist Teil einer Serie, die einen Rundumblick vom Kirchturm herunter dokumentiert.

Der Blick schweift in diesem Foto über die Häuser in der Seppenhofer Straße in Richtung Bahnlinie mit der Bonndorfer Straße und der neu angelegten Gartenstraße auf der anderen Seite des Bahndamms. Eine rege Bautätigkeit hat eingesetzt: In der Gartenstraße sind neue Gebäude entstanden, aber auch in der Bildmitte ist ein neues Einfamilienhaus neu gebaut (Seppenhofer Str. 6).

Standort des Fotografen: 47.882646, 8.344120

Blick vom Kirchturm auf die Seppenhofer Straße und den Pfarrweg, ca. 1936-1940

Verlag A. Rebholz

Der Blick vom Kirchturm fällt auf die Häuser im Bereich »Härte«, in der Seppenhofer Straße. Vorne ist die Abzweigung zum Pfarrweg zu sehen. Neu gebaut ist das 1927 errichtete Haus von Blechnermeister Robert Geisinger (Seppenhofer Str. 4), das als einziges Haus über Staffelgiebel verfügt. Entlang des Straßenzugs ist das 1921 vergrößerte Krankenhaus (Seppenhofer Str. 7) zu sehen und am Ende der Straße das kleine Bahnwärterhaus (Seppenhofer Str. 20). Die Seppenhofer Straße führt über die Eisenbahnschienen hinweg weiter nach Seppenhofen. Jenseits der Bahnlinie sind die beiden Villen des Sägewerk Benz (Bonndorfer Str. 7-8) zu erkennen.

Weitere Häuser stehen noch nicht jenseits der Bahnlinie. Weder die Bonndorfer Straße noch die Gartenstraße existieren bereits. Und auch der Reichberg ist noch komplett unbebaut.

Standort des Fotografen: 47.882634, 8.344115

Blick vom Kirchturm in Richtung Seppenhofer Straße, ca. 1929

Verlag A. Rebholz
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Ende der 1920er Jahre wird dieses Foto vom Kirchturm herunter aufgenommen. Der Blick fällt auf die Häuser in der Seppenhofer Straße mit dem Krankenhaus (Seppenhofer Str. 7) in der Mitte. Im Hintergrund sind die beiden bereits gebauten Villen in der Bonndorfer Straße zu sehen, die der Familie des Sägewerkbesitzers Josef Benz gehören. Und am Horizont grüßen die ersten Häuser von Seppenhofen.

Bei der Datierung der Aufnahme hilft insbesondere das Haus Geisinger (Seppenhofer Str. 4) auf der rechten Straßenseite: Das zweistöckige Wohn- und Geschäftshaus von Blechnermeister Robert Geisinger (1882-1952) wurde 1929 neu gebaut. Die Fassade ist auf diesem Foto noch nicht verputzt. 

Standort des Fotografen: 47.882634, 8.344115

Gasthaus »Küferstüble« in der Oberen Hauptstraße, ca. 1975

Stadtarchiv

Mehr als 40 Jahre war in dem Haus Obere Hauptstraße 5 eine Küferwerkstatt. 1934 hatte sie Karl Jordan (1908-?) von seinem Bruder Wilhelm Jordan (1902-1970) übernommen. In den 1970er Jahren war damit Schluss. Karl Jordans Sohn Hermann (geb. 1935) gab das väterliche Geschäft auf und baute das Haus um: Anstelle der Tür, die früher links in einen kleinen Verkaufsladen führte, fügte er ein zusätzliches Fenster ein. Die frühere Werkstatttür rechts ersetzte er durch eine Rundbogen-Tür.  Darüber brachte er ein Wirtshausschild an: »Küferstüble«. Hermann Jordan betrieb die Gastwirtschaft zusammen mit seiner Frau Waltraud geb. Eckert.

Ein VW Käfer ist vor dem Haus geparkt. Das KFZ-Kennzeichen beginnt bereits mit »FR« für Freiburg und nicht mehr, wie vor der Kennzeichenreform 1973, mit dem Kürzel »NEU« für Neustadt.

Standort des Fotografen: 47.884466, 8.345866 

Küferei Jordan in der Oberen Hauptstraße, ca. 1950-1955

Dieses Bild stellte uns dankenswerterweise Anni Kaiser zur Verfügung.

Die Inschrift auf der Fassade über der Eingangstür ist verblichen. Nur noch bruchstückhaft zu entziffern sind die Worte: »Mech. Küferei v. Karl Jordan«. Doch die Fässer vor der Tür zeigen unübersehbar an, dass hier ein Küfermeister sein Geschäft betreibt. Karl Jordan (1908-?) hat es 1934 von seinem Bruder Wilhelm Jordan (1902-1970) übernommen. Dieser hatte das Grundstück 1923 erworben.  Anstelle eines Holzschopfs, Schweinestalls und Eiskellergebäudes, die zur benachbarten Restauration Selb gehört hatten und abgerissen wurden, errichtete er das zweistöckige Wohnhaus mit Küferwerkstatt und Laden.

Die Dachgaube und die Staffelgiebel waren im Laufe der 1930er Jahre dazugekommen. Auf dem Foto ist der hohe Nadelbaum verschwunden, der viele Jahre auf der Grenze zum Nachbarhaus stand und die Dächer überragt hatte. 

Standort des Fotografen: 47.884476, 8.346053

Haus Jordan in der Oberen Hauptstraße, ca. 1960-1965

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Anni Kaiser zur Verfügung.

Vor der geöffneten Werktstatttür steht der Küfermeister Karl Jordan (1908-?) und macht ein kleines Päuschen. Der Schriftzug »Mech. Küferei v. Karl Jordan«, der viele Jahre an der Fassade stand, ist verschwunden und durch »Karl Jordan Küferei« in Fraktur-Schrift ersetzt.

Standort des Fotografen: 47.884517, 8.345685

Junge am »Scharfen Eck« in der Oberen Hauptstraße, ca. 1939

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Anni Kaiser zur Verfügung.

»Mech. Küferei v. Karl Jordan« steht im Hintergrund  auf der Fassade des Hauses mit dem Staffelgiebel. Hier betreibt der Küfermeister Karl Jordan (1908-?) sein Geschäft, wie unschwer an den Holzfässern zu erkennen ist, die neben dem Hauseingang stehen. Der Sohn von Julius Jordan (1874-1961), der ebenfalls Küfermeister war, besitzt das Anwesen in der Oberen Hauptstraße seit 1934: Er übernahm es von seinem Bruder Wilhelm Jordan (1902-1970), der neuer Betreiber des Gasthauses »zum Löwen« wurde. Auf dem Foto ist die dritte Jordan-Generation zu sehen: Hermann Jordan (geb. 1935) läuft in kurzen Hosen und mit Regenschirm am Brunnen vorbei, der auf dem kleinen Platz am »Scharfen Eck« steht.

Im Hintergrund ist neben dem Haus Jordan die Apotheke von Erwin Himmelseher (1875-1949) zu erkennen, die er zusammen mit seiner Ehefrau Sofie geb. Jordan (1881-?) betreibt. Zwischen den beiden Gebäuden ragt eine hohe Tanne in den Himmel.

Standort des Fotografen: 47.884443, 8.345636