Unterer Rathausplatz mit Demetriusbrunnen, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Weit und offen liegt der untere Rathausplatz. Rechts im Vordergrund steht der 1912 errichtete Demetriusbrunnen, dessen Säule mit der Figur des Stadtpatrons den Platz beherrscht. Links erhebt sich das Rathaus, davor das Kriegerdenkmal zur Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Die Straße und Platzfläche sind noch nahezu frei von Verkehr und lassen den Blick ungehindert auf die Häuserzeile im Hintergrund fallen.

Dort stehen die Häuser des Apothekers Otto Buisson (Rathausplatz 6) und des Schuhmachermeisters Demeter Schilling (Rathausplatz 7). Beide Gebäude wurden 1911 nach einem Brand neu errichtet. Daneben befindet sich das Anwesen des Landwirts August Sibold (Rathausplatz 8).

Als Bild Nr. 14 wird die Aufnahme 1921 in der Zeitschrift »Badische Heimat« veröffentlicht. Die Bildunterschrift lautet »Unterer Platz. Apotheke und Schuhhandlung D. Schilling«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg und Schriftleiter der Zeitschrift, führt seine Leser*innen in einem neunseitigen Beitrag anhand von 28 Ansichten durch Löffingen. Herausgegeben wird die »Badische Heimat« vom 1909 gegründeten gleichnamigen Landesverein, der sich mit Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens beschäftigt.

Wingenroth gefällt dieser Teil des Rathausplatzes besonders. Nachdem er bereits den oberen Platz als »geschlossen und anheimelnd« gelobt hat, hebt er den Demetriusbrunnen hervor, der »aufs glücklichste in das Ortsbild hineinkomponiert« sei. Auch die erst wenige Jahre alten Geschäftshäuser finden seine Zustimmung: Die Apotheke erfülle zwar alle modernen Anforderungen, störe aber dennoch das gewachsene Ortsbild nicht, sondern wirke »gefällig«. Selbst der Gartenzaun ist ihm eine Bemerkung wert, weil er ihn dem andernorts verbreiteten »schlechten Draht- und Eisengitter« vorzieht. Darin zeigt sich Wingenroths vom Heimatschutz geprägter Blick: Auch Neues darf entstehen – solange es sich harmonisch in das überlieferte Stadtbild einfügt.

Standort des Fotografen: 47.883921, 8.343817

Unterer Rathausplatz mit Mailänder Tor, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Fast menschenleer liegt der untere Rathausplatz vor dem Fotografen. Nur ein einzelnes Huhn läuft über die freie Fläche. Den Blickfang bildet die geschlossene Häuserzeile mit dem alten Mailänder Tor. Links davon stehen die Häuser des Flaschnermeisters Ferdinand Willmann (Demetriusstr. 13) und des Korbmachers August Egle (Demetriusstr. 14) sowie die Metzgerei Werne (Demetriusstr. 15). Kleine Ladeneinbauten und Schaufenster zeigen, dass hier nicht nur gewohnt, sondern auch gearbeitet und verkauft wird.

Das Mailänder Tor prägt zu diesem Zeitpunkt noch den Stadtring. Doch sein Ende steht unmittelbar bevor: Nach dem Großbrand vom 28. Juli 1921 wird das alte Torgebäude abgerissen. An seiner Stelle entsteht ein Neubau mit einer breiteren Tordurchfahrt, die den veränderten Verkehrsverhältnissen Rechnung trägt. Die Fotografie hält damit einen Zustand fest, der nur noch kurze Zeit bestehen wird.

Als Bild Nr. 15 erscheint die Aufnahme 1921 in der Zeitschrift »Badische Heimat«. Die Bildunterschrift lautet »Unterer Platz, Mailänder Tor und Laden A. Egle«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), zugleich Schriftleiter der Zeitschrift und Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg, führt seine Leser*innen in seinem neunseitigen Beitrag anhand von 28 Ansichten durch Löffingen. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift beschäftigt sich mit Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens.

Wingenroth gefällt insbesondere, wie sich die kleinen Geschäfte in die alten Häuser einfügen. Über diese Seite des Rathausplatzes schreibt er: »Ebenso aber erfüllt uns die andere Seite des Platzes neben dem Mailänder Tor mit Genugtuung; wie hier die Läden eingebaut sind, kann als gutes Gegenbeispiel gegen die vorhin erwähnten gelten.« Hier zeigt sich sein vom Heimatschutz geprägter Blick: Moderne Geschäftsnutzung ist für ihn durchaus willkommen – solange sie sich möglichst unauffällig in das überlieferte Stadtbild einfügt.

Standort des Fotografen: 47.883675, 8.344068

Oberer Rathausplatz mit Haus Nägele und Postamt, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Breit öffnet sich der obere Rathausplatz vor dem früheren Fürstenbergischen Amtshaus. Das 1739 errichtete Gebäude ist inzwischen in zwei Haushälften unterteilt. Über dem Eingang der rechten Hälfte (Rathausplatz 2) ist noch das herrschaftliche »Allianzwappen« zu erkennen, das an die frühere Nutzung des Hauses erinnert. In alten Quellen wurde das Gebäude gar als »Schloss« bezeichnet. In der linken Hälfte (Rathausplatz 3) befinden sich nun das Postamt und das Geschäft des Buchbinders Anton Rebholz.

Gerade diese Mischung aus altem Amtshaus und neuer Nutzung prägt die Aufnahme. Die historischen Fassadenformen sind noch deutlich vorhanden, zugleich haben Ladeneinbauten und neue Fenster das Erscheinungsbild verändert. Das Postamt wirkt mit seinen auffälligen Fenster- und Türformen deutlich anders als die benachbarte ältere Bausubstanz.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 16 unter der Überschrift »Oberer Platz, Haus Nr. 2 von 1739 und Postamt«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg und Schriftleiter der Zeitschrift, betrachtet solche Veränderungen mit einem ausgesprochen kritischen Blick. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift widmet sich Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens und vertritt dabei deutlich die Ideale des Heimatschutzes.

Wingenroth stört sich zunächst am »Ladeneinbau« in der rechten Gebäudehälfte, der das mit Freitreppe, Rundbogentür und Wappen geschmückte Haus seiner Ansicht nach »entstellt«. Noch schärfer fällt sein Urteil über das Postamt aus: Dessen »neogotisierende Fenster« und die Tür fielen »ganz aus dem Rahmen der hier ortsüblichen Bauweise«; auch die Bemalung zwischen den oberen Fenstern missfällt ihm. Immerhin sieht er eine einfache Lösung: »Durch einen entsprechenden Anstrich« ließe sich manches mildern. Seine Kritik zeigt, wie stark er moderne Umbauten danach bewertet, ob sie sich seinem Ideal eines harmonischen, regionaltypischen Stadtbildes unterordnen.

Standort des Fotografen: 47.883958, 8.344790

Früheres Fürstenbergisches Amtshaus mit »Allianzwappen«, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Eine zweiläufige Freitreppe führt zum herrschaftlichen Eingang des früheren Fürstenbergischen Amtshauses am oberen Rathausplatz. Zwei noch unbelaubte Bäume rahmen das Portal ein. Über der rundbogigen Tür sitzt ein steinernes Wappen, darüber öffnet sich ein Fenster mit hölzernen Läden. Die streng gegliederte Fassade und der erhöhte Eingang lassen noch etwas von der einstigen Bedeutung des Gebäudes erkennen.

Das 1739 errichtete Gebäude diente zunächst bis 1806 als Fürstenbergisches Amtshaus. Danach beherbergte es das Großherzoglich Badische und Fürstenbergische Bezirksamt und schließlich bis 1852 das Rentamt.

Über dem Eingang befindet sich ein sogenanntes »Allianzwappen«, in dem die Wappen zweier Adelsfamilien miteinander verbunden sind. Es erinnert an die Eheschließung von Graf Froben Ferdinand zu Fürstenberg (1664-1741) und Gräfin Maria Theresia Felicitas von Sulz (1671-1743) im Jahr 1690. Rechts ist das Wappen der Fürstenberger zu erkennen, links das der Grafen von Sulz. Bis heute wird die Verbindung der beiden Häuser damit sichtbar an der Fassade festgehalten.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 18 mit der ausführlichen Bildunterschrift »Oberer Platz, Haustor mit Wappen von Haus Nr. 2 von 1739«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) nimmt das Portal in seinen fotografischen Rundgang durch Löffingen auf, weil gerade solche Bauteile von der älteren Herrschafts- und Baugeschichte des Städtchens erzählen. Sein neunseitiger Beitrag mit 28 Ansichten erscheint in der vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebenen Zeitschrift, die sich der Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens widmet.

Standort des Fotografen: 47.884104, 8.344832

Bäckerei Straub und »alter Benzbau« in der Unteren Hauptstraße, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Breit zieht sich das Haus des Bäckermeisters Ernst Straub (Untere Hauptstr. 6) entlang der Straße. Im Erdgeschoss ist der Laden eingerichtet, ein kleines Schaufenster ist neben dem Ladeneingang zu sehen. Ein großes Scheunentor ist in der rechten Gebäudehälfte zu erkennen. Unmittelbar daneben schließt sich das Haus Limb (Untere Hauptstr. 4) an, in dem Friseurmeister Julius Limb seinen Friseursalon betreibt. Ein Geschäftsschild an der Fassade weist darauf hin. Am linken Bildrand steht der sogenannte »alte Benzbau« (Untere Hauptstr. 8) mit seiner breiten Giebelfront und den regelmäßig angeordneten Fenstern.

Die Aufnahme vermittelt einen Eindruck davon, wie selbstverständlich sich Geschäfte in die Wohnhäuser einfügen. Es gibt keine großflächigen Schaufensterfronten oder auffällige Reklame. Wohnen, Handwerk und Verkauf liegen unmittelbar nebeneinander und prägen gemeinsam das Straßenbild der Unteren Hauptstraße.

Als Bild Nr. 17 findet die Ansicht Eingang in den 1921 erschienenen Löffingen-Beitrag der Zeitschrift »Badische Heimat«. Unter der Überschrift »Haus Ernst Straub mit Laden« gehört sie zu insgesamt 28 Fotografien, mit denen der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) seine Leser*innen durch das Städtchen führt. Als Schriftleiter der vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebenen Zeitschrift interessiert er sich besonders für traditionelle Bauformen und dafür, wie Neubauten und Geschäftseinbauten das gewachsene Ortsbild verändern.

Das Haus Straub findet ausdrücklich seine Zustimmung. Die Art, »wie hier die Läden eingebaut sind«, bezeichnet Wingenroth als gelungenes Gegenbeispiel zu anderen, von ihm kritisierten Geschäftshäusern. Auch die »freundliche, breite Giebelfront« des benachbarten Hauses gefällt ihm. Besonders lobt er, dass die Firmenschilder »bescheiden und anständig geblieben« seien und dadurch die Wirkung der alten Straße nicht beeinträchtigten. Seine Wortwahl verrät dabei deutlich den Blick des Heimatschutzes: Bewahrt werden soll ein möglichst harmonisches, traditionell wirkendes Stadtbild. Doch die moderne Zeit hält längst Einzug, und der technische Fortschritt lässt sich nicht aufhalten: Auf dem Dach der Bäckerei Straub ist bereits ein Mast für die Elektrizitätsversorgung zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.883482, 8.343833

Untere Hauptstraße mit Gasthäusern »Adler« und »Lamm«, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Die Untere Hauptstraße zieht sich durch das Städtchen. Links reihen sich die Häuser dicht aneinander, darüber ragt der Turm der katholischen Pfarrkirche St. Michael auf. Rechts schwingt das kunstvolle Wirtshausschild des Gasthauses »Adler« über die Straße. Weiter hinten schließt der Giebel des Gasthauses »Lamm« (Kirchstr. 29) den Blick wirkungsvoll ab.

Die Aufnahme entsteht ungefähr auf Höhe des Demetriusbrunnens. Noch bestimmen unbefestigte beziehungsweise nur teilweise befestigte Straßenflächen, die gepflasterte Straßenrinne und dicht stehende Häuser das Bild. Reklametafeln und Geschäftsschilder treten kaum hervor. Gerade dadurch wirkt die Straße trotz der unterschiedlichen Gebäude wie ein geschlossenes Ensemble.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 19 unter der Überschrift »Blick vom Demetriusbrunnen auf das Gasthaus zum Lamm«. Sie gehört zu den 28 Fotografien, mit denen der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) seinen neunseitigen Rundgang durch Löffingen illustriert. Als Schriftleiter der vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebenen Zeitschrift interessiert ihn besonders, wie historische Architektur, Straßenführung und alltägliche Details das Erscheinungsbild eines Ortes prägen.

Gerade diese Straßenansicht gefällt Wingenroth. Er lobt, dass selbst die »Firmenschilder« in Löffingen »bescheiden und anständig geblieben« seien und die Wirkung der alten Straßen nicht störten. Besonders hebt er die »gute, gekrümmte Führung« der Unteren Hauptstraße und ihren Abschluss durch den vorspringenden Giebel hervor. Damit beschreibt er nicht nur das einzelne Gebäude, sondern das Zusammenspiel der ganzen Straße – genau das, was auch die Fotografie festhält.

Standort des Fotografen: 47.883646, 8.343772

Haus Faller und Bahngebäude in der Bahnhofstraße, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Mit dem Bau der 1901 eröffneten Bahnlinie und des Bahnhofs entstand auch die Bahnhofstraße mit einer Reihe von Neubauten. Rechts steht das 1913 errichtete Wohn- und Geschäftshaus des Drehers und Maschinenhändlers Christian Faller (Bahnhofstr. 3). Hinter einem niedrigen Gartenzaun erhebt sich der Neubau mit seinem weit heruntergezogenen Dach. Links daneben steht das Dienstwohnungsgebäude der Reichsbahn (Bahnhofstr. 4). Die Architektur der neu erbauten Häuser unterscheidet sich deutlich von den älteren Häusern im Städtchen.

Unter der Überschrift »Maschinenlager Christian Faller am Bahnhof« wird die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 20 in der Zeitschrift »Badische Heimat« veröffentlicht. Sie gehört zu den 28 Ansichten, mit denen der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) seinen neunseitigen Rundgang durch Löffingen illustriert. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift interessiert sich dabei keineswegs nur für historische Gebäude. Gerade an Neubauten zeigt sich für Wingenroth, ob moderne Architektur seiner Vorstellung von einer landschafts- und ortstypischen Bauweise entspricht.

Das Haus Faller besteht seine Prüfung. Es zeuge von den »gleichen guten Absichten« wie der wenige Jahre zuvor errichtete Apothekenbau am unteren Rathausplatz. Ganz anders urteilt Wingenroth über das benachbarte Bahngebäude. Der Backsteinbau mit seinem »harten Schweizerdach« wolle »in unsere Gegend gar nicht passen«. Er beklagt, dass im Schwarzwald eine Zeitlang »völlig fremde Bauformen in der merkwürdigsten Mischung« verwendet worden seien. Deutlicher lässt sich sein vom Heimatschutz geprägtes Ideal kaum erkennen: Auch moderne Gebäude sollen sich nach seiner Vorstellung an regionalen Bautraditionen orientieren.

Standort des Fotografen: 47.884419, 8.341480

Haus Fehrenbach in der Bahnhofstraße, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Direkt neben dem 1901 eröffneten Bahnhof steht das im selben Jahr errichtete Haus des Briefträgers Josef Fehrenbach (Bahnhofstr. 2). Der Hausname lautet »Postseppele’s«. Das Gebäude wirkt deutlich repräsentativer als viele ältere Häuser im Städtchen. An der Fassade wächst ein junger Spalierbaum empor, vor dem Haus befindet sich ein kleiner eingefasster Garten. Entlang der Bahnlinie entstanden seit der Jahrhundertwende neue Häuser, die sich architektonisch sichtbar vom historischen Stadtkern unterscheiden. Das Haus Fehrenbach gehört zu dieser jüngeren Erweiterung Löffingens.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 21 unter der schlichten Bezeichnung »An der Bahn, Haus Nr. 74«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) nimmt auch dieses Gebäude in seinen Rundgang durch das Städtchen auf. Als Schriftleiter der vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebenen Zeitschrift beurteilt er gerade bei neueren Häusern sehr genau, ob sie seiner Vorstellung von einer regional angemessenen Bauweise entsprechen.

Ganz überzeugen kann ihn das Haus Fehrenbach nicht. Zwar sei es »bereits besser gemeint« als manche andere neuere Architektur. Doch die beiden Giebel, das abgewalmte Dach, dessen »starre Führung« ohne Aufschiebling und die Stichbogentür mit ihrer gezackten Quaderung seien »hierzulande niemals üblich«. Hier zeigt sich Wingenroths heimatschützerisches Ideal deutlich: Neubauten sollen nicht nur zweckmäßig und modern sein, sondern sich möglichst eng an vermeintlich überlieferte regionale Bauformen anlehnen.

Standort des Fotografen: 47.883928, 8.341967

Seppenhofer Straße mit Krankenhaus und Haus Egle, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Am Ortsausgang in Richtung Seppenhofen und Bonndorf wird die Bebauung locker. Die Straße führt zwischen Gärten und Wiesen hindurch und ist weiter draußen von Bäumen gesäumt. Zu erkennen ist das Städtische Krankenhaus (Seppenhofer Str. 7), noch bevor es 1921 umgebaut und nach Westen erweitert wird. Dabei entstehen im Erdgeschoss vier zusätzliche Zimmer und ein Baderaum, im Obergeschoss drei Zimmer, ein Operationssaal, ein Verbandzimmer und ein weiterer Baderaum. Zugleich wird der Eingang auf die Straßenseite verlegt und mit einer Altane versehen. Weiter rechts steht das 1907 errichtete Haus des Glasermeisters Anselm Egle (Seppenhofer Str. 15). Am linken Bildrand laufen Hühner frei zwischen den Grundstücken umher.

Als Bild Nr. 22 erscheint die Aufnahme 1921 unter der Überschrift »Am Ausgang nach Seppenhofen-Bonndorf« in der Zeitschrift »Badische Heimat«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg und Schriftleiter der Zeitschrift, führt seine Leser*innen in einem neunseitigen Beitrag mit insgesamt 28 Fotografien durch Löffingen. Herausgegeben wird die Zeitschrift vom 1909 gegründeten »Landesverein Badische Heimat e. V.«, der sich mit Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens beschäftigt.

Wingenroth nutzt den Rundgang dabei auch für deutliche Architekturkritik. Das Krankenhaus missfällt ihm wegen seiner »falschen Verhältnisse und unangenehmem Anstrich«. Auch das benachbarte Wohnhaus beurteilt er kritisch: Dessen Dach sei »etwas zu flach« und »mit der Reisschiene geführt«, während ihm das bescheidenere Haus dazwischen als vorbildlich erscheint. Bei der Zuordnung unterläuft ihm allerdings ein Fehler: Er nennt den Hafnermeister Josef Bader als Besitzer des kritisierten Hauses. Tatsächlich handelt es sich um das Haus des Glasermeisters Anselm Egle.

Standort des Fotografen: 47.880760, 8.345802

Sägewerk Benz mit Bahnlinie, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Mehrere Gleise durchziehen den Vordergrund, dahinter erhebt sich das weitläufige Werksgelände der Holzindustriewerke Josef Benz AG. Hohe Schornsteine und Fabrikgebäude bestimmen die Silhouette. Das Sägewerk liegt jenseits der Bahnlinie im Bereich der heutigen Güter- und Kesselstraße – deutlich abgesetzt vom alten Stadtkern.

Erst 1911/12 wird der Betrieb an dieser Stelle errichtet. Zunächst besteht er aus einem zweigattrigen Sägewerk und einer Kistenfabrik, doch das Unternehmen wächst rasch. In den folgenden Jahren kommen weitere Anlagen hinzu. Bis 1924 verfügt das Werk über zwölf zusätzliche Sägegatter, ein Hobelwerk, eine Kyanisieranstalt zur Holzkonservierung und eine Steckenschälerei. Das Sägewerk entwickelt sich damit zu einem bedeutenden Industriebetrieb und Arbeitgeber in Löffingen.

Als Bild Nr. 23 mit der schlichten Bezeichnung »Das Sägewerk« erscheint die Aufnahme 1921 in der Zeitschrift »Badische Heimat«. In seinem neunseitigen Beitrag führt der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) die Leser*innen anhand von 28 Fotografien durch Löffingen. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift beschäftigt sich mit Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens. Dass neben Straßenansichten und Häusern auch ein moderner Industriebetrieb Aufnahme findet, zeigt, wie sehr sich das Erscheinungsbild des Städtchens inzwischen verändert.

Mit der neuen Industrie kann Wingenroth allerdings wenig anfangen. Fast erleichtert stellt er fest: »Es fehlt auch nicht die unvermeidliche Fabrik, ein Sägewerk, doch liegt sie glücklicherweise über der Bahn drüben«. Für künftige Neu- und Umbauten fordert er eine ansprechendere Gestaltung, insbesondere bei Dächern und Baumaterialien. Seine Bemerkung verrät den Blick des Heimatschutzes: Die Industrialisierung lässt sich nicht aufhalten, soll sich aber möglichst harmonisch in Landschaft und Ortsbild einfügen.

Standort des Fotografen: 47.884056, 8.341661

Katholisches Pfarrhaus in der Unteren Hauptstraße, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Beherrschend steht das katholische Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10) am südlichen Ausgang des Städtchens. Der stattliche, nahezu quadratische Baukörper mit seinem mächtigen, doppelt abgewalmten Dach hebt sich deutlich von der kleinteiligeren Bebauung im Hintergrund ab. Fensterläden gliedern die schlichte Fassade, ein Mäuerchen und ein niedriger Zaun grenzt das Grundstück zur Straße hin ab.

Errichtet wurde das Pfarrhaus 1788 unter Stadtpfarrer Johann Georg Eggstein und damit tatsächlich noch im Barock. Es dient über mehr als eineinhalb Jahrhunderte als Amts- und Wohnhaus der Löffinger Stadtpfarrer. Ursprünglich gehörte zum Anwesen auch eine Pfarrscheuer, die jedoch beim Bau der Eisenbahnlinie weichen musste. Das Pfarrhaus wird in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1945 stark beschädigt.

Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Haus Kaus (Untere Hauptstr. 9a) bildet das Pfarrhaus am Bahnübergang nach Göschweiler ein markantes architektonisches Paar. Beide Gebäude besitzen die für ihre Erscheinung so charakteristischen mächtigen Dächer und rahmen den damaligen Ortsausgang ein.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« wird die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 24 unter der Überschrift »Barockhaus am Ausgang nach Göschweiler« veröffentlicht. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Schriftleiter der Zeitschrift und Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg, nimmt das Gebäude in seinen fotografischen Rundgang durch Löffingen auf. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift widmet sich besonders solchen als charakteristisch und erhaltenswert empfundenen Zeugnissen regionaler Baukultur.

Zum Abschluss seines Rundgangs zählt Wingenroth das Pfarrhaus und sein Gegenüber ausdrücklich zu den erfreulichen Beispielen Löffinger Architektur. Er schwärmt von den »beiden schönen Barockhäusern, die jeder Stadt eine Zierde wären«, und hebt besonders ihre »doppelt abgewalmten Dächer« hervor. Gerade an dieser Stelle wird deutlich, welche Bauformen dem Heimatschutz jener Zeit als vorbildlich gelten.

Standort des Fotografen: 47.882345, 8.342872

Haus Kaus in der Unteren Hauptstraße, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Unmittelbar am Bahnübergang steht das Haus Kaus (Untere Hauptstr. 9a). Mit seinem hohen, doppelt abgewalmten Dach wirkt es wie ein Gegenstück zum katholischen Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10) auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Zusammen bilden die beiden Gebäude ein markantes Ensemble am südlichen Ausgang des Städtchens. Beide Häuser werden als Barockhäuser bezeichnet, da die doppelt abgewalmten Dächer an die Bauformen Spätbarocks im 18. Jahrhunderts erinnern. Im Vordergrund sind die Gleise und die Schranke des Bahnübergangs zu erkennen.

Das Haus Kaus wurde 1803 errichtet. Ab 1892 wohnten darin der Bierwirt und Kaufmann Wilhelm Kaus (1853-1892) und dessen Ehefrau Theresia Kaus (geb. Kaier, 1860-1935). Das Gebäude wird am 25. Februar 1945 bei einem Fliegerangriff vollständig zerstört. Nach Kriegsende wird es nicht wieder aufgebaut. Damit verschwindet eine Hälfte des einstigen architektonischen Ensembles am Bahnübergang.

Die Aufnahme erscheint 1921 als Bild Nr. 25 in der Zeitschrift »Badische Heimat« unter der Überschrift »Gegenüberliegendes Barockhaus am Ausgang nach Göschweiler«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) führt seine Leser*innen darin anhand von 28 Fotografien durch Löffingen. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift widmet sich der Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens.

Gerade die beiden Barockhäuser begeistern Wingenroth. Zum Abschluss seines Rundgangs schreibt er: »Wir wollen unsere leider kurze Besichtigung mit Erfreulicherem schließen, dessen es gerade in Löffingen noch genug gibt.« Zu diesen erfreulichen Beispielen zählt er ausdrücklich die beiden Häuser am Bahnübergang, die »jeder Stadt eine Zierde wären«. Besonders hebt er ihre »doppelt abgewalmten Dächer« hervor – ein deutliches Beispiel dafür, welche Bauformen der Heimatschutz jener Zeit als vorbildlich und erhaltenswert ansieht.

Standort des Fotografen: 47.882415, 8.342536