Rückseite des Mailänder Tores und des Hauses Werne, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Von der Maienlandstraße aus fällt der Blick auf die Rückseite des alten Mailänder Tores – so, wie es der Künstler Guido Schreiber (1886-1979) in dieser Zeichnung festhält. Das 1580 erbaute Stadttor wirkt in seiner gedrungenen, leicht unregelmäßigen Form eher wie ein schlichtes Wohnhaus mit einer Durchfahrt als wie ein repräsentatives Stadttor. Die enge Öffnung, der tief gezogene Dachfirst und die kleinen Fenster betonen den ländlichen, fast verwinkelten Charakter des Torgebäudes.

Deutlich erkennbar ist auch der hölzerne Anbau an der Außenwand – das Plumpsklo der Bewohner*innen. Das Abflussrohr führte direkt in den Stettbach, der noch offen durch die Maienlandstraße fließt. Im Tor wohnt zu dieser Zeit der Uhrenkastenschreiner Mathias Brugger.

Links und rechts schließen sich Wohnhäuser und Ökonomiegebäude an, teilweise mit vorgezogenen Dachtraufen, unregelmäßigen Fassaden und kleinen Fensteröffnungen. Der Weg unter dem Tor hindurch gibt den Blick frei auf die gegenüberliegende Straßenseite der Altstadt. Zwei Personen m Durchgang verleihen der Szene Tiefe und beleben die Ansicht.

Die Zeichnung wird 1921 in der Zeitschrift »Badische Heimat« veröffentlicht – als Teil eines umfangreichen Beitrags über Löffingen. Anlass ist offenbar der verheerende Großbrand desselben Jahres, der den gesamten Straßenzug und auch das 350 Jahre alte Mailänder Tor zerstört. Beim Wiederaufbau entscheidet man sich, das Tor nicht originalgetreu wiederherzustellen, sondern die Durchfahrt zu verbreitern.

Standort des Malers: 47.884130, 8.343565

Blick von der »Bittenwiese« auf das Städtchen, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Diese Gesamtansicht des Städtchens entstand von der »Bittenwiese« aus. Zu sehen ist der geschlossene Altstadtring in der Bittengasse mit den Rückansichten der Häuser der Hafnergasse (heute Kirchstraße). Die teilweise windschiefen Dächer werden vom Rathausturm überragt. Ganz links ist das Haus von Sattlermeister Ernst Geisinger (Kirchstr. 21) zu sehen, das beim Großbrand 1929 abbrannte. An die Häuser schließen sich Gärten mit Holzzäunen und dann die »Bittenwiese« an, die sehr feucht ist und nicht nur vom namensgebenden Bittenbach durchflossen wird. Ganz rechts ist der Alenberg zu sehen.

Der Künstler Guido Schreiber (1886-1979), der ab 1917 in Villingen wohnhaft war, malte diese Ansicht. Sie wurde 1921 in der Zeitschrift »Badische Heimat« veröffentlicht. Damals erschien ein neunseitiger Artikel über Löffingen, der mit 28 Ansichten des Städtchens, Fotografien, aber auch mit gemalten Bildern illustriert war. Anlass für den Bericht war offenbar der Großbrand von 1921. Die Zeitschrift wurde von dem 1909 gegründeten »Landesverein Badische Heimat e.V.« herausgegeben.  

Standort des Malers: 47.882570, 8.346608

Blick aus dem Gasthaus »Adler« mit Wirtshausschild, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Fast scheint das schmiedeeiserne Wirtshausschild vom Gasthaus »Adler« über dem Städtchen zu schweben. Von einem Fenster im zweiten Obergeschoss des Gasthauses fällt der Blick hinaus auf den unteren Rathausplatz. Das reich verzierte Schild mit dem Adler ragt weit über die Fassade hinaus und beherrscht die Aufnahme. Gastwirt des »Adlers« ist zu dieser Zeit Heinrich Faller.

Rechts erhebt sich das Rathaus, davor steht das Kriegerdenkmal zur Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Links ist das Haus des Schmiedemeisters Emil Fürst (Rathausplatz 5) zu sehen. An seinem Giebel wächst ein Spalierbaum empor. Dem Gebäude bleibt allerdings nicht mehr viel Zeit: Beim Großbrand von 1921 wird es zerstört.

Das Foto zeigt Löffingen damit unmittelbar vor einer tiefgreifenden Veränderung des Stadtbildes. Gerade solche Aufnahmen sind nach dem Brand von besonderem Wert, weil sie Häuser und Straßenzüge dokumentieren, die kurz darauf verschwinden und beim Wiederaufbau ein völlig neues Aussehen erhalten.

Veröffentlicht wird die Aufnahme 1921 in der Zeitschrift »Badische Heimat« als Bild Nr. 27 unter der Bezeichnung »Wirtshausschild zum Adler«. Ein neunseitiger Beitrag führt die Leser*innen anhand von insgesamt 28 Ansichten wie auf einem Rundgang durch das Städtchen. Verfasst wird er von Max Wingenroth (1872-1922), Kunsthistoriker, Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg und Schriftleiter der Zeitschrift. Herausgeber ist der 1909 gegründete »Landesverein Badische Heimat e. V.«, der sich der Geschichte, Kunst, Landschaft und Volkskunde Badens widmet. Der Großbrand von 1921 dürfte den unmittelbaren Anlass dafür geben, das alte Löffingen noch einmal ausführlich in Wort und Bild vorzustellen.

Standort des Fotografen: 47.883581, 8.343731

Wirtshausschild des früheren Gasthauses »Sonne«, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Eine strahlende Sonne weist noch immer den Weg zum früheren Gasthaus »Sonne« am oberen Rathausplatz. Das kunstvoll geschmiedete Wirtshausschild ragt weit über die Straße hinaus. In seinem quadratischen Rahmen sitzt das Sonnenmotiv mit kräftigen Strahlen, umgeben von verspieltem schmiedeeisernem Rankenwerk. Dahinter öffnet sich der Blick auf Dächer und Hauswände der Nachbargebäude.

Als die Aufnahme entsteht, ist der Gastbetrieb in der »alten Sonne« bereits eingestellt. Das traditionsreiche Schild bleibt jedoch erhalten. 1930 bekommt es einen neuen Platz: Das bisherige Gasthaus »Lamm« (Kirchstr. 29) wird in Gasthaus »Sonne« umbenannt und übernimmt das historische Wirtshausschild. Dort hängt es bis heute – ein Stück des alten Gasthauses überlebt damit an anderer Stelle.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint das Foto 1921 als Bild Nr. 26 unter der Überschrift »Wirtshausschild zur Sonne«. Für den Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), der den neunseitigen Löffingen-Beitrag verfasst, sind offenbar nicht nur Kirchen und bedeutende Gebäude sehenswert, sondern auch solche Zeugnisse des alten Handwerks und des alltäglichen Stadtbildes. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift widmet sich der Geschichte, Kunst, Landschaft und Volkskunde Badens – und bewahrt mit ihren 28 Löffinger Ansichten zugleich Details, die andernfalls leicht verloren gegangen wären.

Standort des Fotografen: 47.883707, 8.344609

Hochaltar in der katholischen Pfarrkirche St. Michael, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Kerzenleuchter, Engelsfiguren, das Opferlamm und geschwungene Formen rahmen den Hochaltar der katholischen Pfarrkirche St. Michael. Die Aufnahme konzentriert sich auf dessen unteren Teil mit dem Tabernakel. Zwischen Säulen, Figuren und reichem Schnitzwerk entfaltet sich die Formensprache des Barock, während sich der eigentliche Altaraufbau mit dem Wandgemälde nach oben außerhalb des Bildausschnitts fortsetzt.

Geschaffen wurde der Hochaltar von dem Bildhauer Matthias Faller (1707-1791) aus St. Märgen, einem der bedeutenden Schwarzwälder Bildschnitzer des 18. Jahrhunderts. Wegen seiner zahlreichen religiösen Arbeiten wurde er später auch als »Herrgottschnitzer des Schwarzwaldes« bezeichnet.

Die Aufnahme erscheint 1921 als Bild Nr. 9 unter der Überschrift »Teilansicht des Hochaltars« in der Zeitschrift »Badische Heimat«. In einem neunseitigen Beitrag führt der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg und Schriftleiter der Zeitschrift, die Leser*innen anhand von 28 Fotografien durch Löffingen. Herausgegeben wird die Zeitschrift vom 1909 gegründeten »Landesverein Badische Heimat e. V.«, der sich der Geschichte, Kunst, Landschaft und Volkskunde Badens widmete.

Wingenroth zeigt sich vom Hochaltar besonders beeindruckt. Er beschreibt »jenen schönen Barockaltar mit dem immer wechselnden, immer geistreichen Aufbau von Säulen, geschwungenen Giebeln, flatternden Engeln«, bedauert aber zugleich, dass auf der Fotografie »leider nur der untere Teil« wiedergegeben werden könne. Aus dem barocken Altar schließt er außerdem: »Offenbar stand also hier einmal eine Barockkirche.«

Standort des Fotografen: 47.882477, 8.344638

Seppenhofer Straße mit Krankenhaus und Haus Egle, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Am Ortsausgang in Richtung Seppenhofen und Bonndorf wird die Bebauung locker. Die Straße führt zwischen Gärten und Wiesen hindurch und ist weiter draußen von Bäumen gesäumt. Zu erkennen ist das Städtische Krankenhaus (Seppenhofer Str. 7), noch bevor es 1921 umgebaut und nach Westen erweitert wird. Dabei entstehen im Erdgeschoss vier zusätzliche Zimmer und ein Baderaum, im Obergeschoss drei Zimmer, ein Operationssaal, ein Verbandzimmer und ein weiterer Baderaum. Zugleich wird der Eingang auf die Straßenseite verlegt und mit einer Altane versehen. Weiter rechts steht das 1907 errichtete Haus des Glasermeisters Anselm Egle (Seppenhofer Str. 15). Am linken Bildrand laufen Hühner frei zwischen den Grundstücken umher.

Als Bild Nr. 22 erscheint die Aufnahme 1921 unter der Überschrift »Am Ausgang nach Seppenhofen-Bonndorf« in der Zeitschrift »Badische Heimat«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg und Schriftleiter der Zeitschrift, führt seine Leser*innen in einem neunseitigen Beitrag mit insgesamt 28 Fotografien durch Löffingen. Herausgegeben wird die Zeitschrift vom 1909 gegründeten »Landesverein Badische Heimat e. V.«, der sich mit Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens beschäftigt.

Wingenroth nutzt den Rundgang dabei auch für deutliche Architekturkritik. Das Krankenhaus missfällt ihm wegen seiner »falschen Verhältnisse und unangenehmem Anstrich«. Auch das benachbarte Wohnhaus beurteilt er kritisch: Dessen Dach sei »etwas zu flach« und »mit der Reisschiene geführt«, während ihm das bescheidenere Haus dazwischen als vorbildlich erscheint. Bei der Zuordnung unterläuft ihm allerdings ein Fehler: Er nennt den Hafnermeister Josef Bader als Besitzer des kritisierten Hauses. Tatsächlich handelt es sich um das Haus des Glasermeisters Anselm Egle.

Standort des Fotografen: 47.880760, 8.345802

Früheres Fürstenbergisches Amtshaus mit »Allianzwappen«, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Eine zweiläufige Freitreppe führt zum herrschaftlichen Eingang des früheren Fürstenbergischen Amtshauses am oberen Rathausplatz. Zwei noch unbelaubte Bäume rahmen das Portal ein. Über der rundbogigen Tür sitzt ein steinernes Wappen, darüber öffnet sich ein Fenster mit hölzernen Läden. Die streng gegliederte Fassade und der erhöhte Eingang lassen noch etwas von der einstigen Bedeutung des Gebäudes erkennen.

Das 1739 errichtete Gebäude diente zunächst bis 1806 als Fürstenbergisches Amtshaus. Danach beherbergte es das Großherzoglich Badische und Fürstenbergische Bezirksamt und schließlich bis 1852 das Rentamt.

Über dem Eingang befindet sich ein sogenanntes »Allianzwappen«, in dem die Wappen zweier Adelsfamilien miteinander verbunden sind. Es erinnert an die Eheschließung von Graf Froben Ferdinand zu Fürstenberg (1664-1741) und Gräfin Maria Theresia Felicitas von Sulz (1671-1743) im Jahr 1690. Rechts ist das Wappen der Fürstenberger zu erkennen, links das der Grafen von Sulz. Bis heute wird die Verbindung der beiden Häuser damit sichtbar an der Fassade festgehalten.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 18 mit der ausführlichen Bildunterschrift »Oberer Platz, Haustor mit Wappen von Haus Nr. 2 von 1739«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) nimmt das Portal in seinen fotografischen Rundgang durch Löffingen auf, weil gerade solche Bauteile von der älteren Herrschafts- und Baugeschichte des Städtchens erzählen. Sein neunseitiger Beitrag mit 28 Ansichten erscheint in der vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebenen Zeitschrift, die sich der Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens widmet.

Standort des Fotografen: 47.884104, 8.344832

Gesamtansicht des Städtchens vom »kleinen Brühl« aus, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Weit und fast unverbaut liegt Löffingen in der Landschaft. Vom Gewann »Im kleinen Brühl« fällt der Blick über Wiesen und die Bahnlinie hinweg auf das Städtchen. Die Aufnahme entsteht ungefähr dort, wo später die Gartenstraße verläuft. Von einer geschlossenen Bebauung ist hier noch nichts zu sehen; auch entlang der Bonndorfer Straße stehen noch keine Häuser.

Jenseits der Bahnlinie beginnen die Häuser der Seppenhofer Straße und des heutigen Pfarrwegs. Dahinter verdichtet sich die Bebauung zum historischen Stadtkern. Über den Dächern ragt der Turm der katholischen Pfarrkirche St. Michael auf und gibt der Silhouette ihren markantesten Akzent. Der freie Vordergrund macht besonders deutlich, wie kompakt Löffingen zu dieser Zeit noch inmitten der landwirtschaftlich genutzten Flächen liegt.

Die Gesamtansicht bildet als Foto Nr. 28 den Abschluss des neunseitigen Beitrags über Löffingen, der 1921 in der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint. Der Kunsthistoriker und Schriftleiter Max Wingenroth (1872-1922) führt seine Leser*innen darin anhand von 28 Ansichten auf einem Rundgang durch das Städtchen. Herausgegeben wird die Zeitschrift vom 1909 gegründeten »Landesverein Badische Heimat e. V.«, der sich der Geschichte, Kunst, Landschaft und Volkskunde Badens widmet. Das Schlussbild trägt die Bildunterschrift »Löffingen von Seppenhofen aus«.

Zum Ende seines Rundgangs wird Wingenroth beinahe poetisch: »Da liegt das Städtlein sonnenbeglänzt, von sanften Hügelrücken umrahmt, vor uns, mit seinen freundlichen Häusern, ihren altersbraunen Dächern, dem schlichten Kirchturm ein echtes Kind der Baar, das sich seine stillen Reize noch lange unverdorben erhalten möge.« Mit seiner Ortsangabe liegt er allerdings daneben: Er verortet den Aussichtspunkt auf einer »Höhe bei Reiselfingen«. Tatsächlich entsteht die Aufnahme wesentlich näher am Städtchen, im Bereich des »kleinen Brühl«, in Richtung Seppenhofen gelegen.

Standort des Fotografen: 47.879723, 8.344469

Untere Hauptstraße mit Gasthäusern »Adler« und »Lamm«, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Die Untere Hauptstraße zieht sich durch das Städtchen. Links reihen sich die Häuser dicht aneinander, darüber ragt der Turm der katholischen Pfarrkirche St. Michael auf. Rechts schwingt das kunstvolle Wirtshausschild des Gasthauses »Adler« über die Straße. Weiter hinten schließt der Giebel des Gasthauses »Lamm« (Kirchstr. 29) den Blick wirkungsvoll ab.

Die Aufnahme entsteht ungefähr auf Höhe des Demetriusbrunnens. Noch bestimmen unbefestigte beziehungsweise nur teilweise befestigte Straßenflächen, die gepflasterte Straßenrinne und dicht stehende Häuser das Bild. Reklametafeln und Geschäftsschilder treten kaum hervor. Gerade dadurch wirkt die Straße trotz der unterschiedlichen Gebäude wie ein geschlossenes Ensemble.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 19 unter der Überschrift »Blick vom Demetriusbrunnen auf das Gasthaus zum Lamm«. Sie gehört zu den 28 Fotografien, mit denen der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) seinen neunseitigen Rundgang durch Löffingen illustriert. Als Schriftleiter der vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebenen Zeitschrift interessiert ihn besonders, wie historische Architektur, Straßenführung und alltägliche Details das Erscheinungsbild eines Ortes prägen.

Gerade diese Straßenansicht gefällt Wingenroth. Er lobt, dass selbst die »Firmenschilder« in Löffingen »bescheiden und anständig geblieben« seien und die Wirkung der alten Straßen nicht störten. Besonders hebt er die »gute, gekrümmte Führung« der Unteren Hauptstraße und ihren Abschluss durch den vorspringenden Giebel hervor. Damit beschreibt er nicht nur das einzelne Gebäude, sondern das Zusammenspiel der ganzen Straße – genau das, was auch die Fotografie festhält.

Standort des Fotografen: 47.883646, 8.343772

Bäckerei Straub und »alter Benzbau« in der Unteren Hauptstraße, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Breit zieht sich das Haus des Bäckermeisters Ernst Straub (Untere Hauptstr. 6) entlang der Straße. Im Erdgeschoss ist der Laden eingerichtet, ein kleines Schaufenster ist neben dem Ladeneingang zu sehen. Ein großes Scheunentor ist in der rechten Gebäudehälfte zu erkennen. Unmittelbar daneben schließt sich das Haus Limb (Untere Hauptstr. 4) an, in dem Friseurmeister Julius Limb seinen Friseursalon betreibt. Ein Geschäftsschild an der Fassade weist darauf hin. Am linken Bildrand steht der sogenannte »alte Benzbau« (Untere Hauptstr. 8) mit seiner breiten Giebelfront und den regelmäßig angeordneten Fenstern.

Die Aufnahme vermittelt einen Eindruck davon, wie selbstverständlich sich Geschäfte in die Wohnhäuser einfügen. Es gibt keine großflächigen Schaufensterfronten oder auffällige Reklame. Wohnen, Handwerk und Verkauf liegen unmittelbar nebeneinander und prägen gemeinsam das Straßenbild der Unteren Hauptstraße.

Als Bild Nr. 17 findet die Ansicht Eingang in den 1921 erschienenen Löffingen-Beitrag der Zeitschrift »Badische Heimat«. Unter der Überschrift »Haus Ernst Straub mit Laden« gehört sie zu insgesamt 28 Fotografien, mit denen der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) seine Leser*innen durch das Städtchen führt. Als Schriftleiter der vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebenen Zeitschrift interessiert er sich besonders für traditionelle Bauformen und dafür, wie Neubauten und Geschäftseinbauten das gewachsene Ortsbild verändern.

Das Haus Straub findet ausdrücklich seine Zustimmung. Die Art, »wie hier die Läden eingebaut sind«, bezeichnet Wingenroth als gelungenes Gegenbeispiel zu anderen, von ihm kritisierten Geschäftshäusern. Auch die »freundliche, breite Giebelfront« des benachbarten Hauses gefällt ihm. Besonders lobt er, dass die Firmenschilder »bescheiden und anständig geblieben« seien und dadurch die Wirkung der alten Straße nicht beeinträchtigten. Seine Wortwahl verrät dabei deutlich den Blick des Heimatschutzes: Bewahrt werden soll ein möglichst harmonisches, traditionell wirkendes Stadtbild. Doch die moderne Zeit hält längst Einzug, und der technische Fortschritt lässt sich nicht aufhalten: Auf dem Dach der Bäckerei Straub ist bereits ein Mast für die Elektrizitätsversorgung zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.883482, 8.343833

Unterer Rathausplatz mit Mailänder Tor, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Fast menschenleer liegt der untere Rathausplatz vor dem Fotografen. Nur ein einzelnes Huhn läuft über die freie Fläche. Den Blickfang bildet die geschlossene Häuserzeile mit dem alten Mailänder Tor. Links davon stehen die Häuser des Flaschnermeisters Ferdinand Willmann (Demetriusstr. 13) und des Korbmachers August Egle (Demetriusstr. 14) sowie die Metzgerei Werne (Demetriusstr. 15). Kleine Ladeneinbauten und Schaufenster zeigen, dass hier nicht nur gewohnt, sondern auch gearbeitet und verkauft wird.

Das Mailänder Tor prägt zu diesem Zeitpunkt noch den Stadtring. Doch sein Ende steht unmittelbar bevor: Nach dem Großbrand vom 28. Juli 1921 wird das alte Torgebäude abgerissen. An seiner Stelle entsteht ein Neubau mit einer breiteren Tordurchfahrt, die den veränderten Verkehrsverhältnissen Rechnung trägt. Die Fotografie hält damit einen Zustand fest, der nur noch kurze Zeit bestehen wird.

Als Bild Nr. 15 erscheint die Aufnahme 1921 in der Zeitschrift »Badische Heimat«. Die Bildunterschrift lautet »Unterer Platz, Mailänder Tor und Laden A. Egle«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), zugleich Schriftleiter der Zeitschrift und Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg, führt seine Leser*innen in seinem neunseitigen Beitrag anhand von 28 Ansichten durch Löffingen. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift beschäftigt sich mit Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens.

Wingenroth gefällt insbesondere, wie sich die kleinen Geschäfte in die alten Häuser einfügen. Über diese Seite des Rathausplatzes schreibt er: »Ebenso aber erfüllt uns die andere Seite des Platzes neben dem Mailänder Tor mit Genugtuung; wie hier die Läden eingebaut sind, kann als gutes Gegenbeispiel gegen die vorhin erwähnten gelten.« Hier zeigt sich sein vom Heimatschutz geprägter Blick: Moderne Geschäftsnutzung ist für ihn durchaus willkommen – solange sie sich möglichst unauffällig in das überlieferte Stadtbild einfügt.

Standort des Fotografen: 47.883675, 8.344068

Unterer Rathausplatz mit Demetriusbrunnen, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Weit und offen liegt der untere Rathausplatz. Rechts im Vordergrund steht der 1912 errichtete Demetriusbrunnen, dessen Säule mit der Figur des Stadtpatrons den Platz beherrscht. Links erhebt sich das Rathaus, davor das Kriegerdenkmal zur Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Die Straße und Platzfläche sind noch nahezu frei von Verkehr und lassen den Blick ungehindert auf die Häuserzeile im Hintergrund fallen.

Dort stehen die Häuser des Apothekers Otto Buisson (Rathausplatz 6) und des Schuhmachermeisters Demeter Schilling (Rathausplatz 7). Beide Gebäude wurden 1911 nach einem Brand neu errichtet. Daneben befindet sich das Anwesen des Landwirts August Sibold (Rathausplatz 8).

Als Bild Nr. 14 wird die Aufnahme 1921 in der Zeitschrift »Badische Heimat« veröffentlicht. Die Bildunterschrift lautet »Unterer Platz. Apotheke und Schuhhandlung D. Schilling«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg und Schriftleiter der Zeitschrift, führt seine Leser*innen in einem neunseitigen Beitrag anhand von 28 Ansichten durch Löffingen. Herausgegeben wird die »Badische Heimat« vom 1909 gegründeten gleichnamigen Landesverein, der sich mit Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens beschäftigt.

Wingenroth gefällt dieser Teil des Rathausplatzes besonders. Nachdem er bereits den oberen Platz als »geschlossen und anheimelnd« gelobt hat, hebt er den Demetriusbrunnen hervor, der »aufs glücklichste in das Ortsbild hineinkomponiert« sei. Auch die erst wenige Jahre alten Geschäftshäuser finden seine Zustimmung: Die Apotheke erfülle zwar alle modernen Anforderungen, störe aber dennoch das gewachsene Ortsbild nicht, sondern wirke »gefällig«. Selbst der Gartenzaun ist ihm eine Bemerkung wert, weil er ihn dem andernorts verbreiteten »schlechten Draht- und Eisengitter« vorzieht. Darin zeigt sich Wingenroths vom Heimatschutz geprägter Blick: Auch Neues darf entstehen – solange es sich harmonisch in das überlieferte Stadtbild einfügt.

Standort des Fotografen: 47.883921, 8.343817