Mehrbildkarte mit drei Ansichten, ca. 1923-1925

Sammlung Familie Waßmer

Die Mehrbildkarte aus den 1920er Jahren zeigt drei Ansichten des Städtchens. Oben ist eine Gesamtansicht zu sehen, die von der »Breiten« aufgenommen wurde. Im Vordergrund ist das Sägewerk Benz zu sehen. Ins Auge sticht der rauchende Schornstein als Zeichen wirtschaftlicher Prosperität, dessen Rauch sogar in den Himmel reinretuschiert wurde. Das Schulgebäude an der »Hasle« wird gerade gebaut, aber noch nicht einmal der Rohbau ist vollendet. Die Gesamtansicht entstand zwischen zwei Bränden: Nach dem Großbrand 1921 und dem bereits erfolgten Wiederaufbau vor dem Brand in den Holzindustriewerken Josef Benz AG 1928.

Unten sind zwei Ansichten aus dem Städtchen zu sehen, links das »Mailänder Tor« und rechts das »Rathaus«. Beide Fotos sind in abgerundeten Passepartouts abgedruckt, die den Torbogen des Mailänder Tores und die Rundbogentüren im Erdgeschoss des Rathauses optisch aufgreifen. Am Mailänder Tor fehlen noch die Madonnafigur und das Glöckchen im Dachreiter, die beide 1930 angebracht wurden. Die Türen im Rathausgebäude, die zum Oberen Rathausplatz reichen, sind tatsächlich noch Türen und noch keine Fenster. Sie sind mit Holzläden verschlossen. Als das Rathaus noch bis zur Jahrhundertwende als Kaufhaus genutzt wurde, konnte man sie öffnen und das Erdgeschoss in eine große Markthalle verwandeln.

Luftbild in Richtung »Hasle«, ca. 1953-1960

Sammlung Familie Waßmer

Diese Luftaufnahme entsteht in der Mitte der 1950er Jahre. Zur Datierung dienen verschiedene Anhaltspunkte: Die Evangelische Kirche, aber auch die Siedlung »Neue Heimat« in der Haslachstraße wurden 1952/53 gebaut. Beide sind auf dem Foto bereits zu sehen. Das Foto entsteht aber auch vor 1960/61, da der Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Michael noch nicht verputzt und das Wohn- und Geschäftshaus von Malermeister Karl Sibold (Maienlandstr. 4) noch nicht gebaut ist.

Mehrbildkarte mit drei Ansichten, ca. 1960-1962

Sammlung Familie Waßmer

Mit dieser Ansichtskarte wird 1962 ein »Gruß aus Löffingen Schwarzwald« versandt. Sie zeigt auf schwarzem Grund drei Ansichten des Städtchens, die alle coloriert sind. Wenn auch die Farbwahl für heutige Sehgewohnheiten wenig ansprechend sein mag, so ist die Karte doch damals modern gestaltet.

Die Gesamtansicht unten wurde vom »Reichberg« aus aufgenommen. Zu erkennen ist, dass an der Göschweiler Straße einige Neubauten entstanden sind. Der Ausschnitt ist so gewählt, dass die grüne Wiese im Vordergrund viel Raum einnimmt. Dadurch wird signalisiert, dass Löffingen inmitten einer Idylle mit viel Natur liegt, eben im »Schwarzwald«, wie auch die gezeichneten Tannen unterstreichen.

Oben sind zwei Ansichten aus dem Altstadtring zu sehen. Abgebildet ist der Untere Rathausplatz aus verschiedenen Perspektiven. Das Bild links rückt das Rathaus und den Staffelgiebel vom Café Fuß ins Zentrum. Das Bild rechts zeigt den Straßenzug der Demetriusstraße, in dessen Mitte das Mailänder Tor steht. An seiner Dacheindeckung sind die Kriegszerstörungen des Zweiten Weltkriegs noch deutlich erkennbar. Der neue, 1954 errichtete Demetriusbrunnen ist auf beiden Fotos zu sehen.

Ehrentribüne vor dem Mailänder Tor beim Kreisfeuerwehrfest, 6./7. Juni 1953

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Jutta Knöpfle zur Verfügung.

Das Jahr 1863 ist das Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr Löffingen. 1953 kann sie folglich ihr 90. Gründungsjubiläum feiern. Aus diesem Anlass wird das Kreisfeuerwehrfest in diesem Jahr in Löffingen veranstaltet. Auf dem unteren Rathausplatz ist eine Ehrentribüne aufgebaut, an der der Festumzug vorüberzieht.

In der vordersten Reihe steht mittig der Landrat des Landkreises Neustadt (ab 1956: Landkreis Hochschwarzwald) Alfred Mallebrein. Er übt dieses Amt von 1949 bis 1972 aus.

Standort des Fotografen: 47.883961, 8.343880

Narrenschiff »Hamburg« in der Demetriusstraße, Fasnacht 1929

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz sowie Fritz Strobel zur Verfügung.

Durch die Demetriusstraße fährt mit qualmendem Schornstein das Narrenschiff »Hamburg«. Der Kapitän, der Steuermann und die Mannschaft sind an Bord angetreten. Als Vorbild dient den Narren offenbar das gleichnamige Passagierschiff der Hamburg-Amerika-Linie, das drei Jahre zuvor seine Jungfernfahrt nach New York absolviert hatte. Im Hintergrund ist die Häuserzeile in der Demetriusstraße zu erkennen. Rechts steht der »Stadtbau« (Demetriusstr. 1), daneben die Häuser Krauß und Schmidt.

Der Kapitän des Schiffes ist Anselm Zepf, als Steuermann fungiert Willi Faller. Die Mannschaft besteht v.l.n.r. aus Fritz Strobel, August Fehrenbach, Friedrich Beha, Karl Keller und Karl Geisinger.

Standort des Fotografen: 47.884242, 8.344961

»Flugzeugaufnahme von Löffingen«, ca. 1935

Badisch-Pfälzische Flugbetrieb A.G., Mannheim | Verlag A. Rebholz, Löffingen | Stadtarchiv | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Elisabeth und Franz Isele zur Verfügung.

Ein Flugzeug kreist über das Städtchen und ein Luftbild wird aufgenommen. Die »Flugzeugaufnahme« findet als Ansichtskarte Verbreitung. Im Vordergrund ist die heutige Güterstraße zu sehen. Dahinter befindet sich die Bahnlinie und jenseits der Gleise das im Frühjahr 1945 zerstörte Bahnhofsgebäude. Am Ortseingang fallen die beiden Barockhäuser ins Auge: Links das katholische Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10) und rechts das Haus Kaus (Untere Hauptstr. 9a).

Hinter der katholischen Pfarrkirche St. Michael ist die Hafnergasse (heute Kirchstraße) zu erkennen: Die Häuser auf der rechten Straßenseite wurden nach dem Großbrand 1929 neu erbaut. An der »Hasle« steht bereits das Gebäude der Festhalle und Volksschule. Mit dem Bau wurde 1923 begonnen, aber er konnte erst 1936 eingeweiht werden. Die Außenanlage ist hier noch nicht gestaltet. 

Demetriusstraße hinter dem Gasthaus »Adler«, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Die Demetriusstraße verengt sich hinter dem Gasthaus »Adler«. Vom Gasthaus führt ein Übergang hinüber zu der Tanzlaube und zu den Stallungen in der angrenzenden »Adler«-Scheune, links im Bild. Im rechten Teil des Bildes sieht man die Rückansicht der Bäckerei Straub (Untere Hauptstr. 6). In der Enge der Altstadt musste auch der kleinste Platz als Lagermöglichkeit genutzt werden. Auch ein Misthaufen hatte seinen Platz zu finden.

Der Künstler Guido Schreiber (1886-1979), der ab 1917 in Villingen wohnhaft war, malte diese Ansicht. Sie wurde 1921 in der Zeitschrift »Badische Heimat« veröffentlicht. Damals erschien ein neunseitiger Artikel über Löffingen, der mit 28 Ansichten des Städtchens, Fotografien, aber auch gemalten Bildern illustriert war. Anlass für den Bericht war offenbar der Großbrand von 1921. Die Zeitschrift wurde von dem 1909 gegründeten »Landesverein Badische Heimat e.V.« herausgegeben.  

Standort des Malers: 47.883392, 8.343473

Torbogen des Mailänder Tors, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

»Anno 1580« steht an den Torbogen des Mailänder Tores geschrieben, denn in diesem Jahr wurde das Gebäude erbaut. Das letzte verbliebene der ehemals drei mittelalterlichen Stadtore verfügt nur über eine enge Durchfahrt ins Maienland. Es ist eigentlich ein dreistöckiges Wohnhaus. Deutlich zu erkennen ist dies an der Treppe, die zur Wohnung im ersten und zweiten Obergeschoss hinaufführt, und an den Fenstern mit den Blumenkästen. Im Tor wohnt der Uhrenkastenschreiner Mathias Brugger. Das Mailänder Tor übersteht den Großbrand 1921 weitgehend unbeschädigt, wird dann aber beim Wiederaufbau abgebrochen, um Platz für ein neues Tor mit einer breiteren Durchfahrt zu schaffen.

Der Künstler Guido Schreiber (1886-1979), der ab 1917 in Villingen wohnhaft war, malte diese Ansicht. Sie wurde 1921 in der Zeitschrift »Badische Heimat« veröffentlicht. Damals erschien ein neunseitiger Artikel über Löffingen, der mit 28 Ansichten des Städtchens, Fotografien, aber auch gemalten Bildern illustriert war. Anlass für den Bericht war offenbar der Großbrand von 1921. Die Zeitschrift wurde von dem 1909 gegründeten »Landesverein Badische Heimat e.V.« herausgegeben.  

Standort des Malers: 47.883939, 8.343769

Parcours beim Demetriusbrunnen am »Tag des Sports«, 1975

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Christel Wehrle zur Verfügung.

Im Städtchen wird der »Tag des Sports« veranstaltet. Am Demetriusbrunnen ist ein Parcours aufgebaut. Hier ist gerade die Frauenmannschaft des Volleyball-Clubs in Aktion. Christel Wehrle balanciert einen Schubkarren auf einem Balken, der zum Schwebebalken wird.

Im Hintergrund sind das neu gebaute Haus der Sparkasse (Demetriusstr. 13) und das Modegeschäft Egle (Demetriusstr. 14) zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.883664, 8.343750

Unterer Rathausplatz mit Mailänder Tor, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Fast menschenleer liegt der untere Rathausplatz vor dem Fotografen. Nur ein einzelnes Huhn läuft über die freie Fläche. Den Blickfang bildet die geschlossene Häuserzeile mit dem alten Mailänder Tor. Links davon stehen die Häuser des Flaschnermeisters Ferdinand Willmann (Demetriusstr. 13) und des Korbmachers August Egle (Demetriusstr. 14) sowie die Metzgerei Werne (Demetriusstr. 15). Kleine Ladeneinbauten und Schaufenster zeigen, dass hier nicht nur gewohnt, sondern auch gearbeitet und verkauft wird.

Das Mailänder Tor prägt zu diesem Zeitpunkt noch den Stadtring. Doch sein Ende steht unmittelbar bevor: Nach dem Großbrand vom 28. Juli 1921 wird das alte Torgebäude abgerissen. An seiner Stelle entsteht ein Neubau mit einer breiteren Tordurchfahrt, die den veränderten Verkehrsverhältnissen Rechnung trägt. Die Fotografie hält damit einen Zustand fest, der nur noch kurze Zeit bestehen wird.

Als Bild Nr. 15 erscheint die Aufnahme 1921 in der Zeitschrift »Badische Heimat«. Die Bildunterschrift lautet »Unterer Platz, Mailänder Tor und Laden A. Egle«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), zugleich Schriftleiter der Zeitschrift und Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg, führt seine Leser*innen in seinem neunseitigen Beitrag anhand von 28 Ansichten durch Löffingen. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift beschäftigt sich mit Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens.

Wingenroth gefällt insbesondere, wie sich die kleinen Geschäfte in die alten Häuser einfügen. Über diese Seite des Rathausplatzes schreibt er: »Ebenso aber erfüllt uns die andere Seite des Platzes neben dem Mailänder Tor mit Genugtuung; wie hier die Läden eingebaut sind, kann als gutes Gegenbeispiel gegen die vorhin erwähnten gelten.« Hier zeigt sich sein vom Heimatschutz geprägter Blick: Moderne Geschäftsnutzung ist für ihn durchaus willkommen – solange sie sich möglichst unauffällig in das überlieferte Stadtbild einfügt.

Standort des Fotografen: 47.883675, 8.344068

Oberer Rathausplatz mit Gewerbeschule, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Vom Rathaus aus öffnet sich der Blick über den ansteigenden oberen Rathausplatz. Im Vordergrund steht der Rathausbrunnen mit der Figur der »Schnitterin«, die an die frühere Bedeutung des Platzes als Marktplatz erinnert. Die unregelmäßig angeordneten Häuser rahmen den Platz ein.

Besonders ins Auge fällt die Gewerbeschule (Demetriusstr. 1). Sie wurde nach dem verheerenden Brand von 1907 neu errichtet, bei dem mehrere Häuser in der Demetrius- und Ringstraße zerstört wurden. Mit ihrer Freitreppe, dem betonten Eingangsportal und einzelnen Jugendstil-Elementen ist sie das neueste Gebäude am Platz. Am rechten Bildrand sind das Wohn- und Geschäftshaus des Kaufmanns Wilhelm Vogt (Rathausplatz 13) sowie das Gasthaus »Ochsen« (Rathausplatz 12) zu erkennen. Der Rathausplatz selbst wirkt menschenleer.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 12 unter der Überschrift »Oberer Platz mit Gewerbeschule«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg und Schriftleiter der Zeitschrift, führt seine Leser*innen in seinem neunseitigen Beitrag anhand von 28 Fotografien durch Löffingen. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift richtet ihren Blick besonders auf Architektur, Ortsbilder und regionale Baukultur.

Wingenroth gefällt die städtebauliche Wirkung des Platzes. Er lobt die »unregelmäßige Führung« der Häuserzeilen und den Brunnen, dessen Figur er als »Ährenleserin« bezeichnet. Auch die neue Gewerbeschule findet seine Zustimmung: Mit Freitreppe und Portal gebe sie dem ansteigenden Platz »einen guten Akzent« und füge sich in Höhe und Dachform »trefflich« ein. Weniger begeistert zeigt er sich vom Geschäftshaus Vogt auf der rechten Seite, das seiner Ansicht nach durch einen »unglücklichen Ladeneinbau« gelitten habe. Es zeigt sich sein vom Heimatschutz geprägter Maßstab: Neues darf durchaus selbstbewusst auftreten, soll sich aber harmonisch in das gewachsene Stadtbild einfügen.

Standort des Fotografen: 47.883875, 8.344645

Narrengruppe »Schwere Batterie« in der Demetriusstraße, Fasnacht ca. 1930

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Heike Soldan-Bölle und Conrad Bader zur Verfügung.

Die »schwere Batterie« nannte sich diese närrische Frauengruppe, die an Fasnacht durch die Straßen zog und die »fünfte Jahreszeit« zu einer wirklichen Straßenfasnacht machte. Eine Quetschkommode, eine Trommel und mehrere Flöten führen sie mit, um Musik, aber auch gehörig Lärm zu machen. Else Häusle (verh. Weiss, 1911-?), in der Mitte, spielt die Quetschkommode. Die Mitglieder der »schweren Batterie« waren bis ins hohe Alter miteinander befreundet.

1.Reihe, sitzend: 1 Else Häusle (verh. Weiss, 1911-?)
2.Reihe, stehend, v.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 Maria Straub (verh. Willmann, 1911-2001), 7 ???

Wo aber wurde dieses Gruppenfoto aufgenommen? Die Schuhe im Schaufenster und das Emailleschild mit Reklame für die Schuhcreme »Gestraba« am Holztor verraten es: Die Närrinnen stehen vor einer Schuhhandlung. Es handelt sich um den Laden des Kaufmanns Karl Hasenfratz II in der Demetriusstraße.

Standort des Fotografen: 47.884153, 8.344064