2 Fotos: Frauengruppe vor einem Schopf, ca. 1930-1933

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Ursula Moch-Weiss zur Verfügung.

Eine Gruppe junger Frauen, die das Leben gemeinsam genießen – sei es an Fasnacht, bei Ausflügen im Sommer oder wie hier bei einem Spaziergang im Herbst oder Winter. Ihren Zusammenhalt demonstrieren sie, indem sie sich in einer besonderen Formation aufstellen, Schulter an Schulter, fast wie bei einer Polonaise. Die klare Botschaft lautet: Wir gehen zusammen durch dick und dünn!

oberes Foto
V.l.n.r.: 1 ???, 2 Ida Schultheiß (verh. Maier, 1909-2001), 3 ???, 4 Maria Straub (verh. Willmann, 1911-2011), 5 Elisabeth Schultheiß (verh. Würzburger, 1911-?), 6 Elisabeth Bader (verh. Obert, 1909-1997), 7 ???, 8 Else Häusle (verh. Weiß), 9 ???, 10 ???

Die beiden Fotos stehen für Freundschaft und auch für den Wandel der Frauenrolle. Gerade einmal ein Jahrzehnt zuvor, 1919, erhielten Frauen in Deutschland erstmals das Wahlrecht – ein riesiger gesellschaftlicher Fortschritt! Diese Frauen gehören zu einer Generation, die damit aufwächst, eigene Entscheidungen zu treffen und neue Freiheiten zu entdecken. Als sie mit 21 Jahren erstmalig wahlberechtigt sind, ist das demokratische System in Deutschland allerdings bereits weitgehend zerstört.

Im Hintergrund ist ein Holzzaun und ein Schopf zu sehen.

Standort des Fotografen: ???

Rosa Ebi im Fotostudio, 1916

Fotograf: Leo Molitor, Neustadt
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Christa Egle zur Verfügung.

Eine junge Frau lässt sich im Fotoatelier fotografieren – im Atelier Molitor in Neustadt, wie die Rückseite verrät. Die Aufnahme trägt eine persönliche Widmung: »Zum Andenken an den 17. September im Kriegsjahr 1916«. Die Frau trägt schlichte, aber elegante Kleidung. Sie kombiniert eine weiße, hochgeschlossene Bluse mit langen Ärmeln und einer Brosche am Kragen mit einem dunklen, bodenlangen Rock. Ihre Frisur ist streng, die Haare glatt und nach hinten gesteckt. An ihrem Handgelenk ist eine Armbanduhr zu erkennen.

Es ist Rosa Ebi (verh. Wider, 1897-1974), die sich hier im Fotoatelier fotografieren lässt. Sie wurde am 10. April 1897 als Tochter des Landwirts Julius Ebi und dessen Ehefrau Josephine geb. Hasenfratz geboren. Ihr Elternhaus steht in der Rötengasse. Als das Foto aufgenommen wird, ist die 19-Jährige noch unverheiratet. Am 21. Oktober 1920 heiratet sie Heinrich Wider. Im Widmungstext auf der Rückseite der Fotografie ist eine »Frida« erwähnt. Vielleicht handelt es sich bei ihr um Frida Egle (geb. Klotz, 1887-1951), die seit 1910 mit dem Maurermeister Karl Egle verheiratet ist und im Nachbarhaus (Rötengasse 6) wohnt?

Im Hintergrund der Porträtaufnahme ist die stilvolle Einrichtung des Ateliers zu sehen: gemalte Landschaftsbilder an der Wand und Vorhänge, die eine häusliche und zugleich künstlerische Atmosphäre schaffen. Rosa Ebi steht neben einem Lesepult, auf dem ein Buch liegt.

Das Jahr 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, ist auch in der Heimat geprägt von Entbehrungen, Verlusten und Unsicherheit. Fotografien wie diese sind nicht nur kostbare Erinnerungsstücke, die als Zeichen von Freundschaft oder Liebe angefertigt und verschenkt werden, sondern auch eine Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit darzustellen.

Standort des Fotografen: Neustadt

2 Fotos: Turnerinnen des Turnerbundes, 1933

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Hans-Peter Hepting und Christa Egle sowie Elisabeth Rosenstiel zur Verfügung.

Neun Turnerinnen des Turnerbundes posieren in schwarzen Turnanzügen auf einer Wiese. Es handelt sich um praktische Sportkleidung, die die Bewegungsfreiheit nicht einschränkt. Die Frauen sitzen und knien in zwei Reihen, während ein Mann, Übungsleiter Fritz Adrion, hinter ihnen steht. Er trägt ein weißes Hemd und eine dunkle Hose mit Hosenträgern, wodurch er sich deutlich von den Turnerinnen abhebt.

oberes Foto
1.Reihe, v.l.n.r.:
1 Rosa Adrion (geb. Berger), 2 Karolina Greuter (verh. Auer, 1907-?), 3 Elisabeth Hepting (geb. Münzer, 1897-1982), 4 ???, 5 ???
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Anna Studer, 3 ???, 4 Rosa Wagner (geb. Egle, 1905-?)
3.Reihe: 1 Fritz Adrion

Zu sehen sind vermutlich auch ??? Neuberger, ??? Mündle, Rosa Henzler (1900-?), Else Egle (Glaserei)

Standort des Fotografen: ???

Vorstand der Landfrauen im Gasthaus »Löwen«, 1991

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Bei der Generalversammlung des Landfrauenvereins im Gasthaus »Löwen« finden Vorstandswahlen statt, die von der Bezirksvorsitzenden Adelheid Ketterer aus Breitnau und deren Vorgängerin Erika Ketterer aus Bachheim geleitet werden. Nicht mehr zur Wahl stellen sich die Zweite Vorsitzende Marianne Egle und die Schriftführerin Lydia Zepf.

Die 50 anwesenden Mitglieder bestätigen die Vorsitzende Hedwig Zepf für weitere drei Jahre in ihrem Amt. Neue Zweite Vorsitzende wird Stadträtin Christel Kaiser. Neu im Amt der Schriftführerin ist Gabi Maier. Als Kassiererin wird Josefa Geisinger wiedergewählt. In ihren Ämtern bestätigt werden die Beisitzerinnen Inge Mayer und Emma Selb.

1.Reihe, sitzend, v.l.n.r.: 1 Josefa Geisinger, 2 Christel Kaiser, 3 Hedwig Zepf
2.Reihe, stehend, v.l.n.r.: 1 Gabi Maier, 2 Emma Selb, 3 Inge Mayer

Der Verein besteht seit sieben Jahren und verfügt über 111 Mitglieder.

Standort des Fotografen: 47.883846, 8.345099

Närrinnengruppe im Café Fuß, Fasnacht ca. 1995

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Eugen Mayer zur Verfügung.

»… dass ich, solange ich lebe und Atem habe, mit allen Fasern meines Lebens, treu zur Laternenbrüder-Narrenfreiheit stehe«. So lautet die Eidesformel, die die 20-Jährigen am »Schmutzigen Dunschdig« bei ihrer Vereidigung am Narrenbaum leisten. Diese vier Närrinnen scheinen den Eid zu beherzigen. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters ist es für sie undenkbar, an Fasnacht ruhig zu Hause zu sitzen. Sie mischen sich unter das närrische Volk und sind mittendrin beim Narrentreiben in den Wirtschaften. Im Café Fuß lässt es sich bei einem Viertele Wein gut sitzen.

V.l.n.r.: 1 Hermine Baumgart (geb. Zürcher, 1907-1998), 2 Josepha Rappenegger (geb. Roth, 1915-1998), 3 Maria Heiler (geb. Dettling, 1922-2003), 4 Theresia Schreiber (geb. Straub, 1929-2018)

Standort des Fotografen: 47.884010, 8.344080

Fronleichnamsprozession auf dem oberen Rathausplatz, ca. 1950

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Dr. Konrad Schlude zur Verfügung.

Auf dem oberen Rathausplatz sind am Laden von Kaufmann Robert Sauter (1900-1945) die Rollläden heruntergelassen. Der Ladenbesitzer ist zu diesem Zeitpunkt tot, denn er starb am 19. Oktober 1945 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Betrieben wird der Laden aber weiterhin von seiner Ehefrau Justina Sauter (geb. Brett, 1900-1994). Dass das Geschäft heute geschlossen ist, liegt daran, dass Feiertag ist.

Die katholische Pfarrgemeinde feiert Fronleichnam. Die Häuser im Städtchen sind entlang der Prozessionsstrecke mit Fahnen und Girlanden geschmückt. Der Weg, auf dem das Allerheilige in der Monstranz duch die Straßen getragen wird, ist mit einem Blumenteppich versehen. Eine Gruppe junger Frauen schreitet gerade darüber. Sie tragen eine Marienstatue. Vielleicht gehören sie der Jungfrauenkongregation an.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 Agathe Köpfler (verh. Jordan, 1922-1982), 8 ???, 9 ???

Eine der Frauen ist vermutlich Magdalena Glunk (verh. Schlude, 1931-2019).

Standort des Fotografen: 47.883956, 8.344880

Alte Frau in Tracht vor dem Haus Fürst, ca. 1950-1952

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Petra Nobs zur Verfügung.

Vor dem Haus Fürst (Demetriusstr. 5) steht eine alte Frau, die Tracht trägt. Mit ihrer Hand umfasst sie ein »Magnificat«, ein katholisches Gebet- und Gesangbuch. Offensichtlich ist sie auf dem Weg zum Gottesdienst in der Pfarrkirche oder kommt gerade von dort zurück. Vermutlich ist die Frau Josefa Fürst (geb. Bader, 1867-1952), die Witwe des verstorbenen Schmiedemeisters Viktor Fürst (1862-1934).

Geboren wurde sie am 25. Dezember 1867 als Tochter des Landwirts Anton Bader und dessen Ehefrau Maria Anna Bader (geb. Benz). Ihren Ehemann Viktor Fürst heiratete sie am 5. Januar 1888. Sie stirbt am 23. März 1952 im Alter von 84 Jahren. »Altersschwäche« lautet die Todesursache.

Standort des Fotografen: 47.884472, 8.344500

Mutter mit Baby in der Rötengasse, ca. 1910

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Eine Frau sitzt mit ihrem Baby vor der Haustür. Stolz hält sie das neugeborene Kind in die Kamera des Fotografen. Im Hintergrund führt eine Treppe mit Geländer zum Eingang des Hauses empor.

Es handelt sich um das Haus Benitz, das unterhalb des Alenbergs in der Rötengasse steht. Es brennt beim Großbrand am 28. Juli 1921 nieder. Die Brandruine steht noch bis Mitte der 1930er Jahre. Sie wird erst abgeräumt, als der Arzt Dr. Gugelberger auf einem Teil des Grundstücks seine Villa (Maienlandstr. 6) errichtet. Bis heute sind im Bereich Rötengasse Trümmerteile des Gebäudes und exakt dasselbe Treppengeländer vorhanden.

Standort des Fotografen: 47.885139, 8.343611

Frauengruppe in einem Wohnzimmer, Silvester 1932

Dieses Foto stellten dankenwerterweise Ursula Moch-Weiss sowie Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Die jungen Frauen sind gute Freundinnen und verbringen viel Zeit miteinander. Im Sommer unternehmen sie gemeinsame Ausflüge, an Fasnacht finden sie sich zu einer Närrinnengruppe zusammen, insbesondere in der kalten Jahreszeit mit langen Winterabende veranstaltet man diverse »Feste«, wie es im Fotoalbum heißt. An diesem Abend ist man im Wohnzimmer der Familie Straub zusammengekommen. Die Wanduhr zeigt Mitternacht, Gläser werden erhoben, man prostet sich zu. Alles deutet darauf hin, dass hier gemeinsam Silvester gefeiert und das neue Jahr begrüßt wird.

Was dieses neue Jahr bringen wird, ahnt an diesem Abend niemand. Politisch steht Deutschland vor einer dramatischen Zäsur: Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt, die nationalsozialistische Diktatur nimmt ihren Anfang. Doch Berlin und die große Politik scheinen den jungen Frauen an diesem Silvesterabend weit entfernt.

1.Reihe, liegend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???
2.Reihe, sitzend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???
3.Reihe, stehend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Johanna Ganter (verh. Rebholz, 1913-2003), 3 Luise Straub (verh. Bader, 1914-2009), 4 ???, 5 ???, 6 ???, 7 ???, 8 Maria Straub (verh. Willmann, 1911-2011)

Zu sehen sind außerdem u.a. Else Häusle (verh. Weiss, 1911-?)

Standort des Fotografen: 47.883348, 8.343675

Maria Schweizer mit Kind, 1942

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Alexandra Scholl zur Verfügung.

Maria Schweizer (geb. Ganter, 1909-?) sitzt hinterm Haus auf einem Bänkchen. Sie hält ihren kleinen Sohn in Händen: Hans-Jürgen Schweizer (geb. 1941) wurde am 16. Dezember 1941 geboren – und ist hier schon einige Monate alt. Der Kinderwagen steht griffbereit daneben. Aufgenommen wird das Foto vermutlich von Ehemann und Vater Otto Schweizer (1906-1992). Die Familie wohnt in der Seppenhofer Straße.

Standort des Fotografen: 47.882285, 8.344300

Frau in Tracht, ca. 1910

Fotograf: Molitor, Neustadt
Dieses Foto stellten dankenswerterweise Johanna und Walter Nägele zur Verfügung.

Im Fotoatelier in Neustadt lässt sich eine junge Frau in Tracht fotografieren. Neben ihr sitzt auf einem Hocker ein kleines Mädchen. Handelt es sich um Luise Beha (geb. Bader, 1874-1958) und ihre Tochter Agathe (verh. Geisinger, 1906-?)?

Standort des Fotografen: Neustadt

Mütter beim Basteln für den Kindergartenbasar, 1979

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Renate Meder zur Verfügung.

Im Kindergarten fehlen dringend Spielgeräte! Auf dem Vorplatz fristet eine Handvoll Geräte ein eher trauriges Dasein. Seit der Eröffnung des Kindergartens am 1. Dezember 1965 wurde hier nicht mehr investiert. Von einem ansprechenden Spielplatz kann keine Rede sein. Also organisiert der Elternbeirat kurzerhand einen Kindergartenbasar, in dem Kinderkleidung und Spielsachen »Second Hand« verkauft werden. Außerdem wird Selbstgebasteltes zum Verkauf angeboten. Der Erlös kommt dem Kindergarten zu Gute.

Eine Reihe engagierter Mütter trifft sich hier in den Räumlichkeiten des Kindergartens, um gemeinsam Weihnachtsdekoration zu basteln. Auch Schwester Ediltrudis (1914-2004), die der Initiative der Mütter zunächst skeptisch gegenüberstand, und Erzieherin Ruth Schwarz legen Hand an und basteln mit. Der Basar wird ein voller Erfolg!

Vorne, v.l.n.r.: 1 Helen Waßmer, 2 Marianne Brugger (geb. Fehrenbach), 3 Inge Frei, 4 Waltraud Knöpfle, 5 Veronika Leber, 6 Renate Meder, 7 Regina van den Heuvel (geb. Sibold), 8 Schwester Ediltrudis, 9 Ruth Schwarz
Hinten, v.l.n.r.: 1 Renate Finkbeiner, 2 ???

Standort des Fotografen: 47.883451, 8.346696