Oberer Rathausplatz mit Haus Nägele und Postamt, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Breit öffnet sich der obere Rathausplatz vor dem früheren Fürstenbergischen Amtshaus. Das 1739 errichtete Gebäude ist inzwischen in zwei Haushälften unterteilt. Über dem Eingang der rechten Hälfte (Rathausplatz 2) ist noch das herrschaftliche »Allianzwappen« zu erkennen, das an die frühere Nutzung des Hauses erinnert. In alten Quellen wurde das Gebäude gar als »Schloss« bezeichnet. In der linken Hälfte (Rathausplatz 3) befinden sich nun das Postamt und das Geschäft des Buchbinders Anton Rebholz.

Gerade diese Mischung aus altem Amtshaus und neuer Nutzung prägt die Aufnahme. Die historischen Fassadenformen sind noch deutlich vorhanden, zugleich haben Ladeneinbauten und neue Fenster das Erscheinungsbild verändert. Das Postamt wirkt mit seinen auffälligen Fenster- und Türformen deutlich anders als die benachbarte ältere Bausubstanz.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 16 unter der Überschrift »Oberer Platz, Haus Nr. 2 von 1739 und Postamt«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg und Schriftleiter der Zeitschrift, betrachtet solche Veränderungen mit einem ausgesprochen kritischen Blick. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift widmet sich Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens und vertritt dabei deutlich die Ideale des Heimatschutzes.

Wingenroth stört sich zunächst am »Ladeneinbau« in der rechten Gebäudehälfte, der das mit Freitreppe, Rundbogentür und Wappen geschmückte Haus seiner Ansicht nach »entstellt«. Noch schärfer fällt sein Urteil über das Postamt aus: Dessen »neogotisierende Fenster« und die Tür fielen »ganz aus dem Rahmen der hier ortsüblichen Bauweise«; auch die Bemalung zwischen den oberen Fenstern missfällt ihm. Immerhin sieht er eine einfache Lösung: »Durch einen entsprechenden Anstrich« ließe sich manches mildern. Seine Kritik zeigt, wie stark er moderne Umbauten danach bewertet, ob sie sich seinem Ideal eines harmonischen, regionaltypischen Stadtbildes unterordnen.

Standort des Fotografen: 47.883958, 8.344790

Oberer Rathausplatz mit Gewerbeschule, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Vom Rathaus aus öffnet sich der Blick über den ansteigenden oberen Rathausplatz. Im Vordergrund steht der Rathausbrunnen mit der Figur der »Schnitterin«, die an die frühere Bedeutung des Platzes als Marktplatz erinnert. Die unregelmäßig angeordneten Häuser rahmen den Platz ein.

Besonders ins Auge fällt die Gewerbeschule (Demetriusstr. 1). Sie wurde nach dem verheerenden Brand von 1907 neu errichtet, bei dem mehrere Häuser in der Demetrius- und Ringstraße zerstört wurden. Mit ihrer Freitreppe, dem betonten Eingangsportal und einzelnen Jugendstil-Elementen ist sie das neueste Gebäude am Platz. Am rechten Bildrand sind das Wohn- und Geschäftshaus des Kaufmanns Wilhelm Vogt (Rathausplatz 13) sowie das Gasthaus »Ochsen« (Rathausplatz 12) zu erkennen. Der Rathausplatz selbst wirkt menschenleer.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 12 unter der Überschrift »Oberer Platz mit Gewerbeschule«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg und Schriftleiter der Zeitschrift, führt seine Leser*innen in seinem neunseitigen Beitrag anhand von 28 Fotografien durch Löffingen. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift richtet ihren Blick besonders auf Architektur, Ortsbilder und regionale Baukultur.

Wingenroth gefällt die städtebauliche Wirkung des Platzes. Er lobt die »unregelmäßige Führung« der Häuserzeilen und den Brunnen, dessen Figur er als »Ährenleserin« bezeichnet. Auch die neue Gewerbeschule findet seine Zustimmung: Mit Freitreppe und Portal gebe sie dem ansteigenden Platz »einen guten Akzent« und füge sich in Höhe und Dachform »trefflich« ein. Weniger begeistert zeigt er sich vom Geschäftshaus Vogt auf der rechten Seite, das seiner Ansicht nach durch einen »unglücklichen Ladeneinbau« gelitten habe. Es zeigt sich sein vom Heimatschutz geprägter Maßstab: Neues darf durchaus selbstbewusst auftreten, soll sich aber harmonisch in das gewachsene Stadtbild einfügen.

Standort des Fotografen: 47.883875, 8.344645

Blick zum Gasthaus »Lamm« und zur Kirche, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Zwischen den Häusern der Unteren Hauptstraße öffnet sich der Blick zur katholischen Pfarrkirche St. Michael. Ihr schlanker Turm ragt weit über die Dächer des Städtchens hinaus. Davor steht das stattliche Gasthaus »Lamm« (Kirchstr. 29), das mit seiner breiten Giebelfront den Straßenraum prägt. Zu erkennen sind außerdem das Warenhaus »zum Kasten« (Untere Hauptstr. 7) und am rechten Bildrand der sogenannte »alte Benzbau« (Untere Hauptstr. 8).

Auffällig ist die freie Fläche vor der Kirche. Hier klafft eine Baulücke: Das Kaufhaus von Anton Schirmer (Kirchstr. 25) brannte 1916 ab und wurde bislang nicht wieder aufgebaut. Dadurch ist die Kirche von der Unteren Hauptstraße aus ungewöhnlich frei zu sehen. Erst mit einer späteren Neubebauung wird sich dieser Blick wieder verändern.

Die Aufnahme erscheint 1921 als Bild Nr. 8 unter der schlichten Überschrift »Blick auf die Kirche« in der Zeitschrift »Badische Heimat«. Für seinen neunseitigen Beitrag über Löffingen stellt der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) insgesamt 28 Ansichten zusammen und führt seine Leser*innen damit auf einem fotografischen Rundgang durch das Städtchen. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift will Geschichte, Architektur und Landschaft Badens einem größeren Publikum näherbringen. Gerade diese Aufnahme hält dabei nicht nur ein markantes Ortsbild fest, sondern auch einen vorübergehenden Zustand: die Baulücke nach dem Brand von 1916.

Standort des Fotografen: 47.883235, 8.343618

Ankunft von Kurgästen am Bahnhof, 1954/55

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Maria Göpper zur Verfügung.

Ein Zug der Bundesbahn ist soeben am Bahnhof angekommen. Die Reisenden, die einen Pauschalurlaub bei dem Reiseveranstalter »Scharnow-Reisen GmbH & KG« gebucht haben, verlassen den Zug und strömen über die Bahnhofstraße. Sie begeben sich zum Sammelpunkt auf der anderen Straßenseite. Dort sortieren sie sich, um auf die Gasthäuser, Pensionen und Privatzimmer verteilt zu werden. Im Hintergrund wartet schon ein Omnibus, um die Kurgäste, die in einem der Dörfer der Umgebung ihre Unterkunft haben, dorthin zu fahren. Die anderen müssen laufen.

Standort des Fotografen: 47.883902, 8.341977

Ankunft von Kurgästen am Bahnhof, 1954/55

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Maria Göpper zur Verfügung.

Das Reiseunternehmen »Scharnow-Reisen GmbH & KG« ist in den 1950er Jahren das zweitgrößte in der Bundesrepublik. Sein Gründer Willy Scharnow gilt als Pionier des modernen Tourismus.

Wenn man diese Menschenmenge sieht, die am Bahnhof angekommen ist, um ihren Pauschalurlaub in Löffingen zu verbringen, scheint die Bezeichnung »Massentourismus« durchaus berechtigt. Die Urlauber halten ihr Reisegepäck in Händen oder haben es vor sich abgestellt. Einige halten Schilder in die Höhe, auf denen Nummern stehen, um die Verteilung der Urlauber auf die verschiedenen Gasthäuser, Pensionen und Privatzimmer rasch zu bewerkstelligen.

Im Hintergrund ist zwischen den Baumkronen das Mehfamilienhaus »neuer Benzbau« (Ringstr. 8) zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.883770, 8.342233

Ankunft von Kurgästen vor der Bahnhofsbaracke, 14. Juni 1955

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Eberhard Müller zur Verfügung.

Ein Ehepaar macht Urlaub in Löffingen. Es ist mit dem Reiseunternehmen »Scharnow-Reisen GmbH & KG« angereist, dem zweitgrößten Reiseveranstalter in der Bundesrepublik. Die Anreise erfolgte mit der Bundesbahn. Am Bahnhof werden die Urlauber von den Kindern der Gastgeber erwartet. Das schwere Gepäck wird auf einen Leiterwagen verladen, um es zur Unterkunft zu bringen. Die beiden Kinder, die den Wagen ziehen, sind die Geschwister Gerda Kuttruff (verh. Müller, geb. 1947) und Karl-Heinz Kuttruff (geb. 1943), die in der Alemannenstraße wohnen.

Im Hintergrund ist die hölzerne Bahnhofsbaracke zu sehen, die bis zum Neubau des Bahnhofsgebäudes als provisorisches Empfangsgebäude dient.

Standort des Fotografen: 47.883629, 8.342308

Ankunft einer Scharnow-Reisegruppe an der Bahnhofsbaracke, 1955

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Maria Göpper zur Verfügung.

Ein großes Hallo gibt es am Bahnhof, als diese Urlauber des Reiseveranstalters »Scharnow-Reisen GmbH & KG« am Bahnhof ankommen. Noch steht die hölzerne Bahnhofsbaracke, die als Notbehelf das im Krieg zerstörte Bahnhofsgebäude ersetzt. 

Standort des Fotografen: 47.883346, 8.342439

Ankunft einer Touropa-Reisegruppe an der Bahnhofsbaracke, 16. Juni 1956

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Luzia Bader zur Verfügung.

Die Reisewelle in der Bundesrepublik der 1950er Jahre rollt. Hier kommt gerade eine Reisegruppe des Münchner Reiseunternehmens Touropa am Bahnhof an. Die Urlauber werden schon von ihren Gastgebern erwartet. Man stellt sich gegenseitig vor und verlädt das Gepäck auf Leiterwagen, um es zur Unterkunft zu bringen. Mehr als ein Jahrzehnt nach Kriegsende steht noch die provisorische Bahnhofsbaracke aus Holz, die im Hintergrund zu erkennen ist. Das Bahnhofsgebäude war bei einem Fliegerangriff im Februar 1945 zerstört worden.

Standort des Fotografen: 47.883346, 8.342439

Ausschnitt: Kriegerdenkmal auf dem Unteren Rathausplatz, 1899

Verlag J. A. Binder Nachfolger, Bonndorf / Sammlung Familie Waßmer

Das »Kriegerdenkmal« war 1894 zur Erinnerung an die Kriegsteilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 auf dem unteren Rathausplatz eingeweiht worden. Auf dieser lithografischen Ansicht ist das Denkmal überdimensioniert dargestellt, um seine Bedeutung zu betonen. Die umgebenden Häuser auf dem Rathausplatz sind außerdem weggelassen, damit das freistehende Denkmal besser zur Geltung kommt und der Eindruck entsteht, es befinde sich in einer weitläufigen Grünanlage.

Dieses Bild ist ein Ausschnitt aus einer Mehrbildkarte. 

Standort des Fotografen: 47.883849, 8.343955

Ausschnitt: »Restauration« Benz und Kaufhaus »Kasten« in der Unteren Hauptstraße, ca. 1899

Verlag J. A. Binder Nachfolger, Bonndorf
Sammlung Familie Waßmer

Das Bild ist mit »Kirchplatz« betitelt. Zu sehen ist der Bereich der Unteren Hauptstraße, an dem die Ringstraße einmündet. Rechts steht das Haus Benz (Untere Hauptstr. 8). Es wurde nach dem Brand von 1887 neu errichtet und gehörte dem Holzhändler und Gastwirt Johann Benz (1850-1908) und seiner Ehefrau Katharina geb. Maier (1850-?). Im Erdgeschoss betreiben sie eine Wirtschaft, eine »Restauration«, wie auf dem Schild zu lesen ist. Vor dem Gebäude steht eine Pferdekutsche. Zwei Damen und ein Herr stehen im Vordergrund. Die Personengruppe wurde für die lithographische Ansicht hinzugefügt.

Links steht das dreistöckige Warenhaus »Zum Kasten« (Untere Hauptstr. 7). An der Fassade hängt ein Schild, auf dem der Schriftzug »Geschwister Traber z. Kasten« zu entziffern ist. Sofie Traber, die geschiedene Ehefrau des Kaufmanns Friedrich Keller, betreibt das Geschäft von 1894 bis 1899. Im Hintergrund ragt die katholische Pfarrkirche St. Michael hoch. 

Dieses Bild ist ein Ausschnitt aus einer Mehrbildkarte.

Standort des Fotografen: 47.883280, 8.343513

Karl und Ernestine Schmid mit ihren Kindern, ca. 1927

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Heike Soldan-Bölle zur Verfügung.

Der Malermeister Karl Schmid (1878-1955) und seine Ehefrau Ernestine geb. Link (1884-1958) bekamen zwischen 1903 und 1924 insgesamt elf Kinder. 20 Jahre Altersunterschied lagen zwischen dem ältesten Sohn und der jüngsten Tochter. Die Familie wohnte in einer Mietswohnung im früheren Gasthaus »Sonne« am Rathausplatz und später in der Ringstraße.

1.Reihe, vorn, v.l.n.r.: Erna Schmid (verh. Bietinger), Veronika Schmid, Hedwig Schmid (verh. Bayer, 1924-1996), Christian Schmid (1916-1940) und Hugo Schmid (1920-1941)
2.Reihe, hinten, v.l.n.r.: Friedel Schmid (verh. Klein), Bertha Schmid, Karl Schmid, Ernestine Schmid geb. Link, Timotheus Schmid (1903-1984), Simon Schmid (1905-1956), Karl Schmid und Alfred Schmid

Standort des Fotografen: 47.883748, 8.344630

Empfang von Kurgästen am Bahnhof durch Trachtenjungen, 1955

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Dieter Vierlinger zur Verfügung.

Kurgäste kommen am Bahnhof in Löffingen an. Statt eines richtigen Empfangsgebäudes erwartet sie eine hölzerne Baracke, ein Notbehelf, seitdem das Bahnhofsgebäude im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Sicherlich kein schöner erster Eindruck, den sie von dem Baarstädtchen bekommen. Dies wird aber von der Herzlichkeit des Empfangs Wett gemacht. Der Trachtenjunge Dieter Vierlinger (geb. 1944) steht vor der Baracke und spielt zur Bergrüßung auf seiner Gitarre.

Standort des Fotografen: 47.883283, 8.342297