Blick von der »Wanne« auf das Städtchen, ca. 1980

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Vom Hang der »Wanne« aus öffnet sich der Blick über das winterliche Städtchen. Frischer Schnee liegt wie eine geschlossene Decke über den Dächern, Straßen und Gärten, dämpft Geräusche und lässt alles still werden. Im Vordergrund ragt eine verschneite Tanne und eine Kiefer ins Bild, ihre Äste schwer beladen, die den Blick des Fotografen bewusst rahmt. Sie verleiht der Ansicht eine weihnachtliche Note.

Unten breitet sich Löffingen aus: Reihen von Wohnhäusern, das Neubaugebiet in der »Breiten«, das in den 1960er Jahren entstand, gleichmäßig angeordnet und klar strukturiert, die Mehrfamilienhäuser kontrastieren mit dem gewachsenen Ortskern. Aus der Mitte des Städtchens erhebt sich der Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Michael, ein vertrauter Orientierungspunkt. Vor der »Hasle« sind die Festhalle und die Grundschule zu erkennen.

Der Winter zeigt sich an diesem Wintertag von seiner freundlichen Seite. Die klare Luft lässt die Konturen scharf hervortreten, der Himmel ist hell, die Sonne scheint. Rauch steigt aus einzelnen Kaminen auf und verrät das Leben hinter den verschlossenen Fenstern.

Standort des Fotografen: 47.880723, 8.339137

2 Fotos: Waldarbeiter mit gefälltem Baum, Winter 1951/52

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Inge Mayer zur Verfügung.

Nach getaner Arbeit gönnen sich die Waldarbeiter eine kurze Pause. Der mächtige Baumstamm, den sie eben erst zu Fall gebracht haben, liegt quer im verschneiten Stadtwald. Seine frische Schnittfläche leuchtet hell gegen die dunkle Rinde. Die Männer haben auf dem Stamm Platz genommen, lehnen sich an, stehen daneben, rauchen eine Pfeife oder lächeln in die Kamera.

Es ist Winter 1951/52. Schnee bedeckt den Waldboden, zwischen den hohen Bäumen liegt die Kälte in der Luft. Doch die schwere körperliche Arbeit hat warm gemacht. Mit Axt, Säge und Muskelkraft wurde der Baum gefällt – Motorsägen sind noch die Ausnahme, die Waldarbeit ist Handarbeit im wörtlichen Sinn.

zweites Bild
V.l.n.r.:
1 Johann Kirner (»Severs«), 2 Hans Maier jr., 3 Hans Maier sen., 4 Ernst Mayer (1934-2009)

Standort des Fotografen: ???

Waldarbeiter im Schneetreiben, 1978

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Konrad Kuster zur Verfügung.

Dichter Schneefall liegt über dem Wald, die Konturen verschwimmen im weißen Treiben. Auf einer kleinen Lichtung stehen mehrere Waldarbeiter, warm eingepackt in dicke Jacken und Mützen. Der Atem bildet Wolken in der kalten Luft. Auf dem Waldboden liegt zwischen Schnee und Matsch eine Rolle Draht und allerlei Schrott.

Die Forstarbeiter führen auch in der kalten Jahreszeit notwendige Arbeiten durch: Sturmschäden beseitigen, gefälltes Holz abtransportieren, Wege freihalten oder Maschinen reparieren. Zwei Autos stehen etwas weiter hinten, halb eingeschneit.

V.l.n.r.: 1 Ewald Werne (Reiselfingen), 2 Hermann Frey (Göschweiler), 3 ???, 4 ???

Standort des Fotografen: ???

Familie Benz bei der Heuernte am Ochsenberg, ca. 1940

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Adolf Benz zur Verfügung.

Ein sonniger Sommertag am Ochsenberg. Das Gras ist gemäht, getrocknet – jetzt muss es eingefahren werden, bevor das Wetter umschlägt. Für die Familie Benz ist das Hochsommeralltag. Gemeinsam stehen sie auf der Wiese, dicht am Ochsengespann, das den hohen Leiterwagen zieht. Die Erwachsenen führen die schweren Heugabeln und werfen die duftenden Bündel hinauf. Oben auf dem Wagen balanciert ein Junge und tritt das Heu fest, damit möglichst viel aufgeladen werden kann. Vermutlich ist es Adolf Benz (1930-2025).

Heuernte ist Familiensache – jede Hand wird gebraucht, vom jüngsten Kind bis zur Großmutter. Familie Benz wohnt in der Kirchstraße, doch ihr eigentliches tägliches Leben spielt sich draußen ab, auf den Feldern und Wiesen rund um Löffingen. Die schmale Baumallee im Hintergrund zeichnet die Landstraße nach Rötenbach nach.

Standort des Fotografen: 47.885150, 8.330410

Haus Roth in der Ringstraße, ca. 1910-1920

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Emma Kienzle zur Verfügung.

Das Haus Roth in (Ringstr. 6) ist ein zweigeschossiges Wohnhaus mit angebauter Scheune und Stall. Mehrere Spalierbäume wachsen an der Fassade hoch. Vor dem Haus liegen Holzbiegen ordentlich aufgeschichtet. Über eine kleine Treppe gelangt man zur Haustür im Erdgeschoss.

Aufgenommen wird die Szene wohl zwischen 1910 und 1920. Wenige Jahre später brennen die Häuser im Hintergrund beim Großbrand von 1921 ab.

Das Anwesen befindet sich zu diesem Zeitpunkt im Besitz von Theresia Roth (geb. Strobel, 1880-1956). Sie hatte es von ihren Eltern, dem Zimmermann Johann Baptist Strobel und seiner Ehefrau Sabina Strobel (geb. Welte), geerbt. Theresia Roth ist mit dem aus Dittishausen stammenden Landwirt und Maurer Josef Roth (1884-1948) verheiratet, der das Anwesen mit ihr bewirtschaftet. Deshalb hält sich viele Jahrzehnte lang der Hausname »s’Rothe«.

Standort des Fotografen: 47.883972, 8.343054

Haus Roth in der Ringstraße, ca. 1920

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Emma Kienzle zur Verfügung.

Das Haus Roth (Ringstr. 6) ist ein zweigeschossiges Wohnhaus mit angebauter Scheune und Stall. Es befindet sich im Besitz von Theresia Roth (geb. Strobel, 1880-1956), die es von ihren Eltern geerbt hat: dem Zimmermann Johann Baptist Strobel und seiner Ehefrau Sabina Strobel (geb. Welte). Theresia Roth ist mit dem aus Dittishausen stammenden Landwirt und Maurer Josef Roth (1884-1948) verheiratet.

An der Fassade wachsen mehrere Spalierbäume, deren Äste sorgfältig an der Hauswand geführt sind – ein typisches Bild früherer Nutzgärten, in denen jeder Quadratmeter zur Selbstversorgung genutzt wird. Links steht ein Apfel- und rechts ein Birnbaum. Vor dem niedrigen Holzzaun ist Feuerholz aufgeschichtet, zum Teil bereits ordentlich in einer Holzbiege gelagert. Der Eingang zum Haus erfolgt über eine Treppe, die zu einer offenen Tür im Erdgeschoss führt.

Erst auf den zweiten Blick lässt sich erkennen, dass sich nicht nur das Gebäude, sondern auch seine Bewohner*innen auf dem Foto verewigt haben: Im ersten Obergeschoss schauen mehrere Familienmitglieder neugierig aus den geöffneten Fenstern – kaum sichtbar, aber dennoch anwesend.

Standort des Fotografen: 47.883972, 8.343054

DRK-Schauübung beim Schulweg, Juni 1963

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Jutta Knöpfle zur Verfügung.

Löffingen hat gleich doppelt Grund zu feiern: Die Feuerwehr begeht ihr 100. Gründungsjubiläum und der Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes existiert ebenfalls bereits seit einem halben Jahrhundert. Vom 15. bis 17. Juni 1963 findet anlässlich des Doppeljubiläums ein dreitägiges Festprogramm statt.

Am Sonntag, den 16. Juni, wird um 11 Uhr bei der Volksschule eine große Schauübung der DRK-Bereitschaft veranstaltet. In Windeseile errichten die Helfer*innen ein Zelt und beginnen, Verletzte medizinisch zu versorgen – eine Demonstration der Einsatzfähigkeit und Organisation des Roten Kreuzes. Das Foto wird aus einem Fenster der Festhalle heraus aufgenommen. Der Blick fällt hinunter auf die Festhallenstraße und den Schulweg.

Rund um das Zelt hat sich eine große Menschenmenge versammelt. Männer und Frauen aller Altersgruppen verfolgen das Geschehen. Die weiße DRK-Fahne, die am linken Bildrand im Wind weht, unterstreicht den repräsentativen Charakter der Veranstaltung. Im Hintergrund erstreckt sich die damals noch unbebaute »Linde«-Wiese mit Obstbäumen, die zum gleichnamigen Gasthaus gehört. Wenige Jahre später wird auf diesem Gelände zunächst der Kindergarten und später auch die Realschule errichtet. Auch die Häuser in der Bittengasse und des Altstadtrings sind aus dieser Perspektive zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.883149, 8.347957

Umzug zur Stadterhebung in der Bahnhofstraße, 27. Mai 1951

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Bernhard Adrion zur Verfügung.

Leider herrscht nasskaltes Schmuddelwetter, als die Einwohner*innen Löffingens die Wiederverleihung der Stadtrechte feiern. Der große Festumzug anlässlich der Stadterhebung bewegt sich durch die Bahnhofstraße – und mittendrin rumpelt eine Postkutsche hinter einem Vierspänner über die aufgeweichte Fahrbahn. Die Pferde stapfen durch Pfützen, die Räder spritzen Schlamm, aber das historische Bild ist eindrucksvoll: Die Postkutsche erinnert an eine ganz besondere Episode in der Geschichte der Stadt – den sogenannten »Waldprozess«.

Im offiziellen Programm trägt der Wagen die Nummer 20. Dort heißt es: »1753 – Postwagen fährt zum Waldprozess nach Wien«. Gemeint ist der jahrelange Rechtsstreit, den die Stadt Löffingen im 18. Jahrhundert führte, um ihre Waldrechte zu verteidigen. Seit Jahrhunderten war der Besitz des Stadtwaldes für die Bürger überlebenswichtig – er lieferte Bauholz, Brennholz und Weiderechte. Doch diese Rechte wurden immer wieder in Frage gestellt, sodass die Stadt gezwungen war, bis vor die höchste Instanz nach Wien zu ziehen. 1753 reiste tatsächlich eine Abordnung aus Löffingen mit der Postkutsche in die kaiserliche Residenzstadt, um ihre Ansprüche geltend zu machen. Der Prozess zog sich über Jahrzehnte hin und kostete enorme Summen, brachte am Ende aber Klarheit: Die Waldrechte blieben in Löffinger Hand.

Vor der Postkutsche fährt ein weiterer Wagen mit der Aufschrift »1750 – Geigenbau in Rötenbach« und erinnert daran, dass auch das benachbarte Dorf auf eine lange Handwerkstradition zurückblickt.

Im Hintergrund des Fotos ist rechts das Haus Fehrenbach zu sehen, das der Kriegerwitwe Frieda Fehrenbach (geb. Blattert, 1911-2003) gehört. Das Haus hinten links, das zum Weberweg gehört, ist mit Reisiggirlanden geschmückt. Es ist das Anwesen von Franz Vogelbacher und seiner Ehefrau Berta Vogelbacher (geb. Hoch).

Standort des Fotografen: 47.884056, 8.341833

Junger Mann mit Moped, ca. 1955

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Edith Biedenbach zur Verfügung.

Vor einem Baum posiert ein junger Mann mit seinem Moped. Er inszeniert sich als »Halbstarker«: das Hemd lässig hochgekrempelt, eine Zigarette im Mundwinkel, die Sonnenbrille auf der Nase, die Haare sorgfältig nach hinten gegelt. Von einem Motorradhelm keine Spur – der würde nur die Frisur ruinieren. Ganz wie seine großen Vorbilder aus dem Kino – James Dean und Co. – strahlt er lässige Coolness aus.

Im Hintergrund zieht sich eine Baumallee über eine Anhöhe – vieleicht ist es die Landstraße, die nach Rötenbach führt.

Auf der Rückseite ist das Foto schlicht mit »Peter mit Moped« beschriftet. Peter [Nachname unbekannt] kam als Flüchtlingskind mit seiner Familie nach Löffingen.

Standort des Fotografen: ???

2 Fotos: Klassentreffen des Jahrgangs 1927/28 im Kurpark, 2004

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Vera Hepting zur Verfügung.

Und wieder ist der Jahrgang 1927/28 zu einem Klassentreffen zusammengekommen. Man besucht offenbar denn Friedhof, um verstorbener Klassenkamerad*innen zu gedenken. Neben dem Friedhof stellen sich die Teilnehmer*innen des Klassentreffens neben dem einstigen Grabstein von Steinhauer August Uhrig (1855-1935) auf.

oberes Foto
V.l.n.r.:
1 Irma Adrion (geb. Schmid, 1927-2019), 2 Lina Hörner (geb. Kirner), 3 Lore Sibold (geb. Hahn, 1928-2022), 4 Theo Walz (1927-2015), 5 Otto Selb (1927-2021), 6 Elisabeth Müller (geb. Egle, 1927-2020), 7 Maria Benz, 8 Hilda Bader (geb. Hermann)

unteres Foto
V.l.n.r.:
1 Elisabeth Müller (geb. Egle, 1927-2020), 2 Lina Hörner (geb. Kirner), 3 Lore Sibold (geb. Hahn, 1928-2022), 4 ???, 5 Hilda Bader (geb. Hermann), 6 Irma Adrion (geb. Schmid, 1927-2019), 7 Theo Walz (1927-2015)

August Uhrig war 1855 in Ottersdorf bei Raststatt geboren worden und Zeit seines Lebens unverheiratet geblieben. Er starb am 13. August 1935 im Alter von 80 Jahren und wurde auf dem Friedhof in Löffingen beerdigt. Seinen Grabstein hatte er selbst geschaffen. Als das Grab Jahrzehnte später aufgelöst wurde, landete der Stein hinter dem Bauhof auf einem Schuttberg. Dort entdeckte ihn Theo Walz, rettete ihn und ließ ihn neben dem Friedhof im Kurpark aufstellen.

Standort des Fotografen: 47.885293, 8.346712

Rauchfahne vom Benz-Kamin über dem Reichberg, 1967

Stadtarchiv

Eine dunkle Rauchfahne steigt in den Himmel. Der Kamin des Sägewerks Benz tut, was er immer tut: Er pustet die Abgase der Holzverarbeitung in die Luft, und die ziehen dann, je nach Windrichtung, über das Städtchen. Der Fotograf dieses Bildes ärgert sich darüber mächtig. Auf die Rückseite seines Fotos notiert er bissig: »Atmosphärischer Beitrag des Holzverarbeitungswerkes zum Luftkurort Löffingen. Aufnahme morgens gegen 8 1/2 Uhr, Frühjahr 1967«. Um seinen Ärger loszuwerden, reicht er die Aufnahme gleich an die Stadtverwaltung weiter – so wandert sie später in die Akten und irgendwann in das Stadtarchiv.

Für viele Löffinger aber bedeutet das Sägewerk Benz nicht Qualm und Belästigung, sondern Arbeit und Brot. Es ist ein Betrieb, der über Jahrzehnte Menschen beschäftigt, ihren Alltag prägt und auch das Ortsbild mitbestimmt. Kritik an den Rauchfahnen dürften manche daher kaum nachvollziehen können. Dass aber eine bessere Filterung der Abgase aus Gründen des Umweltschutzes dringend geboten wäre, steht auf einem anderen Blatt. Fünf Jahre später hat sich die Sache erledigt: Im November 1972 verliert der Kamin seinen Zweck, denn das Sägewerk stellt den Betrieb ein.

Standort des Fotografen: 47.879278, 8.338611

Radtour des SPD-Ortsvereins, ca. 1979

Sammlung Familie Waßmer

Die Fahrräder stehen dicht an dicht auf dem oberen Rathausplatz. Noch ist Zeit für ein Schwätzchen, bevor es losgeht: Karl Guth, Paul Bugger und Walter Maier plaudern gut gelaunt miteinander. Um sie herum herrscht reges Treiben, denn gleich soll die Radtour mit deinem prominenten Gast starten.

V.l.n.r.: 1 Karl Guth (1912-2002), 2 Paul Bugger (1916-1990), 3 Walter Maier (1927-?)

Bundesminister Rainer Offergeld (geb. 1937) ist zu Besuch in Löffingen. Seit 1978 gehört er dem Kabinett in Bonn an, zuständig für wirtschaftliche Zusammenarbeit, und seit einem Jahrzehnt sitzt er bereits im Bundestag. Der SPD-Ortsverein nimmt die Gelegenheit zum Anlass, eine gemeinsame Fahrradtour zu organisieren – nicht nur für Mitglieder, sondern auch für interessierte Bürger*innen. Politik zum Anfassen, ganz ohne großen Abstand zwischen Minister und Bevölkerung.

Hinter den Männern ragt der Rathausbrunnen mit der Figur der »Schnitterin« auf, zu deren Füßen Geranien blühen. Autos parken am Rand, Kinder wuseln zwischen den Fahrrädern, und die Stimmung ist locker.

Standort des Fotografen: 47.883872, 8.344734