Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Gaby Vogt zur Verfügung.
Vor dem Friseursalon von Julius Limb (Untere Hauptstr. 4) stehen vier Laternenbrüder. Sie sind nicht nur an der Laterne zu erkennen, die sie bei sich führen, sondern auch an ihrem Kittel und ihrem schwarzen Rundhut. Alle vier nuckeln an Tabakpfeifen.
Im Hintergrund ist der Eingang zum Friseusalon und das Schaufenster zu erkennen, das mit Fasnachtsmasken dekoriert ist. Die Ölsäule links mit dem Schritzug »Das Vollschutz Motor-Öl« verweist darauf, dass Julius Limb auch eine »Esso«-Tankstelle betreibt.
V.l.n.r.: Walter Ratzer, Willy Vogt, Josef Heiler, Julius Limb (1883-1968)
Der Rathausbrunnen mit der »Schnitterin« steht wie eh und je auf dem Rathausplatz. Längst dient der Platz aber nicht mehr als Marktplatz, sondern vor allem als Parkplatz für Autos. Der Blick fällt am Rathausgebäude vorbei auf das Wohn- und Geschäftshaus von Elektromeister Werner Kuttruff (Rathausplatz 3). Der Supermarkt Gottlieb GmbH ist einige Jahre zuvor ausgezogen. An Stelle von Lebensmitteln werden seit 1972 nun »Farb-Fernseh-Hifi-Studio-Elektrogeräte-Haushaltswaren« verkauft, wie auf einem Schriftzug im Schaufenster zu lesen ist.
Das Dach ist noch nicht ausgebaut, nur drei kleine Blechgauben lassen ein wenig Tageslicht in den Dachboden hinein. Zu den angrenzenden Nachbargebäuden gibt es noch keine Staffelgiebel, diese werden erst bei einer späteren Renovierung aufgemauert. Noch kann man erahnen, dass die Häuser Rathausplatz 3 und 2 früher zusammengehörten und einen großen Gebäudekomplex bildeten.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Prof. Dr. Petra Hörner zur Verfügung.
»Herrenmaßgeschäft und Kleiderhandlung«, so lautet die offizielle Bezeichnung des Geschäfts von Schneidermeister Johann Schmitt (1878-1967). Die Jahreszahl »1925« steht auf dem Steingewände des Rundbogens des Ladens. Sie verweist darauf, dass das Haus nach dem Großbrand 1921 erbaut wurde. Als das Foto aufgenommen wird, ist das Haus noch fast wie neu.
Johann Schmitt stammt aus dem Württembergischen. Seine erste Ehefrau Berta (1881-1914) war 1914 im Alter von nur 34 Jahren verstorben. Nach dem Ersten Weltkrieg verheiratete sich der Witwer in zweiter Ehe mit Mathilde geb. Ruf (1877-1948) aus Rötenbach. Am 14. Juni 1921 bekamen die beiden Zwillinge. Die Tochter Frieda Schmitt starb bereits am Tag der Geburt. Der Sohn Johannes Schmitt tritt später in die väterlichen Fußstapfen und wird Schneidergeselle in Donaueschingen. Im Zweiten Weltkrieg wird er Soldat. Am 5. Juni 1942 stirbt er kurz vor seinem 21. Geburtstag in Russland durch einen Bauchschuss.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Monika Huber zur Verfügung.
Das Schaufenster der »Gottlieb«-Filiale am Rathausplatz ist anlässlich des Firmenjubiläums dekoriert. »65 Jahre gute Ware 1871-1936 Gottlieb« ist auf dem runden Schild zu lesen. Weinflaschen und ein Weinfass werden im Schaufenster präsentiert. Darunter ist der Schriftzug »Trinkt deutschen Wein« auf die Scheibe geschrieben. Der Slogan wird seit den 1920er Jahren bei Werbekampagnen verwendet.
1871 war der erste »Gottlieb«-Laden in Saarbrücken durch den Drechsler Ludwig Gottlieb gegründet worden. In den Folgejahren eröffnete er unter Beteiligung seiner Söhne und seines Schwiegersohns weitere Lebensmittelgeschäfte. Vor dem Ersten Weltkrieg verfügte das Unternehmen L. Gottlieb bereits über 300 Filialen. Die Löffinger Filiale befand sich im Haus von Kaufmann Paul Guth.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Monika Huber zur Verfügung.
Die Jugendstilelemente sind deutlich am Wohn- und Geschäftshaus Rathausplatz 6 zu erkennen. Erbaut wurde es 1911 nach Plänen des Architekten Fr. Kopp. Bauherr war der Apotheker Otto Buisson (1868-1934). Als er 1920 nach Pforzheim zog, um dort die »Adler-Apotheke« zu betreiben, verkaufte er das Gebäude an den Kaufmann Paul Guth (1881-1924). Guth starb 1924 im Alter von nur 43 Jahren. Seine Witwe Maria Guth geb. Sibold (1886-?) übernahm das Geschäft und übergab es schließlich an ihrer Tochter Anna (1903-?) und deren Ehemann Wilhelm Siefert (?-?).
Im Erdgeschoss befindet sich eine Filiale der Lebensmittelkette »L. Gottlieb«. Anna Siefert führt außerdem ein kleines Modegeschäft. In einer Glasvitrine neben dem Eingang sind Hüte ausgestellt. Ihr Ehemann Wilhelm Siefert besitzt eine Kohlenhandlung und vertreibt Kohle, Koks und Briketts. Außerdem betreibt er eine »Aral«-Tankstelle, die verkehrsgünstig an der Landstraße liegt, die durch das Städtchen führt. Die Zapfsäule steht unmittelbar neben dem kleinen Gärtchen mit der hochaufragenden Tanne.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Adolf Benz zur Verfügung.
In der Mitte die Haustür, links davon die Stalltür und rechts das Schaufenster des kleinen Ladens. Mit diesen Worten lässt sich das Foto kurz und knapp beschreiben. Mehr Details erkennt man bei genauerem Hinsehen. Bemerkenswert scheinen zunächst die Sandsteingewände der beiden Türen mit ihren Rundbögen. Sie sind sicherlich ein Relikt aus der Zeit, als das Haus Benz (Kirchstr. 12) zum Meyerhof des Klosters Friedenweiler gehörte. Der Schriftzug »Anton Benz« ist auf dem Rundbogen der Haustür noch zu erahnen und verweist auf den Landwirt und Seifensieder Anton Benz (1846-1936), der aus Seppenhofen stammte und das Gebäude nach seiner Eheschließung 1874 von seinen Schwiegereltern übernahm. Darüber ist die Hausnummer »17« angebracht, die das Haus trägt, als die Straße noch Hafnergasse heißt.
Ein Mann steht mit einer Heugabel vor der Tür und wischt sich gerade den Schweiß aus dem Gesicht. Rechts von ihm befindet sich ein Sprossenfenster, das als Schaufenster dient: Das Scheuermittel »Ata« ist hinter der Glasscheibe zu sehen. Auf dem Fensterladen ist ein Werbeschild für »Seifix« (Seifenpulver, Bleichmittel und Bohnerwachs) angebracht. Daneben wächst ein Spalierbaum an der Fassade.
Bei strahlendem Sonnenschein zieht die Fronleichnamsprozession durch die Maienlandstraße und biegt in die Rötengasse ein. Hinter den Ministranten schreitet der Priester mit der Monstranz und dem Allerheiligsten. In diesem Jahr ist es nicht Stadtpfarrer Hermann Litterst (1929-2013), sondern Stephan Burger (geb. 1962). Er ist wenige Wochen zuvor am 20. Mai 1990 im Freiburger Münster zum Priester geweiht worden und hat anschließend seine Heimatprimiz in Löffingen gefeiert. Vier uniformierte Feuerwehrmänner geben mit gezücktem Schwert ein Ehrengeleit. Im Prozessionszug folgen Bürgermeister Dr. Dieter Mellert (1941-2019) und die Damen und Herren Gemeinderäte.
Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Hilda und Walter Köpfler zur Verfügung.
Vor dem Schaufenster beim »Zigarren-Vogt« haben sich fünf Närrinnen und drei Narren zu einem Gruppenfoto versammelt. Im Hintergrund ist das »Eichhäusle« (Obere Hauptstr. 1) und das Haus Roth (Vorstadtstr. 4) zu sehen.
1.Reihe, v.l.n.r.: vorn: Albert Schwörer, ??? Fritz Nägle 2.Reihe, v.l.n.r.: Mathilde Nägele, Hedwig Wölfle, Maria Nägele, Anna Nägele, Wilhelm Vogt, »Nudle-Vogt«
Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Emilie und Heinz Albrecht zur Verfügung.
Das Schaufenster von Uhrmachermeister Wilhelm Maier (1889-1954) in der Unteren Hauptstraße ist für Fronleichnam aufwändig geschmückt. Ein Kruzifix ist aufgebaut, darunter befindet sich eine Kugel aus Reisig, auf der ein Spruchband angebracht ist. Es verkündet: »Christus, Herr der neuen Zeit«. In das Straßenpflaster sind Maien gesteckt, die das deokrierte Schaufenster einrahmen.
Wilhelm Maier gehört dem katholischen Stiftungsrat an. Er ist auch einer der vier »Himmelträger«, die bei der Fronleichnamsprozession den Stoffbaldachin für den Pfarrer tragen.
In der Zeitschrift »Badische Heimat« erschien 1921 ein neunseitiger Artikel über Löffingen, der mit 28 Ansichten des Städtchens illustriert war. Anlass für den Bericht war offenbar der Großbrand von 1921. Die Zeitschrift wurde von dem 1909 gegründeten »Landesverein Badische Heimat e.V.« herausgegeben. Der Artikel wurde von seinem Schriftleiter, Max Wingenroth (1872-1922) verfasst, der Kunsthistoriker und Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg war. Der Artikel führt seine Leser in Form eines Rundgangs durch das Städtchen.
Das Foto Nr. 15 ist mit »Unterer Platz, Mailänder Tor und Laden A. Egle« betitelt. Zu sehen ist die Häuserzeile am Unteren Rathausplatz mit dem Mailänder Tor, das nach dem Großbrand 1921 abgerissen wurde, um Platz für eine breitere Tordurchfahrt zu schaffen. Links daneben stehen die Häuser des Flaschnermeisters Ferdinand Willmann, des Korbmachers August Egle und die Metzgerei Werne.
Wingenroth beschreibt die Ansicht mit den Worten: »Ebenso aber erfüllt uns die andere Seite des Platzes neben dem Mailänder Tor mit Genugtuung; wie hier die Läden eingebaut sind, kann als gutes Gegenbeispiel gegen die vorhin erwähnten gelten.«
In der Zeitschrift »Badische Heimat« erschien 1921 ein neunseitiger Artikel über Löffingen, der mit 28 Ansichten des Städtchens illustriert war. Anlass für den Bericht war offenbar der Großbrand von 1921. Die Zeitschrift wurde von dem 1909 gegründeten »Landesverein Badische Heimat e.V.« herausgegeben. Der Artikel wurde von seinem Schriftleiter, Max Wingenroth (1872-1922) verfasst, der Kunsthistoriker und Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg war. Der Artikel führt seine Leser in Form eines Rundgangs durch das Städtchen.
Das Foto Nr. 16 ist mit »Oberer Platz, Haus Nr. 2 von 1739 und Postamt« betitelt. Zu sehen ist der Obere Rathausplatz mit dem früheren Fürstenbergischen Amtshaus, das in zwei Gebäudehälften unterteilt ist (Rathausplatz 2 und 3).
Wingenroth beklagt zunächst den »Ladeneinbau« in der rechten Gebäudehälfte, der »das mit einer hübschen Freitreppe, Rundbogentür und Wappen gezierte Haus […] entstellt«. Dann fährt er mit den Worten fort: »Aber nicht nur der Laden ist zu beklagen, viel mehr noch das neben dem Haus stehende Postamt mit seinen ganz aus dem Rahmen der hier ortsüblichen Bauweise herausfallenden neogotisierenden Fenstern, Tür sowie der unerfreulichen Bemalung zwischen den oberen Fenstern. Indes ließe sich durch einen entsprechenden Anstrich manches mildern.«
In der Zeitschrift »Badische Heimat« erschien 1921 ein neunseitiger Artikel über Löffingen, der mit 28 Ansichten des Städtchens illustriert war. Anlass für den Bericht war offenbar der Großbrand von 1921. Die Zeitschrift wurde von dem 1909 gegründeten »Landesverein Badische Heimat e.V.« herausgegeben. Der Artikel wurde von seinem Schriftleiter, Max Wingenroth (1872-1922) verfasst, der Kunsthistoriker und Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg war. Der Artikel führt seine Leser in Form eines Rundgangs durch das Städtchen.
Das Foto Nr. 12 ist mit »Oberer Platz mit Gewerbeschule« betitelt. Zu sehen ist der Obere Rathausplatz mit dem Rathausbrunnen und den einrahmenden Häusern.
Wingenroth beschreibt die Ansicht mit den Worten: »Wir kehren zum Mittelpunkt des Städtchens, zum Rathaus zurück und blicken von seiner Nordseite aus den ansteigenden Platz hinan, der wieder an richtiger Stelle durch einen guten Steinbrunnen mit der Figur einer Ährenleserin auf gebauchter Säule geziert ist und dessen Platzwände in ihrer unregelmäßigen Führung ein sehr gutes Bild abgeben. Das Bild erhält einen vorzüglichen Abschluss durch die vorspringenden Häuser im Norden und den Blick in die Straße, die nach kurzer Führung durch zwei Giebelfronten geschlossen ist. Von den die Straße flankierenden Häusern ist das linke die neue Gewerbeschule, die alles in allem mit ihrer Freitreppe und Portal dem ansteigenden Platz einen guten Akzent gibt und sich in Höhe und Dächern trefflich einfügt. Das Haus rechts hat leider durch einen unglücklichen Ladeneinbau gelitten, wie ein solcher auch das mit einer hübschen Freitreppe, Rundbogentür und Wappen gezierte Haus auf der Westseite des Platzes entstellt.«