Haus Guth am unteren Rathausplatz, ca. 1955-1960

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Verena Neumann zur Verfügung.

Schätzungsweise aus einem Fenster des Hauses Fuß (Rathausplatz 5) wird dieses Foto aufgenommen. Zu sehen ist das Haus Guth (später Schmid) am Rathausplatz. Ins Auge stechen zunächst die baulichen Veränderungen, die an dem 1909 erbauten Haus kurz zuvor vorgenommen wurden. Die Haustür und die beiden rundbogigen Fenster wurden durch ein breites Schaufenster ersetzt, in dessen Mitte sich der Eingang zum Ladengeschäft befindet. Die Fassade ist noch nicht neu verputzt. Eigentümer des Hauses ist seit 1953 der Kaufmann und Textilvertreter Karl Guth. Wie in der Auslage zu erkennen ist, wird Bekleidung verkauft. 1962 verkauft Guth das Haus an den Schuhmachermeister Emil Schmid und dessen Ehefrau Mathilde geb. Geisinger, die darin ein Schuhgeschäft eröffnen.

Ein Volkswagen parkt vor dem Haus. Vor dem Nachbarhaus von Familie Siefert (rechts) steht eine stattliche Fichte, die das Dach überragt. Sogar ein kleines Gärtchen, das von einem weißen Holzzaun eingerahmt wird, findet seinen Platz. Es muss später einem Gehweg und Autoparkplätzen weichen. Rechts im Vordergrund ist die Spitze des Kriegerdenkmals zu erkennen, auf der der Adler thront.

Standort des Fotografen: 47.883765, 8.344236

»Laternenbrüder« vor Limbs Laden in der Unteren Hauptstraße, ca. 1930-1940

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Gaby Vogt zur Verfügung.

Vor dem Friseursalon von Julius Limb (Untere Hauptstr. 4) stehen vier Laternenbrüder. Sie sind nicht nur an der Laterne zu erkennen, die sie bei sich führen, sondern auch an ihrem Kittel und ihrem schwarzen Rundhut. Alle vier nuckeln an Tabakpfeifen.

Im Hintergrund ist der Eingang zum Friseusalon und das Schaufenster zu erkennen, das mit Fasnachtsmasken dekoriert ist. Die Ölsäule links mit dem Schritzug »Das Vollschutz Motor-Öl« verweist darauf, dass Julius Limb auch eine »Esso«-Tankstelle betreibt.

V.l.n.r.: 1 Walter Ratzer, 2 Willy Vogt, 3 Josef Heiler, 4 Julius Limb (1883-1968)

Standort des Fotografen: 47.883467, 8.343782

Geschäftshaus Kuttruff am oberen Rathausplatz, 1976

Stadtarchiv

Der Rathausbrunnen mit der »Schnitterin« steht wie eh und je auf dem Rathausplatz. Längst dient der Platz aber nicht mehr als Marktplatz, sondern vor allem als Parkplatz für Autos. Der Blick fällt am Rathausgebäude vorbei auf das Wohn- und Geschäftshaus von Elektromeister Werner Kuttruff (Rathausplatz 3). Der Supermarkt Gottlieb GmbH ist einige Jahre zuvor ausgezogen. An Stelle von Lebensmitteln werden seit 1972 nun »Farb-Fernseh-Hifi-Studio-Elektrogeräte-Haushaltswaren« verkauft, wie auf einem Schriftzug im Schaufenster zu lesen ist.

Das Dach ist noch nicht ausgebaut, nur drei kleine Blechgauben lassen ein wenig Tageslicht in den Dachboden hinein. Zu den angrenzenden Nachbargebäuden gibt es noch keine Staffelgiebel, diese werden erst bei einer späteren Renovierung aufgemauert. Noch kann man erahnen, dass die Häuser Rathausplatz 3 und 2 früher zusammengehörten und einen großen Gebäudekomplex bildeten.

Standort des Fotografen: 47.883877, 8.344723

Haus Schmitt in der Alenbergstraße, ca. 1925

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Prof. Dr. Petra Hörner zur Verfügung.

»Herrenmaßgeschäft und Kleiderhandlung«, so lautet die offizielle Bezeichnung des Geschäfts von Schneidermeister Johann Schmitt (1878-1967). Die Jahreszahl »1925« steht auf dem Steingewände des Rundbogens des Ladens. Sie verweist darauf, dass das Haus nach dem Großbrand 1921 erbaut wurde. Als das Foto aufgenommen wird, ist das Haus noch fast wie neu.

Johann Schmitt stammt aus dem Württembergischen. Seine erste Ehefrau Berta (1881-1914) war 1914 im Alter von nur 34 Jahren verstorben. Nach dem Ersten Weltkrieg verheiratete sich der Witwer in zweiter Ehe mit Mathilde geb. Ruf (1877-1948) aus Rötenbach. Am 14. Juni 1921 bekamen die beiden Zwillinge. Die Tochter Frieda Schmitt starb bereits am Tag der Geburt. Der Sohn Johannes Schmitt tritt später in die väterlichen Fußstapfen und wird Schneidergeselle in Donaueschingen. Im Zweiten Weltkrieg wird er Soldat.  Am 5. Juni 1942 stirbt er kurz vor seinem 21. Geburtstag in Russland durch einen Bauchschuss.

Standort des Fotografen: 47.884689, 8.345095

Schaufenster des Ladengeschäftes »Gottlieb«, 1936

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Monika Huber zur Verfügung.

Das Schaufenster der »Gottlieb«-Filiale am Rathausplatz ist anlässlich des Firmenjubiläums dekoriert. »65 Jahre gute Ware 1871-1936 Gottlieb« ist auf dem runden Schild zu lesen. Weinflaschen und ein Weinfass werden im Schaufenster präsentiert. Darunter ist der Schriftzug »Trinkt deutschen Wein« auf die Scheibe geschrieben. Der Slogan wird seit den 1920er Jahren bei Werbekampagnen verwendet.

1871 war der erste »Gottlieb«-Laden in Saarbrücken durch den Drechsler Ludwig Gottlieb gegründet worden. In den Folgejahren eröffnete er unter Beteiligung seiner Söhne und seines Schwiegersohns weitere Lebensmittelgeschäfte. Vor dem Ersten Weltkrieg verfügte das Unternehmen L. Gottlieb bereits über 300 Filialen. Die Löffinger Filiale befand sich im Haus von Kaufmann Paul Guth.

Standort des Fotografen: 47.883599, 8.343932

Haus Siefert mit Ladengeschäft »Gottlieb« auf dem unteren Rathausplatz, 1936

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Monika Huber zur Verfügung.

Die Jugendstilelemente sind deutlich am Wohn- und Geschäftshaus Rathausplatz 6 zu erkennen. Erbaut wurde es 1911 nach Plänen des Architekten Fr. Kopp. Bauherr war der Apotheker Otto Buisson (1868-1934). Als er 1920 nach Pforzheim zog, um dort die »Adler-Apotheke« zu betreiben, verkaufte er das Gebäude an den Kaufmann Paul Guth (1881-1924). Guth starb 1924 im Alter von nur 43 Jahren. Seine Witwe Maria Guth geb. Sibold (1886-?) übernahm das Geschäft und übergab es schließlich an ihrer Tochter Anna (1903-?) und deren Ehemann Wilhelm Siefert (?-?).

Im Erdgeschoss befindet sich eine Filiale der Lebensmittelkette »L. Gottlieb«. Anna Siefert führt außerdem ein kleines Modegeschäft. In einer Glasvitrine neben dem Eingang sind Hüte ausgestellt. Ihr Ehemann Wilhelm Siefert besitzt eine Kohlenhandlung und vertreibt Kohle, Koks und Briketts. Außerdem betreibt er eine »Aral«-Tankstelle, die verkehrsgünstig an der Landstraße liegt, die durch das Städtchen führt. Die Zapfsäule steht unmittelbar neben dem kleinen Gärtchen mit der hochaufragenden Tanne.

Standort des Fotografen: 47.883797, 8.343835

Eingangsbereich vom Haus Benz in der Kirchstraße, ca. 1940

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Adolf Benz zur Verfügung.

In der Mitte die Haustür, links davon die Stalltür und rechts das Schaufenster des kleinen Ladens. Mit diesen Worten lässt sich das Foto kurz und knapp beschreiben. Mehr Details erkennt man bei genauerem Hinsehen. Bemerkenswert scheinen zunächst die Sandsteingewände der beiden Türen mit ihren Rundbögen. Sie sind sicherlich ein Relikt aus der Zeit, als das Haus Benz (Kirchstr. 12) zum Meyerhof des Klosters Friedenweiler gehörte. Der Schriftzug »Anton Benz« ist auf dem Rundbogen der Haustür noch zu erahnen und verweist auf den Landwirt und Seifensieder Anton Benz (1846-1936), der aus Seppenhofen stammte und das Gebäude nach seiner Eheschließung 1874 von seinen Schwiegereltern übernahm. Darüber ist die Hausnummer »17« angebracht, die das Haus trägt, als die Straße noch Hafnergasse heißt.

Ein Mann steht mit einer Heugabel vor der Tür und wischt sich gerade den Schweiß aus dem Gesicht. Rechts von ihm befindet sich ein Sprossenfenster, das als Schaufenster dient: Das Scheuermittel »Ata« ist hinter der Glasscheibe zu sehen. Auf dem Fensterladen ist ein Werbeschild für »Seifix« (Seifenpulver, Bleichmittel und Bohnerwachs) angebracht. Daneben wächst ein Spalierbaum an der Fassade.

Standort des Fotografen: 47.883111, 8.344401

Fronleichnamsprozession in der Maienlandstraße, 14. Juni 1990

Sammlung Familie Waßmer

Bei strahlendem Sonnenschein zieht die Fronleichnamsprozession durch die Maienlandstraße und biegt in die Rötengasse ein. Hinter den Ministranten schreitet der Priester mit der Monstranz und dem Allerheiligsten. In diesem Jahr ist es nicht Stadtpfarrer Hermann Litterst (1929-2013), sondern Stephan Burger (geb. 1962). Er ist wenige Wochen zuvor am 20. Mai 1990 im Freiburger Münster zum Priester geweiht worden und hat anschließend seine Heimatprimiz in Löffingen gefeiert. Vier uniformierte Feuerwehrmänner geben mit gezücktem Schwert ein Ehrengeleit. Im Prozessionszug folgen Bürgermeister Dr. Dieter Mellert (1941-2019) und die Damen und Herren Gemeinderäte.

Standort des Fotografen: 47.885417, 8.342689

Narrengruppe vor dem Haus Vogt, Fasnacht ca. 1934-1938

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Hilda und Walter Köpfler zur Verfügung.

Vor dem Schaufenster beim »Zigarren-Vogt« haben sich fünf Närrinnen und drei Narren zu einem Gruppenfoto versammelt.  Im Hintergrund ist das »Eichhäusle« (Obere Hauptstr. 1) und das Haus Roth (Vorstadtstr. 4) zu sehen.

1.Reihe, v.l.n.r.: vorn: Albert Schwörer, ??? Fritz Nägle
2.Reihe, v.l.n.r.: Mathilde Nägele, Hedwig Wölfle, Maria Nägele, Anna Nägele, Wilhelm Vogt, »Nudle-Vogt«

Standort des Fotografen: 47.884145, 8.345280

Fronleichnamsschmuck am Haus Maier in der Unteren Hauptstraße, ca. 1930

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Emilie und Heinz Albrecht zur Verfügung.

Das Schaufenster von Uhrmachermeister Wilhelm Maier (1889-1954) in der Unteren Hauptstraße ist für Fronleichnam aufwändig geschmückt. Ein Kruzifix ist aufgebaut, darunter befindet sich eine Kugel aus Reisig, auf der ein Spruchband angebracht ist. Es verkündet: »Christus, Herr der neuen Zeit«. In das Straßenpflaster sind Maien gesteckt, die das deokrierte Schaufenster einrahmen.

Wilhelm Maier gehört dem katholischen Stiftungsrat an. Er ist auch einer der vier »Himmelträger«, die bei der Fronleichnamsprozession den Stoffbaldachin für den Pfarrer tragen.

Standort des Fotografen: 47.883287, 8.343867

Bäckerei Straub und »alter Benzbau« in der Unteren Hauptstraße, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Breit zieht sich das Haus des Bäckermeisters Ernst Straub (Untere Hauptstr. 6) entlang der Straße. Im Erdgeschoss ist der Laden eingerichtet, ein kleines Schaufenster ist neben dem Ladeneingang zu sehen. Ein großes Scheunentor ist in der rechten Gebäudehälfte zu erkennen. Unmittelbar daneben schließt sich das Haus Limb (Untere Hauptstr. 4) an, in dem Friseurmeister Julius Limb seinen Friseursalon betreibt. Ein Geschäftsschild an der Fassade weist darauf hin. Am linken Bildrand steht der sogenannte »alte Benzbau« (Untere Hauptstr. 8) mit seiner breiten Giebelfront und den regelmäßig angeordneten Fenstern.

Die Aufnahme vermittelt einen Eindruck davon, wie selbstverständlich sich Geschäfte in die Wohnhäuser einfügen. Es gibt keine großflächigen Schaufensterfronten oder auffällige Reklame. Wohnen, Handwerk und Verkauf liegen unmittelbar nebeneinander und prägen gemeinsam das Straßenbild der Unteren Hauptstraße.

Als Bild Nr. 17 findet die Ansicht Eingang in den 1921 erschienenen Löffingen-Beitrag der Zeitschrift »Badische Heimat«. Unter der Überschrift »Haus Ernst Straub mit Laden« gehört sie zu insgesamt 28 Fotografien, mit denen der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) seine Leser*innen durch das Städtchen führt. Als Schriftleiter der vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebenen Zeitschrift interessiert er sich besonders für traditionelle Bauformen und dafür, wie Neubauten und Geschäftseinbauten das gewachsene Ortsbild verändern.

Das Haus Straub findet ausdrücklich seine Zustimmung. Die Art, »wie hier die Läden eingebaut sind«, bezeichnet Wingenroth als gelungenes Gegenbeispiel zu anderen, von ihm kritisierten Geschäftshäusern. Auch die »freundliche, breite Giebelfront« des benachbarten Hauses gefällt ihm. Besonders lobt er, dass die Firmenschilder »bescheiden und anständig geblieben« seien und dadurch die Wirkung der alten Straße nicht beeinträchtigten. Seine Wortwahl verrät dabei deutlich den Blick des Heimatschutzes: Bewahrt werden soll ein möglichst harmonisches, traditionell wirkendes Stadtbild. Doch die moderne Zeit hält längst Einzug, und der technische Fortschritt lässt sich nicht aufhalten: Auf dem Dach der Bäckerei Straub ist bereits ein Mast für die Elektrizitätsversorgung zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.883482, 8.343833

Unterer Rathausplatz mit Mailänder Tor, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Fast menschenleer liegt der untere Rathausplatz vor dem Fotografen. Nur ein einzelnes Huhn läuft über die freie Fläche. Den Blickfang bildet die geschlossene Häuserzeile mit dem alten Mailänder Tor. Links davon stehen die Häuser des Flaschnermeisters Ferdinand Willmann (Demetriusstr. 13) und des Korbmachers August Egle (Demetriusstr. 14) sowie die Metzgerei Werne (Demetriusstr. 15). Kleine Ladeneinbauten und Schaufenster zeigen, dass hier nicht nur gewohnt, sondern auch gearbeitet und verkauft wird.

Das Mailänder Tor prägt zu diesem Zeitpunkt noch den Stadtring. Doch sein Ende steht unmittelbar bevor: Nach dem Großbrand vom 28. Juli 1921 wird das alte Torgebäude abgerissen. An seiner Stelle entsteht ein Neubau mit einer breiteren Tordurchfahrt, die den veränderten Verkehrsverhältnissen Rechnung trägt. Die Fotografie hält damit einen Zustand fest, der nur noch kurze Zeit bestehen wird.

Als Bild Nr. 15 erscheint die Aufnahme 1921 in der Zeitschrift »Badische Heimat«. Die Bildunterschrift lautet »Unterer Platz, Mailänder Tor und Laden A. Egle«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), zugleich Schriftleiter der Zeitschrift und Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg, führt seine Leser*innen in seinem neunseitigen Beitrag anhand von 28 Ansichten durch Löffingen. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift beschäftigt sich mit Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens.

Wingenroth gefällt insbesondere, wie sich die kleinen Geschäfte in die alten Häuser einfügen. Über diese Seite des Rathausplatzes schreibt er: »Ebenso aber erfüllt uns die andere Seite des Platzes neben dem Mailänder Tor mit Genugtuung; wie hier die Läden eingebaut sind, kann als gutes Gegenbeispiel gegen die vorhin erwähnten gelten.« Hier zeigt sich sein vom Heimatschutz geprägter Blick: Moderne Geschäftsnutzung ist für ihn durchaus willkommen – solange sie sich möglichst unauffällig in das überlieferte Stadtbild einfügt.

Standort des Fotografen: 47.883675, 8.344068